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Der Israelit · 1908-05-28 · Heft 22 (28.5.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 22 (28.5.1908)
Date
1908-05-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der Israeli». «r. 22. S8. Mai 1908. nommene Zusatz, daß Ausländern auf Anraten des Synagogenrats durch den Oberrat das Wahlrecht verliehen werden kann, macht die Sache nicht besser, er bedeutet im Grunde auch wieder eine Vermehrung der Macht des Oberrats. Allgemeine Rechtsprinzipien scheinen eben für den führenden Gerft des Oberrats viel weniger zu bedeuten als bürokratische Formen; das zeigte sich auch bei einem verhättnismäßig geringfügigen Anlaß, bei der Debatte über das passive Wahlrecht des Rabbiners Dr. Unna in Mannheim. , Dr. Unna ist, da er nicht Gemeinde-, sondern Stiftungsrabbiner ist, als geistlicher Abgeordneter nicht wählbar. Die eigentlich selbstverständliche Folgerung, daß er dann als weltlicher Abgeordneter wählbar sein müsse, wird von dem Oberrat ebenfalls in Abrede gestellt. Um diesem Zustande ein Ende zu machen, hatten mehrere Abgeordnete, darunter auch Rabbiner Dr. Oppenheim aus Mannheim, den Antrag gestellt, eine entsprechende Ergänzung der Shnodalordnung zu beschließen. Herr Geheimrat Mayer erklärte sich zwar bereit, bei Gelegenheit diesem Antrag Folge zu geben; aber es gehe nicht an, wegen eines Einzelnen die „hohen Staatsbehörden", die zu einer Aenderung der Synodalordnung ihre Zustimmung geben müssen, zu bemühen. Bon dem Prinzip des Rechts, für welches es gleichgiltig ist, ob es sich um einen Einzelnen oder um Biele handelt, scheint der Herr Geheimrat nichts gehört zu haben, und er hätte vermutlich auch zu den Antidreyfüsards in Frankreich gehört, weil er es für vermessen gehalten hätte, die hohen Staatsbehörden „wegen eines Einzelnen" zu bemühen. Vas wsrlrcde viltHingsprobiem. V. Unter dem Borwand Thora und Wissenschaft harmonisch zu vereinigen und die Unkultur zu bekämpfen überschwemmten die Pioniere dieser Sorte von After-Aufklärung das Volk mit Schriften voll frivoler Leugnung und schamlosen Abfalls, der alles Hellige mit Hohn und Spott überschüttete, wie z. B. die Schriften des Gali-- zianers A. Erter, die unter dem Titel u. d. gl. damals erschienen. Mit solchen Mitteln und auf Grund solcher Bildung und Aufklärung gab man vor, die Gleichberechtigung der Luden erlangen zu können! Wie diese „Bildung" es aber lediglich darauf abgesehen hatte, die Thora aus den Geistern und Gemütern ihrer Bekenner zu reißen, das sprachen ihre Wortführer in ihren Schriften so unverblümt selber aus, daß man nur einige Stichproben daraus im Wortlaut zu citieren braucht. Einer dieser Bildungseiferer aus jener Zeit war z. B. Benjamin Mandelstamm in Wilna, der seine Sendschreiben aus den Jahren .1841 und 1842 später in ein Buch vereinigte, das er unter dem Titel lyiöV II tn herausgab. Da heißt es z. B. II. Js. S. 90: ' „Wir sind ihm (Dr. Lilienthal) bis jetzt zwar gefolgt, aber als wir auf Grund unserer Nachforschungen nun erfuhren, was er eigentlich will, nämlich aus allen Gegenden Rußlands die Rabbiner zu einer Versammlung nach St. Peterszu veranlassen, wo sie in Gemeinschaft mit den höchsten Würdenträgern des Reichs zur Beratung zusammen leben sollen, da ist uns jede Hoffnung geschwunden. Was gehen uns die Rabbiner an? Was sollen uns diese Frommen helfen? Wir hatten gehofft und erwartet, daß der Herr Dr. dem Minister die Berufung deutscher Rabbiner empfehlen werde. Das wäre klug gewesen, hat er dazu nicht den Mut? Was sollen uns diese-stummen Säulenheiligen? Sie verstehen höchstens zu den sechV Ordnungen der Mischna noch eine siebente hittzuzufügen, ein sechstes zu den fünf Büchern der Thora, ein fünftes zu den vier Ecken eines Kleides, die zwei Tefillin noch um einen drittem Zusatz zu vermehren oder vielleicht an Kindern, an welchen die Mila erst einmal vollzogen ist, sie nochmals vorzunehmen —-" HI. TH. S 33.: ^,Die Thora, die uns Gott durch seinen Diener Moscheh übergeben hat ist sehr klein. Ste steht auf einer Steintaftl und enthält zehn Aussprüche, die jeder leicht versteht. Aber selbst ihre Erlernung und Kenntnis hat Moscheh nicht der Gesamtheit Israels zur Pflicht gemacht^ sondern hat sie nur den Kohanim und Lewiim übergeben, sie dem Volke alle sieben Jahre einmal, im Schemittajahre, vorzulesen. Uno nnn tappen die Kinder unseres Volkes in finsterem Irrtum umher und gehen unter denk Studium der GeMoro und der zahllosen anderen Bücher zu Grunde!-" S. 35: „Damit aber keiner auf den Gedanken komme, Israel könnte nicht auch ohne den Talmud glücklich werden, brauchen wir unfern Blick nur auf unsere in anderen Ländern wohnenden Glaubensgenossen zu richten, welche von dem Unglück des Inland nicht heimgesucht sind und die. trotzdem wachsen und gedeihen usw. S. 41.: Unter den Vorschlägen und Bev» anstaltungen zur Verbesserung unserer Glaubensgenossen in Rußland lautet der erste Punkt: „1. Die oben erwähnte Versammlung soll eine Kommission einsetzen, der alle diese Angelegenheiten unterstellt sind, sie soll den Druck des Talmud verbieten sowie den Druck aller seit 20 Jahren erschienenen Schriften, die sich auf ihn gründen, sie soll die Chedarim und die Melamdim abschasf.en und alte Gemein?- den sollen nur Rabbiner aus den „Rabbinerschulen*) anstellen dürfen!" Diese wenigen Proben, die sich verdutzendfachen ließen, wenn uns der Widerwille nichts zurückhielte, dürften genügen, um Jeden zu überzeugen, daß die Herzensmeinung dieser „Bildungssörderer", die man ruhig als würdige Genossen Pfefferkorns bezeichnen kann, nur auf die Untergrabung und Beseitigung des Gottesgesetzes gerichtet war. Und das alles zu einer so gefahrvollen Zeit, in der die Israelitische Gesamtheit mit all ihren materiellen und geistigen Anliegen von außen von schweren harten Gesetzen gedrückt und verfolgt, von innen durch Armut und Elend so schwer zu leiden hatten, diese Zeit schien den Kulturträgern dieses Schlags der rechte Augenblick um durch Denunziation, durch Einflößung von Furcht und Schrecken und mit Zuhilfennahme von Kosacken und Bütteln Bildung in die jüdischen Reihen zu pflanzen! ' Ist es zu verwundern, wenn die breiten Schichten des Volkes solcher Bildung abhold waren, wenn sie in ihr die Vorfrüchte eines Glaubenswechsels und eine Vernichtung des Judentums erblickten, die sie mit aller Entschiedenheit ablehnten? Damals erscholl aus den Reihen der Treugebliebenen der Ruf: „S ch u l e n, wollen wir nicht!" Diesen Ruf haben unsere „Gebildeten" aufgegriffen, um die für die Erhaltung des Judentums bei ihren Kindern besorgten Anhänger des überlieferten Väterglaubens . als bildungsfeindliche Finsterlinge zu verdächtigen! (Fortsetzung folgt.) LVfGi. orrespondenzen und ^Nachrichten. Derrtsthes Meirtz. Berlin, 24. Mai. Die Alliance JsraÄite lniverselle hat für die Feuerbeschädigten in *) Die Charakterisierung dieser RaSbinerschulen folgt später. Sette 7. Kutais eine Unterstützung von 1000 Frcs. be-> willigt und dem Israelischen Asyl fiir arme und obdachlose Kinder der Stadt Odessa eine Zuwendung von 5000 Frcs. aemacht. Nach zuverlässigen Nachrichten, die aus Rumänien der Alliance Jsraslite Universelle zugegrnaen find, fährt die dortige Regierung fort, oie Juden besonders in der Moldau zu bedrängen, der systematischen, auf den Ruin der Bevölkerung gerichteten Wessungen deS Ministers Bratianu werden zahlreiche jüdische Familien aus dem Distrikt Jassy vertrieben. In Bivolari erhielten fast alle Juden, die keine Immobilien besitzen, Ausweisungsdekrete und befinden sich in verzweifelter Lage. Einflußreicher Intervention ist es vorläufig gelungen, kurzen Aufschub zu Gunsten der Ausgewiesenen zu erlangen. Wenn aber nicht bald von autoritativer Sette nachdrücklichste Vorstellungen an maßgebender Stelle erfolgen, find unzählige Familien in ihren Existenzbedingungen bedroht. Darm stabt, 23. Mai. Wie erst kürzlich in diesem Blatte ausgeführt, versagte die hessische Regierung bisher denjenigen jüdischen Religionslehrern, welche die nö'nv ausüben, die Rechte eines Volksschullehrers, auch wenn sie sonst den Anforderungen genügten. Es gereicht uns Nun zum besonderen Vergnügen, melden zu können, daß es dem Herrn Lehrer Lebermann-Darmstadt, dem Schriftführer des Unabhängigen Lehrervereins im Großherzogtum Hessen, gelungen ist, in einer zu diesem Zwecke nachgesuchten Audienz Herrn Geheimen Ministerialrat Dr. Eifenhuth davon zu überzeugen, daß die bisherige Gepflogenheit der Billigkeit nicht entspreche, da die Ausübung der NV'NV das Ansehen der jüdischen Lehrer in keiner Weise beeinträchtige. Herr Lebermann wurde aufgefordert, die Wünsche der jüdischen Lehrer schriftlich zu begründen und es wurde eine wohlwollende Prüfung derselben zugesagt. München, 18. Mai. Die Eröffnung des neuen israelitischen Friedhofes fand heute Nachmittag in feierlicher Weise statt. Hierzu waren erschienen die Vertreter des Magistrats, eine Abordnung des Kolegiums der Gemeinde-Bevollmächtigten eine Deputation des Armenpflegschaftsrates, Vertreter der Polizeidirektton und die gesamte Vorstandschaft, der Verwaltungs- und Revisionsausschuß der israelitischen Kultusgemeinde u. s. w. Es war eine sehr ansehnliche Versammlung, die sich in der großen Halle, einem Bau- - werk von vornehm gediegener Pracht und echt künstlerischem Gepräge, eingefunden hatte. Nach einleitenden Gesäuge des Synagogenchores richtete der erste Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Justizrat Ofner an die Versammelten eine Ansprache. Er gab einen geschichtlichen Rückblick über die Entstehung von israelittschen Friedhöfen in München wie über den Bau des neuen Friedhofes und gedachte in dankbarer Anerkennung der Behörden, die alle, insonderheit die städttschen Kolegien, das Unternehmen nach Kräften fördern halfen, des genialen Baumeisters 4md Künstlers Grassel und besonders auch des Rentiers Michael Nußbaumer, der als Mitglied des Berwaltungsausschufses vom Beginn der Vorarbeiten ab bis zur entgültigen Vollendung mit unermüdlichem Pflichteifer seine Zeit und Kräfte dem Unternehmen selbstlos widmete. Sodann hielt Herr Rabbiner Dr. Werner die Festrede. Dieser lag das Wort des Palmisten, das auch in goldenen Lettern in der Halle angeschrieben steht, zu Grunde: „Auch wenn ich walle im Todesschatten, ich fürchte nichts böses; denn Du bist bei mir, Herr des Lebens." — Stadtbaurat Gräffel ergriff das Wort zum Danke an die Verwaltung der Kultusgemeinde für die Ermöglichung des Baues sowie an Rentier Nußbaumer, die beiden Bauführer des Stadtbauamtes und alle. Künstler für die rege Unterstützung und Mithilfe bei der Ausführung. Der hebräische Chorgesang „Jigdal", vom Synagogenchor gesungen, gab der Feier einen weihevollen Abschluß. ■■"ir.lg

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