Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1908)
- Date
- 1908-05-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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28. Mm 1908. Wege der Pflicht Unheil im Gefolge hat. Es muß hingewiesen werden auf die Herrlichkeit der Gottesgesetze und darauf, daß die Befolgung derselben das Glück der lebenden Wesen bezweckt. ■pttn PttSv p'VZk nozna 0S2 'n *]'tpyo 12"> no (C IV 24 D'Snn) ^2'2p „Wie zahlreich, mannigfaltig,, wie überwältigend groß sind Deine Werke, Gott! Sie alle hast Du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll Deines Eigentums." Es ist ja erfreulich, daß mau auch heute schon erkennt, das; Wissen allein nicht zum Ziele führt,, und daß man deshalb daran geht aus die moralische Bildung gar das Schwergewicht zu legen. Tugend ist die Krone aller Güter, der Inbegriff und das Ziel aller praktischen Lebensweisheit. Moralische Durchdringung muß die Basis bilden, wenn die Wissenschaft im wahren Sinne des Wortes Wissenschaft sein soll, wenn sie auch praktischen Wert haben soll. indp PKVBr S2 "*eitt ttDn p tcran '2-1 inorntr Sn po'pno inorn ipernS ponp no'pno inorn ptt ittDn mtsnS rionp (Ul, 11 pi2tt 'p"»£) „Wo die Scheu vor der Sünde größer ist, als^ die Wissenschaft, da ist die Wissenschaft von Bestand; wo aber die Wissenschaft mehr gilt, als die Scheu vor der Sünde, da ist auch die Wissenschaft nicht von Bestand." Für uns steht fest, daß die höhere Gesittung unsrer Zeit eine Frucht der sinaitischen Religion ist. Ohne diese wären Humanität und Kosmopolitismus vielleicht noch heute fremde Begriffe im Wörterbuche der Völker. Wir haben vorausgeschickt, daß wir aber auch unsre Zeit noch nicht reif halten für eine Morallehre, die sich auf die Hauptideen einer allgemeinen menschlichen Religion beschränkt. Nichtsdestoweniger find wir davon überzeugt, daß die Zeit gar nicht mehr so fern sei, wo das, was die Menschen als Morallehre predigen, voll und ganz übereinstimmen wird mit den Geboten und Verboten unsrer Religion. Wir leben in einer Zeit, in der man schon zum großen Teil die hohe Bedeutung unsrer Thora erkannt hat und die Tendenz geht offenbar dahin, daß immer mehr der Standpunkt der Thora gewürdigt wird. — Mag immerhin die min unwandelbar fest und unveränderlich zu allen Zeiten dastehen, m einem Punkte läßt sich in der Tat eine Veränderung konstatieren, nämlich in der Erkenntnis der Bewertung ihrer Gesetze. In einer Zeit dunklen Mittelalters ist die Menschheit nicht reif, die Thora richtig würdigen zu können. Auch heute noch vermag man ihr nicht gerecht zu werden. Jedoch sind wir schon so weit, daß auch im Reiche der Wissenschaft der Standpunkt der Thora hochgeschätzt wird und kommen wird sicher die Der JSraeltt. Zeit, wo es die Ueberzeugung aller geworden sein wird, daß Gott es gut, sehr gut mit uns meinte, daß er uns seine Gesetze gab. Dann wird man nicht mehr sprechen von Dogmen und geistiger Sklaverei, denn alle Forderungen, die heute die Religion an uns stellt, wird dann der Verstand und zwar der gesunde Menschenverstand an uns stellen. Ausgehört haben dann nicht nur alle polnischen, sondern auch alle religiösen und konfessionellen Gegensätze und über alle politischen und religiösen Grenzen hinweg werden alle Menscheil in herzlichem Einvernehmen zueinander stehen und all dem großen heiligen Werke der Menschengesillung und der Menschenmohlsahrt arbeiten. IV. Haben wir nicht heute, ivo man sich überall mit denr Problem des Moralunterrichts beschäftigt, ein volles Recht daraus, den Standpunkt unsres Judentums laut zu verkünden? Das Judentum lehrt die Einheit des Menschengeschlechts, daß wir alle einen Vater haben, daß ein Gott uns alle erschaffen hat. Das Judentum gebietet „liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" und verbietet gegenüber jedermann, gleichviel welcher Abstammung er sei, welcher Nation er angehöre, und zu welcher Religion er sich bekenne, jede Art von Gehässigkeit und Neid, Mißgunst und liebloses Verhalten. Das Judentum gebietet die Arbeit zu ehren, die Wahrheit zu lieben, in Bescheidenheit zu wandeln, der Verträglichkeit und des Wohlseins sich zu befleißigen, Keuschheit zu üben, die Gesetze des Staates zu befolgen, und so das Wohl der Mitmenschen zu fördern, nach dem Maße seiner Kräfte den Einzelnen oder der Gesamtheit zu dienen, das Vaterland zu lieben, durch unser Tun den Namen Gottes zu heiligen und den Liebesbund der Menschheit herbeizuführen. Wir glauben, auf dem festen Grund der Offenbarung, daß das Ziel der weltgeschichtlichen Erziehung der Menschheit sei, daß alle Menschen, nicht etwa Inden, sondern „wahrhaft brave Menschen" werden. Unsere Thora beginnt schon mit der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen und nicht der Jude, sondern der Mensch wird als Schlußstein und Ziel der Erdschöpfung hingestellt. Als einst zwei Rabbinen darüber stritten, welche die wichtigste Lehre in unsrer Bibel sei, meinte der eine der oberste Grundsatz sei: ~j?"»S ran«! „liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" Doch der andere cntgcgnete: Der Name „Nächste" läßt immer Noch eine Ausschließung und Abgrenzung zu, nämlich d e n und den betrachte ich als meinen Nächsten, jenen aber nicht. Der oberste Grundsatz sei vielmehr an folgender Stelle aus- > \ * : '"v - ■*: Nr. 22. Seite 5 gesprochen: D"»tt 'tt »02 DV2 t™ mSm ISO nt iPtt nry tt piö"72 „dies ist das Geschlechtsregister des Adam". Da ist gar keine Ausschließung möglich. Wer nur immer Mensch ist, der ist mein Binder, denn er ist desselben Ursprungs wie ich. Selbst der Egypter dürfen wir nicht in Haß und Groll gedenken (XXII?., 8 D'^n). —Edom zog uns mit dem Schwerte entgegen und gleichwohl dursten unsere Väter seiner Feindseligkeit nicht gedenken. — "»DP ttSi app ttS „Du sollst keine Rache hegen und keinen Groll in deinem Herzen bewahren" ist eine der heiligsten Verpflichtungen unserer Lehre. — 'iirp'tt nwyafin '2 „Wenn du siehst den Esel deines Feindes erliegend unter seiner Last, dann hüte dich, ihn zu verlassen: vielmehr helfen sollst du ihm". Hierzu bemerkt die kpS'20 gar: n*T)2y "Diy '122 12PD 21P2“ D'S'Stt „dieses Gebot der Liebe gegen den Feind, sei auch aus den Nichtjuden, ja selbst ans den Götzendiener zu beziehen und anzuwenden." Diese Beispiele möchten wohl genügen, den Standpunkt des Judentums klar zu stellen. Aus der Fülle der Belege wollen wir die Aufmerksamkeit nur noch auf eine Stelle lenken, die so recht typisch zum Ausdruck bringt, wie das Judentum sich den Andersgläubigen gegenüber verhält: Ssr IL'tt vntt Stt 12p ">'2ON ttS dpD2 ")2^p2 2V' "py vrtt D)?0 “ptt 122in ttS iS 21D2 "rptr -Mtt2 1P2' IVtt (XXIII, 17, 17 O'"»2P-„Du darfst einen Sklaven nicht seinem Herrn ausliefern, der sich zu dir von seinem Herrn rettet. Bei dir, in deiner Mitte möge er wohnen, an dem Orte, den er sich wählt, in einem der Tore, wo es ihm am besten gefällt; du darfst ihn nicht kränken." Kann es wohl eine schönere Humanitäts-Gesinnung geben, als diese! Es spricht hier nicht, etwa von einem jüdischen Sklaven, sondern, wie die tti22 in Giitin 45a bemerkt, von einem kanaamtischen Sklaven, der sich vom Ausland in das jüdische Land flüchtet. Ein solcher also, der wohl in allen Ländern, wenn er nicht direkt ausgcliefert, so doch wohl zumindest als lästiger Fremde über die Grenze geschasst werden würde, erhält im jüdischen Staate ev. als p15f "»2 das Bürgerrecht und wird dem Wohlwollen ganz besonders empfohlen. Kann es wohl über einen solchen Hnmanitätsbegrifs hinaus noch, einen Begriff der Liebe und Moral geben! 12S112 O'P2 r.Di i:pSn 21D no i2"»Vtt „Heil uns, wie schön ist unser Anteil und wie lieblich ist unser Los!" Die Grundlage der jüdischen Weltanschauung bildet ein die ganze Menschheit umfassender Blick. Ter tiefste Sinn allen Moralunterrichts ist allumfassende Menschenliebe zu zieht, was kann es dann noch in den Augen der Juden wert sein? Und wie muß sein Wert bei dem als Christ geborenen, Menschen erst dann sinken? Wohin Schultheiß jetzt auch blickte. Lauter Ztveckmäßigteitschristen. Nicht ein einziger, innerlich dem christlichen Fühlen und Denken im Glauben auch nur ein Zoll näher, wie der ungetanste Jude. Im Gegenteil. Der überzeugungstreue, gläubige, der charaktervolle Jude konnte sich dem Christen eher verwandt und innerlich nahe fühlen. „Herr Schultheiß! Sie meditieren so nachdenklich, daß ich glauben möchte, daß Sie im Geiste sich schon mit einem großen Kriminalprozeß beschäftigen und bereits ihre staatsanwaltliche Anklagerede begonnen haben." Die älteste Tochter Kroniveilers riß mit dieser Anrede den Grübelnden aus seinen vergleichenden Nachdenken. Schultheiß richtete sich auf. Das Mädchen hatte einen Stuhl näher herangezogen und ließ sich neben dem jungen Mann nieder. (Schluß folgt.) (Amerikanische Ausgrabungen in Samaria.) Der Kurator des Harvard S e m i t i c Museum, Prof. D. G. Lyon ist nach „The Nation" vom 25. April an beurlaubt, um die amerikanischen Ausgrabuungen in Samarra zu überwachen. Samaria - Sehaste ist eine der größten ° und wichtigsten Stätten Palästinas. Auf der obersten'Schicht liegen lleberreste der von Herodes in seiner heiteren Lieblingsstadt errichteten Gebäude, darunter ein Cäsarentempel. Unter diesen Trümmern mögen die Spuren altjttdischer Paläste und Wohngebäude zu finden sein : endlich hofft man auch eine kanaänitische Schicht zu erreichen. Felsengräber sind mit Sicherheit gesichtet. Das Dorf Sebastie trägt noch den von Herodes gegebenen griechischen Namen „Sebaste" (gleich „Augusta" zu Ehren des Cäsar). Die einzige Moschee des Dorfes war früher eine von den Kreuzfahrern gebaute Kirche. Bei oieser Gelegenheit sei noch aus ein vor kurzem erschienenes größeres Buch über die Samaritaner aufmerksam gemacht „The Sama* ritans, the earliest jewish sect, their history, theology and literature“ by James A. Montgomery, Ph. D. Professor in the Philadelphia'Divinity School, Philadelphia 1907. Wir besitzen allerdings in Kautzschs Artikei in der Herzog Hauckschen Eneyklopädie eine treffliche und maßgcblrche Zusammenstellung über die Samaritaner, aber in Mvntgvmerys Buch ist zum ersten Male alles auch im Detail vereinigt, was die seit 2500 Jahren existierende Sekte der Samaritaner betrifft. In 14 Kapiteln ist die antike und moderne Geographie, der Ursprung der Sekte, die Geschichte von ihrem Beginn bis zur muhammedamscheu Zeit, die Literatur über die Samaritaner, ihr Verhältnis zum Gnostizismus, dessen Entstehung aus der samaritanischerr Lehre geleugnet wird, ihre eigene Literatur und Sprache ausführlich behandelt. Von Einzelheiten seien aus dem über 359 Seiten starken Bande erwähnt: die Geschichte der Wieder - Entdeckung der Samaritaner durch Gelehrte vom 1<». und vom 18. Jahrhundert und deren Korrespondenz mit ihnen über sie seit Scaliger: die Schilderung der modernen Samaritaner, namentlich stehung der Sekte und die Ereignisse unter Sargon (722 bis 705); die Ezrah-Nehemiah Epoche usw.; die römische Periode und Josephus, Hadrians Wiederaufbau von Sichern; Diocletians und Justinians Verhalten gegen die Samaritaner: die Zeit der Kalifen und Kreuzzüge, die Berichte der arabischen Geographen und Historiker, die Verbreitung der Sarnaritaner in Palästina und außerhalb. Außerordentlich reich an Einzelheiten ist das 12. Kapitel über die Theologie der Samartianer, Glaubensbekenntnis, Gott, die Engel, Schöpfung, Moses, Patriarchen, Priester und Propheten, das Gesetz, der Berg Garizim, Eschatologie. Die hebräische Sprache ertlärt Montgomery als die den Samaritanern ursprünglich eigentümliche. Die angeführte Spezialbibliographie sülirt etwa 200 Publikationen auf, welche die Samaritaner betreffen. (Die Juden in Damaskus.) Die Zahl der Juden in*Damaskus nimmt keineswegs zu, wie man im Anslande vielfach hört, sondern geht vielmehr ständig zurück infolge der Auswanderung nach Aegypten und LÜtamerika. Die meisten verließen bisher Damaskus infolge des Mangels an Industrie und Handel in der Stadt. Andererseits kommen die russischen und und rumänischen Juden, die nach dem Orient gehen, nicht nach Damaskus, sondern bleiben gewöhnlich, in den syrischen und palästinischen Hafenstädten Beirat, Haifa oder Jaffa. Die zahlreichen Handwerker unter ihnen tun daran unrecht, denn sie könnten in Damaskus, wo es an tüchtigen Handwerkern sehr fehlt, ihr gutes Auskommen haben. Ter einzige Grund, der sie meist hindert, nach Damaskus zu kommen, ist die Unkenntnis der Landessprache, denn das Arabische ist hier .fast die einzige gebräuchliche Sprache, während man in den Hafenstädten, wo schon eine große Zahl abendländischer Juden wohnen, allerdings auch mit der deutschen, russischen oder jüdischdeutschen Sprache (Jargon, ziemlich gut auskommen kann. Aber wie das Beispiel einer dlnzahl von Familien zeigt, die kürzlich erst hier angekommen sind und gute Gelegenheit zur Ausübung ihres Berufes fanden, sind diese Schwierigkeiten leicht zu überwinden, und die neuen Einwanderer haben sich verhältnismäßig rasch mit der Sprache und den Sitten des Landes vertrant gemacht. Die Bevölkerung von Damaskus beläuft sich aus 250,000 bis 300,000 Ein-