Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1908)
- Date
- 1908-05-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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■ 1. JHUP^I Crzie^ufig und Lei? Zur Lebrerbiiauugrttage. Wenn wir die Forderung erheben, daß vor allem in den Lehrerbildungsanstalten methodisch gearbeitet werde, so leitet uns auch hier wieder der Gedanke, daß die wichtigsten Fortschritte in der Methode der Profanen Disziplinen stets von den Seminarien ausgingen. Dort wurden alle methodischen Anregungen, von welcher Seite sie auch kamen, auf ihre Brauchbarkeit hin erprobt und fanden, wenn sie sich als Goldkörner erwiesen hatten, durch die angehenden Lehrer den Weg in die Schule und in die Praxis. Die jüdischen Seminarien haben bisher einen ähnlichen Einfluß auf die Religionsschule nur in recht bescheidenem Maße ausgeübtdie Gründe hierfür zu erörtern, würde zu weit führen. Auf einem Gebiete aber müssen wir alles von ihnen erwarten, denn es ist ihre ureigenste Domäne: in den sogenannten rabbinischen Fächern und es gereicht uns zu besonderem Vergnügen melden zu können, daß die Leiter und Lehrer der auf gesetzestreuem Boden stehenden Lehrerbildungsanstalten in wiederholten Zusammenkünften über den und den “ilöSn "j"H eingehende Verhandlungen gepflogen haben. Eine Besserung ist also bereits angebahnt und die nachfolgenden Zeilen sollen nur ein bescheidener Beitrag dazu sein. Einer Aenderung bedarf vor allem der L e h rgang. Es sollte bei den in die Präparandie eintretenden Schülern stillschweigend vorausgesetzt werden, daß sie Pentateuch und Gebetbuch korrekt übersetzen können; leider trifft diese Voraussetzung nur in den seltensten Fällen zu und es bleibt nichts anderes übrig, als das Versäumte in der Präparandenschule nachzuholen. Mit denselben Schülern aber zu gleicher Zeit Raschi, Mischnah und Talmud zu beginnen, wie dies tatsächlich geschieht, ist ein methodisches Verfahren, das sich nur aus alter, liebgewordener Gewohnheit erklären läßt, ein Verfahren, das einen gründlichen Y'an Unterricht gar nicht aufkommen läßt. Man unterschätze doch nicht die Schwierigkeit des Lesens der unpunktierten und der ungewohnten Raschifchrist, die Schwierigkeit des Uebersetzens eines von dem Hebräischen — das aber auch noch nicht annäherno beherrscht wird — recht abweichenden Idioms, des sogenannten D'33"» ganz zu schweigen von den sachlichen Schwierigkeiten, welche schon die erste mtPD von Kor oder M212 bietet. Trotz aller aufgewandten Mühe können die Erfolge nur recht mäßige sein und sie verleiden — was viel schlimmer ist — dem Schüler das Thorastudium. Ein gründlicher y'an Unterricht muß die Grundlage alles „Lernens" bilden! Das ist eine Forderung, die kein Geringerer als S. R. Hirsch erhoben hat. „Mit begonnen! urit Sprachkenntnis zuerst! aus dem Geiste der Sprache der Geist der Sprechenden geschöpft- TH'nach dann nicht für Sprach- und Altertumsforschungen oder Geschmackstheorien und Amüsement gelesen- — studiert, zum Aufbau einer Wissenschaft studiert, mit Davidischem Sinne Natur angeschaut, mit Jesuitischem Ohr Geschichte vernommen, und dann, mit also gewecktem Auge, mit also geöffnetem Ohre über Gott, Welt, Mensch, Jisroel und Thauroh aus TH'nach die Lehre geschöpft, zum Begriff gebracht und dann — mit dem Geiste solcher Begriffe □"tr studiert" (Hirsch, neunzehn Briefe). Man breche also mit der bisherigen Gepflogenheit, Dinge zu gleicher Zeit zu beginnen, die nur nach einander betrieben werden dürfen, man hüte sich davor, dem Schüler gleichsam Prügel zwischen die Beine zu werfen, indem man ihm Allzuschwierigcs zumutet, man gelange endlich zur Einsicht, daß auch hier wie allerwärts ein Fortschreiten vom Leichten zum Schweren, vom Bekannten zum Unbekannten, vom Nahen zum Entfernten, vom Einfachen zum Zusammengesetzten der einzig richtige Weg ist und man breche endlich mit dem rein mechanischen Verfahren, das bisher üblich war und das eine Selbsttätigkeit seitens des Schülers kaum aufkommen läßt. Wie verfuhr man denn bisher? Der Lehrer sagte eine niurü ganz oder teilweise vor, indem er es an den nötigen Erläuterungen nicht fehlen ließein befähigter- Schüler wiederholte das Vorgesagte, dann ein zweiter und dritter, im Anfang womöglich die ganze Masse, bis die Mischnah wirklich fest saß und geistiges Eigentum der Schüler war. Aber mit welcher Mühe! Sie hatten ja noch nie unpunktierten Text und noch weniger 2N3 'ttn gelesen, die Vokabeln waren ihnen ftemd und es fehlten ihnen so ziemlich alle Vorbegriffe, wie sie auch die einfachste ruttflö voraussetzt, sie wußten nur sehr Unklares über mnöi n«oiC3, über nnipyoi norm usw. Das alles mußten sie jetzt so nebenbei, KmiK 22tt, durch Bor- und Nachsagen lernen. Daß das kein geistbildender Unterricht ist und daß es vor allem jede Selbsttätigkeit ausschließt, dürfte einleuchten. Wohl eignet sich der Schüler mit der Zeit einen gewissen Wortschatz an und wird auch in der #103, die in derselben Weise gelehrt wird, mit dem vertraut, aber rechte Freude hat er nicht an seinem Studium. In allen profanen Fächern kann man durch Fleiß die mangelnde Befähigung ersetzen, hier ist man hilflos besonders im Anfang und das trotz der großen Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit, mit der dieser Unterricht in den Lehrerbildungsanstalten erteilt wird. Es ist eben nichts Erarbeitetes, sondern nur Angelerntes, das sich viel leichter vergißt, als es angeeignet worden, das aber zur Fort- und Weiterbildung nicht anreizt. Ein fehlerhafter Lehrgang und eine veraltete Methode tragen aber die Hauptschuld. Will man bessernde Hand anlegen, so beachte man vor allem die Forderung des Ben Usiel. Wenn von einigen Seitön behauptet wurde, es sei nicht möglich, in sechs Jahren ganz zu bewältigen, so wäre das im zutreffenden Falle eine Bankrutterklärung des ganzen Lehrverfahrens. So liegt aber die Sache nicht. Man hüte sich nur davor, jedeS Kapitel zu zerfasern, sondern lasse den Inhalt, den Geist der Sprache direkt auf den Schüler wirken. Vor allem schaffe man ihm Raum dadurch, daß man im ersten Jahre aus dem Lehrplan der Präparandenschule moa und nratwo streicht. Diese beiden Fächer haben für diese Unterrichtsstufe keine Existenzberechtigung, weil sie, wie oben gezeigt, eine Verfrühung bedeuten. Um so gründlicher muß dann die Behandlung des Pentateuchs sein, insbesondere der gesetzlichen Partien desselbenhier sollen alle Borbegriffe entwickelt werden, die für die höhere Stufe nötig sind. Ob man der von Seminaroberlehrer Stoll für die Religionsschule vorgeschlagenen Lehrweise folgt und die zusammengehörigen Stoffe gruppenweise zusammenfaßt, oder ob man piDD vorgeht, das ist von geringerer Bedeutung. Hauptsache ist dagegen, daß über den Bau und die Einrichtung des ptPö, über die verschiedenen niMip, über HKDits und nmö, über morm und rvntryo, über bie n3tp riO'tr, über ntfBi nnov topb und vieles andere un Kopfe des Schülers einige Klarheit herrsche, bevor er an das eigentliche „Lernen" herantritt. Alle diese Begriffe sollen durch das Lernen vertieft und festbegründet, aber nicht gelegentlich und bruchstückweise beigebracht werden. Will man auch für das erste Jahr auf den Unterricht in nvatPö nicht ganz verzichten, so begnüge man sich wenigstens damit, die nitPD ohnemiaßra zu lernen. Das ist leichter, gestattet ein rascheres Fortschreiten und verschafft bald eine gewisse Uebersicht über den Stoff. Die Mischnahausgabe mit punktiertem Text und Uebersetzung von Samter, die besonders im Anfang, zur Einführung in die Mischnah, schon gute Dienste leisten würde, ist leider als Lehrmittel zu teuer, als daß sie für die Schulen in Bettacht käme. (Fortsetzung folgt.) eorrerpouaeurev u.ßacbriebtt«. Frankfurt a. M. 13. Mai. In der letzten Vorstandssitzung des Bundes g. j. Lehrer machte der Vorsitzende, Herr Realschuldirektor Dr. Lange, die erfteuliche Mitteilung von dem Beittitt des in Köln gegründeten Vereins - die Zahl der Mitglieder hat damit das zweite Hundert überschritten. In Oftfriesland hat sich ein neuer Fortbildungskurs gebildet, ein Beweis für das Stteben der dortigen Kollegen. Dieser sowohl als verschiedene andere Kurse wurden subventioniert. Trotzdem die Karenzzeit der Pensionskaffe noch nicht ab- 4