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Der Israelit · 1908-05-21 · Heft 21 (21.5.1908) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 21 (21.5.1908)
Date
1908-05-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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»r. 21. Seite 8. Der JSraeltt. 31. Mai 1808 menhange mit dem an der Töchterschule vorrunehmenden Umbau für die Unterbringung der Haushaltungsschule, auch gleichzeitig der Bau eines Physiksaales vorgenommen werde, und daß unter Einrechnung des von der Haushaltungsschule zu übernehmenden Kapitals von 8498 M. für den Bau ein Betrag von 3000 M. bewilligt werde. Herr Gustav Tuch begründete den Antrag auf Verschmelzung der Haushaltungsschule mit der Töchterschule. Der Referent wies auf die kulturelle Bedeutung des Haushaltungsunterrichts hin, wie dies ja auch von der Bürgerschaft durch Einführung des obligatorischen Haushaltungsunterrichts in den Volksschulen anerkannt worden sei. Der Haushaltungsunterricht soll in den Lehrplan der Israelitischen Töchterschule mit ausgenommen werden, und zwar sollen für die Schülerinnen der ersten Klaffe 4 Stunden wöchentlich erteilt werden. Nach kurzer Debatte wurde der Antrag des Gemeindevorstandes einstimmig angenommen. Köln, 1. Mai. Bor einigen Monaten ist an dieser Stelle mit Nachdruck auf die Notwendigkeit hingewiesen worden, endlich an die Errichtung eines Provinzial-Krankenhauses für die jüdischen Gemeinden der Rheinprovinz; heranzugehen, und es scheint uns Pflicht, auf die Losung dieser dringlichen Aufgabe immer wiedex aufmerksam zu machen. Diejenige Anstalt, deren Bestehen von Uneingeweihten als Argument gegen die Notwendigkeit eines neuen jüdischen Provinzial-Krankenhauses angeführt zu werden pflegt, das „Israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache" zu Cöln, hat inzwischen mit einem Kostenaufwande von 1 % Millionen einen prachtveüen Neubau errichtet aber sie hat bei dieser Gelegenheit — freiwillig oder unfreiwillig — selbst den aktenmäßigen Nachweis geliefert, daß sie dem bestehenden Notstände nimmermehr ubzuhelfen in der Lage ist. Die Verwaltung deS Asyls veröffentlichte nämlich in Nr. 89 der der „Kölnischen Zeitung" folgende Bekanntmachung : „DaS neue israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache, an der Oitostraße in Ehrenfeld, das am Mittwoch feierlich eröffnet worden ist, steht, vielen Wünschen entsprechend, am Montag b n 24. und DienS- 3^ 25. d. M. von 12—5 Uhr Nachmittags zur Bettgung für jedermann offen. Wer die innere Etntung eines modernen Krankenhauses noch nicht kennt, versäume diese selten wiederkehrende Gelegenheit nicht, auch manches Vorurteil kann bei der Besichtigung dieses Krankenhauses beseitigt werden. Bekanntlich steht daS israelitische Asvl allen Konfefftonen offenbisher wurden über 60 Prozent Nich tj uden dort verpflegt uub behandelt." — Wenn die Verwaltung des Asyls unserer ersten Veröffentlichung seiner Zeit (Siehe Nr. 3 des Israelit) neben belanglosen formalen Berichnert die Behauptung entgegengestellt hat, ie jüdischen Kranken bei der Aufnahme bevorzugt würden, so erscheint diese Behauptung gegenüber der eigenen Veröffentlichung des Asyls in höchst seltsamem Lichte. Allein zugegeben selbst, daß bei der Minoritätsstellung der Juden die 40°/° jüdischer Kranker in dem interkonfeffionellen Asyl-Krankenhaus noch eine Bevorzugung bedeuten, so ist dies ja gerade der schlagendste Beweis, daß das „Asyl" dank seinen nun einmal feststehenden Satzungen beim besten Willen durchaus nicht im stände ist, den Bedürfniffen der jüdischen Gemeinden Rheinlands gerecht zu werdet:! Uns liegen Belege dafür vor, daß jüdische Patienten wegen Raummangels zurückgewiesen worden sind, und daß — eine Folge des interkonfessionellen Charakters dieser jüdischen Anstalt — glaubenstreue jüdische Kranke gezwungen waren, nichtjüdische Hospitäler aufzusuchen, wo sie Gewissensnot oder Entbehrungen zu leiden gezwungen sind. Es bedeutet also keinen Vorwurf für die Asylverwaltung, wenn hier der Wunsch geäußert wurde, man möge daran denken, ein ausschließlich für jüdische Kranke bestimmtes Provinzialkrankenhaus ins Leben zu rufen, und die dem Asyl nahestehenden Kreise sollten selbst ihren Einfluß geltend machen, daß die Idee in absehbarer Zeit verwirklicht werde. Baden-Baden, 13. Mai. Auf Einladung der zionistischen Gruppenverbände Badens fand letzten Sonntag, den 10 d. M., eine Versammlung der badischen Zionisten in Baden-Baden statt, um über die durch das Eintreten der Zionisten in die Gemeindepolitik in Baden geschaffene Lage zu beraten. Zu Punkt 1 der Tagesordnung: „Stellung der Zionisten im jüdischen Gemeindeleben und zur jüdischen Gemeindepolitik" referierten die Herren Dr. Julius Moses-Mannheim und Rechtsanwalt Dr. Pfälzer-Weinheim. Herr Dr. Moses forderte ein klares Gemeindeprogramm und die Festsetzung bestimmter Richtlinien der Arbeit, insbesondere in dem Verhältnis der Zionisten zu anderen Organisationen und besonders zur Orthodoxie. Rechtsanwalt Dr. Pfälzer ergänzte diese Ausführungen insbesondere mit seinen Erfahrungen in kleineren Städten und auf dem Lande. Er forderte zum Versuch einer Politik der Versöhnung auf im Sinne des zionistischen Aufrufs während der Wahl zur Synode, außerdem aber ein taktisches Zusammengehen mit der Orthodoxie, die neben den Zionisten der einzige Träger jüdischer Ideale sei. Ueberall dort, wo der Zionismus noch nicht Wurzel fassen könne, insbesondere auf dem Lande, müßten Vereine gegründet werden zur Erziehung der Bevölkerung,- insbesondere der Jugend, zu jüdischem Selbstgefühl. Nach einer sehr lebhaften Debatte, an der sich die Herren Rechtsanwalt Veit-Offenburg, Dr.. Kaufmann-Freiburg, Julius Wertheim-Mannheim, Dr. Simon-Heidelberg, Wilhelm Bähr-Karlsruhe, Rechtsanwalt Dr. Hirsch und Liebling-Heidelberg und Daube-Freiburg, sowie die Referenten und der Vorsitzende Julius Simon-Mannheim beteiligten, wurde schließlich folgende Resolution einstimmig angenommen: .Die Propagierung der zionistischen Ideen ist oberste Pflicht aller Zionisten. Wir erachten aber eine intensive Stellungnahme zu allen Fragen der jüdischen Gemeindepoll ik als ein wertvolles Mittel zur Erziehung der jüdi schen Bevölkerung in zionistischem Sinne. Insoweit nicht tattische Frimen in Betracht kommen, soll diese Stellungnahme durch die zionistischen Organisationen als solche erfolgen auf Grun > der ihnen zukommenden Pflege des jüdischen Selbstgefühls und Bolkebewußtseins. Zu diesem Zwecke schließen sich die badischen Zionisten zu einem engeren Landesverband zusammen." Ferner wurde auf Antrag von Herrn Dr. MoseS die Schaffung eines für badische Verhältnisse bestimmten Gemeindeprogramms beschlossen und Herr Dr. Kaufmann-Freiburg gebeten, einen Entwurf, evtl, gemeinsam mit einem ihm geeignet erscheinenden Gesinnungsgenoffen, auszuarbeiten. Synodal - Abgeordneter Wilhelm Bähr- Karlsruhe referierte sodann über die Tagung der israelitischen Synode und insbesondere über die Vorgänge, die zur Annahme des Verfassungsentwurfs führten, der den Reichsausländern das Wahlrecht nimmt. Seine Ausführungen ergänzte das weiter anwesende Mitglied der Synode Herr Dr. Jonas Simon-Heidelberg. Aus den Ausführungen der beiden Redner ging hervor, daß diese ihre Gegnerschaft gegen den ominösen Paragraphen des Versaffungsentwurfs entschieden betont, sich aber schließlich, angesichts der Haltung des Oberrats, wenn auch schweren Herzens, zum Nachgeben entschlossen haben. HerrDr. Moses kritisierte scharf die Haltung des Oberrats, durch die die Stellung der jüdischen Reichsausländer in Deutschland weiter gefährdet erscheine, da hier eine jüdische Behörde eine Politik gegen unsere jüdischen Brüder geradezu gutheiße. Er bedauerte, daß der Oberrat die Gegner jener Bestimmung in einen schweren Gewissenskonflikt gebracht hätte, gab aber gleichzeitig der Meinung Ausdruck, daß doch ein Kompromiß auf annehmbarer Basis hätte erzielt werden können, wenn die Abgeordneten mehr gefordert hätten. Er anerkannte aber die Schwierigkeit der Situation, in der sich die Zionisten - Abgeordneten befanden. Ein ursprünglich vorgelegter Antrag, den zionistischen Abgeordneten ein Mißtrauensvotum ^u erteilen, wurde darauf zurückgezogen. Schließlich wurde noch kmH über den deutschen Delegiertentag in Breslau gesprochen. Der Vorsitzende regte an, dem deutschen Delegiertentag eine Resolution vorzulegen, in der betont werde, daß man die Verletzung der religiösen Gefühle der orthodoxen Zionisten durch die Vorgänge im Zentralbureau bedauere und es als wünschenswert betrachte, wenn ein Beschluß möglichst in das Organisationsstatut ausgenommen werde, der ausdrücklich festsetzt, daß durch die offizielle zionistische Zentralleitung und ihre Organe keinerlei zionistische Tätigkeit ausgeübt werden dürfe, die dem jüdischen Religionsgesetz widerspreche. Man müsse die Propaganda der gesetzestreuen Zionisten unter den orthodoxen Juden nach Möglichkeit erleichtern. Die Versammlung beschließt, den Vorsitzenden und die Herren Otto Simon- Mannheim und Rechtsanwalt Dr. Pfälzer-Weinheini zur Abfassung einer entsprechenden Resolution zu ermächtigen. Oldenburg, 15. Mai. Die diesjährige Sitzung des jüdischen Landesgemeinderates fand am 10 Mai statt. Sie wurde von dem Vorsitzenden dem Großherzogl. Landrabbiner Dr. Mannheimer mit einer längeren Rede eröffnet, in welcher der Vorsitzende seiner Freude Ausdruck gab, über das harmonische, ja sogar freundschaftliche Zusammenwirken des Landrabbiners mit dem Landgemeinderate. Er wies auf das Gedeihen und religiöse Emporblühen unserer Gemeinden hin, wo von Jahr zu Jahr dank der Erhaltung der überlieferten Institutionen des Judentums, sichtbare religiöse Fortschritte erkennbar sinh. Leider sei in die deutsche Judenheit ein neuer Zankapfel durch die Gründung der „liberalen Vereinigung" geworfen worden. Man gründe wohl Vereine zur „Erhaltung" alter Denkmäler und Werke vergangener Zeiten, denn die Zerstörung komme von selbst durch den Zahn der Zeit, aber nie habe er gehört, daß man einen Verein gegründet habe, der zerstören und niederreißen sollte. Die Ausbreitung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentum" rechtfertige die Gründung der Liberalen Vereinigung gewiß nicht, denn die orthodoxe Vereinigung besteht schon über zwei Jahrzehnte. Begründet von dem früheren Oldenburg. Landrabbiner Samson Raphael Hirsch s. A. habe sie unendlich viel zur Erhaltung und inneren Festigung des Judentums geleistet. Wozu der mit Emphase proklamierte „Kampf gegen die Orthodoxie? Es könnten doch die Juden Deutschlands auf politisch-sozialem Gebiete, in humanitären Bestrebungen segensreich Zusammenarbeiten, unbeschadet der verschiedenen religiösen Standpunkte. Bon den Gesetzesvorlagen seien hervorgehoben: Der Beitrag zur Lehrerpensionsklaffe wird von 17° der Gemeindeumlagen auf 3°/» erhöht. Ferner wird ein Antrag der Oldenburg. Lehrerschaft einstimmig angenommen, daß die Vertretungskosten für beurlaubte Lehrer von der betr. Gemeindekaffe getragen werden, sowohl die Reisekosten, als auch Diäten, damit der Stellvertreter nicht jedesmal auf die Schächtgebühren angewiesen ist. Auf die Interpellation des Vorstehers Max Weinberg aus Brake. „Welche Schritte gedenkt der Landgemeinderat zu unternehmen, um der Absicht der Kurverwaltung des Nordseebades Wangerrooge zu begegnen, aus dem Oldenburg. Seebade ein judenreines Bad zu machen?" erwidert der Vorsitzende, daß die Oldenburg. Regierung sofort dagegen eingeschritten sei, es sei also ein Fehler, wenn Wangerrooge auf die Liste der antisemitischen Badeorte gesetzt worden sei. Es wurden noch eine Anzahl Petitionen erledigt und dann fand nach der Sitzung Nachm. 5 Uhr im großen Saale der „Union" eine öffentliche Versammlung statt, in der Herr Rechtsanwalt Em. Klee aus Berlin über „Gegenwartsau fgaben der deutschen Juden" sprach. Breslau, 16. Mai. Der diesjährige Delegiertentag der zionistischen Bereinigung für Deutschland findet am 8. und 9. Juni (Pfingsten

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