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Der Israelit · 1908-05-21 · Heft 21 (21.5.1908) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 21 (21.5.1908)
Date
1908-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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21. Mai 1908. Nr. 31. Teile 5 dem Chauvinismus der Alldeutschen, Christlichsozialen und Echtrussen in der Gegenwart. Ueberall, zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit fragte man nicht lange nViy1? ntrn n-k? Man fand ihn, den Sündenbock für die Gebrechen und das soziale Unglück einer entarteten Zeit und Menschheit, man fand ihn im Ghetto —. Jahrtausende sind dahingegangen, seitdem das Kapitel der Warnungen, Mahnungen und Drohungen verkündet wurde. Das Kapitel hat inzwischen seinen Kommentar erhalten, einen Kommentar, der mit Blut und Tränen in die Annalen der jüdischen Geschichte eingeschrieben ist. Im Jeindeslande war die nnDin zur Wahrheit und Wirklichkeit, zur stehenden Rubrik geworden. Und es waren grade die Omertage, die noch ein anderes Zählen mit sich brachten, das Zählen im Abschnitte der Strafdrohungen -iDNn any sw 'v- -iDKn “>p3D *)pD sw, das Zählen, das am Morgen sorgenvoll den Abend und ahnungsschwer am Abend den Tag herbeisehnen läßt. Ernst und schwer sind die Gedanken des Landmannes, der in den Tagen des Frühlings seine Saaten dem unberechenbaren geheimnisvoll dunklen Boden anvertraute, mit bangem Hoffen bringt der jüdische Bauer das erste Omer des frühreifen Ertrages dem Priester, um es mit dem Lammopfer Gott, dem Eigentümer seiner Erde, der Regen bringt und Segen spendet, zu weihen. In Furcht und Hoffnnng zählt er die sieben vollen Wochen bis zum Beginn der ersten Ernte. Ernst und schwer, aber in stetem vertrauensvollen Erwarten, in verheißungsvollem Emporblicken. Die Sorge wird von der Hoffnungsfreude "ausgewogen und die düstere Trauer konnte keinen Platz fassen. Die Omertage erhielten noch besondere ernste Weihe durch den Gedanken, daß diese Tage auch die ersten Zahltage unserer Väter in der Wüste waren, die Tage der Reinigung und Läuterung von der D'i2v nNDifc, die herrlichen Tage, an denen sich die Vorbereitung des Volkes zum Empfang des Gesetzes vollzog, an denen sich die Braut für ihren Hochzeitstag schmückte (nru 's int). Ernst und würdig, bezaubernd und weihevoll in herrlicher Brautschmückung, voll glückseliger Erwartung, aber ohne Sorge im Herzen, ohne Trauer in den lieblichen Zügen. Und die Sefirohtage sind Trauertage gesunderes Opfergeld erhoben. Sie hätten bei ihren schwankenden finanziellen .Verhältnissen diese leicht eingenommene Steuer gut gebrauchen können, namentlich, da sie ansingen, in ihrer Lebensführung üppiger zu werden und neben den großen öfseutlichen Bauten, die sie errichten ließen, neben den Brunnen, auf deren sorgfältige Anlage und künstlerisch schmuckreiche Verzierung sie auf einmal großen Wert legten, auch ihre Wohnhäuser gediegen und schön ausstatteten. * Tie Juden, die im Jahre 1520 die Stabt Rothenburg verlassen mußten, haben auch bis in die neueste Zeit hinein die Stadt gemieden. Erst seit der Errichtung des neuen Deutschen Reiches, seit den 70cr Jahren des vorigen Jahrhunderts, befindet sich wieder eine kleine israelitische Gemeinde in Rothenburg, mit einem Betsaal, einem Friedhof und einem Religionslehrer — das Ganze ein schwaches Abbild der einstigen großen, blühenden Gemeinde mit dem Oberrabbiner Me'i'r von Rothenburg an der Spitze. Aber Spuren ihres ehemaligen Wohnsitzes sind noch heute in Rothenburg sichtbar. An den Häusern, in denen sie einst gewohnt haben, sind noch mehrfach Nischen zu sehen, tu welchen die „Mesusah" angebracht war. (Inden in den Azoren.) Dem „American Jsraelite" geht von einem Lehrer, der soeben von einer Reise nach Maoeira zurückgekehrt ist, folgender lirteressantcr Bericht zu: Aus nieiner Reise nach Madeira stieg ich mit einigen Amerikanerinnen in der Fusel San Miguel, in den Azoren ans Land. Ticgrößte Stadt dieser Insel ist Ponta Telgada. Ta diese Inselti zu Portugal gehören, war ich nicht wenig überrascht, hier eine hübsche Anzahl jüdischer Familien ansässig zu sindeu. ^ie haben ihre eigene, tvetnt auch nicht allzu große, so doch ganz geräumige, nette Synagoge, in welcher ich einem Sabbat-Gottesdieast beizuwohnen Gelegenheit hatte. Der Ritus ist ein streng orthodoxer. Der Chasan, der gleichzeitig die rabbinischen Funktionen versieht, ist ein .geborener Marokkaner. Die Inden der Stadt stehen bei der übrigen Bevölkerung in hohem Ansehen. Einer der Der JSraeltt._ worden, erst später, in den folgenden Jahrtausenden, als Israel längst dadurch, daß es das Zählen verlernte, den Brautschmuck ablegte, alle Wegweisern und Warnungssignalen zuwider, von Tipro abwich und durch die nmns, durch die offne Straße von lyöirn toh in den gähnenden Abgrund gezerrt, ins Feindesland hinausgestoßen ward. Dort im Golusland wurden die Omertage zu den tränendurchweichten bluttriefenden Blättern unserer Geschichte. ,,Nnd siebenfach ward die Schuld gebüßt by jnir ODTiKtsn". „Die wilden Tiere waren losgelaffen mtrn rvn und das wildeste aller, die Bestie im Menschen, die in wilder Gier auch die Besten nicht verschonte. Der Massentod in der Schule Rabbi Akiwas, kann uns kaum so viel Tränen abringen, als die unzähligen Opfer, die die Kreuzzüge in den schönen Tagen des blühenden Mai verschlangen, die iiOvir srnpn mSnp □irn ntrnp by Dirsj. Schlagen wir die Blätter der Geschichte auf. Doch nein! Nicht die Geschichte/ nicht in dürren Worten und trocknen Zahlen werden Empsindungen eines Volkes tviedergegeben. Auch die Tränen und Seufzer sind ausgezeichnet, wohl aufbewahrt und alljährlich, wenn die Zähltage des Omers wiederkehren, öffnet sich das Herz von neuem und wir lauschen zitternd und schauernd den Liedern von Leid und Schmerz und Todesringen, hören das Schluchzen der gequälten jüdischen Volksseele. Und zwischendurch sehen wir den Hoffnungsstrahl, der wie ein roter schimmernder Faden durch all die Klagen, all die Tränen und Seufzer sich schlängelt. Und dennoch, und dennoch! Auch im Feindeslande wird Er uns nicht verlassen und verwerfen, uns nicht verwerfen und seinen Bund mit uns nicht lösen. — DuiD-tm pn' ’pMD nn yctk. „Ich gedenke Deiner Gelieber, noch vom Lande des Jordans und der Harmonim — singt der erste Sesirohdichter — wo Du uns Wunder auf Wunder gezeigt". „Und — fleht der Zweite — schweige o Gott nicht zu all dem Unrecht und Ungemach, das Deinem Volke zugefügt wurde". „Bist Du doch einzig, — klagt der Dritte, — der helfen kann und helfen muß". Und ist der Dichter gar an jenen Thoraabschnitt angelangt, der vom Wiederkaus des Eigentumes im Jobaljahre handelt, so fragt er den himmlischen Vater, auf die von ihm selbst auf dem Sinai diktierte Gesetzesvorschrift hinweisend: angesehensten von ihnen ist Mr. Sebag, der bereits in hohem Alter steht und schon in Ponta Telgada geboren wurde. Die Juden gehen hier allen möglichen Berufen nach. In Funchal, dem Haupthafen von Madeira fand ich keine Juden. Angeblich soll hier ein jüdischer Geldverleiher wohnen, doch gelang es mir nicht, ihn ausfindig zu machen. Hingegen gibt es hier mehrere große Firmen mrt jüdischen Rainen, so z. B. eine bedeutende Spitzenmanufaktur — die wichtigste Industrie der Insel'— der Firma Wolfcnstcin & Goldberg, deren Inhaber jedoch in Berlin leben. Zuteilung des Israelit! Sämtliche für unsere ■ Post - Abonnenten bestimmten Exemplare liefert! wir der hiesigen Zeitungsstelle Donnerstag abend ein, so daß jeder Abonnent innerhalb Deutschlands spätestens Samstag in den Besitz der Zeitung gelangen muß Sollte in der Zustellung des Blattes eine Verspätung Vorkommen oder eine Nummer gänzlich ausbleiben, so bitten wir dringend, bei dem Postamre am Wobnort des, Abonnenten reklamieren zu wollen. Das betreffende Postamt ist verpflichtet, unverzüglich von dem hiesigen Postzeitungsamt Nachlieferung der fehlenden Nummer zu verlangen. Erfolgt jedoch auf diele Beschwerde hin, keine Remedur. so bitten wir, erst dann uns entsprechende Mitteilung zu machen. 9tur Abonnenten, die unsere Zeimng unter Streifband zugestellt erhalten, wollen direkt bei uns Reklamationen einreichen. Verlag des Israelit, 6. m. d. H. Frankfurt a. M. I *6 n'nn nViKVom ^na? „Sollte es nicht auch bald an der Zeit sein, das Du o Gott Dein vielgeschmähtes, oft verwüstetes und zertretenes Eigentum auslöst?" „Gewiß", so fteigt's empor aus dem übervollen Herzen Israels „U'ip DVH b- *]im Auf Dich haben wir stets, unsere Hoffnungen gesetzt, sie werden nicht unerfüllt bleiben, ob wir auch aus gequältem Herzen immer und wieder fragen? 'n 'HD ny. Wie lange, wie lange noch o Gott?" Es sind ergreifende Dokumente, diese Sefir o h g e b e t e, die beredter und eindringlicher sprechen, als alle dickleibigen Geschichtsbücher. Nur wer keine Tränen mehr hat für die Leiden der Väter, keine Empfindung und kein Verständnis für die geheiligte Tradition und große Vergangenheit unseres Volkes hat, konnte diese Gebete mit vielen anderen als nicht zeitgemäß aus unserer Gebetordnung ausschalten. Nicht zeitgemäß? Leset die in diesen Gebeten wiedergegebenen Anklagen der Feinde und vergleicht sie mit den Reden und Resolutionen in den Versammlungen der heutigen Feinde. Leset die in den Liedern geschilderten Greueltaten und vergleicht sie mit den Zeitungsberichten, die heute noch aus dem Osten kommen. Die Sefirohtage haben auch in den letzten Jahren ihre traurige Bedeutung gerechtfertigt und die Sefirohlieder sind keineswegs verhallte Klänge aus alten, halbvergeffenen Zeiten .... nKT DJ Und dennoch ist Israel nicht verstoßen, ist der Bund nicht aufgelöst. Und man kann sagen, heute mehr als früher, macht das Sehnen sich geltend, zur jüdischen Fahne zurückzukehren, sich unter dem Banner des Judentums wieder zu sammeln, den Bund neu auszurichten, trotz der vielen Opfer, die den: omu'1# ipte durch Abfall und Gesetzlosigkeit, durch Taufe und Mischehe zugeführt werden. Die zerstreuten und zersplitterten Kräfte der thoratreuen Judenheit sammeln sich und vereinen sich im Westen wie im Osten. Auch die abseits Stehenden kommen und suchen, nachdem die alten Wege völlig versagt und nur ein Gefühl der Leere und Kälte Hintertassen haben. Es sind noch nicht die rechten, die zum Ziele führen. Aber es sind Erscheinungen, die uns mit Hoffnungen erfüllen, mit Hoffnungen, daß das Wort, welches wie ein heiterer Sonnenstrahl in die nnsm hineinleuchtet, das Wort, das sich in bitterster Not der Sefirohtage aufrichtend mtd erhaltend bewährt, auch in unseren Tagen seine erleuchtende und erlösende Geltung wieder ganz erhält: „Und dennoch! Auch im Lande ihrer Feinde habe ich sie nicht verschmäht und nicht verstoßen, sie zu verwerfen und meinen Bund mit ihnen aufzuheben, denn ich bleibe der Ewige ihr Gott." Sch. moralunterricbt und Religion. Bon Dr. M Ascher in Neuchätel. II. Ter Nichtjude hat vom wissenschaftlichen Standpunkte aus allerdings ein großes Interesse daran, eine ganz bestimmte einheitliche Moral zu wünschen, welche allen Menschen gleich an-? gepaßt und für alle gleich verbindlich ist, weil sie allgemein menschlich ist. Ter Jude braucht eine solche einheitliche, die ganze Menschheit umfassende Moral nicht erst herbeizuwünschen, denn er ist schon in deren Besitz. Tie ganze jüdische Religion ist durchweht und belebt von dein Geist der Liebe und Milde, der Schonung und des Mitteids gegen alle Menschen. Wenn auch Liebe, die keine Ausschließung kennt, Grundzug des Judentums ist, Liebe nicht nur zu allen Menschen, sondern Liebe und Schonung sogar gegen das Tier*) und gegen die Pflanze**), so ist doch jene Liebe nur eine Liebe, die der *) xxii 6 cnsi1 'ui 7:0V Ticirjp erp^ 'Oxxv, 4 O'isn) wna tu? conn vb- **) (xx 19) rrrwn ab 'ui vy -nrrri *0 'ui nxy n«

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