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Der Israelit · 1908-05-14 · Heft 20 (14.5.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 20 (14.5.1908)
Date
1908-05-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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10 N r. LS Der JSraeltt. 14. Mat 1008 ffenossiie«. Nathan Efchwege ysj. Präparanden- Hauptlehrer in Höchberg. Mit Wehmut und Schmerz wird allenthalben die Kunde vernommen werden, einer der Besten und Edelsten in Israel seine irdische Laufbahn beendet) mit Wehmut und Schmerz vernahmen eS Hunderte von Schülern, baß ihr geliebter großer Meister dahingegangen in die lichten hinnnllschcn Sphären. Am riDD fnnj* hauchte Nathan Eschwege in Höch ' erg bei Würzbürg im 56. Lebensjahre ferne reine Seele aus und mit zitternder -and schickt e n dankerfüllter Schüler sich an, das Bild täte« Ehemaligen Lehrers zu zeichnen. Wahrlich eine chwere Aufgabe! Wie man einen Edelstein in immer chöneren Farben erglänzen fleht, nach welcher Seite hin man ihn drehen und wenden mag, so steht das Bild des herrlichen JugendlehrerS vor unserm Geiste, und es ist nicht leicht, im Rahmen eines Nachrufs, dem die Raumökonomie Beschränkung auferlegt, der gestellten Aufgabe gerecht zu werden. Und so wollen wir denn die Hauptjft#e aus dem reichen Leben deS E«tschlaf-nen hier Mammenstellen, ihm zum bauernden ehrenden Gedenken, UNS allen zum Ansporn und zur Nacheiferung. R. Nathan Efchwege wurde zu Karbach in Unterfranken geboren als Sohn eine- Lehrers und KultuSveamten. Die frommen Grundsätze des Elternhauses, eines HeimeS für fron und altjüdische nKT blieben sein Lelknsprinzip, ihre Bnbrettung seine Lebensaufgabe. Dach entsprechender Vorbereitung absolvierte er daS jüdische Lehrerseminar tu Wü^bura mit der 1^ Note und wirkte hierauf an verschiedenen kleineren Orten Unterfrankens, -iS er 1875 von dem frommen Rabbi Elosor oser dem Gründer der Präparandenschme \, an das dortige ttmon n'3 — so nannte R. or seine Anstalt — berufen ward. Eine bessere 1 hätte der unvergeßliche Rabbi nicht treffen könne»! Bolle 33 Jahre lehrte und wirkte Nathan Efchwege im Sinne jtnb Geiste R. Elosor Ottenfosers an der Präparandmschule zu Höchberg, er verkörperte in fich gleichsam Mt lrbendige Tradition aus der Ottensoserschen Zeit. Seitdem blieb EschwegeS Name unüntervrvchen nnd segensvoll verknüpft mit der ganzen Entwicklung, Ausgestaltung u d Leitung der Schule, die ihm fein Teuerstes blieb, und buchstäblich bis zum letzten Atemzuge seinen Geist, beschatigte. U>d wie Hane er an der Anstalt gewirkt! Sein ganzes Wissen und Können. sAN Kühlen un^ Denken, seine ga ze Zeit und Kraft stellte er tn ihren Dienst, in den Dienst der Jugenderziehung zu n^in und r>*o\ zu min und pp* -jm in den Dienst des Gesamijudentums, ja der Gesamtmenfchheit. Galisdoch Lehrer heranzubilden, bie dereinst Haaptlebirer E«chwege. in den eingepflanzten Geist weiter tragen sollen Schulen und Gemeinden! Dazu gehört eine starke, in sich vollendete Persönlichkeit Eine solche war der zu früh uns Entrissene. Unentwegt und mit eiserner Konsequenz den Forderungen des gesetzestreuen Lebens huldigend, tn Sprache, Umganasformen und äußerer Führung dm modernen Menschen zeigend, hat er das Beispiel der glücklichen B.rbindung von mm mit p# *pn vorgelebt und vorgelehrt im Geiste ds Altmeisters S. R. Hirsch, den er gerne bei allen Gele'enheiten zitierte. Dieser Geist durchwehte den gesamten Unterricht. Da wurde keine Stunde trocken und monoton) alles ward in Beziehung gesetzt zum realen, tätlichen Leben. Ob man bei einer Botanikstunde dem Lehrer hinausfolgte in die Wunder der Natur oder sich in die Sprache und den Gedankenreichtum deutscher Klassiker vertt -fte, alles wurde Staffel und Mittel zur Festigung jüdischer Lebensanschauung/jüdischer Le' ensausfasiung. Wenn der Meister die jungen Zöglinge einführte in die spröde Materie von H30D und KlDJ/ fa wirkte die interessante Lehrart nicht nur anregend, fie machte mitunter au7'der Unterrichtsstunde eine Erbauungsstunde. Dankbar erinnert fich noch so mancher der homiletischen Haftorovortrüge des Entschlammen, die den mv-Nachmittag würztm als D.eingäbe zum pflichtmäß'gen U terricht. Denn Nathan Efchwege kannte die beengenden Grmzm deS Lehrplans nichtdenn min zählte ihm zu dm Dingen pav pnS Hunderte, ja Tausende Unterrichtsstunden warm freiwillige, der guten Sache und dem Heile feiner Zöglinge gewidmet. Eine solche Hingebung und Liede zu oen Schülern können menschliche AuffichtSorgane freilich nicht ziffernmäßig kontrollieren und ta&nen. Nur das Bewußtsein idealer Pflichtauffaffung und Pflichtübung kann hier entlohnen und beglücken. Doch auch für das leibliche Wohl der Zöglinge sorgte N. Efchwege. Es aalt, die Schwach- und Unbemittelten zu unter ützvn Bis tief in die Nacht hinein widmete er sich oft der Aufgabe, monatliche Zuwendungen zu erwirken für die ärmeren Schüler, manchem bot er im eigmen Heim einen Freikosttag. Eine Krankenkafle dankt dem Betrauerten ihr Dasein und wirkte bere ts mehr als zwei Dezmnien äußerst segensreich. IA Tip 31N, Israels Lehrer heißen ja „Bäter", ave '3p D'TD^nn, ihre Schüler nennen fie „Kinder". Dies alte Wort kennzeichnet so recht das Verhältnis zwischen Nathan Eschwege V'j und seinen Schülern. QTIDb Dvn p3 Im Jahre 1886, nach dem Tode deS trefflichen, un vergeßlichen Rabbi Jakob Ehrenretch ^»"7, dem würdigen Nü yftlger OttmsoserS, wurde Efchwege Hauptlehrer der Anstalt, deren Ausgestaltung er nun mit doppeltem Eifer seine SfrSfte widmete.*) Davon zeu en die jährlichm Rechenschaftsberichte, hie baulichen Aenderungen und Vervollkommnungen der inneren Einrichtung der Schu e. Ein PmstonSsond ward errichtet für die Änstaltslehrer, zu Purim' bezw. Chanucka gingen Aufforderungen an Lehrer und Gemeinden hinaus, güttge Spenden der Schule zuzuwmdm. Als im Jahre 1897 bezw. 1907 verschiedene Regierungsentschließungen das Wohl der Anstatt stark tangierten, erwirkte stch der latkrätige Hauptlehrer zweimal Audienz beim bayrischen Kultusminister und war fl» glücklich, seine Bestrebungen von Erfolg gekrönt zu sehen: Das alles nimmt Zeit und .Kraft in Anspruch und muß neben dem Unterricht hergehen. Wer aber glaubt, damit Üabe Nathan E>a Wege seine Tätigkeit erschöpft, der irrt. Der Unermüdliche fand auch noch Zeit, ein recht brauchbares Religivnsbuch in isnpn herauszugeben, nnirr» rn genannt. ES sollte, da Oitzt "N oft weniger raisam, womöglich überall zum „Lernen" besseren Schülern in die Hand gegeben werden. Wir kennen bi« heute kein besseres Werkchen derart. — 1880 warb Nathan Efchwege zusammen mit Ludwig Stern b'l in Würzburg der B eg rüde r deS bayerisch-i sraelitischen LehrervereinS ynd somit ein wahrer pi O'lSin' 3N Plliö^. — 1893 wurde ein von Haupttehrer Efchwege erfundener Rechennp parat öffentlich belobt und rmpsohlen, auch auf der allgemeinen bayerische»! L hrerversammlung zu Würzburg ausgestellt. — Anfangs der 80er Jahre gab Nathan Efchwege n.it anderen zusammen die erste Anregung zur Gründung eines jüdi chen Hospitals i > Würzburg, das dann blühend stch entwickelte. Als 1900 die Schüler deS Entschlafenen sich zum 25jährigen Jubiläum ihres Meisters zusammenschloffen, konnten fie dies nur in aller Stille, auf Seilen- und Umwegen tun, um den anspruchslosen bescheidenenen Sinn des Lehrers nicht zu verletzen. Uno nun vereinen ste fich wieder, Vereinen fich tn der gemeinsamen Kla e um den trefflichen, teuren Lehrer, von besten L ppen sie in den gol enen Jugendtagen das Wort göttlicher Weisheit tranken. Am vmN p"M)k haben fie ihn auf dem □'TI n'3 zu Höchberg zur Ruhe gebettet, wo er nebn den ihm im Tode vorangegangenen trefflichen Anstaltsleitern dem Weckrufe deS Allmächtigen engegenfchlummert. Ein arbetttzfrohes, arbeitsreiches, segensreiches Leben fanö seinen Abschluß! Um die trauernde Ga'ttn, eine Tochter R. Seligmann Fromms, eine Enkelin des „Würzburger Ram" mit der den Entschlummerten ein selten edles, inniges Eheleben verband um die betrübten Kinder und Verwandten scharen stch unendlich andere Leidtragende: □2nK onj' Dipon- Euch gilt bas altjüdische Trostwoct! Nur in beschränktem Maße konnte man im Nrssanmonate und wegm der Sabbathnähe dem talmudischen 11VO713 N132 O3N gerecht werden. ES sprachen namens der Familie der älteste Sohn des ivM, He»r Dr. S. B. Efchwege, ferner als Schwiegersohn Herr Seminarlehrer Elias Gut-Köln) Herr Distri tsraobtner Bambergerrzburg, Herr Präparandenlehrer Ehrenreich-Höchberg für die Anstalt, Herr Goldstein-Heidingsfeld ats Borstand des israelitischen Lebrerverems' Bayerns, Herr Seminarlehrer Weißbart-Würzburg, ste alle widmeten dem treuen Unvergeßlichen Freunde und Lehrer Er orte innigen Grbenkens. Mit Wehmut nehmen auch wir Abschied von dem Bilde des seltene. Mannes. Sein Geist lebt und wirkt weiter in der von ihm so heißgeliebten Anstalt. Dafür bürgt das jetzige Lehr personal und die festgefügte Organisation der Schule) das sei unser Trost, das bleibt ein Lichtstrahl im düstern Leid. Im Sinne des Entschlafenen glauben wir zahlreichen Schülern keine r ,chöneren Vorschlag machen zu können, als den tn einem ni'JWID HZNL? ihres treuen Führers und Lehrers liebend zu gedenken. (Namen: n&b D"2 JTU '“i 13Nri ) Mit dem Gelöbnis, im Aufblick zu dir allezeit zu schaffen und zu streben, schließen wir diese Betrachtung. o>pvßjn DT) D*inpa DniDD/ Nathan Efchwege ist nicht tot, er lebt fort in allen Werken, die er segensvoll geschaffen, gehegt, auSgestaltet, er lebt fort in Hunderten dankbarer Schülerherzen, die ihn stolz ihren einstigen Lehrer nennen. nma*? p'-Rj mr- Königsberg i. Pr , 13. Mai. Dem Bankbirektor Herrn GeorgeMarx, Begründer und Leiter der Norddeutschen KrÄitanstalt» Vorstandsmitglied der Gemeinde Abaß-JiffroSl, ist dec Charakter ats Kzi. K 0 m m e r z i en - r a t verliehen worden. *) Bor 13 Jahren erschien von Nathan Efchwege „Leben und Wirken des Rabb. Lazarus Ottensofer", zu beziehen durch den Saffier Eamuel Eldod-Höchberg. DaS anziehende Schriftchen sei wärmstenempfohlen. Zptecbraal. Frankfurt a. M., 13. Mak 1908. Geehrter Herr Redakteur! Ich bitte Sie höfl. um gefl. Aufnahme beifolgender Aussührunaen. Obschon ich mir bewußt bin,' daß dieselben für Ihren engeren Leserkreis n cht von großem gnteresse sein können, bleibt mir nur dieser Weg zur 'effenrlich eit, da eine misrachistifche Zeitung, als geeignete Stelle, diese Bemerkungen zu veröffentlichen, in Westeuropa einstweilen noch nicht existiert. Hochachtungsvoll Joseph Hackenbrvch. An de« Verfasser des „Stürmers-Artikels in Nr. 10/17 des Frankfurter Jsr. FamUienblattes. „Und damit schließen wir die Diskussion". WirWch schon? Erstaunlich! Den» wahrlich, eines fehlte nüch, dies Eine, Ihrer Individualität so ganz entsprechend, daß Sie beweisen wollten, im Dienste des Zionismus darf der Sabbath entweiht werden. Wie leicht läge Ihnen und Genossen doch solch ein Beweis! Im Tempeloienste ^durfte gearbeitet werden, also . .. . ' Nur tein Geschrei, keine Störung, ängstlich balanciert auf der schmalen -»iante der Mittellinie mit schmachtenden Blicken hinüberspähmd, ob von link s der verdiente Beifall l bnt. Mag» von rechts warnen und klagen, Ste kümmert's nicht, - ie versuchen, stch der „unjüdischen", Vir Gesamtheit vergeffenden „Stürmer" zu erwehren. Und Rabbiner Reines Llda mnffm Sie fülschlicherweife als treuen, zufriedenen Leflr (vielleicht auch Mi-arbeiter?) des Hoolam dahinstellen, jener geheiligten Zeitung, gegen deren Treiben kein Zionist die Stimme erheben darf. Ja, Herr Goldmannl Wo find die Pakte, in welchen wir gesetzestreuen Zionisten uns bedingungslos jeder -Willkür „von Männern aller Richtungen" verschrieben hätten? H.iben wir etwa erst jetzt, auf dem achten Kongresse, den Satz von der Unverletzbarkeit des jüdischen ReligionSgesetzes erfunden? Ist man uns nicht nachgelaufen unter unzähligen Berstcherungen, hat man nicht auf unzähligen Versammlungen aller Arten den zaudernden Gesetzestreuen vorgehalten, daß man sterS unser Gottesgesetz respektieren will? „Geistiger Wettkampf" soll Ihrer Anficht nach die Parole l eS Mtsrachi heißen, einen „geistigen Wettkamps" mit Herr Sokolow rc. haben Sie fürwahr ausgenommen, wetteifernd den - entschieden gesetzeötreuen Standpunkt innerhalb oeS Zionrsmus zu Schanden zu machen. Wenn das Frankfurter Jsr. Familienblalt d 's Sokolowsche Lob der frommen Gefügigkeit redlich verdient hat und bestrebt ist, es Wetter zu erhalten, Ihnen, Herr Goldmann, gehört die Palme, Herr Gochmann'. ^as der Zionismus Gutes tun, kann und will, das wußte ich auch ohne Ihre gleißnerischen Tiraden, hab's selber imn,er erhofft,, niemals geleugnet, in meinen Ausführungen anerkannt und erhoffe es noch immer von einer besseren Zukunft. Wenn Sie aber entweder naiv oder kühn behaupten, daß „die Linken aufgehört haben im Fahrwasser der Ässimilatton zu segeln" und daß „Liberale bejahend zu arbett n beginnen," so würde dies heute, anläßlich der Berliner liberalen Konferenz recht erheiternd wirken, wenn-Sie perlönlich nicht leider auch den Misrachisten spielen wollten. Oder nehmm Sie für sich bereits bas Recht in Anspruch, einer ^von den Geistig-Regen zu sem, welche die Orthodoxie den Liberalen zuführt"? Die Entschuldigung für solche Wandlung n bringen Sie ja schon ausführlich vor. Auf das „echtjüdische" Ma nosno lonu erez jisroel und andere „echtjübifche" Produkte „echtjüdischen" Geistes vermochten Ste als Redakteur des Frankfurter Israelitischen Familienblattes nichts zu erwidern, drum versuchen Sie in meine Gegenftagen falschen Sinn hineinzulegen. Herr Goldman«, heraus aus der Deckung Ihrer alS Redakteur jener Zeitung unrgehängten Anonymität an die Oeffentlichkeit! Mü.;e diese Oeffentlichkeit urteilen („wer Augm hat und sehen will"), ob Ihr Standpunkt, ergo auch der. Standpunkt des Franks. I r. Famllendl. heute noch als gefetzestreu zu bezeichnen ist. Was auch Ihre privaten Anfichtm über Jubmtum, Mtsrachi u. a. sein mögen) läßr uns kalt) wenn Sie aber fortgesetzt im Namen eines angeblich miSrachistischen Blattes unS in den Rücken fallen, bann erscheint es uns Pflicht, die Oeffemlichkeit darüber aufzuklären, daß Ihre persönliche Mviuung nicht die der MiSrachisten ist. Sie werden wieder antworten und zu beweisen suchen) was Sie und Ihresgleichen beweisen wollen, können Sie ja immer vewet,en. Ich werde Sie und Ihren Leserkreis mcht mehr störm. „Wer hinter uns Stürmern stehen" mag, das „wissen wir", auch ohne daß Sie, Urweisester, uns es neisen; aber „die Fäden, die nach Rom führen", sind nicht neu gesponnen, sie find trotz mancher Meinungsverschiedenheiten nie zerrissen gewesen. Diesen Kampf jedoch kämpfen wir um der Sache willen, für keinerlei Person. DaS mag Ihnen Wohl nicht verständlich sein! Wir haben unser Prinzip, das wir unS

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