Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1908)
- Date
- 1908-05-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ij. Mat LWS. füguug ... _ um sich von dem Gedeihen der von ihm besonders geschätzten Anstalt zu überzeugen' Etz ist selbstverständlich/ tyft bis , offizielle zionistische Presse die Gelrgenheft wiederum benutzt, um alle Zweifel an her Egionsfreundlichen Tendenz des Gymnasium-Wi unberechtigte Verdächtigungen znrückzuweifen. ^Die W«t" weiß also zu berichten, nicht nur, daß Herr Moser, -er von . Tradition allerdings wenig verstehe, mif dem im Gymnasium herrschenden Geiste höchlich zufrieden fei, sondern auch, -aß die Führung der Anstalt nach dem Wunsche des Herrn Moser „zur Zufriedenheit bnr Mehrheit der palästinensischen Juden" erfolgen solle und tatsächlich erfolge. Da die Mehrheit der palästinensischen Juden zweifellos aus orthodoxem Boden steht, so ist das Gymnasium also eine streng orthodoxe Anstalt. Quod erat demonstrandum. Wer daran zweifelt, oder gar den Gymnasial- Hechscher des formidablen Herrn Mordechai ben Hillel hakohen in Zweifel zu ziehen wagt, ist ein klerikaler Gefinnungsschnüffler und nicht wert, „Nationaljude" zu heißen. Glücklicherweise sind die Berichte der in deutscher Sprache erscheinenden offiziellen Parteiorgane nicht die einzige Quelle selbst für diejenigen Ereignisse, die sich im intimen Streife der palästinensischen „Intelligenz" abspielen. Die hebräische Zeitschrift ,Zed Hasman" enthält in einer ihrer letzten Nummern einen weit ausführlicheren Bericht über den Besuch des Herrn Moser, der g a n z o ff c u & a r aus dem Kreise des Jaffaer Gymnasiums selbst stammt, vielleicht von einem der an der Anstalt wirkenden Lehrer geschrieben ist. Wir geben aus diesem Artikel, dessen ganzer Ton ein typisches Beispiel für die widerliche Art bietet, in der die Hebräisch schreibenden Jung-Juden die heilige Sprache mißbrauchen, einige Stellen in wörtlicher Uebersetzung wieder. Der Artikelschreiber führt aus, daß das Gymnasium verschiedene Kategorien von Gegnern habe. Dazu gehören „ad 2, Gegner, die für ben lieben Gott kämpfen. Für den eigentlichen Grund der Gegnerschaft finde ich keine spezielle Bezeichnung. Das Gymnasium soll mehr alS andere Lehranstalten der fortschrittlichGeftnnten innerhalb und außerhalb Palästinas den Geist der Leugnung verbreiten! Und doch ist die Loslösung des religiösen Fluidums von der hebräischen Sprache als Sprache bereits in allen unseren Schulen durchgeführt. Was sonst ist zu beanstanden? Etwa büß man die Thora mit den Kindern aus der biblischen Geschichte lernt? Daß man die Thora durch eine leichte Worterklärung interpretiert und nicht . noch dem Drusch Raschis nnd des Baal Mzudaus lernt? Aber in welcher ordentlichen Schule hat man diese Reform nicht schon burchgeführt? Trotzdem haben die GotteS-Wächter dem Gymnasium den Türk nachgeschickt hatte. Er forderte ziemlich barsch die Kerle auf, Platz zu machen, worauf diese erwiderten, er könne ja zwischendurch gehen, vorher aber wollten fte ihn um »ein Geld evleiäjtcxn. dtebb Hersch winkte ohne ein Wort zu sagen seinem Türk, woraus das Tier sofort einen der Kerle erfaßte; als der andere mit seinem Stock auf den Hund schlug, erfaßte er aüch diesen und sprang abwechselnd von einem der Räuber aus den andern, während Hersch zurück nach H. lief und sein Menteuer erzählte. Das war ein Hurrah für die Knechte und Söhne des H., die mit Rebb Hersch .zur Lanwer liefen. Dort an gekommen waren Hund und Räuber nicht $u sehen; Hersch war schon besorgt wegen des treuen Tieres, als nach vielem Pfeifen und Rufen Türk zurückkam; das Blut kies ihm. noch aus dem Munde. Von den Räubern fehlte jede Spur." (Die Deutsche Orient-Gesellschaft). Der Jahres? bericht der Gesellschaft ist soeben erschienen. Er gibr Kunde von den Unternehmungen des Jahres 1907, die fich auf sieben Arbeitsgebiete in vier verschiedenen Ländern des Ottents erstreckten, und die gerade in diesem Jahre von ganz ungewönlichem Erfolge begleitet gewesen find. In Palästina baoen die Herren Kohl und Watzing er, die vor zwei Jahren begonnene Untersuchung der Shnagogenruinen Galiläas zu Ende geführt. Außerdem hat Prof. Sellin mit Unterstützung desselben Prof. Watzinger und des Regierungsbaumeisters Langenegger das alte Jericho auszugraben begonnen. Im Herzen Kleinasiens lieg! ein neues Arbeitsgebiet der D. O. G. In B o g - hazkör, der alten Hauptstadt des Hethiterstaates, wurde daS Archiv der Könige dieses Reiches aüS der Zeit von 1400 v. Chr aufgedeckt. Ganz besonders aber war es Aegypten, das im Jahre 1907 die unerhört lange ausgedehnte Arbeit durch geradezu glänzende Funde belohnte. Nr. r. Seite » Lmr besonders Mtbd Kjstbev MV in ihrer ..Güte schreiben fit den Lettern des GyMstäflümS Me besonders aMreligiöse Mission zw" . Dam. folgt tin Hieb auf den „Hilfsvetem dift. Deutschen Juden", weil auch er dem religlösen Charakter des Gymnasiums mit Mißtrauen gegenüber steht. Es heißt Sa: |t eS mit Hem Hilfsverein. Diese Sen, die fragen den Charakter von tchtjudenin Bezug auf alles, was — -Mt" - — „Anders . . . ■. Berliner Ddu etwas naiven ,_. _ „ unsere tnncrpaläsiinenstsche Politik betrifft. AlS ~ Paul Nathan mich Palästina kam und ihm „zuverlässige" Leute allerlei über das Gymnasium er- Mlten, glaubte er es. Im allgemeinen denkt dieser oeütsche'Liberale, was ihm erlaubt sei, sei unS verboten. In Berlin kann man tun, was man will, ohne sich in schwarze Gewänder zu Neiden, aber im heiligen Lande — „des Friedens wegen" natürlich — ja, da ist es etwas anderes! Im heiligen Lände ist es erlaubt, mit dem lieben Gott ein wenig zu kokettieren, auch wenn der eigene Glaube nicht ganz in Ordnung ist: denn wer ist größer als Gamoetta, der öffentlich erKSrte, der Klerikalismus sei eine Ware, die man zwar in Frankreich nicht anbringen könne, die man aber durch französische Kaufläue exportieren müsie und besonders in die östlichen Länder.". Es wird dann geschildert, wie man angeblich versucht habe, Herrn Moser dem Gymnasium mit Rücksicht auf dessen irrelibiösen Charakter zu entfremden und es sei schon so weit gekommen, daß man ausgesprengt habe, Herr Moser ziehe seine Schenkung zurück und er lege der Verwaltung deS hebräischen Gymnasiums die schreckliche Bedingung auf, daß die Kinder mit bedecktem Haupte am Unterricht teilnehmen müssen re. re. Schließlich habe sogar Profesivr Marburg Auskunft, eingefordert und dann ohne Erlaubnis der Gymnasialleitung deren Privatbrief in den Blättern veröffentlicht. Nun aber folgt die Hauptsache: Herr Moser inspizierte das Gymnasium stundenlang aufs gründlichste und alsdann gab er folgende Erklärung ab (die, wohl gemerkt, nicht in der „Welt", wohl aber in dem hebräisch geschriebenen „Heb Hasman" zu lesen ist): „Herr Moser sagte, daß er nicht nur nicht das geringste an der UMerrichtsweise des Gymnasiums auszusetzen habe, nein, er bedauere sogar und finde fich beschämt über die Zumutung, die man ihm gestellt habe, daß er den Wunsch haben könne, das Gymnasium mit dem Salze der Heiligkeit einzusalzen. Im allgemeinen, so sagte Herr Moser, bin ich ungemein befriedigt von allem, waS ich gesehen habe. "Ich habe viele derarttge Institute schon befichttgt und noch niemals habe ich einen solch warmen, liebevollen Geist zwischen Schülern und Lehrern angetroffen, wie ich ihn bei Ihnen gefunden habe. Ich bin ein Reformjude, und ich habe keine Ahnung von der Tradition, deren sich die Mtsrachisten rühmen. Was ich fordere und für was ich sorge, ist lediglich reines National aefühl, und dieses gewahrt das hebräische Gymnasium seinen Zöglingen sicher." Herr Moser ist ein ehrlicher Mann und er wird's uns, glauben wir, Dank wissen, wenn wir dem Mißbrauch Vorbeugen, der mit seiner angeblichen Aeußerung, das „Gymnasium werde im Geiste der Mehrheit der palästinensischen Juden" also religiös geführt werden, getrieben werden soll. Aber selbst wenn er, der englische „Reformjude", der sicherlich noch ein gut Teil mehr ntn' im Herzen trägt, als die nationalen Reformer in Palästina, selbst wenn er etwas Aehnliches gesagt haben sollte — die Tatsache, daß „Hasman" im trauten Kreise seiner jungrussischenGesinnungsgenossen jene Aeußerung verschweigt, spricht ganze Bands zur Charakteristik der' doppelzüngigen Jaffaer Gymnasial-Politik! Kinder und Narren mögen sich durch diese Politik an der Nase herumführen lassen — ernste Männer werden mit Widerwillen von Leuten sich abwenden, die nicht den Mut haben, Farbe zu bekennen, die eine ihnen unwahr scheinende tausendjährige Weltanschauung zwar unterwühlen vernichten möchten, dabei aber ein Gesicht zur Schau tragen, als handle es sich um die unschuldigsten „methodischen" Aenderungen. Das ist daß System So ko low, aus dem Feuilletonistischen ins Pädagogische übertragen, ein System unwürdiger Täuschung — bei vielleicht der Selbsttäuschung—, das zp zer nicht etwa bloß ein Gebot jüdischer \ . treue, sondern einfach ein Gebot allgemein ethischer Wahrhaftigkeit ist. Wir wiederholen: für uns, für jeden U n - b e f a n g e n e n, bedarf es nxcht erst langwieriger Beweise, daß das gesetzestreue Judentum in Palästina in dem Jaffaer Gymnasimp eine schnüre Gefahr zu erblicken hat. AnA., steht und faM der jüdische Charakter einer Schule mit der Persönlichkert, der Weltanschauung der Lehrer, und es ist demgegenüber höchst gleichgültig, was und wie unterrichtet wird. Den Leuten aber, die nach „Beweisen" riefen und die ihre eigenen zionistischen Parteigenossen verketzern, weil diesen, das Judentum höher steht, als die Parteidisziplin, möchten wir wenigstens die Möglichkeit verschließen, an Hand der Berichte in der „Welt" einen neuen Eiertanz aisszuführen und das Gymnasium zu Jaffa der wohlwollenden Rücksichtnahme gesetzestreuer Juden zu empfehlen. morahiaterricM tmd Religio«. Bon Dr. M Ascher in Nerrchätel. I. In manchen modernen Staaten hat man bereits den Moralunterricht eingesührt, um den Religionsunterricht zu ersetzen, -und in gewiffen Kreisen wird es nur noch als eine Frage der Zeit betrachtet, daß in alle» Staaten statt des Religionsunterrichts ein allen Menschen gleich wertvoller Moralunterricht eingeführt wird. Daran ist wohl in erster Linie die Lehrweise her Naturwissenschaften schuld. Diese nämlich haben darin ihre Hauptwirkung geäußert, daß sie gelehrt haben, wie man die Natur zu seinen Zwecken ausbeuten, wie man sie zu einer Quelle von Macht und Reichtum machen kann. Die Naturwiffenschaften, wie sie heute gelehrt werden, lenkn den Geist imurer mehr vom Idealismus ab und wenden ihn immer mehr dem naturalistischen Realismus und dem Utilitarismus zu. Der Blick wird stets nur auf das Nächstliegende, Handgreifliche, Sichere, Nützliche gelenkt, und so entsteyt der moderne Mensch, der keine Zeit hat, der sogenannten Wahrheit und Schönheit zu leben, der keine Lust hat, sich in das Meer der Ideale zu verlieren. Noch andere Momente treten hinzu. Der Kulturkauwf, die Arbeiterfrage, der Sozialismus, die allgemeine sittliche Zersetzung in allen Schichten der Gesellschaft, dies alles führte die Menschen immer mehr zur Lostrennung von allem Konfessionellen. Um nun nicht durch Lüge, diplomatische Berstecktheü, raffinierte Übervorteilung, Nachlässigkeit, Unlust, Selbstsucht und Genußsucht völlig zu gründe gehen, haben die Menschen es für nötig erachtet, eine allgemeine menschlich-religiöse Moral zu fördern. Der Konfefsionalismus soll imryer mehr dem Humanismus Platz machen und das Reinmenschliche soll Grundchärakter der Moral werden. . Wir werden noch die Stellungnahme des Judentums zu diesem Problem "zu untersuchen haben. Hierüber wollen wir den Gegenstand vorläufig ganz allgemein erörtÄN. Es läßt sich nicht leugnen, daß ein solcher Moralunterricht neben Lichtseiten auch Schattenseiten hat. Einem Kinde wird , das meiste der ihm andreffierten Moral unverständlich bleiben, da ihm die nötigen psychologischen Kenntnisse abgehen. Da ein solcher Moralunterrrcht nicht von dem Verstände des Kindes erfaßt wird und deshalb auch nicht unmittelbar aus sein Gemüt wirkt, so ist es klar, daß es auf sein Wollen und auf seine Handlungen vollends nicht bessernd, einwirken kann. Ein solcher Unterricht entspricht nicht dem geistigen Standpunkt eines Kindes. Man behauptet, der Religionsunterricht zeitige nicht genügend schöne Früchte. Nun, man hätte wohl nach den Ursachen des Mangels forschen und vieleicht mehr wahre „Religion" in den Religionsunterricht bringen sollen. Wenn man