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Der Israelit · 1908-05-07 · Heft 19 (7.5.1908) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 19 (7.5.1908)
Date
1908-05-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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t. Rai 1st08. Der Israelit. Sette ». No. 19 Untersuchung immer noch nicht aufgeklärt. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß der Vater selber, vielleicht auch mit Unterstützung von Po'gromugitatoren, den Mord begangen haben konnte, t>a das Kind, welches er nicht als das seinige unerkannte, ihm lästig war. Die Verhaftungen der zwei Juden werden aufrecht erhalten, obzwar außer ihrer gelben Bartfarbe nichts vorliegt, was den leisesten Verdacht auf sie lenken könnte. Die Panik, die in allen jüdischen Gemeinden der Umgegend während der russischen Feiertage herrschte, ist unbeschreiblich. Doch verliefen sie dank den energischen Maßnahmen der Behörden vollständig ruhig. Die Aufregung unter den Bauern ist indessen noch sehr groß und läßt für den Fall, daß das starke polizeiliche Aufgebot vor Aufklärung des Falles zurückgezogen werden sollte, Ausschreitungen befürchten. Die Behörden, was besonders hervorgehoben werden muß, und die Landgeistlichen tragen ihr Möglichstes zur Beruhigung des Volkes bei. England. j London, 4. Mai. In dem bekannten Ko- . lonialbankprozeß (die zionistische Leitung hatte den Antrag gestellt, die Statuten dahin zu andern, daß sich die Tätigkeit der Bank fortan ausschließlich auf Palästina beschränken sollte, wogegen ein Teil der Zionisten mit Zangwill an der Spitze energischen Protest einlegten) hat heute das Chancery - Gericht die Entscheidung getroffen. Unter Anerkennung der im Proteste geltend gemachten Bedenken lehnte das Gericht den Antrag des Jewish Colonial Trust auf Aenderung der Statuten kostenpflichtig ab. Somit hat ein langwieriger und die Gemüter oft erregender Rechtshandel zu Gunsten des territorialistischen Flügels innerhalb der zionistischen Organisation seinen Abschluß gefunden. Ualasttna. Jerusalem, 27. April. Das Pessachfest wird alljährlich von zahlreichen Juden aller Länder zum Anlaß genommen, die heilige Stadt aufzusuchen, um daselbst die Feiertage zu verleben. Aber seit vielen Jahren waren die 'Viy nicht in so großer Zahl ^gekommen, wie dieses Jahr. Alle Hotels und Herbergen waren überfüllt. Fast alle Länder Europas und Amerikas waren vertreten. Auch die Bucharei und die palästinensischen Kolonien stellten ein großes Kontingent von Juden, die das Fest innerhalb der Heiligen Stadt feiern wollten. Die Meisten dieser Festgäste kommen schon seit vielen Jahren um dieselbe Zeit nach Jerusalem. Dieses Jahr befand sich unter den Gästen eine aus 50 Personen bestehende Gruppe aus der Bucharei. Herr Dr.M. Erlanger aus Luzern ist hier eingetroffen und hat bereits sein Amt als Augenarzt in der vom Leman Zion-Vereine neu errichteten Augenklinik angetreten. Das Spital entspricht einem dringenden Bedürfnis und die Bevölkerung bringt Herrn Dr. Erlanger, dem ein ausgezeichneter Ruf vorangeht, großes Vertrauen entgegen. Bulgarien» Sofia, 30. April. Angstvolle Pesach-Tage hat die jüdische Gemeinde in Varna verlebt. Einige Tage vor Pesach hatte ein dortiges Zeitungsorgan, noch dazu eines, das hauptsächlich von Juden unterstützt wird, die Nachricht gebracht, ein 12 jähriger christlicher Junge werde vermißt. Es liege höchst wahrscheinlich ein Ritualmord vor. Natürlich fand sich innerhalb weniger Tage auch ein armenischer Zeuge, der den Jungen kurz vorher in wilder Angst vor den ihm nachstellenden Juden hatte flüchten sehen! Auf den Hauptstraßw bildeten sich, als die Nachricht bekannt wurde, sofort Ansammlungen, die allmählich einen bedrohlichen Character annahmen, während die Zeitungsverkäufer mit lauter Stimme den „Mord eines Christen-Knaben durch Juden" ausschrieen. Nurj durch das energische Eingreifen des Präfekten, dem durch den Minister des Innern sofort die weitgehendste Vollmacht zur Nnterdrükung aller entstehenden Exeeffe gegeben worden waren, ist die drohende Gefahr von der Varnaer jüdischen Gemeinde abgelenkt worden. Während des Gottesdienstes an den Ostertagen wurde die Synagoge durch starkes Polizei-Aufgebot bewacht. Schließlich gelang es den Bemühungen der Polizei, den Knaben in Rasgard aufzufinden. Er war seiner bösen Stiefmutter entlaufen und hatte sich bei einem Rasaarder Zeitungs-Redakteur aufgehalten. Die Juden in Varna haben , am ersten Tage ijnon Vin einen feierlichen Protest erlassen, der von den Bulgarischen Zeitungen auch bereitwillig abgedruckt worden ist. Es wird darin energisch die Verfolgung der Agitatoren verlangt, die das Märchen erfunden und in Umlauf gebracht haben. vemirchter. Berlin, 30. April. Der Direktor und das Lehrerkollegium beS vom HtlfSverein der deutschen Juden zu Jerusalem gegründeten jüdischen Lehrerseminars liegen schon seit längerer Zeit in Fehde mit einem in Jerusalem lebenden Prtvatlehrer, namens PH. Kieferndorf. Letzterer griff den Direktor und das Lehrerkollegium des jüdischen Lehrerseminars öffenüich in heftiger Weise an. Er sprach allen dort tätigen Lehrern die wissenschaftliche und pädagogt che Befähigung zu ihrem Amte ab, mit. Ausnahme des Oberlehrers Carlebach. Daraufhin erließ Oberlehrer Carlebach in den in Berlin erscheinenden Zeitschriften „Jüdische Presse" und „Jüdische Rundschau" eine Erklärung, in der er sich mit großer Entschiedenheit gegen die Belobigung des Kieferndorf verwahrte. E8 hieß in der Erklärung beS Oberlehrers Carlebach: „Ein gewisses Individuum mit Namen PH. Kieferndorf greift in roher, gehässiger Weise den Direktor und das Lehrerkollegium des jüdischen Lehrerseminar; in Jerusalem an und nimmt mich ausdrücklich davon auS. Ich erkläre hiermit, daß mir keine grvßere Beleidigung zuteil werben kann, als diese Artigkeit eines Herrn, gegen den daS hiesige deutsche Konsulat bereits wegen Handlungen zweifelhaften Charakters hat einschreiten müssen; daß ich andererseits durchaus stolz darauf bin, an der von Herrn Direktor Cohn geleiteten Lehrerbildungsanstalt als Kollege von Jelltn, PtneS, Preß, Gutta ufw. wirken zu dürfen, an der Seite von Männern, die teilweise einen hervorragenden literarischen Ruf in der jüdischen Welt genießen." Kteferndorf stellte darauf durch Vermittlung des deutschen Konsulats in Jerusalem gegen die Redakteure der ..Jüdischen Presse" und der „Jüdischen Rundschau", Strafantrag wegen Beleidigung. Letztere waren gestern vor daS Amtsgericht Berlin-Mitte geladen. Sie waren durch Justizra: Dr. Stranz und Rechtsanwalt Dr. Klee vertreten. Da der durch das deutsche Konsulat in Jerusalem vorgeladene Priva:kläger nicht erschienen war und sich auch nicht ein Vertreter von ihm meldete, so erkannte der Gerichtshof auf Antrag der Verteidiger der Privatangeklagten auf Einstellung des Verfahrens und legte dem Privatkläger die Kosten des Verfahrens auf. Zweibrücke», 29. April. Zu der Meldung über die Belastung deS RabbinatS in Zweibrücken teilt ter dortige Synagogenausschuß mtt Durch ministerielle Erschließung ist die Lache aus lediglich nicht entsprechend angewendeten Rechtsbestimmungen an die kgl. Regierung zur anderweitigen Erledigung zurückgewiesen worden) die Entschließung liegt noch bet der kgl' Regierung. Es ist durchaus unitchtig, daß Rabbiner Dr. M-yer durch Ministeriale tschtießung gerechtfertigt sei, oder daß die Gemeinde Zwetbrücken beim hiesigen kgl. Bezirksamte beantragt habe, daß der RabvinatSfitz nicht nach Homburg verlegt wird, ebenso daß Dr. Meyer seine Funktionen hier wieder aufnehmen möge. Laut Regierungsbeschluß muß der Sitz deS Rabbinatsfitz längstens am 1. Oktober nach Homburg erfolgt sein. Budapest, 30. April. Eine interessante EhrenbeleibtaungSklage wurde dieser Tage vor dem Strafrichter des Bezirksgerichtes Nagymthäly in Ungarn verhandelt. Bor einiger Zeit erschien in dem Budapester mtSrachistischen Blatte „Allgem. Jüd. Rundschau" eine Notiz, in welcher mitgeteilt wurde, daß der Ar;t Dr. Moritz MikldZ vom Juvrntume zum Christentum Ütergetreten fei.wet ' erglarbte, hierdurch einen damals ausgeschriebenen Posten eines KreiSphhstkuS, auf welchen auch Dr. Miklos lompetiert hatte, eher zu erreichen. Die Notiz bemer te schteßltch, daß die Taufe dem Dr. Miklüs nichts genützt habe, alS schließlich doch der jüdische Arzt Dr. Klein ernannt worden sei. Da die Notiz, welche auch in Tagesblättern erschienen, die Chiffere „S" trug, verdächttgte Dr. Miklds den Nagym.halyer Journalisten Stn.on Schwarz mit der Abfassung derselben. Schwarz, vernicht der Autor beS Berichts war, wandte sich nun an den Redakteur der „Allgem. Jüd Rundschan" Leopold Lcbowttsch um Aufklärung darüber, ob nicht jemand seinen Namen mißbraucht habe. In dem Antwortschreiben erklärte nun Herr Lebowitsch, daß ein Mensch, der die Religion seiner Väter verläßt rmd der Fahne feiner Religion untreu wird, nicht von einer Ehrenbeletdigung sprechet könne. Er freue sich übrigens b i der in Aussicht tzMiUm Gerichtsverhandlung die Gelegenheit zu finden, -die Charakterschwäche der jüdischen Täuflinge vor den Schranken des Gerichtes gebührend beleuchten zu können... Dieser. Brief nun, dm Herr Schwarz zur eigenm Rechtfertigung dem Dr. Miklos vorwies, war Ge enstand der eingangs erwähnten EhrmbeleidtgungSklage. Die Zeitungsnotiz selbst.soll erst später vor dem Pre. gericht verhandelt werden.^ Bet der Verhandlung vertrat der Angeklagte durch. semen Verteidiger Dr. Kahan den Standpunkt, daß bas beklagte Blatt die Interessen beS Judentums zu vertreten habe und es daher dessm Pflicht sei, dm Abfall vom Judentums, der so oft auS dm niedersten Mottvm erfolge, aufs schärfste zu geißeln. In dem an Schwarz gerichteten «riefe habe Lebowitsch von dm getauften Juden im allgemeinen gesprochen, in deren Ramm der Kläger Vier aufzutreten nicht bevollmächtigt erscheine. Im Ueb'rigm war der Adressat des Briefes auch nicht berechtigt, dm Inhalt des Schreibens an Dr. MMös «etterzugeben. Der Richter verurteil schließlich dm Redakteur Lebowitsch ju bq geringsten Geldstrafe von 20 Kronm. Der Richter nahm als besonders mildernd den Umstand arhdaß der Angeklagte Redakteur eine» jüdisch-konftssloMm/Blattes ist und bei Abfassung 5es Briefe» eine erklärliche Erregung erfaßt habe. Lebowitsch legte gegen daS Urteil Berufung ein, während der Kläger sich mtt demselbm zufrieden gab. BariS, 1. Mat. Eine interessante Entscheidung hat das Obergericht in Algier vor kurzem gefällt. TS handelte sich um etnm nach dem bürgerlichen Gesetze von feiner Frau geschtedmm Ehemann, der sich weigerte, Get zu geben. Die von der geschtedmm Eheftau angerufme erst -Instanz wies die Klage ab, mtt der Begründung, daß es nicht Sache des Gerichts sein könne, den Mann zur Bornahme einer rein religiösen Handlung zu zwingm. Der oberste Gerichtshof in Algier ist nun am 9. -wril zu einer dem Jntereise der Eheftau günstigen Entscheidung gekommen. Unter Aufhebung beS erstinstanzlichen Urteils stellt das Gericht fest, daß der Ehemann durch die Weigerung, die religiöse Scheidung zu vollziehen, seine Gattin ungerechtfertigter Weife in eine außerordentlich peinliche Lage versetzt habe und daß er ihr für den ihr daraus erwachsenden Nachteil schadenersatzpflichtig sei. Das Gericht verurteilte dm Ehegatten daher zu 5000 Francs Schadenersatz. DaS Urteil wird wohl die Wirkung habm, daß die religiöse Scheidung zustande kommt. Szskessehsroar, 1. Mai. Der an der hiesigen Oberrealschule angestellte Proftffor Szabo, der durch seine antisemitischen Hetzereien dm Frieden unter dm Professoren gefährdete, ist vom Kultusminister nach Nas.yvärad versetzt wordm. Netv-Aork, 1. Mat. Eine jüdische Gesellschaft in Philadelphia schrieb einen Preis von 100 Dollars für den besten Essai über „die Emanzipation der Juden in moderner Zeit" auS. AlS Preisrichter fungieren die terren David Wemer, Amram, Dr. Meyer SoliSohen, Dr. Julius H. Greenstone, Joseph Groß, Morris Wolf und Isaak Häßler. Die Preiskonkurrenz ist unter dm üblichen Formalitätm jedermann zugänglich. Die Arbeit ist bis spätestens 1. Oktober an die Adresse der „Aoung Mens Association" in Philadelphia zu sendm. New-Nork, 1. April. Wie die „New-Aork Times" melden, hat der Minister des Innern Garftield dm jüdischen Pädagogm Moses Frtedmann zum staatlichen Letter an der „Carlisle Indian School" in CalMe (Pmsylvania) ernannt. Friedmann war bisher Unterletter einer ähnlichen Anstalt in Lawrmce (KansaS). Der mtt einem Jahresgehall von «500 Dollar dotterte Vertrauensposten in CarUSle wurde bisher vom attivm Major W. A. Mercer bekleidet. BnenoS Aires, 1 April. Bebufs Gründung einer tSraelittschen Gemeinde in La Plata fand heute nachmittag im Gemeindelokal von La Plata eine Versammlung statt Herr Oö.rrabbiner Dr. Hoffmann von Bumo» Aires hielt einen Bortrag über die Ziele und Aufgaben dieser neu zu bildenden Gemeinde. ES handelt sich in erster Linie um die Gründung einer Schule, einer Synagoge und eines FrredhofeS. Uerei»*w$eM. Frankfurt a. M», 5. Mat. _ An Stelle des heirnöegangenm Charles L. Hallgartm ist Herr Philipp Schi ff in Frankfurt a. M. zum stellvertretenden Präsidenten der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft gewählt worden. Frankfurt a. M., 7. Mat. Der Verein zur Pflege jüdischm WtssmS D1M2 D1AO5» teilt mit, daß auch während des - ommerhalbjahrS der von Denn Frankmthal geleitete -nyn? Dl» "II allfabbatltch Nachmittag von 3 Uhr in di.r Suppenanstalt, Theobaltstraße stiMfindrt. Dieser Schiur erfreut sich bei den Teilnehmern einer ganz besonderen Beliebtheit, weil mit ihm ein tieferes Eindringen in die Bedeutung des jüdischm PflichtmlebenS, unter Zugrundeleznng der Werke von Hirsch y'si verbunden wird. Die Teilnahme an diesem Schiur kann deshalb insbesondere der Jugend nicht warm genug empfohlen werden. Auch einige öffentliche Vorträge sollm im Laufe des Kommers veranstaltet werdm. Frankfurt a. 5. Mat. Der Lehwlan des Verein« „Mekor Lhajim" für das Sommer,ermster 1908 enthält folgmde Schturim: «nntag Morgen 9 Uhr und Dienstag Morgen 7% Uhr Grmoro: Herr Rabb.-Assessor G. Posen. Montag Abend »*/« Uhr und DonnerSrag Abend 8',« Uhr Gemoro: Hm Dr. Joseph Breuer. Sonntag Morgen 7'/. Uhr Mtschnah: Herr Rektor ». Falk. DtmStag Abend 8'/. Uhr MmoraS Hamoor: Herr Rektor B. Falk. SamStag Nachmittag 4 Uhr Mikro: Mttglteder-Vortrag.

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