Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1908)
- Date
- 1908-04-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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rühm; die Tätigkeit dieses Vereins, seiner Vor; sicher und Vertreter. Man einigt sich endlich pnd beschließt 200 Mk. zu gewähren und die Angelegenheit zu einer nochmaligen Prüfung zu überweisen. Dem Verein Jüdische Lesehalle und Bibliothek wird eine Extrab eihilfe zu den Um* zugskosten von 300 Mk gewährt, dem Verein Jüdisches Kurhospttal Bad Salzbrunn eine Subvention von 100 Mk., dem Komitee für Ferienkolonien jüdischer Kinder ein Beitrag von 5OO M. jährlich, eine Extrabeihilfe von LOO Mk. der israelitischen Bereinigung Friedrichsberg und- Umgegend, eine Subvention von 2500 Mk. für Üas Gesamtarchiv der deutschen Juden. Die anderen Punkte wurden vertagt. Berlin, 26. April. Die soeben herausaeaebene vierte Ausführungsanweisung zum Bolksschulunterhaltungsgesetz, beschäftigt sich unter Ziffer 3 mit dem jüdischen Schulwesen, bringt aber nichts Neues. Es wird ausdrücklich festgestellt, daß an dem bisherigen, auf Verwaltungsverfügung beruhenden Rechtszustande, wonach die Kommunen im Falle des Bedürfnisses, jüdische Lehrer zur Erteilung des Religionsunterrichtes anstellen können, nichts geändert werden soll. Diese Lehrer werden dann auch mit solchem anderweitigen Unterrichte betraut, dessen Erteilung an christliche Kinder durch jüdische Lehrer keine Bedenken hervorruft. Auch können die so angestellten jüdischen Lehrer ein Klassen- Ordinariat übernehmen. Berlin, 24. April. Herr Dr. Paul Nachan hat sich zum zweiten Male nach Palästina begeben, um persönlich daselbst die Vorbereitungen für die nächsten Schulgründungen des Hilfsvereins der Deutschen Juden zu treffen. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat nunmehr, nachdem der Umfang des Schadens nnd der genaue Plan für das Hilfswerk festgestellt ist, weitere 10 000 Francs zugunsten der Geschädigten in Haskieu überwiesen. Darmstadt, 23. April. Die Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Darmstadr für das Jahr 1908 wurden vom Ministerium des Innern genehmigt. Die Summe der doppelten Grundzahlen und der ganzen Steuerbeträge belaufen sich für Darmstadt auf 95580 Mark; der Ausschlag beträgt 30600 Mark nnd der Zuschlag in Prozenten der doppelten Grundzahlen und des ganzen Einkommensteuerbetrags beziffert sich ans 32015. Die entsprechenden Zahlen lauten: für Arheiligen 482 M., 140 M. und 28,983; für Ebexstadt 1664 M., 66 M. und 39,663; für Gräfenhausen mit Erzhausen, Weiterstadt und Wixhausen 1207 M., 250 M. und 20,7; für Griesheim 2127 M., 1200 M. und 56,399; für Messel 259 M., 200 M. und 55,333: für Ober-Ramstadt 1409 M., 700 M. und 49,794, für Pfungstadt mit -Eschollbrücken und Hahn 2513 M., 1450 M. und 57,681; für Roßdorf 640 M., 600 M. und 93,662. Mainz, 10. April. Mit der Eingemeindung der Stadt Kastel in Mainz ist auch die Frage aktuell geworden, was mit der Kasteler Israelitischen Gemeinde geschehen wird. Dereinst eine große blühende Gemeinde, ist sie heute auf zehn Mitglieder zusammengeschmolzen, von denen die nreisttn auch erst vor nicht allzulanger Zeit von Biebrich herübergezogen sind. Die hübsche altertümliche Synagoge ist fast das ganze Jahr geschlossen, da die erforderliche Minjanzahl fast nie erreicht wird. Nur an den hohen Feiertagen öffnen sich die Pforten des Gotteshauses, da man sich dann von Mainz Vorbeter, Prediger und noch andere Kultusbeamte kommen läßt. Mit der Eingemeindung Kastels in Mainz entsteht nun die Frage, ob die jüdische Gemeinde Mainz verpflichtet ist, die Kultusgemeinde Kastel aufzunehmen, dort einen ständigen Filialgottesdienst eiyzurichten, einen Schächter zu bestellen, die Religionsschule zu überwachen usw. Die jüdischen Toten Kastels werden schon von jeher auf dem Mainzer jüdischen Friedhofe beerdigt. Die Gemeinde ist im Besitze prächtig geschriebener ' Thvrarüllen und wertvoller silberner und goldener Kultusgeräte. Ihr letzter Kultusbeamter starb bereits in den siebziger Jahren, es war Vorbeter Cahen aus Metz, ein napoleonischer Veteran, der im Besitze der St. Helena-Medaille war. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat beim Kreisamte um Klärung der Verhältnisse nachgesucht. Karlsruhe, 14. April. Der Großherzog empsing heute mittag das Präsidium der Israelitischen Landesfynode, die Herren Stadecker, Stadtrat Marx, Dr. Levis und Dr. Eschelbach in Audienz zur Ueberreichung der Huldigunasadresse. Die Deputation wurde auch der Großherzogin vorgestellt. Fürth, 20. April. Die nach einem hiesigen Blatte in Nr. 12 des „Israelit" unter Nürnberg abgedruckte Notiz, den Neubau der hiesigen israel. Waisenanstalt betreffend, bedarf in mancherlei Punkten der Richtigstellung. Bekannt ist, daß die israel. Waisenanstalt in Fürth, die einzige in Bayern und älteste in Deutschland, seit über hundert Jahren mit uneingeschränkter barmherziger Liebe die in Bayern verwaisten und verlassenen israelitischen Kmder bei sich aufnimmt und ihnen die denkbar beste geistige Ausbildung und körperliche Pflege angedeihen läßt. Wenn nun auch die bisherigen Räume allenfalls für den zu erreichenden Zweck genügen mochten, so war dennoch schon seit längerer Zeit das Bei dürfnis erkannt, durch Errichtung eines Neubaues für die Kinder bessere Lebensbedingungen zu schaffen und die Einrichtung der Anstalt befriedigender zu gestalten. Auch sollte dadurch die Möglichkeit, eine größere Anzahl von Kindern als bisher an den Wohltaten des Hauses teilnehmen zu lassen, geboten werden. Der Ausführung des Planes stellte sich jedoch die Schwierigkeit in den Weg, innerhalb des Stadtgebiets ein geeignetes Baugelände zu finden. Der ursprüngliche Vorschlag, die Vergrößerung und Erweiterung der Anstalt durch Erwerbung des Nachbaranwesens in die Wege zu leiten, mußte aufgegeben werden,; nachdem hierbei Forderungen auftaucyten, die in keinem Verhältnis zu dem stehen, was durch deren Erfüllung erreicht würde. Das Freiwerden eines passenden städtischen Grundstücks, das schön und frei gelegen und doch : nicht zu entfernt vom Stadtzentrum sich befindet, ' eröffnete nun einerseits die Aussicht, die lang gehegte Absicht, zeitgemäßen Anforderungen ent-« sprechend ausführen zu können und gab andererseits den städtischen Körperschaften Gelegenheit, das gemeinnützige Vorhaben durch billiges Ent-; gegenkommen wohlwollend zu unterstützen. Letzteres ist nun auch erfolgt, 'indem die städtische Vertretung in Berücksichtigung der auf das öffent! liehe Wohl gerichteten Zwecke oer Anstalt ihre Ge-' - neigtheit, die erbetene Baüfläche zu ermäßigtem -Presse zu überlassen, der Verwaltung des.Waisenhauses kundgegeben hat, und wird nunmehr auch -hie Ausführung des Baues geschehen, sobald die 'Anstalt durch edle Beihilfen, der sie ihre fortschreitende Entwickelnng verdankt, hierzu in den Stand gesetzt sein wird. Bei dem Rufe, dessen!sie sich erfreut, und der weitverbreiteten Anerkennung, die man ihrer. AZirkfayftet zollt,, wird, die Erfüllung des inAussicht genommenen Wan sich sicher bald ermöglichen lassen. Der Plan, die Anstalt von hier,' wo sie über hundert Jahre segensreich , gewirkt hat und/ wo auch, alle Mraussetzungen für eine religiös-sittliche Erziehung der Kinder gegeben sindzu verlegen, ist niemals' Gegenstand ernster Erwägung gewesen. ®eftevx0t4j< Wien, 24. April. Unter Titeln wie „Ein Sakrileg," „Ein tempelschänderischer Akt im Vatikan", „Eine Profanation der Papstmeffe", bringen die Blätter folgende Erzählung: Unter den Persönlichketten, die auf ihr Gesuch und mit den herkömmllchen Empfehlungen zur Teilnahme an der Ostermeffe in der ixtinischur Kapelle zu Rom zugelafsen waren, im ganzen etwa 400, befanden fich drei österreichische Staatsangehörige; Pros. Heilbpgen, wie eS heißt, Lehrer der Volkswirtschaft an der Wiener Universität, mit feiner Gattin und seiner Schwägerin namens Bergsohn. Da . der - Andrang ut diesen Zeremonien, wenn der Papst persönlich zelebrien, sehr groß ist, so hatten die genannten Personen nur aus wiederholte und sehr dringliche Anträge die EinladungS» karten vom Majordomus des Papstes erhalten, der auf besonders warme Unterstützung der Gesuche seitens der österreichisch-ungarischen B tschaft Rücksicht nahm Der Majordomus scheint ohne weiteres angenommen zu haben, daß Prof. Feilbogen und die beiden Damen katholischen Glaubens seien und an der Kommunion teilzunehmen wünschten, während diese Personen, jüdischen Bekenntnisses nichts davon gewußt zu haben scheinen, daß der Pichst den Erschienenen das Sakrament spenden werde. Der Professor und die beiden Damen, wohl achtlos dem Beispiele der Uebrigen folgend, knieten am Altäre nieder und empfinaen aus den Händen des Papstes, der die Meste las, die Kommunion. Dies würde unbeachtet und ohne Aufsehen vorübergegangen sein, wenn nicht im letzten Augenblick noch eine der Damen die Hostie wiederauS dem Munde zu entfernen gesucht hätte. Dieses wurde bemerkt und es entstand große Erregung. Die schuldige Dame, von der man vor allem wissen wollte, wo die Hostie geblieben sei, antwortete, sie Habeste, sich beobachtet sehend, doch noch verschluckt. Alle drei leugneten auf das bestimmteste, einen heiligwmsschänderischen Akt - beabsichtigt oder eine Beleidigung des katholischen Kulus im Sinne gehabt zu haben. Wie sie behaupten, find ste über die bevorstehende Zeremonie völlig im unklaren gewesen und haben ssch dem Altäre in der Meinung genähert, daß es fich nur um ein Ntederknien vor dem Papste und dem Kuß des Fingerringes handele. — Herr Prof. Feilbogen stellt, nach Wien., zurückgekehrt, in der neuest ^Freien Presse" den Vorfall bei der Kommunion folgendermaßen dar: Er war nicht in der Absicht, ander Kommunion teilzunehmen gekommen, wie schon ihr verspätetes Erscheinen um 9 Uhr statt halb 8 Uhr beweise. Bei ihrem Erscheinen seien ste in den Zug Kommunizierender geraten und vis zur Kommuntonbank weitergeschoben worden, wo die Kommunizierenden niederknieten, um vom Papste die Hostie zu empfangen. Er habe nicht den Mut, nicht einmal den Gedanken gehabt, fich zu erheben und zurückzutreten und so den Schein zu erwecken, als könnte die heilige Handlung ihm andere Gefühle einflößen als die tiefste Ehrfurcht. Er habe die Hostie genommen, ebenso die beiden Frauen, und der persönlich anwesende Botschafter habe ihm später bei der Borladung ausdrücklich bezeugt, daß weder sein noch seiner Frau Verhalten zu einer Störung der heiligen Handlung geführt habe, dagegen scheine seine Schwägerin von großer Erregung und Ungeübtheit die Hostie verloren zu haben, obwohl ste noch jetzt vom Gegenteil überzeugt sei. Diese sei dann nach der Abführung aller drei von geistlichen Frauen eingehend untersucht worden. Seiner Frau habe man nur das Taschentuch revidiert, das ihr von der Schwester hätte zugesteckt sein können. Ihm und seiner Frau sei wiederholt versichert worden, daß ste. fich in keiner Weise auffällig gemacht hüten. — Wie man ferner liest, haben Prof. Feilbogen; und seine Angehörigen erklärt, zum Beweise; ihrer Hochachtung vor der katholischen Religioy. zu derselben übergehen zu wollen!! (Siehe; Wochenrundschau.) r; Wien, 14. April. Die von der Oesterreichisch-israelitischen Union am 13. d. M. abgehaltene Protestversammlung gegen den vom christlich-sozialen Abgeordneten Schmid im Budgetaüsschusse des Abgeordnetenhauses gestellten Antrag war sehr HaMeich besucht. Unter ^den An'- 'wesenden sah man die Reichsratsabgeordneten! Baron Hock, Kstranha, Dr. Mahler und Dt. Ofner. Vom Abgeordneten Dr. Straucher war eine Begrüßungsoepesche angelangt. Ferner bemerkte man , den Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit zahlreichen Mitgliedern des Kultusvorstandes, Abordnungen auswärtiger Gemeinden, die Gemeinderäte Dr. Hein und Klebebinder. Von mehr als 90 Kultusgemeinden aus dem ganzen Reiche, darunter jenen der Landeshauptstädte Prag, Brünn, Olmütz, Lemberg, Krakau, Czernowitz, Graz und Linz/ ferner von der Landesjudenschaft des Königreichs^ Böhmen waren Zustimmungskundgebungen einbelangt, deren Verlesung lebhaft akklamiert wurde. Der Referent Herr Siegmund Mayer bezeichnete die Resolution des Budgetausschuffes als den ersten Versuch zur Zertrümmerung der verfassungsmäßigen Rechtsgleichheit. Gegen dieses Attentat auf die staatsbürgerlichen Rechte der Juden müsse die gesamte Judenschaft einig zusammenstehen und schärfster Protest einlegen. Aus den Begleiterscheinungen der Abstimmung im Budgetausschuffe sei für die Zukunft die Fol-''