Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1908-04-30 · Heft 18 (30.4.1908) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 18 (30.4.1908)
Date
1908-04-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449298-2449317--64444-2507035
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 6 Nr. 18_ Vaterauge verblendet genug war, um Esau zu lieben, konnten die hohen Erwartungen, die die Himmelsbewohner auf das Menschengeschlecht senren, kaum rechtfertigen. Erst durch das Leben Jakobs lernten die Engel den Menschen kennen und würdigen und gaben sich zufrieden. So war es auch ein Engel, der Jakob den göttlichen Segen tind den Namen „Israel" übermittelte." Nach den vorausgegangenen Auseinandersetzungen kann über den wahren Sinn dieser sonst etwas rätselhaften Midraschstelle nicht der geringste Zweifel herrschen. Mit der vom Menschen für sich in Anspruch genommenen herabgemindetten Art von Heiligkeit, konnten sich die Engel nicht befreunden, tveil sie den Menschen in seinen! verzweifelten Kampfe mit des Geschickes feindlichen Mächten nicht kannten. Adam war ein Kind des Paradieses, von dem mit Fug unb Recht ein höheres Maß von heiliger Vollkommenheit verlangt werden durfte. Noay wurde von Gottes unmittelbarer Hand Schutz vor den wogenden Finten geboten und er hatte dem harten Leben nichts abzuringen. Abraham zog vom göttlichen Segen begleitet als leuchtende Sonne über den finstern Horizont seiner Umgebung und Jsak war eine weltfremde engelreine Seele. „Wo ist aber der Mensch — fragten die Engel, — der ringende und leidende Mensch, der infolge seiner nur flach von der irdischen Scholle sich erbebenden Leb.enssphnre eine andere, kleiner bemessene, begrenzte und unvollkommene Heiligkeit für sich in Anspruch nehnreu darf? Im Erzvater Jakob fanden sie diesen Menschen. Im ereignisschweren Leben dieses Patriarchen erkannten sie den Menschen mit seinen Kämpfen, Leiden und Sorgen! K'n nt! riefen sie. Hier ist ein Mensch, der es wohl verdient, in seinem Namen Gott zu preisen, hier ein ein Gotteskämpfer, der durch die Geschichte seines Lebens und Leidens dazu berufen ist, seinen Nachkommen ein Muster des reinen, gottgefälligen Lebens zu bieten, sie für alle Zeiten zu lehren, wie man wohl imstande ist, mitten im Kampfe mit feindlichen Menschen und Verhältnissen sich die Reinheit der Seele zu erhalten und so die menschenmögliche göttliche Heiligkeit im Sinne des Gorteswortes zu erreichen. vir Lrbrrn Oer basischen 5v«osaivabien. II. Von Dr. Ed. Biberfeld in Berlin. Seit meinem ersten Artikel hat inzwischen die erste Tagung der neugewählten Synode stattgefunden. Ihr Ergebnis hat in unerfreulichster Weise eine Rechtfertigung der dort vertretenen Auffassung erbracht, daß es voreilig gewesen wäre, im Hinblick ayf das Wahlresultat vom 15. März von einem Siege der Orthodoxie in Baden zu reden. Das oberrätliche „Gebetbuch" ist ja freilich in einem Begräbnis allererster Klasse begraben und die Gefahr, daß dasselbe in absehbarer Zeit in Synagoge und Schule eingeführt würde, abgewendet worden. Aber schon die eine Tatsache, daß von Seiten des Oberrats keinerlei bindende Erklärung dahin abgegeben wurde, daß der Tote nicht „bei gegebener Gelegenheit" wiederaufersteheu werde, zeigt, wie wenig Anlaß vorhanden ist, in diesem Ausgange einen.Erfolg der Orthodorie zu feiern. Ungleich schlimmer aber ist es, daß die überaus geschickte Taktik des Vertreters des Oberrats die Synode zu einem einstimmigen Vertrauensvotum für den Oberrat und zu einer Anerkennung seiner „bisherigen Loyalität und Gerechtigkeit" zu führen wußte, ohne daß von orthodoxer Seite widersprochen und die rücksichtslos offene Parteinahme des Herrn Geheimer, Regieruugsrats Dr. M a y e r für die Neologie und gegen die Orthodoxie vor und in dem Wahlkampfe gebührend gekennnzeichnet worden rväre. Wenn das ein Sieg der Orthodoxie sein soll, so wolle uns Gott gnädiglich vor mehr solcher Siege bewahren! )er "SU. SÄBVU Hm«. Jst's also wahr, was die „A. Z. d. I." behauptet, daß es gar keine echte Orthodoxie in Badischen Landen giebt, und daß der Ausgang der Wahl zur Synode am 15. März ein Zufallsergebnis war? Wer die Verhältnisse wirklich kennt, ja, auch wer nur die Liste der neugewählten Synodalmitglieder auf die religiöse Stellung der neuen Männer hin prüft, lvird über die Torheit dieser „Feststellung" nur herzlich lachen. Auch heute noch sind Gott sei Dank weite Kreise, namentlich der ländlichen und kleinstädtischen Bevölkerung dem Glauben der Väter in alter Treue ergeben und hegt alles eher als den unsinnigen Wunsch nach konferenzrabbinerlich-oberrätlichen Reformen und „Weiterentwickelungen." Mehr noch: heute mehr als vor einem Dezennium und darüber ist auch in der Jugend der Sinn und das Verständnis für die orthodoxe Lebensanschauung und ihre Forderungen und Lehren wiedererwacht, ist auch ein allerdings noch kleiner Kreis vor, „Intellektuellen" erstanden, die es sich nicht länger Vortäuschen lassen, daß Gesetzestreue und modernes Menschtum sich nicht versöhnen lassen. Aber, die mm bald vollen hundert Jahre Zwangsorganisation haben dem Badischen Judentum das Mark aus den Knochen gesogen. „Das Judentum hat sich" — so schrieb ich am 17. Januar 1895 inr „Israelit" <Nr. 5) zur Begrüßug der ersten Synodalwahlen — „unter dem Druck der Gervalten, die über es hinwegbrausteu, lediglich und allein durch jene Eigenschaften erhalten, die für den ersten Blick gerade seine Zersetzung zu begünstigen scheinen: Durch jenen Geist unbändigen und ungezwungenen zentrifugalen Strebens, der, indem er jede andere als die freigewählte Autorität der göttlichen Lehre perhorreszirt, das Gefühl der eigenen Verantwortlichkeit, der Verbindlichkeit des Einzelnen für die Erhaltung der Gesamtheit und die Erkenntnis, daß nur das eigne Können und Wollen dem religiösen Triebe Genüge verschaffen könne, erstehen ließ und förderte. Dieses Gefühl mehr tlnd mehr erstickt, ertötet zu haben, ist das unzweifelhafte Verdienst aller jener durch und durch unjüdischen zentralen Institutionen, die staatlicher Zwang dem Judentum als wildes Reis aufgepropft hat. Mag man Ausschau auf die Grabesgefilde Württembergs halten oder aus das täglich mehr ersterbende Interesse für das Judentum in unserem badischen Lande sein Augenmetk richten oder über die Grenzen des Reichs hinaus in die von einem Konsistorium in süßen Schlaf gelullten Judengemeinden Frankreichs einen Ansflug unternehmen: überall dasselbe Bild steinerner Todesstarre . . . ." Es ist wirklich nicht Autoreneitelkeit, wenn ich die damals geschriebenen Worte heute wiederhole und aufrecht erhalte. Sie zeichnen in großen Zügen das Krankheitsbild und die Krankheitsursache, an welcher die mit Zentralregierungen esegneten Länder, speziell unter denen die adische Judenheit leidet. Und wenn leichte Anzeichen von Besserung heute zu konstatteren sind, so sind sie nicht dank jener Zwangsorganisation, sondern trotz derselben und in natürlicher Reaktion gegen ihre Ausschreitungen in dem letzten Dezennium entstanden. Noch aber sind diese Auzeichen zu schwach, um eine entschiedene Wendung zum Bessern zu diagnostizieren/ zuviel jenes entnervenden, das Verantwortlichkeitsgefühl lähmenden Giftes sind in den Organismus auch des glaubenstreuen badischen Judentums eingedrungen, als daß jenes frische, kräftige Leben sich entfalten könnte, ohne welches eine starke, selbstbewußte Orthodoxie am allerwenigsten denkbar ist. Ihr fehlt — das hat der Verlauf der Synodaltagung erwiesen — der Wille vor allem zum Sieg! Sie ist nicht als Besiegte unterlegen; aber sie hat es auch nicht verstanden, den Sieg an ihre Fersen zu heften. Der Besiegte ist ein Anderer/ auf der Strecke geblieben und niedergebrochen ist — das System Mayer, das nur allzulange zum Schaden der Sache das badische Judentum unter seine Zuchtrute gebeugt. Qui s’excuse, s’accuse! Der verdächtige Eifer, mit dem die Mayer-Offiziösen jede Gelegenheit wahrnehmen, es in allen Tonarten zu beteuern und zu versichern, daß das Votum vom 15. März sich beileibe nicht gegen ihren Patron und Gönner wende, verrät die wahre Sachlage, die allen Verdunkelungsversuchen zum Trotz zu klar ist, um mißdeutet werden zu können, dahin, daß das Land mit erdrückender Majorität sich endlich gegen jenes Regime aufzulehnen ernstlich den Ansang gemacht hat, das seit 1895 wie ein Alp auf ihm lastet. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wollte man Schritt für Schritt dieses System in seinen Methoden und Leistungen verfolgen und würdigen. Es genügt aber auch schon, an einige der letzten Ruhmestaten dieses Regimes, Etappen auf dem Emporwege des Herrn Geheimen Regierungsrats Dr. Mayer, zu erinnern, um zu zeigen, weß Geistes Kind dasselbe ist. Der unmotivierte Ausfall gegen die orthodoxen Rabbinatsaspiranten vor etwa zwei Jahren in dem berühmten Artikel in der „Ä. Z. d. I."/ die Verunglimpfung des Andenkens des Oberrats Altmann V'ST / das Scherbengericht inmitten seiner Getreuen über Dr. Löwenstein- Mosbich/ die Abkanzlung und Abstrafung nicht Ordre parierender Mohelim usw. usw. — das sind nur die üppigsten und vollsaftigsten Früchte an dem Baume jener Organisation, die in Herrn Dr. Mayer ihren verständnisvollsten Interpreten und konsequentesten Vertreter fand. Dieses System, das Tinte für HebeHssaft hält, bureaukratischeu Formelkram als des Daseins Krone schätzt und Subordination unter den Willen der Vorgesetzten Behörde ungleich wichtiger als den Gehorsam gegen das göttliche Sinaigesetz erachtet,, hat im Laufe der Jahre es verstanden, soviel Haß und Empörung gegen sich zu wecken, daß die erste Gelegenheit, ihm eine Niederlage zu bereiten, von weiten Kreisen wie eine Erlösung empfunden wurde. Mögen seine Freunde und Begönnerten sich noch so sehr bemühen, den Herrn Geheimrat herauszuhauen: der überraschende Ausfall der Wahlen vom 15. März läßt sich nur als ein eruptiver Ausbruch der im Uebermaß aufgespeicherten Mißstimmung und aufs höchste gesteigerten Antipathie gegen eine Bevormundungs- und Regle, mentierungssucht deuten, die selbst das Heiligste was es auf Erden gibt, das religiöse Denken, Empfinden und Handeln Anderer unter ihre Verwaltungsmaximen zu beugen unternahm. Jetzt solls auf einmal nicht wahr sein, daß der Oberrat für die Gebetbuchfreunde Partei genommen und seinen ganzen Apparat gegen die Orthodoxie aufgeboten habe. Nun, eine der bezeichnendsten und die Sachlage mit einem Schlage erhellenden Episoden in dem an interessanten Zwischenfällen überreichen, monatelangen Wahlkampfe, ist die plötzlich, vierzehn Tage vordem Wahltage erfolgte Konstituierung des liberalen Wahlbüreaus in Karlsruhe. Das war kein Meisterzug! So offen hätte man seine Karten doch nicht aufdecken, nicht vor aller Augen die Tatsache enthüllen sollen, daß man bis dahin die Geschäfte der „liberalen" Partei bei dem Oberrat gut aufgehoben geglaubt hatte und erst im letzten Augenblicke stutzig wurde, als immer alarmierendere Nachrichten aus dem Lande kanten? Der Herr Geheimrat hatte sich, verwöhnt durch die zahlreichen Geduldsproben seiner getreuen Untertanen, dieser plötzlichen Auflehnung gegen seinen allerhöchsten Willen offenbar nicht versehen und bis zuletzt an den Ernst der Situation nicht glauben mögen. Wie auch anders? Das Zeugnis kann und soll ihm wahrlich nicht versagt sein, daß er bisher sich noch nie in seinen Berechnungen getäuscht und Menschen wie Umstände stets richtig eingeschätzt und bewertet hat. Heuer zum erstenmale hat diese gute Gabe ihn verlassen/ zu spät wurde das liberale Wahlbureau als der Prügelknabe für den nicht mehr abzuwendenden Mißerfolg erfunden/ zu spät,um die Bedeutung dieses Mißerfolges als eines debacle für Herrn Geheimrat Dr. Mayer durch dialektische Kunststücke aus der Welt schaffen zu können. 9t Lab Dazu kommt ein Anderes, das uns die Bio logie der Synode lehrt. Unsere mehr als nur schnellebige Zeit sieht auch in einer jüdischen mai und sche bild mit forr nif steh mar daß Art dies auf als die alte dies Val hall We die ders wesi eim nun die lan< Nr. und web eip ein u re Tat deul ftäd an Zew auch Jud wie Spi die histe wer! noch niffe aller heim Ben die! rats Rab das ern bis i als glied Tag, theol nanr — r berei daß Will tüml daß Den! die i prüft des! komv man schlui der des > fugni Wozr Ober Wickel Laier Entfi elic

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.