Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1908)
- Date
- 1908-04-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der 99cadit Nr. 18. Seite 5 30. April 1908. ___ und einem Schafspelz als Ueberwurs im Sommer wie im Winter, aus Holzschuhen und um die Beine gewickelten alten Lappen. Außer Brod und Salz und Eisen für den Pflug und die andern zum Landbau erforderlichen Werkzeuge, hatten sie kein Bedürfnis. Als Leibeigene mit ihrer Person und ihrer Zeit ihrem Herrn gehörig, bearbeiteten sie ihren eigenen Boden nicht derart, daß er sie ernähren könnte, auch fehlte ihnen der Dung, um das Feld ertragsfähig zu machen. Das so erzeugte Getreide war ungenügend und armselig und auch dieses konnten sie nicht einmal so wie es war genießen, denn sie waren gezwungen, es zur Bestreitung der nötigsten Lebensbedürfnisse zu verkaufen. So lebten sie denn von einem Brod, hergestellt aus Mehl, Kleie und Gras, wie man es heute keinem Tiere geben würde. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß bei einer Bevölkerung, die ein solches Leben führte, der ganze Handel sich nur um die Bedürfnisse der wenigen Adeligen drehte, die zudem ihren Bedarf meistens vom Auslande deckten. So gab es weder Handel noch Industrie im ganzen Lande und Armut und Elend herrschten in grauenerregender Weise allenthalben im Reiche. Das kärgliche Handwerk, das sich noch erhielt, war dabei noch darauf bedacht, alle seine Erzeugnisse, so . stark und unverwüstlich \ aus Kupfer und Zinn herzustellen, daß sie Jahrhunderte überdauern konnten. Ebenso waren die Kleider aus Stoffen gefertigt, daß sie Generationen hindurch vererbt werden konnten. Das alles hemmte den Handel und das Handwerk und steigerte die Armut und das Elend. Bares Geld war so teuer und selten, daß sich ei. e ganze Familie mit einem Silberrubel eine Woche hindurch kümmerlich ernähren konnte. Obwohl Bauplätze und Baumaterial in Hülle und Fülle für weniges Geld zu haben waren, lebten viele Familien in engen Häuschen mit dunklen Löchern, weil dieses wenige Geld nicht zu erschwingen war. 3. Die regierenden Gewalten des R eiches. Der berühmte Rechtsanwalt Menaffe Margolies in Odessa, der im Auftrag jüdischer Rotabeln in St. Petersburg eine Denkschrift über die Lage der russischen Juden, an Kaiser „Südafrika zwischen Zambefi und Limpovo ist reich an Goldlagern. Bon rltersher und lange Zeit hindurch fand hier ein gut organisierter Golbbergbau statt, den, nach Ruinen und Funden zu schließen, in ältester Zeit wahrscheinlich Srmiten, vornehmlich Süd-Araber, betrieben haben. Auch Edelsteine bringt Südarfrika seit alter Zeit hervor. Es sind also in der Hauptsache die Voraussetzungen gegeben, die ein Land erfüllen muß, um mit Ophir identifiziert werden zu können. .Damit ist die Lage Ophirs in Südafrika allerdings nicht bewiesen, .andern nur wahrcheinlich gemacht. Zwingende Beweise fehlen und können vielleicht überhaupt nicht mehr gewonnen werden! Zwingende Beweisgründe würde Skattum deutlichen Spuren von jüdischem oder s-mitischem Einflüsse in den südafrikanischen Denkmälern zuerkennen, was aber bislang von solchen Spuren entdeckt ist, hält er nicht für genügend, und sie können au.<- nicht genügen, da die Zeit des Einflusses der Semiten zu kurz gewesen ist. Nach Skattums Meinung sind nämlich die Juden und Phönizier nicht Entdecker, sonderi, nur vorübergehende Kolonisten des Goldlandes gewesen; die eigentlichen Entdecker waren die Sndaiabet." Die afrikanische Hypothese stützt sich bekanntlich vor allem auf die gewaltigen Baureste im Maschona- und Matabele-Lande, die, wie die dortigen Reste von Pergbauten, uraltsind. Die Vertreter der afrikanischen Theorie, darunter auck Carl Peters, der sogar den Namen Afrika von Ophir äbleiten will, haletn diese Ruinen für semitischen Ursprungs; neuerdings aber hat Mac Jole sie den Negern der genannten Länder zuschreiben wollen. Diese Ansicht weist Skattunk mit Geschick zurück und wohl insofern mch mit Glück, als er eine reiche Füle von Material iiir die afrikanische Theorie vorbringr. Dabei findet er sich allerdings mit einigen Schwierigkeiten in' nicht ganz überzeugender' Weise ab. Mr das Ophir in der Pölkertafel der Genesis unzweifelhaft Süd-Arobien sein muß, so meint er, daß von einem dort gelegenem ^phir ans die afrikanischen Landschaften kolonisiert eien und dabei auch der Name übertragen sei. Das letzte Wort in der Ophirfrage ist also auch wrch Slattum nicht gesprochen, der übrigens das "and nicht selber besucht hat. Die überzeugende Antwort wird guch hier dem Spaten des Archäologen u,stillem; nur unzweifelhaft beweiskräftige Bodenkunde lvnnen zu einem Endresultate fnhrU,. Alexander III. richtete, sagte damals, daß die Juden Knechte in doppelter Hinsicht wären, sie seien Untertanen der russischen Regierung und des polnischen Adels. Eine dritte Knechtschaft müßte er ignorierendie Abhängigkeit von den Beamten, die eine Herrschaft für sich bilden. Die offizielle russische Regierung führte die jüdische Wehrpflicht ein und legte dem Volke eine schwere Bürde von Steuern und Abgaben auf, alles in echt „russischer" Weise im Geiste von Iwan Grosin. Der Herrschaft des polnischen Adels unterstanden die meisten Städte, als ererbter Besitzstand, in welchem er seine, volle rücksichtslose Macht entfaltete. Ebenso unterstand ihnr ein Drittel sämtlicher Juden, die sich in seinem Machtbereich niedergelassen hatten. Diese, wie jene bedrückten die polnischen Adligen mit ihrer oekannten unerhörten Grausamkeit durch eine unerschwingliche Steuerlast,, die unter dem Namen „Arend" bekannt ist. Den härtesteu Druck unter allen diesen Gewalten übten jedoch die Beamten der Regierung. Bis 1863 „dem Jahre des letzten Ausstandes" waren alle Beamten im jüdischen Ansiedelungsrayon ausschließlich Polen, als die erbittersten Feinde der russischen Regierung, deren ganzes Beamtentum in der unersättlichen Gier aufging, sich durch Aussaugung der Armen Vermögen und Reichtnm zu schaffen, — noch dazu jede geistige Regung gewaltsam zu unterdrücken. — Die Einführung von Geschworenen-Gerichten datiert erst seit 1872. Bis dahin fungierten die Beamten als Richter, ganz nach willkürlichem Belieben und sprachen je nach der Höhe der empfangenen Bestechungssumme den Schuldigen frei und den Unschuldigen schuldig. Körperliche Züchtigung war bei Militär und Zivil allgemein eingeführt. Selbst in den Gymnasien wurde sie auch bis 1805 angewendet.. Je nach Belieben der Beamten wurden die Verurteilten auf offener Straße durch Rutenhiebe bestraft, oft für die geringsten Vergehen, z. B. wegen ungenügender Reinhaltung des Hofes und ähnlicher Verfehlungen. Das hing alles von der Laune des Beamten ab, der alle Ränke ersann und sie mit brutaler Roheit gegen jeden ausführte, der nicht pünktlich sein „Jratt-Geld" zahlte, d. h. das „Drittel" des Betrags, der dreimal im Jahre den Beamten als Bestechung zu entrichten war, um unbehelligt leben zu dürfen! Man kann den blutgierigen Charakter dieser menschlichen Raubtiere nicht besser schildern, als durch einen Vergleich mit wirklichen Raubtieren, wie wir sie aus den Zoologischen Gärten kennen. Grausam und unnahbar wie diese, denen sich nur ihre Wärter und Bändiger nähern dürfen, waren diese polnischen Beamten nur durch Vermittler zugänglich, die ihre Liebhabereien, Leidenschaften und Allüren kannten und so die Mittel und Wege wußten, um diese Ungeheuer ihren Opfern willfährig zu machen! (Forts, folgt.) beMtzimg. „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich." (M. 3, 19. 2.) Die Heiligung des Lebens, die im heutigen Thoraabschnitte der Gesamtheit des jüdischen Volkes als Hochziel vor Augen gestellt wird, verdient eine gründliche Betrachtung. Wie — fragen unsere weisen Lehrer — sollte der Mensch, der staubgeborene und sterbliche Erdensohn die Heiligkeit Gottes erreichen können, besten Allmacht den Sturm leitet und besten Wesen erhaben über Zeit und Raum die Welten füllt? Rein, lautet ihre Antwort, nicht nach dem Unmöglichen und Unerreichbaren sei des schwachen Menschen Sinn gerichtet. Im Ringen und Streben nach dem Hohen und Guten zeige sich unb blitze auf der göttliche Funken der Heiligkeit Dim K'in no Oim nnN *}tt. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut, nicht wie Er, sondern weil auch Er es ist, weil seine weltumsaffende Liebe uns die Tat vorzeichnet, den Weg zeigt, den wir zu betreten haben, um das Ziel der göttlichen Heiligkeit, soweit sie für ein schwaches Menschenkind erreichbar ist, zu erreichen. Die menschliche Heiligkeit ist eine begrenzte und unvollkommene. Unsere Geschichte kennt keine Heiligkeit, die identisch mit Unfehlbarkeit wäre. Unsere großen Menschen waren eben Menschen, groß im Kampfe mit sich selbst, mit ihren menschlichen Neigungen, aus dem sie zumeist als Sieger hervorginqen, dem sie aber auch — wenn auch nur in seltenen Ausnahmsfällen — zuweilen unterlagen. Mit Menschen, ihren Trieben, Bedürfnissen und Idealen rechnete auch '"vn als er Israel die mm, die Lehre des Lebens gab. Als die Engel Moses die Thora streitig machen wollten, so veranschaulichen unsere weisen Midraschlehrer in ihrer bilderreichen Art - diesen Gedanken, da genügte der Hinweis auf die zehn Gebote, um ihren Anspruch zu entkräften. „Seid ihr je in Mizrajim gewesen, fragte sie Moses, um das catf zu begreifen? wäret ihr, die ihr euch täglich im Angesichte Gottes sonnet, wohl imstande fremden Göttern im Sinne des zweiten Gebotes zu dienen? Könnte euch das geschäftliche Treiben je zu einem Eide verleiten? Und welche An ist euer Tageswerk, von dem ihr nach dem vierten Gebote am siebenten Tag ausruhen solltet? Oder wo wären Vater und Mutter, die ihr in Beachtung des fünften Ausspruches ehren solltet. Von des Lebens Kämpfen, Mühen und Sorgen verschont verfügt ihr so wenig über den nöttgen Haß, um das sechste Gebot zu übertreten als über die erforderliche Leidenschaft, um gegen das siebente zu verstoßen. Wie soll da auch von Diebstahl, falscher Zeugenschaft, Neid und Habsucht die Rede sein können?" mtrn ckW min nana tib Die Gotteslehre ist für die Menschen bestimmt und gerade der Abschnitt □'ir'np mit seiner Fülle von ethischen Vorschriften, die sich in den allergewöhnlichsten menschlichen Lebenssphären bewegen, läßt nicht den geringsten Zweifel darüber zu, welchen Maßstab die Thora bei der vom Menschen beanspruchten Heiligkeit anlegt„Heilig sollt ihr fein, weil auch ich heilig bin. Und ihr seid heilig, indem ihr Mutter und Vater ehrsürchtet, meine Sabbate beobachtet, meinen heiligen Namen nicht entweiht usw." Die ersten Sätze bieten in einigen vielsagenden Variationen eine sachgemäße Wieder» gäbe der zehn Gebote (ru nvonn bsv). Und die anderen Sätze gehören zumeist, um mit dem großen Hillel zu sprechen, in den Kommentar zum Grundgesetze aller Ethik: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Für diese Art von Heiligkeit bedarf es keiner besonderen angeborenen oder autoritattverseits zuerkannten Privilegien. Menschlich heilig im Sinne der Schrift kann jeder werden, der dem heiligmachenden Gottesgesetze lebt, jeder, selbst der Nichtjude, lübü 0"wn ttbtt iottt N1? Q1K ^1-2;rcr ton rwiro poiyp '-ca „Nicht eine gewisse auserlesene und bevorzugte Menschenklaffe, sondern jeder sittlich reine und gute Mensch kann durch Vertiefung in das Gottesgesetz, die zu seiner strikten Befolgung führt, die Höhe und Heiligkeit des hohen Priesters erreichen. Freilich ist es keine Engelshöhe und {feine vollkommene reingeiftige Engelsheiligkeit, die jedoch, nachdem sich das Menschengeschlecht entwickelt, nachdem der Mensch zum Menschen geworden, als seiner würdig auch von den Engeln zuletzt anerkannt werden mußte. Wie schön und drastisch kommt doch dieser letztere Gedanke durch eine andere Stelle aus Tanchuma zu unserem Wochenabschnitte zum Ausdruck: „Vor Entstehung der Welt priesen die Engel ihren Schöpfer als den Gott Israels. Nach Erschaffung des ersten Menschen fragten die Engel enttäuscht: Ist es dieser, in dessen Namen wir dich preisen? Nein, lautete die Antwort, er hat sich des Ungehorsams und Diebstahls schuldig gemacht. Ist es wohl dieser? fragten sie weiter beim Anblicke Noahs. Unmöglich, sagten sie sich, kann es der Mann sein, der sich vom Weine bis zur Bewußtlosigkeit besiegen läßt. Auch Abraham, der einen Jsmael herangezogen und Jsak, deffen