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Der Israelit · 1908-04-15 · Heft 16 (15.4.1908) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Beilage zu 2Tb.- ^6 des 15. AprU 1908. „Israelit." Die Tagung der badischen Candcssynode. (Stenographischer Bericht ) Von unserem Spezialberichterstatter. Die Tagung der badischen Landessynode wurde Samstag abend 83/4 Uhr im Saale des Ständehauses eröffnet. E r st e S i tz u n g 2 n m § t a n > den 11. A peil, A b e n d s 8;*/t U h r. Ministerialreserent v. B e ch crer: Als Bevollmächtigter der Regierung habe ich die Ehre, Sie in diesem Hause zu begrünen mit dem Aufträge, Ihnen Namens des Gr. Obcrrats ein herzliches Willkommen zuzurufen. Die Ihnen.für diese Synode zu - gegangellen Vorlagen übertrcffen an Zahl und Bedeutung jede ihrer Vorgängerinnen. Neben der regulären Vorlage des Borallschlags über Einnahmen llno Ausgaben und die allgemeinen kirchlichen Bedürfnisse, soweit iie insbesondere eine freiere selbständigere Stellung d.r Gemeinden bezwecken, ist Ihnen eine Vorlage unterbreitet, welche das innere Leben der^jüdischen Gemeinschaft regeln soll. Ich meine die Vorlage, welche die Verordnung der Einführung eines neuen Gebetbuchs in Schule und Synagoge betrifft. Die Gründe, welch den Gr. 'Oberrat zur .Herausgabe eines den neuzeitlichen Bedürfnissen entsprechenden Gebetbuchs veranlaßt haben, sind in der Begründung, welche dem Verordnungsentwnrf beigegeben ist,' klargclegt. Die Borlagell, welche Ihnen zugegangen sino, waren einer eingehenden Prüfung unterstellt worden, und ich bitte Sie, sich gegenwärtig zu halten, dgß der Oberrat von dem Grundgedanken ausgegangen ist, daß alles, was in diesen Verordnungen zusammengestcllt ist, dahin zielt, das Wohl und das Interesse der Landessynagoge tunlichst zu fördern . Mögen Sie, hochgeehrte .Herrenohne Voreingenommenheit und mit Wohlwollen an deren Prüfung Herangehen unt geben Sie ihnen Ihre Zustimmung. Mit dein Wunsche, daß Gottes Segen über der Synode walten möge, erkläre ich die Synode für eröffnet. . ~ Abg. Kahn-Mannheim: Hochgeehrte Herren! Als ältestes Mitglied der Synode übernehme ich den Vorsitz und berufe als Jugendsekretärc die Herren Dr. Eschelbach er und Dr. Lewis. Hochgeehrte Herren! Ehe wir an die Arbeit gehen, ist es eine schmerzliche Pflicht, des Heimgangs unseres vielgeliebten Großhcrzogs Friedrich I. zu gedankcn. (Die Abgeordneten erheben sich von ihren Sitzen.) In tiefste Trauer wurde das .großherzogliche ^Kans verhetzt und mit ihm das Lanze badische Land. War doch der Höchstselige ein allen seinen Landeskindern gnädiger, edler Fürst, eti\ fürsorglicher Vater. Wir Israeliten haben aber eine ganz besondere Pflicht der Dankbarkeit gegen den selig Entschlafenen. Denn ihm verdanken wir unsere volle bürgerliche Gleichstellung und er war der Schöpfer der Organisation unserer badischen Landessynagoge. Ich glaube Ihrer Zustimmung, zufolge, daß das Andenken an den hochseligen Herrn nie erlöschen wird. Voll Zuversicht dürfen wir aber auch ausblicken zu seinem erhabenen Sohn S. K. Hoheit Großherzog Friedrich II. Ihm geloben wir unverbrüchliche Treue und volle Verehrung, und diesem Gefühle verleihen wir Ausdruck in dem Rufe: S. M. Hoheit Großherzog Friedrich II. lebe hoch! Wir kommen nun zur Prüfung der Wahlen und ich schlage vor, die Sitzung für einige Minuten zu unterbrechen. In der um 9 Uhr 45 Minuten wiedereröffneten Sitzung werden auf Antrag der Wahlprüfungskommission die eingelaüfenen Proteste und Beanstandungen zurückgewiesen und somit sämtliche Wahlen einstimmig für gültig erklärt. Die Bureauwahl hat folgendes Ergebnis - Vorsitzender Abg. Dr. Staadecker, stellvertr. Vorsitzender Abg. Marx, Sekretär Abgg. Dr. Lewis und Dr. Eschelbach er. V o rsitz e n d? r S t a a d e ck c r: Sehr geehrt? Herren! Sic haben mir durch meine Erwählung zum Präsidenten eine große Ehre erwiesen. Empfangen Sie hierfür meinen besten Dank. Gleichwohl muß ich bezweifeln, baß es mir gelingen wird, in gleicher Weise, wie meine hochverdienten Vorgänger auf diesem Posten Sie Unfrieden zu stellen. Ich bin deshalb veranlaßt, von vornherein Ihre Nachsicht zu erbittert. Ich dagegen verspreche Ihnen, das meinige dazu beizntragen, daß unsre Verhandlungen streng unparteiisch, rein sachlich geleitet werden. In der Erwartung, daß Sie mir das meinen Vorgängern erwiesene Wohlwollen z»l teil werden lassen, übernehme ich diesen Posten. Nachdem nuninehr das Vltrean gebildet ist, habe ich die angenehme Aufgabe, unserem hochverdienten Alterspräsidenten für die jngendfrische Leitung der Geschäfte den Dank des .Hauses auszusprechen und zugleich zu seinem 75,. Geburtstage die wärmsten Wünsche auszusprechen. Ich verbinde damit den allseitigen Wunsch, daß es ihm beschieden sein niöge, an dieser Stelle iroch lange als Alterspräsident zu fungieren und die Wiederkehr des heutigen Tages noch vielmals gu erleben. (Allgemeiner Beifall.? Wir schreiten nun zur Bildung der Kommissionen. — Es werden folgende Kommissionen gebildet: 1. K u l t u s k o m m i s i o n aus den 7 Herren: Tr. (fschelbacher, Dr. Hcilbronn, R.-A. Kassewitz, Stadtrar Marx, Dr. Oppenheim, Dr. Pinkus, Dr. Simon. 2. B u d g e t k o m m i s s i o n aus den 7 Herren: Bauer, Carlcbach, Epstein, Kahn, Rothschild-Konstanz, Sinauer, Zimmerer. 3. .B e r ßas.su n g s k o m m i ss i o n ans F?n Herren: Bauer, Kirsch, Kahn, R -A. Kassewitz, Läntle. Lewis, Dr. Pinkus. 4. Petitionskommission ans den 6 Herren: Heim, Stadtrat Joseph, Lang, Rothschild-Mosbach, Wertheimcr, Dr. Zi.uels. 5. Ad ress en ko m m i s f io n zur Huldigung an den Großherzog aus den 4 Herren: Dr. Eschclbacher, Dr. Hannes, Dr. Heilbronn, Kahn. Vorsitzender Dr. Staadecker berichtet kurz über die Titel der eingelaüfenen Vorlagen, Anträge und Petitionen und überweist dieselben den zugehörigen Kommissionen. Schuf; der Sitzung lOVs Uhr. 2. Sitzun g. Der Vorsitzende gedenkt in warmen Worten des verstorbenen Ersatzmannes der letzten außerordentlichen Tagung vom Jahre 1907 Herrn S. Bernheimer- Thingcn. Die 'Abgeordneten erheben sich zu Ehren des Verstorbenen. Vorsitzender Dr. S t a a d e ck e r: Wir kommon nun znm eigentlichen Gegenstand unserer Tagssordnung. dem Verordnungsentwnrf des neuen Gebetbuchs. Zu diesem Gegenstand ist ein Antrag eingebracht worden, den ich zur Verlesung bringe: „Die Synode erkennt die Absichten, welche der Obcrrat und seine Religionskonferenz bei Ausarbeitung des Entwurfs eines neuen Gebetbuches zwecks Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der freigesinnteren Elemente der badischen Religionsgemeinschaft geleitet haben, ebenso an, wie die außerordentliche Mühewaltung, welche Jahre hindurch zur Erreichung, dieses Zieles ausgewendet worden ist. Die Synode würdigt es auch vollständig, daß der £ ln mit auch nach dem Ausfall der Wahlen sich im Sinne der Anhänger des neuen Gebetbuches verpflichtet gesuhlt hat, der Synode eine Vorlage über die Voraussetzung seiner Einführung in den einzelnen Gemeinden zu machen, und hat das volle Vertrauen zu ihm, daß er im Falle der Annahme dieser Vortage dieselbe unter Vermeidung jedes Ge- "wissenszwanges durchzuführen bestrebt sein wird. Die Synode kann sich jedoch der Einsicht nicht verschließen, daß in Bezug auf die prinzipielle Würdigung des Entwurfs eine Einigung in der Synode selbst und mij dem Oberrat njcht herzustellen ist. In der Absicht, das bisherige harmonische Verhältnis im Innern der Synode, wie gegenüber dem Oberrat im Interesse der Landessynagoge auch ferner ansrecht zu erhalten und in der Erkenntnis, daß auch im Lande selbst eine Beruhigung der durch den Gebetbuchstreit erregten Gemüter vor Allem nottnt, erklärt die Synode, daß sich der Oberrat um die Interesse der Landessynagog? verdient machen würde, wenn er auf die weitere Durchberatung seiner Vorlage und die Tlbstimmung über dieselbe verzichten würbe." Unterschrieben ist dieser Antrag von den Mitgliedern der Kultuskommission. Ich gebe mm dem Berichterstatter der Kultuskommission das Wort zu dessen Bericht. Abg. Dr. Eschclbacher: Hochgeehrte Herren! Die Knltuskommissivn hat in ihrer gestrigen Sitzung über den vom Gr. Oberrat vorgelegten Entwurf beraten. Drei Anschauungen standen einander gegenüber. Tie einen wünschten völlige Ablehnung des Entwurfes: die anderen Annahme; ein dritter Bcrmittlungsvorschlag wollte das Gebetbuch ablchnen, für dei^ Fall aber, daß eine Gemeinde selbständig die Einführung verlangt, solle der Oberrat das Recht haben, die Genehmigung zu erteilen. Es ergab sich, daß der Berinittlungsvorschlag keinen Erfolg hatte wegen der Resolution, welche die Gegner mit der Erklärung beibrachten, sie hätten einen Weg zu einem Kompromiß nicht .gesunden und würden die ihnen angesonnene Approbation der Gebetbuchvorlage und Einführung aus prinzipiellen Gründen ab-

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