Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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Gelte 33. Nr. 16 Der ySraeltt. 16. April 1908. lehnen. Welches diese prinzipiellen Gründe sind,' ist aus dem Wahlkampf: bekannt, soll.aber im.Interesse friedlicher Beilegung hier nicht ausgeführt werden. Ms die Versuche zum Kompromiß gescheitert waren, schritt man zur Abstimnrpng. Ter Entwurf, wurde mit 4 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Nachdem die Sache soweit gediehen war, traten Versuche hervor, auf die weitere Beratung und die formelle Mstimmung über di» Vorlage Lu verzichten. Aus diesen Bemühungen ist der Antrag hervorgegangen, den der Präsident soeben verlesen hat. Abg. Dr. Oppenheim: Namens der Minorität der Anhänger des Gebetbrzchentwurfs habe ich folgende Erklärung abzugeben: Wir Kalten es int Interesse des Friedens zur Vermeidung heftiger Debatten für das Beste, wenn der Gr. Oberrat die Gebetbuchvorlage zurückzieht. Wir sind überzeugt, daß auch die Anhänger des Gebetbuchentwurfs diesen Schritt des Gr. Oberrats wohl zu würdigen wissen und in der Zurücknahme des Entwurfs keinen Verstoß des Gr. Oberrats gegen seine Pflicht den Liberalen innerhalb der Landessynagoge gegenüber erblicken wer-, den. Zum Schluß möchte ich auch mit dem Ausdruck des Dankes und unter besonderer Anerkennung hervorheben, daß die Beratungeir über den Entwurf auch von der anderen Seite in durchaus friedlicher und sachlicher und entgegenkommender Weise geführt worden sind. Oberrat Geh. Hofrat Prof. Dr. Rosin: Im Namen und Auftrag des Gr. Oberrats der Israeliten habe ich zunächst dem Antragsteller des vorhin vom Herren Präsidenten verlesenen Antrages den Dank des Oberrats und seiner Mitarbeiter auszusprechen für die verschiedenfache Anerkennung, die in diesem Antrag niedergelegt ist. Ich danke für die Anerkennung, die dem Oberrat nach der Richtung gewährt worden ist, daß er bei Ausarbeitung des Gebetbuches sich nur von den Absichten leiten ließ, die im inneren Zusammenhang mit der ihm obliegenden Aufgabe stehen. Ich danke für die Anerkennung insbesondere, welche den Mitgliedern der Religionskonfercnz dafür ausgesprochen worden ist, daß sie mit unermüdlichem Fleiß Jahre hindurch sich ihrer Aufgabe gewidmet. Ich danke für die Anerkennung, daß der Oberrat auch nach dem Ausfall der Wahlen nicht etwa um eine Verschärfung der Meinungsverschiedenheiten herbeizuführen, sondern aus sachlichen und pflichtgemäßen Gründen zur Einbringung der jetzt zur Verhandlung stehenden Vorlage sich entschloß, und ich danke zum Schluffe für die Anerkennung, die dem Oberrat mit den Worten ausgesprochen ist, daß er im Falle der Annahme der Vorlage bestrebt gewesen sein würde, dieselbe unparteiisch und ohne Gewissenszwang zur Einführung zu bringen. Es ist. dem Oberrat nicht gelungen, seinen Vei> ordnungsentwurf zur Annahme zu bringen. Aus dem Bericht, den'der Herr Referent ber Kommission Ihnen vorgetragen hat, werden Sie ersehen haben, daß die Annahme dieser Vorlage aussichtslos gewesen ist. Der Oberrat ist dadurch in die Lage versetzt worden, daß er nicht im Stande ist, auich nur für eine einzige Gemeinde die Einführung des Gebetbuches in Schule und Synagoge zu genehmigen. Das kann der Oberrat bedauern, aber er sieht sich da Verhältnissen gegenüber, die er nicht zu überwinden vermag. An die Zustimmung der Synode ist die Einführung des Gebetbuches geknüpft worden: wenn diese nicht zu erlangen ist, ist die Einführung auch nicht im Sinne der gemachten Vorlage, zu ermöglichen. Dieses selbe praktische Resultat wird erreicht, wie durch die Ablehnung der Vorlage, so auch durch die dem Oberrat angesonnene Zurückziehung durch Verzicht auf weitere Beratung und formelle Mstimmung. Der zweite Weg des Vorgehens hat den Vorzug, den auch die Anhänger, des Gebetbuches dem Oberrat gegenüber zur Betonung gebracht haben, daß dadurch jede Verschärfung ber Gegensätze durch aufgeregte und prinzipielle Debatten vermieden wird. Der Oberrat erkennt dies durchaus an und ist namentlich dadurch, daß auch die Anhänger des neuen Gebetbuches in ihrer besonderen Eingabe ihm versichert haben, daß er durch Zurückziehung der Vorlage sich keiner Plichtverletzung schuldig machen wrde, dazu bewogen worden, dem Wunsche nach Zurückziehung der Vorlage Rechnung zu tragen. Ich habe also hiermit im Namen des Obcrrats zu erklären, daß, wenn der dem Präsidenten vorgelegte Antrag die einstimmige Billigung der Synode findet, von dem Oberrat auf weitere Beratung und die formelle Mstimmung verzichtet werden wird. Bors. Dr. Staadecker: Sie haben den Entschluß des Gr. Oberrats gehört. Ich ersuche die Herren Mgeordneten, die für den heute eingebrachten Antrag snrd, sich von den Sitzen zu erheben. Der Antrag wird einstimmig augenomm'.n. Oberrat Geh. Hof rat Prof. Dr. R o s i n: Entsprechend der vorläufigen Erklärung, die ich vorhin abgegeben habe, habe ich nun offiziell zu erklären, daß der Oberrat auf die fernere Behandlung des vorgelegten Entwurfes und die Abstimmung über denselben verzichtet. Meine Herren' Sie werden es mir glauben, daß ich selbst persönlich durch die Erklärung des Oberrats bewegt bin, weil sie eine mühevolle Arbeit, die in guter Msicht unternommen ist, ihres Ergebnisses beraubt. Mer m. H., ich erinnere, namentlich auch die Mitglieder, welche sich an der Ausarbeitung des Gebetbuches beteiligt haben, an ein Wort unseres großen Philo sophen Kant, welcher gesagt hat, daß es in der ganzen Welt nichts gibt, was unbedingt und uneingeschränkt als gut zu erachten ist, denn allein der gute Wille. Dieser gute Wille ist anerkannt worden, und mit diesem Anerkenntnis müssen wir in dem gegenwärtigen Momente uns begnügen. Aber der Bewegung fehlt auch die Erhebung nicht. Diese besteht in dem Bewußtsein, das; auch ans den inneren, ich darf wohl sagen, aus den schweren, inneren Krisen die Organisation der.Landessynagoge ungeschwächt hervorgegangen ist: daß das harmonische Verhältnis innerhalb der Synode, in der sich ja ver schiedene Richtungen befinden, und das harmonische Verhältnis des Oberrats Zur Synode auch weiterhin ungestört bleibt. Dieses ungestörte harmonische Verhältnis soll forwaucrn, und es soll uns die Grundlage oafür geben, daß wir gemeinsam weiter arbeiten können zur Förderung und Hebung eines in seinen: Stolz bescheidenen jüdischen Bewußtseins, zur Förderung der religiösen Interessen des Judentunts und zur Festhaltung der bürgerlichen Rechte, die in unserem Staate dem Judentum gewährt sind. In diesem Sinne danke ich alten deneit, die mit bemüht waren, den gegenwärtigen friedlichen Abschluß herbeizuführen. Ich danke namentlich auch allen Synodalabgeordn-.ten, die, was ich auch schon hervorgchoben habe, durch ihr friedvolles Verhalten diesen Ausgang ermöglicht haben. Seien Sie versichert, daß der Oberrat dies zu schätzen weiß, und seien Sie überzeugt, daß der Gr. Oberrat, wie er bisher in oer loyalsten Weise vorgegancsdn ist, auch fernerhin von der Linie der Gerechtigkeit und der Loyalität und der von ihm vorgezeichneien 'Aufgabe auch nicht um eines Haares Breite ablveichen wird. Bors. Dr. Staadecker: Damit ist der Gegenstand unserer heutigen Tagesordnung zur allseitigen Befriedigung erledigt, eine weitere Tagesordnung liegt fßr diese Sitzung nicht vor. Tie nächste Sitzung beginnt um 12 Uhr. 3. Sitzung mittags 12 Uhr. Bors. Dr. Staadecker verliest die Huldigungsadresse. — Ich habe Ihnen fernerhin noch folgenden Beschluß zu übermitteln: Mit Rücksicht aus die erledigte Gebetbuchvorlage erkläre ich hiermit alle Petitionen, die irgendwie im Zusammenhang mit dem Gebetbuch standen, für erledigt. lieber die Petition der Lehrer berichtet Synodale Car leb ach und beantragt, die Position in Höhe von Mk. 21000 auf Mk. 26000 zu erhöhen. Oberrat Ettling er bemerkt, daß die Petition der Lehrer zu spät eingetroffen sei, um noch bei der Ausstellung des Etats Berücksichtigung zu finden. Im übrigen sei den Absendern dieser Petition noch nicht bekannt gewesen, daß eine Erhöhung von Mk. 21000 auf Mk. 26000 erfolgen . soll. — Synodale K assewitz berichtet über das Lehrlingsheim und andere Wohlfahrtseinrichtungen. — Hirsch-Weinheim, beantragt die Gehälter der Lehrer des ganzen Landes aus der Zentralkasse zu zahlen und zu diesem Zwecke die Steuern um 10 % zu erhöhen. Bauer- Mannheim wendet sich dagegen, unter anderem mit dem Hinweis darauf, daß Mannheim bereits sehr hohe Steuern bezahle. Der Antrag wird abgelehnt. Ein weiterer Antrag Hirsch- Weinheim, bei der Besetzung der Lehrerstellen in Baden nur solche Bewerber zu berücksichtigen, die auf badischen Seminaren vorgebildet sind, wird angenommen mit dem Amandement Dr. Eschelbacher-Kassewitz, wonach „möglichst" solche Bewerber berücksichtigt werden sollen. Eine ausgedehnte und lebhafte Debatte entfesselt der vorgeschlagene Entwurf zu einer Verordnung die Verfassung und Verwaltung der israelitischen Religionsgemeinden betreffend. Insbesondere ist es die vorgeschlagene Bestimmung, wonach nur Reichsangehörige das aktive und passive Wahlrecht haben sollen, die lebhaft bekämpft wird.. Aus der Versammlung heraus kamen noch weltergehende Anträge, die dahin tauten, daß Reichsausländer nach einer gewissen Karrenzzeit das Wahlrecht erhalten sollen. Da indessen der Oberrat das Schicksal des Entwurfes von der Annahme dieser Bestimmung abhängig macht, wird diese Bestimmung genehmigt, mit dem Zusatze, daß auf Antrag des Synagogenrates der Oberrat auch Nichtreichsangehörigen das Wahlrecht verleihen kann. Der Antrag, den Lehrern eine Vertretung von 3 Stimmen im Oberrat zu gewähren, wird abgelehnt, ebenso ein Amandement Dr. Pinkuß'/ das die Vertretung der Lehrer auf eine Stimme beschränken will. " Am Dienstag wurde das Bureau der Synode vom Großherzog empfangen. Nachmittags fand die Schlußsitzung statt, die nichts Bemerkenswertes bot. /