Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18. Nr. 16. Der JSraeltt. 16 «p il 1908. über aus den Kneipen der Malteser und Griechen; er macht den stillen Frieden des Hara doppelt erquickend. Im Westen der Judenviertel liegt dessen ausgedehnter Friedhof. Biel tausend Gräber birgt er, weißgetünchte Lehmblöcke, in deren runden Aufsätzen kleine Nischen freigelassen sind für Oel- Junges Ehepaar zu Tripolis. lämpchen, die jeden Freirag Abend entzündet werden zur Erinnerung an die darunter Schlummernden. Schlanke Zypressen grüßen ernst herüber auf diese Stätte ewigen Friedens, während die unaufhörliche Brandung des Mittelmeeres tosend die weißschäumende Brandung an die Mauern des Friedhofs wirft. Schlafraum im Wohnzimmer. Von Europa aus geschieht gar viel, um das geistige Niveau der Tripoliner Judenschaft zu heben, besonders von Italien, das hofft, eines schönen Tages seine Hand auf diese exponierte Provinz des türkischen Reiches legen zu können. In den Schulen (eine französische, meüere italienische^stMyut der überwiegende Teil Schüler aus Lf Gastfreundlich sind die tripolitanischen Juden, ie nur irgend'em Beduinenstamm in den Sand- B und Steinwüsten Asiens und Afrikas. So hätte ich es einzig der werktätigen Hilfe jüdischer Kausleute zu verdanken, daß ich nach Gadames gelangte, nach der Hochburg verwegener Tuarikstämme. Die Tripoliner und Tunesischen Juden wußten sich durch den in ihren Händen befindlichen Handel so unentbehrlich zu machen, daß sogar der fremdenfeindliche Targi gerne eine kleine Kolonie „Ungläubiger" in seinem Gebiet duldet. Und wie oft saß ich des Freitags Abend am gastfreundlichen Tisch, wenn der Hausvater die Broche gemacht, und das Brot mit Worten in uraltem Sebräisch gesegnet, es gebrochen und in alz getaucht, erst mir, dem Fremden, dem Andersgläubigen gegeben, dann den Söhnen und zuletzt den weiblichen Gliedern seiner Familie. Auch bei den Aermsten war ich willkonlmen, wenn der Weg des einsamen Jägers zu den Ansiedlnngen dortiger Juden geführt. Wohl halten sie in der westlichsten Hafenstadt des osmanischen Reiches, in der Pforte zur Sahara, noch treu an Sitten und Gebräuchen der Väter, tragen sie besonders an Samstagen und zu Festzeiten noch ihre malerische Tracht. Aber immer stärker taucht fränkische Kleidung und fränkische Gewohnheiten aus, immer mehr und mehr lernen sie Sitten und Sprache der Abendländer beherrschen. Wie überall in der weiten Welt, verschwindet auch dort jeder altehrwürdige Brauch und jede angestamnite Sitte, platzmachend dem nicht immer glücklichen Einfluß europäischer Ueberlegenheit. Und wie heute schon im benachbarten Egypten und in Algerien, werden auch im Hara 511 Tripoli bald die Juden nicht mehr. vom Europäer zu unterscheiden sein. egg DU Men in der Amsterdamer Dlamanten-tndnstrie. Die Zeitschrift für „Demographie undStatistik bringt in Nr. 12 aus der Feder des Herrn N. W. Goldstein einen Artikel über den Anteil der Juden an der Diamantenindustrie in Amsterdam, dem wir folgende interessante Stellen entnehmen: Amsterdam das heute die hervorragendsteRolle im Leben der Diamantenindustrie spielt und die absolute Mehrheit aller in dieser Industrie in Europa und Amerika beschäftigten Arbeitskräfte aufweist (es wurden gezählt Arbeiter in der Diamantenindustrie im Jahre 1896: Amsterdam 10—11000; Antwerpen 2500; Paris 200—250, Hanau am Main 200; St. Claude 200; Brooklyn 350, außerdem befindet sich eine Anzahl von einigen hundert Arbeitern in Luzern, Genf, Cincinatti und Boston), ist auch derjenige Ort, wo die moderne Diamantenbearbeitung zuerst aufgenomnien worden ist. Schon im Jahre 1456 finden wir dort den Blamen Lodewyk van Berkem, der als Erfinder der Kunst des Tiamantenschleifens gilt, im Aufbauen der Grundlagen dieser Industrie tätig. Zugleich Mit van Berkem ließen sich in Amsterdam auch viele spanische und portugiesische Juden nieder, u« die Diamantenindustrie aufzunehmen. Das massenhafte Eindringen des jüdischen Elements iy diese Industrie beginnt jedoch erst mit dem Jahre 1593, als der Strom der geflüchteten Marranos sich nach der gastfreundlichen Batavischen Republik ergoß und bestinimte Wirtschaftsquellen zu erschließen suchte; später schloffen sich ihnen auch polnische Juden an. Während aber die ersteren, die spanischen'und portugiesischen Juden, die aus reichen und vermögenden Elementen bestanden, den Handel und die Leitung der Produktion übernahmen, sahen sich die letzteren, die polnischen Juden meistenteils in jämmerlichem Elend verkommene Leute, gezwungen, 511 der Lohnarbeit Indische Fra« in ihrer Häuslichkeit. Zuflucht zu nehmen. Nun entfaltete sich auf dem Gebiete der Dinmantenindustrie die ganze ökonomische Energie der Juden, und zwar aus zwei Gründen. Einerseits war die Diamantenindustrie die einzige, die in Holland von keinem Zunftreglement beschränkt war, andrerseits waren die Juden durch spezifische historische Berhältniffe zu begabten Spezialisten im Diamantenhandel und -Gewerbe geworden und sahen für sich deshalb diesen Wirtschaftszweig als die Linie des geringsten Widerstandes an. Im Laufe des Mittelalters, wo die Konfis¬ Jüdifche Kaufleute zu Tripolis, Strautzeufedern sortierend. kation ihres Eigentums zur alltäglichen Erscheinung geworden war, war es natürlich, daß die enden ihr Vermögen vorzugsweise in mobilem igentum anlegten und darunter ^besonders in solchem, daß ein Maximum an Wert mit einem Minimum an Volumen, wie Edelsteine, Gold usw. darstellte^ „Um ihr Eigentum christlichen Dieben gegenüber zu schützen", sagt ein englischer Schriftsteller Peters, »mußte ihr Reichtum tragbar (portable) sein. Sie. haben ihn darum oft