Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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r/rr AcrsVWeff uni Leb .Osrnelif" ullustrierfe Beit Im dara zu Tripolis. Mit 6 Origtnalaufnahmen von- Cito C. Artbaner. Der Bewohner Tripolitaniens, unmittelbar am Nordrand der Groben Wüste, zeigt sich in seines sprachlichen Gepflogenheiten den arabischen Ueberwölbte Straften im Hara z« Tripolis. Brüdern im Atlas überlegen. Er nennt die JudeyeQuartiere seines Landes nicht wie jener „Mellach", d. h. unreiner Boden, der von Ungläubigen bewohnt wird, sondern bezeichnet sie kurzweg als „Hara", als Stadtteil, Stadtviettel. Der Umstand allein zeigt, daß europäischer Einfluß nicht immer zersetzend auf Eingeborene wirkt, sondern manchmal auch veredelnd — leider ersteres öfters als letzteres! Nach den Schätzungen — genaue Volkszählung ist eine komplette Unmöglichkeit — und den Angaben der Aeltesten und Rabbiner dürsten an die 1300V Einwohner im Hara von Tripolis ansässig sein, eher mehr denn weniger. Ein fleißiges, tüchtiges Völkchen, ein schöner Menschenschlag, gesunde, kräftige Männer, die tagsüber emsig den verschiedenen Beschäftigungen nachgehen, und liebreizende Frauen von berückender Schönheit. Und zwar sind sie schön auch nach europäischen Begriffen! Die Mädchen heiraten mit 11—12 Jahren, sehr selten später. Da der junge Gatte nur um wenige Jahre älter ist, behält das Pärchen lange Zeit den kindlichen Sinn und fügt sich willig der überlegenen Autorität der Eltern, in deren Heim sie auch weiter wohnen bleiben, meist in dem seiner Eltern. Doch daß diese Frühheiraten weder auf physisches noch moralisches Gedeihen verderbliche Rückwirkung ausüben, davon ist rasch jeder überzeugt, der diese Menge wohlgeformter Jünglinge und herziger Mädchen sieht, der je Einblick genoffen in das rührend patriarchalische Familienleben der Tripoliner Judenschast. In den äußerlich äußerst unscheinbaren Häusern ziehen sich um große, mit Steinfiießen gepflasterte Höfe breite Holzveranden, von welchen der Hausherr gegebenenfalls alles im Hause Vorgehende übersehen kann. An den Wänden führt je eine Tür in ein längliches Zimmer, dessen Wände mit prächtigen Fayenzeplatten geschmückt sind. Oft sieht man Moses und Aaron, Bilder von Montefiore und Hirsch. An einer Schmalseite des Raumes zeigt auf erhöhter Estrade aufgeschichtetes Bettzeug die einfache Schlafstelle der Familie an. Doch der schwülen Luft und warmen Sommernächte wegen schlafen die Leute — wie alles in jenen Regionen — meist im Freien, auf Veranden oder flachen Dächern. Viele der wohlhabenden Kaufleute besitzen schöne Landhäuser und Billen in den Oasen, die sich gleich einem Kranz um Tripolis ziehen als grüner Wall zwischen Sand- und Wafferwüste. Die Kaufmannschaft des Tripoliner Hara besitzt Verbindungen im ganzen Sudan, in der ganzen Sahara. Große Gaffilen,*) von diesen rührigen, unternehmenden Geschäftsleuten ausgerüstet, tragen europäische Waren in das Innere des schwarzen Erdtells und bringen dessen Erzeugnisse an die Küste, von wo sie ihren Weg nach den europäischen'Warenhäusern finden. So sehen wir auf einem unserer Bilder, wie Straußenfedern, die soeben mit anderen Waren durch eine große Karawane aus den westlichen Teilen der Großen Wüste gebracht wurden, sofott nach Größe und Qualität sortiert und verpackt werden, um mit dem nächsten Dampfer zu uns herüber gesendet zu werden. Das eigentliche Hara, das bis vor wenigen Jahren kein Mohammedaner anders betrat, als in der löblichen Absicht des Plünderns, besteht aus einem Gewirr enger, überdachter Gäßchen voll zwei- und vierbeiniger Lebewesen. Schmutzig wie alle orientalischen Städte oder Stadtteile, herrscht in seineil Sttaßen während des ganzen Tages ein unaufhörliches Kommen und Gehen, ei» Geschästsgettiebe, würdig dem in den Bazaren zu den lebhaftesten Zetten. Und in den Abendstunden, wenn stiller Friede sich auf die volkreiche Hafenstadt gesenkt, sitzen die rührigen Männer vor den *) Pl. von Gaffila — Karawane. Jüdische Familie z» Tripolis. zahlreichen Kaffeebuden, trinken jihr Schälchen und rauchen die unvermeidliche Schischa dazu, die Wasserpfeife. Halberwachsene Söhne schmiegen sich an die Kniee der Väter und die Leute sprechen von den Geschäften des Tages und der Familie, Frauen in malerischer Tracht unter weißem Ueberwurf promenieren, die würzige Abendluft genießend. Vom Hafen tönt dumpfer Lärm her-