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Der Israelit · 1908-04-15 · Heft 16 (15.4.1908) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Der FAruellt» iS. April 1905. Nr. 1« «eite ISS echtem Thoragetst aefftttlotett Gottesfurcht, an seiner erquickenden wissenschaftlichen Wahrhaftigkeit, an seiner biS inS Kleinste hinetnwirkenbm fittltchen Akkuratesse fich — oft von ferne — emporranken durften. Wie Prof. Werner in den zahlreichen Bereinen, denen er als Leiter und Mitarbeiter gedient, diese Grundeigenschasten seines Wesens zum Wähle der Gesamtheit betätigte, — er war insbesondere lange Jahre Präses der Israelitischen Waisenanstalt — mag hier unbesprochen bleiben, da es uns nur gilt, in schwachm, schwankenden Zügen ein Bild seiner Persönlichkeit festzuhalten. Aber eines wars, worein er seine ganze Persönlichkeit ergoß, und dieses eine allem, es würde htnretchen, um ihm ein ewiges Gedenken im Kreise unserer Gesamtheit zu sichern: sein Wirken als mip ta und nten bya* Man darf es aussprechen/ ohne fich einer Ueberhretbung schuldig zu machen: wer Prof. Werner nicht let'nen gehört hat, der ahnt nicht, welche Fülle von einfacher, urwüchsiger Schönheit in unseren ODyvl niHD schlummert. Unter seinem Zauberstabe erwachte aus diesen unscheinbaren Strichen und Pmckten, die als Metheg und Dagesch ein vtelverkanntes Dasein fristen, ein nie gehörter schwebender Rhvthmus, der auf den einigermaßen für solche Dinge Empfänglichen als eine wahre musikalische Offenbarung wirkte und der nicht sobald wieder aus dem Gedächtnis schwindet. In der Frankfurter Klaus hat er jahraus jahrein diese Offenbarung verkündetaber wenn der Ttschri-Schofer ertönte, dann trat er alljährlich — bis vor zwei Jahren fein Leiden ihm Ruhe auszwang — als r6on für die rvnntfs Gebete vor den nipy in dem großen Gotteshaus der Reltgionsgefellschast, sich den unauslöschlichen Dank von Generationen betender Männer und Frauen zu verdienen. Schon das Bewußtsein, w e r es war, der hier als iDif n^JP/ als Bote der Gemeinde, vor Gott stand, war ein mächtiger Hebel, Stimmung und Andacht zu erwecken. Und nun sein Gebet! „Nicht im Sturmwind wohnt Gott," schien es zu kündenjeder Tön eine Predigt der Bescheidenheit, der absoluten Unterordnung unter das Gegebene, ttner durchgeistigten Unterordnung, der kein Jota gleichgültig, keine Nüance unwichtig ist die mit demütiger Selbstkritik nnsa vor ihrem Schöpfer dahinstnkt, die alles Hoffen und Sehnen, alle Verzweiflung und allen Jubel nur in leiser Bewegung anzudeuten wagt und die dann milde auskltngt in die hellen Akkorde echter jüdischer Lebensklarheit. So betete er und so w a t er. Physisches Leid und herbster Seelenschmerz find ihm nicht erspart geblieben — aber wer so beten konnte, der vermochte auch manches Weh in stiller Größe zu ertragen. -D'TIDK ITID'I D^n «Dm "|D)D -IDy '2&b 1G21V« IQ'PDI-wie oft hat ers in schlichten, weichen, verhauchenden Tönen der Gemeinde ins Herz hinelngesungen: das Lied ist zu Ende, aber der yvIV wird ihm die Treue wahren, da seine Hülle nun im Staube schlummert, und das, was in ihm sang und weinte, heimgekehrt ist zum Hörer des Gebets. •n*asün Darmftadt, 12. April. Eine schmerzliche Veranlassung vereinigte Ktzten Sonntag eine zahlreiche, von Wehmut erfüllte Trauergemeinde in Biblis. Nach einem gesegneten Wirken von nahezu 40 Jahren war Lehrer Rohrheimer unerwartet zum Schmerz seiner Familie, seiner Gemeinde und der vielen Freunde und Kollegen aus -dem Leben geschieden. Lehrer Rohrheimer zählte zu jenen seltenen Naturen, deren Leben die idealste Verkörperung des Propheten«,-irtes rnnNl vOVQ niwy IDn ist. Mit der lautersten Frömmigkeit verband er ein Pflichtgefühl und eine Hingebung an seinen Beruf, welche auch trübe Erfahrungen nicht zu erschüttern vermochten, sowie eine Friedensliebe und Bescheidenheit, welche ihm alle Herzen in Zuneigung gewann. So hat die Gemeinde Biblis, deren Mitglieder fast alle zu seinen Schülern zählen, ihren langjährigen verdienstvollen Beamten, die Jugend den wohlwollenden Erzieher und die heilige Sache ihren bewährten, kenntnisreichen Förderer verloren. Da die Festesstimmung des Erlösungsmonats eine ausführliche Würdigung se nes reichen Lebens verbot, gab Herr Robb. Dr. Marx Darmstadt, in wenigen Worten dem allgemeinen Schmerzgefühl Ausdruck. Namens der Kollegen und der Verwaltung des ^Unabhängigen israel. Lehrervereins in Hessen", dem der Verblichene seit der Gründung angehörte, sprach Herr Leb er mann-Darmstadt den Dank und die Versicherung aus, baß das Andenken des in Freundschaft erprobten Kollegen, des ideal hochgesinnten Lehrers dauernd fortleben werde, während für die Verwandten Herr Lehrer Keßler-Iserlohn in bewegten Worten Abschied nahm. Mit dem Gefühle allgemeiner Wehmut verband sich der Wunsch, daß der Allgütige den trauernden Hinterbliebenen und der Gemeinde reichen Trost senden möge für das Hinschetden eines Mannes, von dem mit vollem Recht gesagt werden kann pvuj -dj. Pose«, 8. April. Der Stadt erordnete. Kaufmann Adolf Baruch starb am Sonntag im Alter von 42 Jahren und wurde heute unter überaus zahlreicher Betätigung beerdig . Mit ihm ist eine über die Grenzen unserer Stadt hinaus bekannte, in weitesten Kreisen beliebte Persönlichkeit dahtngegangen, ein Mann, der seinen Fähigkeiten nach berufen war, noch vieles zu schaffen und in unserer Stadtverwaltung fich wirksam zu betätigen. Geschäftlich wirkte der Entschlafene erfolgreich als Mit inhaber der Dachpappen- und Asphalt-Fabrik Viktor und als Mitbegründer und Leiter der Posener Mörtelwerkr, beteiligte sich auch an verschiedenen anderen Unternehmungen, denen feine kaufmännische Begabung zum Vorteil gereichten. Den Armen und Bedrängten war er ein Wohltäter, und groß ist die Zahl derer, die seinm so frühen Heimgang betrauern. Pose«, 8. April. Gestern Nachmittag wurde die Gattin unseres Rabbinats-Affeffors Herrn Krause zu Grabe getragen. Die Berswrbene war eine fromme jüdische Frau im wahren kirnte des Wortes Auf allen Wohltätigkeitsgebieten zeichnete sie fich rühmlich aus. Die große Beliebtheit der Toten konnte bei der Beerdigung wahrgenommen werden. Fast alle GemeMdemitglieder beteiligten sich an derselben. Auch viele Nichtjuden sah man unter den Trauernden. Lobositz, 10. April. Am Sonntag fand hier das Leichenbegängnis des Herrn Rabbiners Heinrich Brock unter überaus großer Beteiligung statt. Alle Mitglieder der Kultusgemeinde Lobositz, die israelittsche Schuljugend, die Vorstände und Lehrerschaft der hiesigen Volks- und Bürgerschulen, zahlreiche Bewohner der Stadt und aus dem Bezirke, viele Mitglieder aus anderen Kultusgemeinden, insbesondere Bilin gaben oem Verstorbenen das letzte Ehrengeleite. Rabbiner Dr. Morgenstern aus Leitmeritz hielt dem Verstorbenen eine tiefempfundene Grabrede. Namens der Kultusgemeinde Lobositz sprach Herr Dr. Karl und namens der Kultusgemeinde Bilin Rabbiner Lvwy.H omgM - 8. B. in 9L Herr Jakob Daube (Weinhandlung) in Freiburg könnte Ihnen darüber am besten Auskunft geben. E. W. in H. Wir danken Ihnen für die Mitteilung, von der wir gelegeMltch Gebrauch machen werden. Im übrigen bedarf eS wohl kaum der Beweise, baß der deutsche Jude überall im Auslande ein eifriger Förderer deutscher Sprache und deutscher Kultur ist. G O-, Lehrer m Tr. Wtt hoben von beiden Jublläumsfeiem bereits in früheren Nummern Notiz genommen. Nochmals darüber zu berichten, dürfte kaum dem bescheidenen Sinne der Gefeierten entsprechen. L. L. in B Wir danken Ihnen für den Bericht, konnten chn aber nicht verwenden, da uns berettS vo.i anderer Seite ein Nachruf zugegangen war. A. W. in M. Hebräische Gedichte in diesem Umfange können wir leider nicht verwenden. Für Kürzungen und Verstümmelungen schetm uns doch das Gedicht zu gut. Wir senden Ihnen daL Manuskript zurück, mit dem Rate, eS einer hebräischen Zeitschrift einzuschtcken. '■** I. K in 8. Die Sache ist zu unbedeutend, um darauf einzugehen. Sprecdsaal. I»Ra witsch, 12. April. Sehr gee'thrte Redaktion! Ja einer Sitzung her Repräsenta iten-Berfammiung der Breslauer Synagogen-Gemei -de vom 30. v. MtS. wurde, wie in einem „Breslauer Gemeinde-Liberalismus" Vberschriebenen Artikel in Nr. 15 des „Israelit" berichtet wird, seitens eines Breslauer Repräsentanten eine Behauptung aufgestellt, die geeignet ist, die hiesige Gemeinde- Verwaltung in ungü stigrm Lichte erscheinen zu laffen. Nach jener Behauptung sollen Fra ien, denen, da die Breslauer Mikwah nicht benutzbar war, dort die Weisung erteilt worden war, nach Rawitsch zu fahren, wo auf Veranlassung des Breslauer Gemeinde-Borstandes die Mikwah täglich geheizt sei, die Reise vergebens gemacht haben, da die Rawitscher Mikwah ungeheizt war.7___ Im Interesse des Ansehens der Rawitscher Gemeinde sei hiermit der w rkliche Sachverhalt dargestellr. Am 5. März traf bei hem hiesigen Gemeinde-Rabbiner ein Schreiben des Breslauer Rabbiners ein, in dem mitgetetli wurde, daß die Mikwoh der Breslauer Gemeinde außer Betrieb sei und gebeten wurde, für die Dauer des Breslauer Mtßstandes die hiesige Mikwoh täglich zu Heizen. Dieses Schreiben wurde seitens des hiesigen RibbinerS sofort dem Vorstande der hiesigen Synagogen-Gemeinde übergeben, der noch am selben Tage anordnete, daß dem Gesuche des Breslauer Rabbiners Folge geleistet würde. So ist die hiesige Mikwah bis zum 24. März, dem Tage, an welchem von B eslau die Mitteilung einging, daß die dortige Mikwah wieder in Betrieb sei, täglich, auch Sonntags sogar, obgleich das Heizungspersonal nichtjüdisch ist, geheizt und auch von einer Anzahl Breslauer Damen benutzt worden. Bor dem Eintreffen des Schreibens des Breslauer Rabbiners, also bevor die Breslauer Kalamität hier bekannt war, war allerdings eine unangemeldet angekommene Dame, nicht, wie der Bericht behauptet, mehrere, vergebens hi r gewesen, da für den Umfang unserer Gemeinde s völlig genügt, wenn die Mikwah nur bei Anmeldung abgesehen von festgesetzten Tagen, an tenen sie stets in Betrieb ist, geheizt wird. Die Schuld, daß jene Dame die Reise vergebens machte, trifft also keineswegs die hiesige Gemeinde-Verwaltung, sondern nur die Breslauer. Zu den Rügen, die der Breslauer Repräsentant, Professor Badt, mit vollstem Rechte dem Breslauer Gemeinde-Vorstände wegen zu langsamer Abstellung der Kalamität erteilte, hätte er, wenn er fich hier orientiert hätte, mit noch größerem Rechte den Borwurf hinzufügen können, daß hierher nicht schleunig genug von der Breslauer Mißlichkeit berichtet wurde. Der Breslauer Gemeinde-Borstand hat in der Angelegenheit an den hiesigen Vorstand.auch nicht eine Zeile gerichtet - statt des Dankes, der der hiesigen Gemeinde-Verwaltung für die Bereitwilligkeit, mit der sie die Befriedigung der religiösen Bedürfniffe der BreSlauer Gemeinde - Mitglieder dieses Mal wie auch in früheren Fällen stets ermöglichte, gebühren würde, erntet sie nun, wie die im Eingang angeführte Behauptung eines Mitgliedes der Breslauer G.metnbe- Behörden zeigt, Undank. Die Genreinde Rawitsch verzichtet auf Dank, sie hat es sich stets zur Ehre gerechnet, ihre mustergültigen Ritual-Institutionen Jedermann aus naher und ferner Um ebung, ohne eine Gegenleistung zu beanspruchen in liberalster Weise zur Verfügung zu stellen. In dieser „liberalen ' Praxis wird sie unentwegt fortfahren, und dieser „Liberalismus" ist ihr Stolz. Ganz ergebenst Georg Hermann Loewy. Briefkasten. S. M in D. Die Notizen sind zn unbedeutend und entbehren jedes öffenttichen Interesses. Wichttgere Mitteilungen warben crs st rz w s 11. Uereinskalender. Verein Mekor-Chajtm, SamStag, 18. April nachmittags 4 Uhr (Schützenstraße 3), Mikro-1 orttag deS Herrn Leop. Schwad. Samstag, 35. April, nachmittags 4 Uhr, Mitto-Bortrag des Herrn Jos. Sänger. Bereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit, Sonntag, IS. April, aSenbS 8'/. Uhr präzis: 2. Referat und Rezttattonsaoend im Hörsaale Schützenstraße 12. TamlilennackricMen. Verlobte: Ernestine Mos bacher mit Jul.Blumen thal, beide hier. Vermahlte: Hugo Rothschild, Betti Rothschild geb. Maier, hier. Verstorbene: Prof. Dr. Werner, hier, 67 Jahr. — Chaje Weißberger, hier. Bar Misvroh: Paul» Sohn des Herrn Rudolf M (Brünn) am nvL bv p*inx. Sabbat-Anfang u. Ausgang. Mittwoch 15. April 14. Niffan, nDD 2iy. Festanfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 5 Min. Donnerstag 16. April 15. Niffan pfDDl Freitag 17. April 16 Niffan riDDl .-lyiDn Vin rattr ORT: Anfang Dntnm AuSgang UhriMm. 1908 5668 Uhr tz»i«. I8.Avril.17.Niffan Frankfurt a. M. 6 50 8 10 Berlin .... — — 7 50 München . . . 6 45 7 48 Strastburg . 7 — 7 05 Stuttgart. . . 6 45 8' iBofen .... — — 7 50 Nürnberg . . — — 7 53 Hamburg - . . — — 8 20 Prag. — — 7 40 nntag 19. April 18. Niffan lyion *nn« »ntag 20. April 19. Niffan TyiDD Tin« mstag 2. April 20. Nissan ijfiDn bin ttwoch 22. Avril 21. Niffan nnen '7. Für de« Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwörtlich; insbesondere ist eS nnSfchliestlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene» Empfehlungen ritueller Waren »der sonstige ««gaben religionSgefetz. lichen GharakterS anf ihre Zuverlässigkeit zn prüfe». Hritz, laufen Sie mal rasch hinüber und holen sie gleich drei Schachteln Fays ächte Sodenet Mineral-Pastillen! Ich bin nicht für die Lin- _ nehmerei und Hab mich bisher redlich mit meiner Erkältung geplagt. Aber wen» ich denn schon was nehmen muß, dann nehm ich VT? auch gleich was rechtes, und das sind, nach allem, was man hört, eben doch Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen. Die kauft ma» in jeder Apotheke, Drogerie und Miue«l» wafferhandlung für 85 Pfennig die Schachtes.

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