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Der Israelit · 1908-04-15 · Heft 16 (15.4.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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15. April 1908. Der JSraeltt. Ro. 16. Seite 9 Pein, Schmiedestraße 19/21 pünktliche Erledigung. Cöln, 10. April. Die hebräische Ausgabe der hier erscheinenden zionistischen „Welt" oViyn schreibt in ihrer letzten Nummer u. A. „Sowohl das Berliner Tageblatt, das Organ der Affimilanten als auch der fromme „Israelit" beeilten sich den Pogrom in Jaffa aufzubauschen." Daß eine politische Tageszeitung liberaler Tendenz, an deren Leitung zufällig einige Juden beteiligt sind, die sonst aber zu Juden u. Judentum inlU keinerlei Beziehung steht, als Judenpreffe denunziert wird, sind wir gewöhnt. In der hebräischen „Welt" lesen wir es zwar zum ersten Mal, in der „Kreuz- und Staatsbürgerzeitung" können wir es täglich leien. Was aber den dem „Israelit" angehängten “i'Dn betrifft, so könnte der „Israelit" in der Tat keinen sehnlicheren Wunsch hegen als den, durch seine Bemühungen und Leistungen sich das Anrecht auf dieses Prädikat zu erwerben. Nun zur Sache selbst. Man beschuldigt den „Israelit" die Ereignisse in Jaffa aufgebauscht und sie tendenziös ausgebeutet zu haben. Man tut es aber wohlgemerkt nicht in der deutschen „Welt," sondern im hebräischen „Hoolam", der für hebräische Leser, denen der „Israelit" zumeist fremd, bestimmt ist. Und dieses mit Recht. Die deutschen Leser der „Welt" könnten ja leicht die bezüglichen Artikel im „Israelit,, gelesen haben, worm es folgendermmaßen heißt: Ein natürliches Gefühl, das im Vertrauen zu '"VN begründet ist, läßt uns das erstere hoffen (den lokalen Charakter der Ausschreitung) und erwarten, daß die türkische Regierung getreu ihrer historisch geheilgten Loyalität den Juden gegenüber nicht versäumen wird, bei dieser Gelegenheit ein Exempel zu statuieren, welches für das fernere Verhalten der arabischen Bevölkerung bestimmend sein wird. Wir wollen mit Ruhe dieses haltgebietende Eingreifen' der Pforte abwarten und uns bis dahin zu keinerlei Anklagen oder allzu weitgehenden Befürchtungen hinsichtlich der Zukunft der jüdischen Ansiedlungen in Palästina Hinreißen lassen. So in Nr. 14 am 2. April. In der folgennen Nummer (Nr. 15) wurde mit freudiger Genugtuung der Brief eines Spezialberichterstatters aus Jaffa wiedergegeben, in dem besonders auf alle Momente hingewiesen wird, die den Fall als lokale Beamtenausschreitung charakterisieren. Das wiffen aber die hebräischen Leser der „Welt" nicht und darauf rechnete der ,Zaolam" als er in den traurigen Vorfällen in Jaffa eine günstige Gelegenheit gefunden zu haben glaubte, dem ihm bis in die Seele verhaßten „frommen Israelit" eins anzuhängen. Ungarn. ein neues orltioSoxes Oraan« (Bon unserem Korrespondenten.) Budapest, 12. April. Der Mangel eines in ungarischer Sprache erscheinenden orthodox - jüdischen Organs, das im Stande wäre, der systematischen Täuschung der vaterländischen öffentlichen Meinung durch die neologe Preffe, mit tauglichen Mitteln entgegenzutreten, ist seit langem empfunden worden. So ist's denn freudig zu begrüßen, daß die orthodoxe Landeszentralkanzlei sich entschlossen hat, unter ihrer Aegide ein publizistisches Organ in ungarischer Sprache, unter dem Titel „Maavar-Zfido", erscheinen zu lassen. „Egyenlöseg", der Hauptverkünder neologer Lehren, schlägt jüngster Aett in seinen Spalten einen Ton an, der die Grenzen des Erlaubten allzustark überschreitet, und sozusagen in eine Art „politische Raserei" verfällt. Hierbei werden Dinge, denen selbst der Wahrscheinlichkeitsbeweis fehlt, von dem bezeichneten Blatte als vollwertige Wahrheiten aufgetischt. Nun diesem Treiben ein Ende zu machen, oder wenigstens die neologen Heißsporne ein wenig abzukühlen, dazu wird „Magyar Zsido" berufen sein und wird es ihm voraussichtlich auch gelingen, sich in solche höhere Kreise Eingang zu verschaffen, wo man bisher den orthodoxen Standpunkt hinsichtlich der Bereinigungsidee nur von amtlicher, aber nicht von gesellschaftlicher Seite kannte. Die dieser Tage erschienene erste Nummer des „Magyar Zsido" ist vielversprechend und bietet uns mannigfaltiges Material, welches nicht verfehlen wird, ein wenig calmierend auf verschiedene Kreise einzuwirken. Wir greifen aus der Fülle des Materials nur zwei Dinge heraus, die bisher in der Oeffentlichkeit nur wenig bekannt waren, auf die neologe Denkweise aber ein sehr grelles Licht werfen. Bor mehreren Jahren wurden dem unvergeßlichen Preßburger pw von der neologen Leitung namhafte materielle Vorteile und die Stelle eines Landes-Oberrabbiners zugesichert, für den Fall, daß er einer Vereinigungsaktion der Neologen zustimmte und dieselbe auch tatsächlich durchführe. Es ist wohl unnötig, zu betonen, daß dieser glänzende" Antrag, der nichts anders wie die offizielle Anerkennung des Abfalls als Judentum im Auge hatte, vom pttan V'XT ebenso gründlich als entschieden zurückgewiesen wurde. Die zweite Angelegenheit ist jüngsten Datums und betrifft die Person des orthodoxen Landesentral-Kanzlei-Präses Frankl. Als ie Abgesandten der neologen „Friedensaktion" unlängst bei demselben erschienen um der Orthodoxie ihre Hochherzigkeit aufzudrängen, erklärten sich die Herren bereit, für den Fall, daß eine Vereinigung zustande komme, Landespräses Frankl zum Oberhaupte jenes neu zu creirenden gemeinsamen Organismus zu ernennen, der das Gesamtjudentum dem Staate gegenüber zu vertreten berufen wäre! Auch betreffs dieser Angelegenheit sind wir der Mühe überhoben, die Antwort, die Präses Frankl erteilte, erst rekapitulieren zu müffen. Der „Kunstgriff" ist gründlich mißlungen. So wird in jenem Lager gearbeitet! Auf der einen Seite betonen' die Herren ihre Friedensliebe, auf der anderen begehen sie Attentate gegen einzelne Personen und gegen das Gesamtjudentum. Aus den Linien der- Hand, die den Friedensgruß bietet, sind mancherlei Dinge herauszulesen. Verschiedene Projekte, die Unheil mit sich führen und Begleiterscheinungen zur Folge haben, deren Tragweite zu ermessen, man eben kein Prophetenauge haben muß. Das neue orthodoxe Organ wird daher eine ziemlich dankbare Aufgabe haben. Es wird in die Dunkelkammer der Neologie gegen ihren Willen hineinleuchten müffen, um der Oeffentlichkeit das Ergebnis ihrer Arbeit zu demonstrieren! Rußland. Petersburg, 10. April. Wie alljährlich haben es auch dieses Jahr die Anführer des schwarzen Hunderts nicht versäumt anläßlich der bevorstehenden Ost erfeiertage in allen Städten eine wüste Agitation gegen die Juden zu entfalten, die sich des Schutzes gewisser Regierungskreise erfreut. Besonders tritt dabei der zur Genüge bekannte und berüchtigte Kruschewan sowohl in seiner Zeitung Drug (Freund) wie auch in der mündlichen Agitation hervor. Ganz besonderen Anlaß zur Beunruhigung gibt eine Eingabe des Verbandes an die zuständigen Behörden, in der gefordert wird, daß die Fahne des Verbandes in allen öffentlichen Gotteshäusern des gefaulten russischen Reiches angebracht werde als Zeichen des echten Patriottsmus und der Treue des Volkes zum Throne. Ein erfolgreicheres Mittel, die bestialischen Instinkte der unwissenden und abergläubischen Bolksmaffen gegen die Juden aufzustacheln, ist wohl kaum denkbar. Leider besteht wenig Aussicht, daß dieses Gesuch unberücksichtigt bleiben wird. Die Macht der „echten Russen" kommt derjenigen eines uneingeschränkten Selbstherrschers gleich. Dies ist durch den Kongreß der Nattonalisten und Großgrundbesitzer, der kürzlich hier stattfand, wieder aufs eklatanteste klar geworden. Gegen die von der Regierung beabsichtigten Marine- und Justizreformen wurde dort eine Sprache geführt, die einem Oppositionsmann der Linken zum mindesten lebenslängliche Verbannung nach Sibirien eingetragen hätte. Wie es heißt, plant man jüdischerseits die Absendung einer Deputatton unter Führung von Baron Günzburg an den Ministerpräsidenten Stolypin. Hoffentlich trägt dieser Schritt zur Beruhigung der geängstigten Gemüter bei. Bon welchem Geiste der Menschenliebe unsere Verwaltung beseelt ist, zeigt übrigens folgender vom Stadthauptmann in Moskau ergangene Erlaß: „In vielen Privaten Krankenhäusern befinden sich kranke Juden, deren Wohnrecht für Moskau zweifelhaft ist. DieQuartterauffeher werden daher aufs nachdrücklichste angewiesen, von allen Besitzern der privaten Krankenhäuser die schriftliche Verpflichtung einzufordern, daß sie unter keinen Umständen einem kranken Juden Aufnahme gewähren, der sich über sein Wohnrecht für Moskau nicht ausweisen kann." Diese unmenschlich grausame Verordnung verdient wahrlich die Ehrenmedaille des echt russischen Verbandes. Urcmkrjetdj. Paris, 6. April. Heute nachmittags fand die Amtseinführung des neuen Groß-Rabbiners von Frankreich statt. Eine zahlreiche, äußerst elegante Versammlung wohnte diesem Akte bei. Der Wahlakt wurde durch den Präsidenten des Konsistoriums verlesen. Nachdem noch der neue Rabbiner, Albert Levy, die Eröffnungsrede gehalten hatte, beschloß ein Gebet für die französische Republick die Feier. England. London, 12. April. Keine Woche ohne Sonntagsruhe! so möchte man beinahe ausrufen. Kaum haben die ernenten Versuche des Lord Avebury im Oberhause die Sonntagsruhe durchzudrücken, ihr vorläufiges Ende erreicht, so regen sich die Freunde des. wöchentlichen Ruhetages auch im Unterhause, mit dem erfreulichen Unterschiede jedoch, daß die Anttagsteller Mr. Price, Strauß und Genossen die religiösen Interessen der Juden von vornherein in weitgehendster Weise bei ihrem Anttage mit berücksichtigt haben. Die Bill schreibt prinzipiell volle 24 ständige Sonntagsruhe vor. Sie gestattet allerdings Ausnahmen in solchen Fällen, in denen die besondere Eigenart eines Betriebes eine vollständige Unterbrechung unmöglich macht. In solchen Fällen muß den am Sonntag beschäftigten Angestellten ein anderer ununterbrochener 24 stündiger Ruhetag gewährt werden. Der Paragraph, der sich auf die Juden bezieht, hat folgenden Wortlaut: „Die Akte soll keine Anwendung finden auf jeden Arbeitgeber oder Angestellten, der gewissenhaft und regelmäßig den 7. Wochentag als Sabbat beobachtet und sich in der Tat an diesem Tage des Werkes und der Arbeit (work and labour) enthält. Solche Personen sind keiner Verfolgung auf Grund dieses SonntagSruhgesetzes oder irgend einer anderen Sonntagsruhe-Akte ausgesetzt, welche in Großbritanien und Irland wegen der Ausübung oder Veranlassung von Sonntags-Arbeit in Betracht kommt, vorausgesetzt, daß die Arbeit nicht in unzulässiger Weise (unreasonabl^) andere Personen in der Beobachtung dyr Sonntagsruhe stört oder belästigt." Natürlich hat auch dieser Antrag keine Aussicht, in dieser Session erledigt zu fein.

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