Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1908)
- Date
- 1908-04-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4. 9h. 15 Der JSraeltr 9. Ai rU t9QX Grundlinien der Schöpfung mit dem Griffel des Gesetzgebers vollzieht, da sie dem unendlichen Zeitenmeer der Geschichte einen unendlichen Inhalt sittlichen Glaubens- und Pflichtenlebens darbietet, in diesem selben Augenblick tritt nun der Mensch gleichsam aus seinem natürlichen Zusammenhang mit dem Weltgeschehen und den ewig ehernen Gesetzen der Natur heraus. Nicht im Auge allein spiegelt sich ihm das Bild der göttlichen Erscheinung und nicht das Ohr vernimmt zuerst den Schall des Wortes, um ihn ins He^nnd in die Seele zu tragen, nein der ganzeMensch ist das Gefäß für den Gehalt der göttlichen Offenbarung geworden. Alle Organe wogen zusammen und tragen ihm ohne Unterschied die Fülle des Göttlichen zu. Das Herz ist es, das unmittelbar hört und sieht, das Herz ist es, zu dem die Gottheit gesprochen hat, und das Herz unseres Ahnenvolkes hat geantwortet yotwi Wir wollen handeln und verstehen! Kein geringerer als Schiller sieht das Endziel der Kultur darin, daß die Menschheit mtt Bewußtsein wieder einem Zustand edler Naivität entgegenreift. Das Ziel, has der auf Mischer Offenbarung und Tradition beruhenden Weltanschauung vorschwebt, ist, daß wieder der ganze Mensch wie einst am Berge Sinai das GefälZ des göttlichen Willens werde, daß alle Völkergeschichte bewußt das Göttliche atme und der Sinaischwur über Schutthaufen und Trümmer vergänglicher Geistesgebilde hinweg, unmittelbar ins Herz der Menschheit dringe. VII. Wir möchten die allgemeinen Empfindungen und Gedanken, die in uns bei der Vertiefung in das weltbeherrschende Drama der „Offenbarung und Traditon" aufs neue rege wurden, nicht beschließen, ohne noch einen Einblick in die innere Werkstätte unserer Lehre, dieser göttlichen Meisterin, zu wagen. Und zwar dürfte dieser bescheidene Versuch insofern gut der allgemeinen Betrachtung sich anfügen, als er aus der Behandlung von Einzelheiten notwendig wieder ins Allgemeine Typische mündet. An der Hand eines Einzelbeispiels als eines pars pro loto soll uns die wunderbare Akribie unseres Schriftwortes ersichtlich werden und die Jdeengewalt, die den einzelnen Buchstaben noch zu ihrem Träger macht. Es handelt sich um prinzipielle Gesichtspunkte, welche die Thora nach der Auffassung unserer Weisen über das Pflichtenleben in einer derarttgen prägnanten Kürze ausgesprochen hat. Wir haben bereits im Abschnitt II. unserer Betrachtung in der Offenbarung „das Samenkorn", in der Weitertraditton den „Mutterboden der Idee" erkannt und von der Weitertradition des Offenbarten ausgesagt, daß sie mit dem Atemzuge eines Sie sprach den ganzen Weg kein Wort. Er aber sagte tränenden Auges: „Ich weiß, liebe Mutter, was mich «ruf die Anklagebank geführt, die Karte. Aber auch was mich gerettet, die Mutterliebe!" Ter Barbier zog bald vom Neste, wo man nicht einmal Haarmuster und eine Schnurbartbinde zu schätzen weist, zumal, da sich durch den baldigen Wegzug des Militärs auch seine Einnahmen verminderten, fort. Mit dem Schreiber kam Joseph noch hie und da zusammen. Aber eine Karte hat er seitdem nicht mehr berührt. Tagegen sah man Joseph allabendlich mit einem alten Buche in der Hand ins Bes-Hamidrafch gehen. Dort saß er am längen Tische und lauschte wie die vielen Anderen den Worten des Bereinstehrers, der M i s ck n a j o t h vort'ua. Beim Aus- und Zuuiachen des Buches suchte er nach einem losen Blatte, das er zärtlich glättete. Das Lernen fiel ihm schwer für den Anfang. doch; nach und nach sahen ihn die Worte freundlicher und verständnisvoller an, ihr Sinn wurde immer klarer. Und als sie gerade an das lose Blatt angelangt waren, war er schon so weit, das; er den Inhalt ohne Hilfe des Lehrers enträtseln konnte. Cr lernte dieses Blatt mit besonderem Eifer singend daheim nach. Die Begeisterung entlockte ihm reiche Töne, rührende Melodien. Ihm g gen über säst aber die alte Mutter mit verschränkten Armen und weinte. Es waren Tränen des Glückes und der Freude. <Die Jude» iu Chile.) In ganz Europa reisen jetzt Agenten herum, um Auswanderer für Chile zu gewinnen. Mehrere europäische Regierungen haben Warnungen vor einer Ans Wanderung nach Chile erlassen. Der in Petersburg erscheinende „Jüdische Smijeden Geschlechtes die Offenbarung erneure, sie, die Tradition, sei schon auf Erden bewirkte und gelebte Unsterblichkeit der Idee und zugleich das Mittel, durch das der Mensch als Träger der Idee auch sich Unsterblichkeit erringt. An anderer Stelle haben wir versucht, von dem Gedanken ausgehend o'oa1? (D'D rvDK ntpyö, daß die Geschichte der Erzväter vorbildlich für uns sein solle, eben in der Lebensgeschichte unserer Erzväter, ihren Schicksalen und Leistungen, solche typische Lebensweisheit nachzuweisen, besonders in Abraham und Jsak zwei, typische von der göttlichen Vorsehung in das geschichtliche Kulturleben eingestellte Vertreter zu erblicken, deren einer bereits Offenbarungsgeist in die heidnische Welt hinausgelebt hat, während der andere den herrlichen Gedanken der Tradition in sich verkörpert und seinem Volke vorgelebt hat. Von der Warte dieses Gedankens aus erscheint die hervorragende Stellung des Gebotes der Elternverehrung im Dekalog in besonders klarem Lichte. Es eröffnet nicht bloß die Tafel der Gebote, die das Menschenrecht statuieren, sondern es steht auch parallel dem Gebote, das auf die Verehrung des Urhebers der göttlichen Offenbarung hinzielt. In der wirklichen und ausgiebigen Erfüllung des Gebotes der Elternverehrung liegt eben der Bestand und die Fortdauer der Traditton begründet, und der Lohn, den die Thora dem wahrhaften BK1 3N "1133 in Aussicht stellt, nämlich langes Leben, Unsterblichkeit ist wohlverdient. Denn es handelt sich hier gar nicht um eigentlichen Lohn. Vielmehr ist die wahrhafte Verehrung der Eltern und Lehrer die einzige Möglichkeit, durch welche auf Erden Unsterblichkeit schon errungen werden kann. Der Midrasch Rabba weist aus die Gleichheit des Lohnes hin, der für lltti 3K 1133 und oKn nK n^tin rbw in Aussicht gestellt wird, und statuiert eine innere Beziehung zwischen den beiden Geboten als Beispielen für ein hochbedeutsames und ein leichteres Gesetz. (Vgl. Traktat Chullin Folio 142.) Beim Gebot der Elternverehrung ist die Reihenfolge der „Belohnungen" die umgekehrte, wie diejenige beim Gebote, die Vogelmutter zu entlassen. Bei erfterem heißt es zunächst T®' PTiltt' und dann "|^ 3v'" fVoV), bei 1S2 7p heißt es umgekehrt zuerst 3v" lyo1? und dann D'DV Die umgekehrte Reihenfolge der Belohnungen bei beiden Geboten ist innerlich begründet. Ehre deinen Vater und deine Mutter, auf daß sich deine Tage verlängern und es dir gut gehe. Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Das „lange Leben", das durch die Ehrfurcht vor den Eltern und ihren Traditionen erwirkt wird, ist die Ungrant" veröffentlicht aus öiesem Anlasse die folgenden interessanten Daten über die Juden in Chile: Chile liegt inr südlichen Teile von Südamerika, am Stillen Ozean, unweit von Argentinien. Das Land besitzt viele natürliche Schätze und obgleich der Weg dahin ein recht werter und beschwerlicher ist, würden Europäer öfter dahin auswandern, wenn die chilenische Bevölkerung nicht dafür bekannt wäre, daß die Gastfreundschaft nicht ihre hervorragendste Tugend ist. Diesem Umstcurde ist es zuzuschreiben, daß das fremde Element in Chile nicht mehr als 3 Prozent der gesamten Einwohnerzahl ausmacht. Gegenwärtig befinden sich in Chile ungefähr 500 jüdische Familien, von denen 300 in der Hauptstadt Santiago, einer großen Handelsstadt mit 400,000 Einwohnern wohnen. Tie Juden van Santiago teilen sich in drei, von einander abgeschiedene soziale Gruppen: 1. Französische, englische und deutsche (also westliche- Juden. Diese beschäftigen sich zum größten Teile mtt Handel. Die meisten von ihnen mahnen hier schau seit langer Zeit und leben inr Großen Ganzen in Guten Verhältnissen. Ter Juwelenhandel liegt fast ausschließlich in den Händen der französischen und englischen Juden, ebenso die Kleiderlonscktion. Tie deutschen Juden sind besonders als Schöpfer und Inhaber der großen Hotels in Santiago bekannt. Diese Gruppe ist in keiner Weise organisiert. Viele große Kaufleute scheuen sich aus übertriebener Furcht und falscher Scham, sich öffentlich zui Judenturne zu bekennen. Tiefe Gruppe steht in gar keiner Beziehung zur 2. Gruppe. Das sind aus Rußland eingewandertc Juden, die sich hauptsächlich mit Zigarren- und Tabakhandel beschäftigen. Unter diesen finden sich auch verschiedene Gewerbetreibende. Einer von ihnen z. B. sterblichkeit. Indem wir die Ideale nnd Gesetze unserer Väter ehren und hüten, springt der Funke der Göttlichkeit in der Geschichte und Traditton auf uns über; als Träger unsterblicher Ideen werden wir unsterblich! Diese Beschäf tigung mit unsterblichen Ideen, die die Unsterblichkeit verbürgt, hat aber auch ein zeitliches Wohlergehen, das 32" zur Folge. Bei dem Entlasten der Vogelmutter kann in der Befolgung dieses einzelnen Gesetzes nicht die Unsterblichkeit als innerlich bereits verursacht gegeben sein. Wohl aber wird ein Leben, das jeder guten Regung des Herzens folgt und das Gefühl der Mutterliebe selbst als Instinkt inr Tierreich noch schätzt, das beste Heilmittel für das Wohlbehagen von Körper und Seele sein, und als ein sicheres Heilmittel empfiehlt die Thora es den Menschen, um ihr Leben zu verlängern. (Vgl. Traktat Kiduschin Fol. 396 ff. Tosafoth fJVrrn'Stt ^31 k zu Traktat Sabbat 117 und Chatham Sofer hierzu.) Bei 3K 1133 sagt der Schriftvers "ptr damit sich Deine Tage verlängerndenn die Unsterblichkeit des Menschen ist individuell nach seinem Verdienst: jeder verlängert seine Tage') Bei^lLA 7p heißt es nur: Du wirst verlängern deine Tage, nämlich das irdische Leben, das bei allen Menschen gleich ist, darum steht hier nicht das individualisierende Fürwort: „deine". Dieses irdische Leben verlängerst Du, nämlich nur solange Du lebst. Vom unsterblichen Leben dagegen sagt der Schriftvers nicht du verlängerst, sondern es verlängern sich deine Tage, nämlich: auch nach deinem Tode. Zur Vorbereitung für P<$$ad>. (Schluß.) Selbst bei denjenigen Speisen und Getränken, die als RDS1? *'tP3 verkauft werden, ist eine strenge Kontrolle erforderlich, wenn man sie nicht von einem religiös zuverlässigen Händler kauft, weil sonst auch hier die Befürchtung einer Vermischung mit chomezhaltigen Stoffen nicht ausgeschlossen ist. Es ist dies eine Befürchtung, die heute viel näher liegt als in früherer Zeit. Die Mischmaschbestrebungen, die heutzutage auf allen ') Vgl. Midrasch Kohelet Kap. 12, aiN! rra ‘PK Erdensohn geht hin zu seiner ewigen! Behausung fttat 3TI3 P8 rfnjJ. Es heißt nicht zur ewigen Behausung, sondern zu „seiner" ewigen Behausung. Alle Menschen ziehen zwar durch dac selbe Tor zr Ewigkeit ein, aber jeder erhält sein n Rang wieder. Alle Menschen er warten den Tod, aber doch hat jeder eine Welt für sich ein gervisser Rabinowitsch, ist der Besitzer per groß ten Schlosserwerkstätte iu Santiago. Außerdem gibtl es auch eine kleine Anzahl von Hausierern, die mit ver schiedenen kleinen Waren umherzieyen. Bis zum Jahre 1004, da auch diese Gruppe noch keine eigene Organisation hatte, lud der oben erwähnte Rabinowitsch einige jüdische Familien, die ein ständiges Minjan gründeten, zn sich ein. Allmählich wrcchS die Zahl der Mit ' gtieder; man brachte einen Fonds von 1500 Pi aste e zur Unterstützung in Not geratener Familienväter zu sanunen und man beschloß, weiter zu sammeln, uml immer an den nötigen Geldmitteln mangelt, haup» sächlich aber aus dem Grrmde, weil man befürchte!.! daß die streng katholisch-klerikale Regierung ihre Zn [ stlmmung zu solchen Schöpfungen verweigern würde Diese Befürchtung ist so stark, daß das Komitee be schloß, dem Verein den Namen „Kosmopolitisch:' Wohltätigkeitsverein" zu geben, weil er sonst nick! bestätigt worden märe. Der Verein zählt jetzt 4o| Mitglieder und der mindeste MitgttedZbcitrag beträgil zwei Piaster pro Monat. Vor kurzer Zeit sürd in Val I paraiso (der erste Hafen von Chile) neue zehn jüdisch I Familien (70 Seelen) aus Rußland angekonnnen. Fa'rl alle Männer fanden in den in der Nähe der Sta^l gelegenen Mineralwerken Arbeit. Es gibt noch ungefähr 50 jüdische Familien, di I erst vor nicht langer Zeit aus Buenos-Aires f)ielK| übersiedelten und als Ratenhändler, Geldmakler uiiif Verkäufer von auswärtigen Losen sich beschäftigen. Dress werden von den übrigen Juden sehr mißachtet, da fi:| oft mit den Behörden in Konflikt geraten und de«l guten Ruf der übrigen Juden schädigen. In Val