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Der Israelit · 1908-04-09 · Heft 15 (9.4.1908) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 15 (9.4.1908)
Date
1908-04-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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0. April 1908 Der 98tutfU. Sette s. Sr. is suchten. Dies alles hat weder der einberufende Verein, noch der Vortragende gewollt. Vorauszusehen war es jedoch und einige ergänzende Zahlen, die ebenfalls der Wahrheit und WiMichkeit entsprechen, hätten genügt, um die ganze vermeintliche Invasion ins richtige Licht zu rücken. Wieviel der Ankömmlinge find eS, denen die wirtschaftlichen und sozialen Berhättniffe es gestatten, sich hier dauernd niederzuläfien? Wir viele müffen schon nach kurzer Leidenszeit ihren Weg weiter fortsetzen? Das hat Herr Dr. Segall nicht genügend berücksichtigt, es hätte sonst mehr von einer Durch Wanderung als von einer Einwanderung die Rede sein müffen. Die gewonnenen Zahlen würden dann unsren Hilfsorganisattonen ein wertvolles Material geboten haben, den Worthelden der Kreuz- und Staatsbürgerzeitung aber weniger Anlaß, von einer Juvasion der polnischen Juden zu faseln. £fn €hren?euanls für Oie ruflifdten 3uOen. Das Handels- und Arbeitsamt der Vereinigten Staaten *von Nordamerika hat vor kurzem einen ungefähr 100 Seilen umfassenden eingehenden Bericht über die Lage der russischen Judenh eid veröffentlicht. Die Untersuchungen und die trockenen Ziffern, die der Bericht enthält, g^feln in einem glänzenden Zeugnisse für die physische und moralische Kraft, der mtt allen Mitteln einer raffinierten Politik niedergehaltenen jüdischen Bevölkerung Rußlands. Es wird gezeigt, wie der russische Jude ein unschätzbares Element der Wiederbelebung für die russische Volkswirtschaft sein könnte^ wenn Regierung und Volk klug genug wären, sich seiner zu diesem Zwecke zu bedienen. Eine Vorstellung, in welcher Weise die Judengesetze die geographische Verteilung der Juden in Rußland beeinflußt haben, gibt die Tatsache, daß von allen Juden Rußlands nicht weniger als 94 % im Ansiedlungsgebiete wohnen, nur 4"/» leben in den übrigen Teilen des europäischen Rußlands und 2 °/o in den großen asiatischen Länderstrrcken. Wenn man erwägt, sagt der Bericht, daß 125000 Juden innerhalb eines Sahrrs die Mittel finden, nach den Bereinigten taaten auszuwandern, obgleich die Reife ein beträchtliches Kapital erfordert, so wird verständlich, daß der Aufhebung des Ansiedlungs-RayonS eine starke Abwanderung ins Innere Rußlands folgen würde, wo für geschäftliche Unternehmungen oder gewerbliche Tätigkeit die Chancen nicht geringer wären als in den Vereinigten Staaten. Der Bericht schätzt die nattirliche Vermehrung der russischen Bevölkerung auf etwa 100 OO0 bis UOOOO Seelen pro Jahr, so daß die gegenwärttgen Auswanderungsziffern eine absolute Verminderung der. russischen Bevölkerung herbeifÜhren. Dem Glauben gegenüber, daß der russische Jude erst in Amerika zum produktiven Arbeiter werde, ist die Feststellung wichtig, daß 1897 nur ein Drittel der jüdischen Männer und weniger als ein Viertel der Frauen im Handelsgewerbe tätig waren, während Fabrik und Handwerk fast zwei Fünftel derjenigen in Anspruch nahmen, welche überhaupt erwerbend tätig waren. Der Prozentsatz der in Fabrik und Handwerk beschäftigten Juden war ungefähr 27» mal so groß wie der analoge Prozenrsatz unter den Andersgläubigen. Demgegenüber ergibt fich dann auch die überraschende und bedeutungsvolle Tatsache, daß von allen in New-Aork eingewanderten Nationalitäten im allgemeinen nur 38 7« fich der Handarbeit widmen, während es von dm russischjüdischen Einwanderern 637» find. Ueber die landwirtschaftliche Tättgkeit der russischen Juden sagt der Bericht, daß es 29b jüdische Ackerbaukolonien in Rußland gibt, in denen 76000 jüdische Seelen tätig find. Diese Kolonien gedeihen in keiner Weise schlechter als die Landwirtschaft im allgemeinen. Im Gegenteil ist z. B. in der Provinz Cherson der Durchschnittsertrag 6,8 Bushels per Acre, während die jüdischen Kolonisten 7,5 Bushels erzielen. Es gebricht an Raum, hier die Fülle der interessanten Details wiederzugebeu, welche der offizielle Bericht enthält, nur einige Bemerkungen über die wirtschaftliche Bedeutung des russischen Juden für die Gesamtwirtschaft des Landes seien noch angeführt. Es ist zweifelhaft, sagt der Bericht, ob der russische Bauer seine Preise für die landwirtschaftlichen Produkte erzielen könnte, wenn der Jude sie ihm nicht sicherte. Bei dem Mangel an Verkehrsmitteln stellt der jüdische Händler eine Art menschlicher Eisenbahn dar, die die landwirtschaftlichm Produkte auf der Landstraße aufnimmt und sie überall hin verbreitet. Dabei ist das E.nkommen dieser Händler so klein, daß ihre Frauen noch zum Lebensunterhalt der Familie mit beitragen müffen. Es ist, sagt der. Bericht, von vielen Beobachtern anerkannt worden, daß der Durchschnittsprofit des Juden beim Verkaufe landwirtschaftlicher Produkte kleiner ist, als der Profit des russischen Vermittlers im Innern Rußlands bei ähnlichen Geschäften, und taß das Preisniveau von Fabrikaten in dm Städten des Ansiedlungsrayons niedriger ist, als im Innern Rußlands. Bon diesen Verhältnissen, die auf die Gewandtheit und Bedürfnislosigkeit der Juden zurückzuführen find, hat gerade die landwirtschaftliche Bevölkerung den bervorragenden Nutzen. Der Vorwurf der Ausbeutung, der von den russischen Verleumdern des jüdischen Volkes aus naheliegenden Gründen immer wieder erhoben wird, um die unmenschliche Politik der russischen Regierung zu beschönigen, ist durch dm offiziellen amerikanischen Bericht wieder einmal in überwälttgmder Weise ad absnrdtim geführt worden, OffeibsrNNg «Md traditio«. Eine religtonSphilosophische Betrachtung von Rabbiner I. Nobel in Filehne. Vl. Die Art und Weise, in der die Offenbarung auf unsere Ahnen einwirken sollte und in der Tat nach der Meinung unserer Agadaweism wirkte, enthält die Bürgschaft dafür, daß die?gleichsam hochgeniale geistige Empfänglichkeit unerer der Augenzmgenschaft gewürdigten Vorfahren nicht nur ein zeitliches Erlebnis der Geschichte war. Daß unser Ahnenvolk die Offenbarung erlebte, darüber berichtet die Bibel ll. 8. Abs. 20, 16. Das ganze Volk „nahm wahr" die Donnerstimmen, die Feuerflammen, den Posaunenschall und den rauchenden Berg usw. DW» Dyn 'Ul mVipn na. Wie aber dieses Wahrnehmen der Offenbarung aufzufaffm sei, das ist der Gegenstand einer Meinungsverschiedenheit zweier Gelehrten, des Rabbi Jsmael und Rabbi Akiba in der Mechilta. yötwn ppviM ronin yotwn pan nvia wpy n n nan rorun pyvirn. R. Jsmael läßt das Wunder nur bis zum Bereich des Mmschlichen waltm. Der wunderbare Vorgang der Offenbarung wird auf dem gewöhnlichen Wege von dm Sinnesorganen der Mmschen ausgenommen. Um dem Menschengeschlecht vernehmlich zu werden, schafft die Gottheit göttliche Erscheinungen, wie die göttliche Sttmme, die zum Volk mit Flammenworten spricht. Und diese gottgeschaffenen Erscheinungm oder gar göttlichen Wesmsstrahlungen sind wunderbarer Weise in dem Grade, ihrer Kraft der individuellen Begabung des einzelnen angepaßt, vnw aSa vn o'tbV NV21 1'n NV21 uro 'fift onan na v'znvsw. Warum redet die teilige Schrift von der Gottesstimme in der lehrzahl? Um anzudeuten, daß diese GotteSstimme jedem einzelnen unserer Aham am Berge Sinai nach dem Maße seiner individuellen Kraft vernehmbar wurde. Der andere Gelehrte, Rabbi Akiba, denkt sich den Verlauf der Offenbarung auch in ihrer Einwirkung auf das Menschengeschlecht noch wunderbarer. n*mn pyowi pan. In dem Augenblick, da die Gottheit dem sittlichen Geschehen aller Zeiten eherne Pfade vorschreibt, da sie die „Ist .Ihnen bekannt, daß Ihr Sohn sich mit der Revolution abgab?" „Wiein Sohn", beteuerte Lea, etwas unsicher stotternd, „hat sich nie mit Weibsleut abgegeben!" Der Gouverneur lachte laut auf. Auch die Untergebenen konnten nur mit Mühe ein ganz respektwidriges Lächeln unterdrücken. - „Ich meine", setzte der hohe Beamte immer noch labend fort, „ob Sie jemals bei Ihrem Sohn revolutionäre, das heißt Unrechte Gedanken gemerkt haben?" „Mein Sohn", klagte Lea, und jetzt sehr sicher und überzeugend, „war stets ehrlich. Benze, bei dem er seit vielen Jahren im Geschäfte ist, kann es bezeugen. Und ick auch, >und Jeder, der ihn kennt. Er kann: unmöglich gestohlen, Unrechtes genommen haben!" „Aber Weib", schrie der Gouverneur, indem er sich die Lachtränen abwischte, „haben Sie noch nie von der Revolution, der Zerstörung der staatliche» und öffentlichen Ordnung gehört. Hat Ihr Sohn sich nie mit so was besaßt?" „Was O r d n u n g betrifft", erwiderte die Alte, immer sicheren und festeren Tones, „so gibt es keinen Menschen, der mehr Ordnung liebt, als mein Joseph. Tein Prinzipal kann es sagen. Kommt er einmal zu meinem Obstkram, so ist sein e r st e s, Ordnung machen. Hier die Aepfel, dort die Birnen. Würde er nickt ordentlich Buch führen über meine Einnahmen und Ausgaben, Ein- und Verkauf, ich wüßte nicht, wv ein und aus und müßte meinen Handel aufftecken." „Jetzt noch die eine Frage", unterbrach der Gouverneur der es wohl einsah, daß die alte biedere Obstfrau über die Revolution nicht zu belehren sei. — „Jetzt sagen Sie, ob Ihr Sohn dem Kartenspiel oft ergeben ist?" Da wurde die Alte traurig und verlegen. Sollte sie ihren Sohn durch dieses Bekenntnis ausliefern? Oder sollte sie lügen? Haben ihre stillen Gedanken von vorhin also doch durch die Mauer Eingang gesunden? „Nun?" drängte der Gouverneur. „Ergeben —stotterte Lea mühsam hervor, --- ergeben war er dem Spiele gerade nicht, wenigstens bei Tag nicht und in meinem Hause nie!" „Und sonst —?" Er Web zuweilen am Abend fort. Vielleicht spielte er auch irgendwo ein wenig. Mir erzählte er nie etwas davon. Er war sonst brav und immer so gut." „Schon gut!" winkte der Gouverneur ab. „Sie können gehen!" rief ihr der Jnspravnik zu, als .sie sich immer noch nicht rühtte. „Und mein Sohn? mein Joseph?" Doch Mossakow schob sie sanft zur Türe hinaus. Und wieder stano sie draußen an die Mauer gelehnt und wartete. Indes hatte sich der Giuverneur eine neue Zigarre angezündet und sichtbar amüsiert, aber nicht ohne gelind verweisenden Nachdruck sagte er: „Habe ich schon bei dem Verhör der drei Jünglinge vermutet, daß man hier ins Bockshorn geschossen und die ganze Aufregung auf einem harmlosen Kartenspiel beruht, so haben die Aussagen der einfältigen Alten, die die Revolution sich als ein schlechtes Weibsbild vorstellt, und eine öffentliche Ordnung nur in ihrem Aepfelkram kennt und anerkennt, meine Annahme vollständig bestättgt. 3* bitte f Herrn Jsprawink um wettere Indizien!" „Mit denen können wir Exzellenz dienen," sagte der Jnspravnik, Mossakow zuwinkend, der nun ein großes, uneingerahmtes Gruppenbild auf den Tisch legte.. Der Gouverneur betrachtete eine Weile schweigend das Bild. Dann umfing wieder ein Lächeln seine Gesichtszüge. „Ist der Wohnungsinhaber vielleicht Barbier?" „Jawohl, Exzellenz!" „Haben Sie das Bild bereits untersucht, Herr Jnspravnik?" , „Nein, Exzellenz. Ist erst letzte Nacht beschlagnahmt und eben erst hierher gebracht worden." „Dann will ich es für Sie tun!" sagte der Vorgesetzte mit gezwungenem Ernste und nahm einen Rotstift, mit dem er einen der vielen Köpfe auf dem Bilde rot umstrich. „Hier dieser Kopf", sagte er, „mit der charakteristischen Haar- und Barttracht, wie ich sie neulich bei einem Zirkusmann gesehen, er mag Ihnen, Herr Jnspravnik als Muster dienen. Und dort der fuchsartige, mit dem Geisenbarte für Sie Herr Mossakow.' Und", setzte er laut lachend hinzu, „schade, baß sich hier kein Eselsk apf besindet, für jenen eifrigen Beamten, der aus Kreuztrumpf einen Triumphzug gegen das Kreuz heraushört, in unschuldigen Sa nurbartbinden Bomben wittert, und eine illustrierte Bartmustertafel für ein revolutionäres Gruppenbild hielt." Lea stand nach an die Mauer gelehnt als die drei Jünglinge, frei von jeder Begleitung und des polizeilichen Anhanges herauskameu. Sie griff ihren Josef fest am Arm, als müßte sie sich vergewissern, daß er nun wieder ihr g.höre und zog ihn schweigend von dam'.oi'..

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