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Der Israelit · 1908-04-02 · Heft 14 (2.4.1908) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 14 (2.4.1908)
Date
1908-04-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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9tt. 14. «eite 8. Der J-raeltt. 3. April 190 8 Organisation erreicht werden kann und spricht aus, daß der vollständige Ausbau der Autonomie bisher ausschließlich infolge der n e o l o g e n Q u e r - treibereien nicht gelungen ist. Es betont ferner, daß ein Gemeindepräses, der doch nur mit den administrativen Agenden der Gemeinde betraut ist, keine Spur von Kompetenz besitzt, ohne von seiner Gemeinde hierzu ein Mandat erhalten zu haben, in der so hochwichtigen, die Religion berührenden Frage der Vereinigung eine Meinungsäußerung abzugeben. Was denk Rundschreiben die größte Wichtigkeit verleiht und einige, vom neologen Taumel ergriffene Gemeindepräsidenten in Nüchternheit versetzen wird, ist folgender Schlußpaffus: „Wir setzen Vertrauen in die Religionstreue unserer Präsidenten und erwarten schon von ihrem loyalen, das Recht achtenden Charakter, daß sie nicht gegen ihre Rabbiner und Gemeinden auftreten und nicht die Verräter ihrer Auftraggeber sein werden. Insofern sich aber dennoch hie und da ein Gemeindepräses finden sollte, der sich selbst über den elementarsten Begriff der Ehrlichkeit hinwegsetzen würde, so machen wir dessen Gemeinde darauf aufmerksam, daß insolanae die Gemeinde auf der Grundlage des orthodoxen Landes - Organifationsstatuts steht, ein solcher Präsident, der an der Beratung der geplanten Vereinigungsversuche teilnimmt, und der daher bereit ist, das Organisationsstatut, welches auf dein "jriy;nW basiert zu verlassen und abzuändern, eben im Sinne deL §6 des Organ isario ns st atu ts sein Präsiden tenamt ein gebüßt und aufgehört hat Präsident.zu sein,' sollte aber die ganze Gemeinde für die Vereinigung Stellung nehmen wollen, so hat sie damit in Wirklichkeit aufgehört, eine orthodoxe Gemeinde zu sein und sie wird als solche fortan nicht mehr betrachtet w er den " Daß obiges Rundschreiben an die kompetenten Stellen ergangen ist, kann „Egyenlösey" durchaus nicht verschmerzen. Er fällt daher in seiner jüngsten Nummer über den Landespräsidenten Frankl her in einer Weise, die den Neologen immer eigen ist, rvenn sie ihre Pläne durchkreuzt sehen. Ja das genannte Blatt versteigt sich soweit, seinen Lesern' aufzubinden, daß Präsident Frankl individuell für eine Bereinigung zu haben wäre. Nun, einem solchen bodenlosen Gerüchte entgegenzutreten, verbietet uns der gute Geschmack. Es bleibt uns daher nichts anderes übrig als „Egyenlöfey" zu seiner neuesten „Erst rdung" herzlichst zu gratulieren und ihm den guten Rat zu erteilen, nicht allzuviel im „Reiche er Phantasie" zu verweilen, es könnten sonst noch schöne Dinge herauskommen vielleicht gar, daß der Fabrikant der neologen Pläne, Dr. Franz Mezei, ein streng orthodoxer Jude sei. B u d a p e st, 26. März. Die Budapester aut. orthodox isr. Gemeinde hält am 29. d. M. ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, in welcher die Feststellung des Jahresbudgets erfolgt. Aus dem Voranschlag ist ersichtlich, daß der Gesamtbedarf der Gemeinde sich auf 99000 Kronen beläuft, von welchem die min “nD?n und andere Schulen 22000 Kronen erfordern. Hervorzuheben ist ein Ausgabeposten von 720 Kronen!sUr Unterstützung mittelloser hiesiger o'-nna, die rch an irgend einer Jefchiwoh ausbilden. Würden )ie orthodoxen Gemeinden Ungarns diesem Beispiele folgen und ähnliche Institutionen schaffen und. erhalten, so müßten die Jeschiwohs in Ungarn bedeutend dadurch gewinnen und die berechtigten Beschwerden gegen die unzureichende Fürsorge für unsere Thorajünger bald verstummen. Stafüattit. Petersburg, 21. März. Die Hoffnungen der russischen Juden auf eine Besserung ihrer Lage unter dem gegenwärtigen pseudo-konstitutionellem System schwinden immer mehr. Das Kabinett Stolypin hat offenbar nicht den Mut, den Tendenzen des echtrussischen Verbandes una seiner einflußreichen Gönner entgegenzutreten. Ganz im Geiste Plehwes wird den Juden, die in den Progroms nicht totgeschlagen worden sind, jede Erweiterung ihrer staatsbürgerlichen Rechte versagt, ja, die Vorhandenen, werden nach Möglichkeit eingeengt. Die Beschränkung der Zulassung zu den höheren Schulen findet ihr Gegenstück in der Fernhaltung der Juden von der Kommunal-Verwaltung. Wie der „Ruff. Korresp." aus Petersburg telegraphiert wird, hat das Ministerium des Innern die außerordentlich wichtige Entscheidung gefällt, daß Juden in Städten außerhalb der ihnen eingeräumten Zone von der städtischen Verwaltung vollkommen auszuschließen seien. Innerhalb der Zone dürfen selbst in Orten, wo der Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung bis 90 und mehr beträgt, die Juden nicht mehr als ein Fünftel der Stadtverordneten stellen. VaMstiner. 6in Pogrom in Jaffa- <Bon unserem Correspondenten). Jerusalem, 20. März. Tas diesjährige Purimfest (in Jerusalem wird der 15. Adar - Schuschan Purim gefeiert), war hier sowie in Jaffa ein verstörtes durch die schmerzlichen Vorfälle, welche in der Purimwoche in letzterer Stadt vorkamen. Seit Monaten fühlen die Juden Jaffas und der Kolonien, daß der jetzige Kaimakam Sub-Gouverneur, Jaffas Gelegenheit sucht, sie zu chikanieren und zu verfolgen. Die jungen russischen Juden, die während der letzten zwei Jahre cingcwandert sind, fühlen sich besonders gereizt durch eine Haltung des Vertreters der Regierung, welche sie für vogelsrei erklärt, und somit „Hooliganismus" unter einem Teil der arabischen Bevölkerung aufstachelt. Am 16. März kam es abends 7 Uhr, infolge einer Frechheit, die sich ein Araber gegen ein jüdisches Mädchen auf der Straße erlaubte, zu einem kleinen Zusammenstoß zwischen Arabern nnd russischen Juden, wobei ein arabischer Rädelsführer verwundet wurde. Aus Anzeige im Serail (Gerichtshof) wurden unter Assistenz des Tragomans und des Kaw.assen (Sekretär und offizieller Diener) des russischen Konsulats in einer jüdischen Herberge durch türkische Polizisten und Soldaten einige Juden verhaftet. Hiermit schien die Angelegenheit vorläufig beendet und der russische Tragoman, unter dessen Aufsicht die Verhaftung stattgefunden hatte, entfernte sich. Der Kommissar mit seinen Untergebenen und denl russischen Kawaß ging aber doch noch in ein anderes russisch-jüdisches Hotel, in der Absicht, weitere Verhaftungen vorzunehmen. Als es sich jedoch herausstellte, daß die Anwesenden völlig unbeteiligt gewesen waren^ verließen Polizei und Militär das Haus, um wenige Augenblicke darauf aus Befehl ihrer Offiziere zurückzukehrert und ohne weiteres in das Haus hiueinzuschießen. Eine große Anzahl der völlig harmlosen Anwesenden, die sich in diesem Hause zu einer Purimfeier zusammengefunden hatten, wurden schwer verwundet. Einige wurden auch beraubt und Passanten wurden sogar aus der Straße angeschossen. Einer der Verwundeten ist ein alter Mann, der erst am diesem Tage aus Odessa in Jaffa ankam und sich auf seinem Bette ausruhte, als das Hotel überfallen wurde. Vierzehn Verwundete wurden nach dem jüdischen Hospital getragen, wo bald darauf einer an seinen Wunden verschied. Drei andere befinden sich in kritischem Zustande. Außer einem amerikanischen Untertanen sind sämtliche Verwundete aus Rußland eingewanderte Juden. Der russische Kawaß, der den Soldaten einen hinteren Eingang gezeigt haben soll, behauptete später, die Juden im Hotel hätten zu schießen begonnen. Auf diese Aussage und andere ähnlichen Lügen stützt sich der Jafiaer Kaimakam, der die Sache als eine von den Juden inszenierte revolutionäre Aktion darstellt! Die gänzliche Grundlosigkeit dieser Darstellung ist von vielen einwandfreien Zeugen z. B. von^eutschen Christen und . Arabern leicht bewiesen worden. Das Gros der Bevölkerung beharrt in freundlicher Passivität,was sicherlich nicht der Fall wäre, wenn die Darstellung des Kaimakams auch nur einen Schern der Wahrheit hätte - und auch an der judenfrcundlichen Haltung der Konstantinopeler Zentral"Regierung zweifelt niemand. Man befürchtet aber von Seiten des Kaimakams Wiederholungen dieses Vorkommnisses, wenn nicht sofort feiten^ der Zenlral - Regie - r il n g die nötigen Schritte getan werden, um diesen B e am t en nnd seine Mitschuldigen unschädlich z u m a ch e n Cs ist besonders zu betonen, daß sich bis jetzt irr Palästina türkische Polizei und Militär niemals Uebergrifse gegeit jüdische oder sonstige fremde Untertanen zu Schulden kommen ließen, und es ist kein Fall bekannt, daß Polizei oder Soldaten, die höchstens die Pflicht hatten, Verhaftungen vorzunehmen, grundlos und blindlings Waffen benutzt hätten. Das Vorkommnis wird ganz mrd gar der Haltung des Kaimakams zugeschrieben, und hofft man, daß die Zentral-Regierung, entsprechend ihrer traditionellen Haltung den Juden gegenüber auch diesmal sich der Juden annehmen wird, die in türkischen Län de.rn eine Zuflucht vor Verfolgungen gefunden haben. Eine Deputation der Jafsaer jüdischen Gemeinde traf gestern in Ramleh (halbwegszwischen Jaffa und Jerusalem, wo der Pascha jetzt zur Erholung weilt) ein, um Seiner Exzellenz die Sachlage darzulegen und um Hilfe zu bitten. Die Vertreter der hiesigen Anstalten haben bei ihren Konsulen Vorsteliuuiieit wegen der kritischen Lage der Juden ganz Palästinas gemacht, indem sie die Befürchtung anssprachen, daß die Unruhen, die vor einigen Wochen in Hebron, und jetzt in Jaffa vorkamen, auch hier nach Jerusalem kommen könnten. Man erhielt die Versicherung, daß alle Schritte getan werden, um ein weiteres Umsichgreifen der Unruhen zu verhüten. Anm. der Redaktion. Rach einem uns soeben zugegangenen Bericht des Hülfsvereins der Deutschen Juden ist der Kaimakam von Jaffa infolge der gemeldeten Ungesetzlichkeiten und Gewalttätigkeiten nach Konstantinopel abberufen worden. Jerusalem, 20. März. Während seines einwöchentlichen Aufenthalts in Jerusalem Ende Februar besichtigte der amerikanische Philantrop Jakob N. Schiff alle jüdischen Anstalten hier, und beschenkte die meisten in generösester Weife. Herr Schiff interessierte sich besonders für Bildungsanstalten, in deren Arbeit er die Lösung der so oft diskutierten Existenzfrage Jerusalems sieht. Unverhohlene Anerkennung zollte Herr Schiff dem Schaare Zedek Hospitale', das er eingehend besichtigte und von dem er sagte, er habe in Amerika zwar viel schön eingerichtete Krankenhäuser gesehen, aber nie eines in welchem mehr Ordnung, Reinlichkeit und hygienische Vollkommenheit herrsche. England. Die Sonnfagsruhe-Bemegung. London, 29. März. Im Anschluß an die Verhandlungen des Oberhauses, über die in voriger Nummer bereits berichtet ist, hat Lord Swaythlina Mmmehr ein formuliertes Amendement zu Lord Avebury's Sonntagsruhe-Bill eingebracht. Das Amendement lautet: §. 5. Absatz 34. Die Genehmigung zur Verfolgung einer Person auf Grund der SonntaaSriche-Arte von 1871 soll versagt werden, falls diese Person der jüdischen Konfession angehöri und 1.) ihren Laden von Sonnenuntergang am Freitag Abend bis Sonnenuntergang am Samstag Abend weder für die Zwecke des Verkaufs offen gehalten hat noch tätsächlich

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