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Der Israelit · 1908-04-02 · Heft 14 (2.4.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 14 (2.4.1908)
Date
1908-04-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 14. 2 April 1908. Der Israelit. Sette 7. Zusicherung erlangt, daß in Talnrud-THora- Schulen, die keineswegs zerstört oder geschädigt werden dürfen, Unterruht im Arabischen und den Realien, so weit nötig, erteilt werden würde. Für alle diese Zwecke aber seien große Geldmittel erforderlich. Mit einem warmempsundenen Appell an die Freunde der Bestrebungen des „Hilfsve.reins", demselben auch weiterhin Treue und Interesse zu bewahren, schloß der Herr Redner seinen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bericht. Hierauf erstattete Herr Direktor Simon den Kassenbericht, über den auf den demnächst erscheinenden Jahresbericht hingewiesen sei. An Stelle des verstorbenen zweiten Vorsitzenden Stadtrat Magnus-Königsberg wurde Justizrat Timendorfer -Berlin und die ausscheidenden Mitglieder des Zentralkomitees ebenso durch Akklamation wiedergewählt. Der Herr Vorsitzende brachte dann noch ein Dankschreiben des Rabbiners von Nowodwor für die tatkräftige Unterstützung, welche der Hilfsverein den abgebrannten Juden dort geleistet, zur Vorlesung, und nachdem er eine Anfrage des Herrn Konsul Friedemann wegen des Pogroms in Jaffa dahin beantwortete, daß der „Hilfsverein" der Presse aUe ihm zugegangeuen Nachrichten sofort übermittelt und auch sonst alles Zweckdienliche sofort veranlaßt hab^, schloß er die Versammlung. _ Berlin, 30. März. Aus dem deutschen Bureau der Alliance Jsraslite Universelle erhalten wir folgende Mitteilung: Zu der von der Alliance Jsraölite Universelle eingeleiteten Hilfsaktion für die Abgebrannten in Hasköi, worüber bereits mehrfach berichtet wurde, hat das Frankfurter Hilfskomitee 2000 Mark und die Israelitische Allianz zu Wien 2000 Francs der Alliance Jsraölite Universelle zur Verfügung gestellt. Dem Hilfswerk der Alliance ist neuerdings auch die Anglo-Jewish Association beigetreten. Hamburg, 31. März. Eine stark besuchte Propagandaversammlung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" fand gestern abend im großen Saale des Logen heims statt. Der Vorsitzende, Herr Jonas Bing gab seiner Freude über die lebhafte Teilnahme Ausdruck und bat um kräftige ideelle und materielle Unterstützung der Vereinigung. Hierauf ergriff Herr Oberrabbiner Hirsch-Hamburg das Wort zu einer wirkungsvollen Ansprache, in der er die hohe, keiner anderen Bereinsorganisation zu vergleichende Bedeutung der „Freien Vereinigung" schilderte und es als religiöse Pflicht jedes treuen Sohnes des jüdischen Volkes bezeichnete, diesen: Bunde der O'N'V' mit dem Einsatz der vollen persönlichen Leistungsfähigkeit anzugehören. Vor Eintritt in die Tagesordnung hatte der ehrwürdige Redner dem soeben zu Grabe'getragenen ersten Bürgermeister Dr. Mönckeberg ergreifende Worte des Nachrufes gewidmet, die von der Versammlung stehend angehört wurden. Der zweite Referent, Herr Jacob Rosenheim aus Frankfurt a. M , besprach im einzelnen die verschiedenen Aufgaben der „Freien Vereinigung", die angesichts der Entwicklung der deutschen und außerdeutschen Orthodoxie eine bedeutungsvolle historische Mission zu erfüllen habe. Eine Diskussion fand nicht statt - die zirkulierenden Einzeichnungslisten fanden lebhaften Zuspruch. Altona, 30. März. Unter Vorsitz des Herrn W. Möller fand gestern Abend eine Versammlung der „Freieu Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums stark, in der Herr Oberrabbiner ör. Lern er unter lebhaftem Beifall die dringende Notwendigkeit eines wohlorganisierten Zusammenschlusses der gesetzestreuen Juden grade für Preußen nächwies und zu zahlreichem Anschluß aufforderte. Dieser Appell hatte erfreulichen Erfolg: auch die anwesenden Vertreter einer Anzahl schleswig-holsteinischer Gemeinden erklärten ihren Beitritt und beschlossen in Gemeinschaft mit Altona eine engere Fühlung unter den in der Provinz Schleswig Holstein wohnenden Mitgliedern der „Freien Bereinigung" herzustellen. In der Diskussion referierte ein anwesendes Vorstandsmitglied der „Freien Vereingung über die bisherigen Leistungen des Vereins. 8t. Aus Oftfriesland, 25. März. Der Ausfall der Reichstagswahl im ersten ostfriesischen Wahlkreis, der einstigen Hochburg des Antisemitismus hat deutlich gezeigt, daß es mit.jener Bewegung hier zu Ende ist. Dieses für die Deutsch-Sozialen unangenehme Ergebnis wird, wie dies während des Wahlkampfes so oft in die Erscheinung trat, einzig und allein „der unsachlichen, gehässigen", „auf Täuschung, Irreführung und Einschüchterung der Wählermaffen gerichteten Agitation" zugeschrieben. Selbst die Kreuzzeitung sucht die Schuld allein bei der antisemitischen Kandidatur. Wenn wir auch von diesem Bekenntnis uns nicht viel Erfolg versprechen können, das eine aber hat dieser Vorgang gezeitigt, die Antisemiten schüttelt man von den Rockschößen ab, man schämt sich ihrer Gesellschaft, ihrer Gefolgschaft. . Personen, die vor einem Jahrzehnt zu den Hauptmachern der antisemitischen Betvegung gehörten, schämten sich heute jener Zugehörigkeit und wählten freisinnig bezw. nationalliberal. In einer zu Gunsten des nationalliberalen Kandidaten Oberbürgermeiftcr Furbringer ftattgefundenen Wahlversammlung wurde die Frage aufgeworfen: „Werden sich die Ostfriesen durch den antisemitischen „Esel in der Löwenhaut" einschüchtern lassen und es zugeben, daß der Antisemitismus sich in Ostfriesland einnistet?" Die Antwort darauf lautete: „Da wäre nur möglich, wenn der sonst so klar denkende und besonnen handelnde oftfriesische Wählerseine hauptsächlichsten Charaktereigenschaften und sein Ostfriesentum verleugnen würde." Trotz aller unerhörten Anstrengungen der Antisemiten sind die Stimmen für den rechtsstehenden Kandidaten von 11438 auf 6579 zurückgegangen, also um rund 5000. Besonders bemerkenswert ist ihre Niederlage in Borkum, wo sie ganze 20 Stimmen erhielten, gegen mehr als 300 Stimmen, die für den liberalen Kandidaten abgegeben wurden. Die Kreuzzeitung sagt deshalb in ihrem Schmerz über diesen kläglichen Ausfall, „daß hinter den Schaustellungen der Antisemiten keine reelle Macht stecke", ein Wort, das auch wir gerne unterschreiben Nachschrift: Soeben geht uns die Mitteilung zu, daß in der Stichwahl Fegt er (freis.) mit einem Mehr von beinahe 4000 Stimmen über den Antisemiten gesiegt hat. Oppeln, 24. März. Die Handelskammer zu Oppeln versendet an die kaufmännischen Vereine des Bezirkes Oppeln folgendes Rundschreiben: „In der Anlage übersenden wir Ihnen ergebenst Abdruck eines unZ auf unsere Eingabe vom 12. Dezember 1907 seitens beä Herrn Ministers für Handel und Gelverbe zugegangenen Bescheides zur gefälligen Kenntnisnahme. Bezüglich der erwähnten Eingabe verweisen wir auf die Mitteilungen der Handelskammer XIV. Jahrgang Nr. 1 vom 1. Januar 1908. Eine Aeußerung der Kammer in derselben Angelegenheit ist ferner in den Mitteilungen XIII. Jahrgang Nr, 2 vom 1. Februar 1907 2. 79 äbgedruckl. Ta bei der Handelskammer fortlaufend Beschwerden über die Handhabung der russischen Paßvorschriften für deutsche Handlungsreisende indischer Konfession eingehen, in denen die Behauptungen, daß nichldeutsche ausländiscle tzandlungsr fi nde mosaischer Religion in Rußland besser behandelt werden als die deutschen, regelmäßig wiederkehren, ohne daß Beweise dafür erbracht werden, weisen wir daraus hin, daß die .Handelskammer in Zukunft derartige Beschwerden nur dann weiter verfolgen wird, wenn ihr tafiäct>- lich Unlerlagen dafür erbracht werden, daß die bestehenden russischen. Paßvorschriften für jüdische Reisende anderer Nationen in Rußland keine Anwendung gefunden haben. Ten Borständerr der Kaufmännischen Vereine unseres Bezirks gestatten wir uns hiervon ergebenst Mitteilung zu machen. Sollten von irgend einer Seite vollgiltige Beweise nach der oben bezeichneten Richtung erbracht werden, so bitten wir um möglichst genaue Aufnahme des Tatbestandes und Weiterrcichung desselben an uns. Der erwähnte Bescheid des Ministeriums für Handel und Gewerbe hat folgenden Wortlaut: „Auf den Bericht vom 12. Dezember 1907 erwidere ich Ihnen im Einvernehmen mit dem Herrn Minister der auswärtigen Angelegenheiten folgendes: Die Behauptung, daß nichtdeutsche ausländische Handlungsreisende nrosaischer Religion in Rußland besser behandelt werden als die deutschen, ist schon wiederholt, auch bei den Etatsdebatten im Reichstag, ausgestellt worden; es hat sich aber niemals ein Anhalt für die Wahrheit dieser Behauptung ermitteln lassen. Im Gegenteil finden, wie die früher und auch noch in neuester Zeit auf solche Behauptungen hin erforderten Berichte der Kaiserlichen Missionen im Auslande ergeben,- die für deutsche Juden geltenden russischen Paßvorschriften in gleicher Weise auch auf die jüdischen Reisenden aller anderen Nationen Anwendung. Insbesondere fügen auch die russischen Konsuln in England und Frankreich den ihnen zur Bisaerteilüng vorgelegten Pässen beim Bisavermerk regelmäßig den Zusatz hinzu, daß der Inhaber Jude sei. Bei dieser Sachlage erscheint es .ang<Heigt, in Zukunft den Quellen derartiger Gerüchte möglichst auf den Grund zu gehen. Ich ersuche Sie daher, den bei Ihnen eingehenden Beschwerden des in Rede stehenden Inhalts in jedem einzelnen Falle genau nachzugeben, den Sachverhalt möglichst protokollarisch fcstzustellen und darüber zu berichten." (Wir kommen auf die Angelegenheit zurück. Red - Ungarn. Ultimatum. (Bon unserem Korrespondenten.) Budapest, 29. März. Unsere Neologen sind unermüdlich in der Erfindung neuer politischer Schachzüge, um die heißersehnte „Einheit." von Feuer und Waffer zustande zu bringen. Wohl wissend, daß in der breiten Masse der orthodoxen Gemeindemitglieöer, wie bei den orthodoxen Rabbinern die Ihrem Lockruf zugrunde liegenden politischen Aspirationen durchschaut werden und darum aussichtslos sind, haben sie nun die Idee eines „Gemeindepräsidententages" auf den Schild erhoben. Das neologe Parteiorgan „Egyen löseg" macht eifrig Propaganda für eine solche Tagung. Um der Gefahr zu begegnen, hat die orthodoxe Landeszentralkanzlei unterm 26. März an sämtliche orthodoxen Gemeinden des Landes ein Rundschreiben gerichtet, das geeignet ist, den Neologen und den paar mit ihnen liebäugelnden Orthodoxen über die Aussichtslosigkeit ihrer Bemühungen die Augen zu öffnen. In dem Rundschreiben heißt es: „Der Standpunkt der Kanzlei basiert auf den in den Jahren 1869, 70, 80 und 1889 gefaßten Beschlüssen der Gesamtheit, welche die orthodoxe LandeSpräsenlanz am 11. und 12. Februar 1998 bekräftigte. Zufolge dessen wurde auch den neologen Vertrauensmännern gegenüber die Bereinigung mit gebührender Achtung aber in entschiedener Form ab gelehnt. Die Kanzlei hielt mit Meier ihrer ablehnenden Erklärung die Angelegenheit für beendet und hoffte, daß die Neologen den einzig möglichen und friedlichen Weg: „abgesonderte Oranisation auf Basis der vollständigen eparatenAutonomie beiderParteien" betreten werden, um friedlich nebeneinander ohne jede Gemeinschaft zu bestehen. Die Feinde der Orthodoxie versuchen jedoch durch Entstellungen und Unwahrheiten die Gemeinden und deren Präsidenten aufzuwiegeln, in der Hoffnung, daß es ihnen gelingen könnte, einen oder den anderen ohnehin in Zerbröcklung begriffenen Stein wankend zu machen und hierdurch die ganze Festung in einen Trümmerhaufen zu verwandeln. Die Kanzlei fürchtet diese Anschläge in keiner Weise. Die Widerstandskraft der Orthodoxie ist durch jahrelange Kämpfe viel zu sehr gestählt worben, als daß ernste Besorgnisse gehegt werden könten. Sollten sich jedoch dennoch einzelne orthodox konstituierte Gemeinden finden, die für die Bereinigung find> so kann dies denr orthodoxen Judentum keineswegs nachteilig sein. Es erwächst dem orthodoxm Judentum keinen Schaden, wenn jener sehr kleine Bruchbetl feiner nahezu 1600 Mutter- und Fttialgemeinden, der auch bisher nicht verläßlich war, und der mit seiner orthodoxen Benennung nur verhinderte, daß an ein und demselben Orte eine gläubenstreue Gemeinde fich konstttuteren konnte, jetzt aus der Orthodoxie ausscheidet und fich mit der Neologke vereinigen wird. Nicht wegen der paar Gemeinden, welche die ortbodoxe Benennung nur usurpieren, von denen sich die Kanzler selbst nicht zu befreien vermochte, und die fich jetzt anschickm, die Basis der Orthodoxie zu verlassen, wendet sich die Kanzlei mit dem Rundschreiben an die Gemeinden, sondern sie erfüllt eine der Leitung obliegende Pflicht, indem sie die Zweifel und Besorgnisse der religtons- und traditionstreuen Gemeinden zerstreut und die neologerseits unternommene absichtliche Jrrführung mit Schärfe klargestellt, Das Rundschreiben widerlegt ferner die Behauptung der Neologen, welche dahin geht, daß die volle Autonomie nur Meiner einheitlichen J '1;J;| i i 3;i

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