Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1908)
- Date
- 1908-04-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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9h. 14 Sette 5 2. April 1908.__ für uns nickt maßgebend."? Das müssen fie doch so oft genug offen oder verblümt erklären." , 12. Labyrinthisch ist auch der Gedankengang des Herrn Dr. Steckelmacher bei seiner Polemik über die Minim-Benediktion. (S. 20f.) Herr Dr. Hoffmann hatte nämlich darauf hingewiesen, daß die Ausmerzung wichtiger Glaubensprinzipien aus dem oberrätlichen Gebetbuch ebenso betrachtet werden müsse wie die Unterlassung der auf die MinäeOfich beziehenden Benediktion in ralmudischer Zeit. Der Vergleichspunkt ist klar und deutlich der, daß in einer Zeit, in welcher Glaubensprinzipien geleugnet werden, die Ausmerzung derselben aus den Gebeten als Leugnung angesehen werden muß. Was macht nun Herr Dr. Steckelmacher daraus'? Er stellt sich, als ob er den Vergleichspunkt nicht verstünde, spricht ein langes und breites über die Lesarten der Minim - Benediktion, was gar nicht zur Sache kommt, geht dabei voltigierend über den Kern der Sache hinweg, indem er ganz harmlos von „Aenderungen" der Beuediktionen aus „guten zeitlichen Gründen" spricht, als ob diese Aenderungen keine Ausmerzungen von Glauhensprinzipien und die „guten zeitlichen Gründe" keine Negierung dieser Prinzipien wären. Er beruft sich dann, nicht minder harmlos, auf die Gaonen, auf Raschi und andere Autoritäten, als ob diese die in Frage kommenden Glaubensprinzipien negiert hätten. Kann man solche Manipulationen anders charakterisieren als mit dem von Herrn Dr Hoffmann gebrauchten Ausdruck „Düpierung"? 13. Was sich Herr Dr. Steckelmacher dabei gedacht hat, als er apodiktisch, ohne Angabe eines Grundes behauptet (S. 12), daß die Ausführung des Herrn Dr. Hoffmann über eine falsche Lesart des Abarbanel „im Grunde genommen" nicht Abarbanel treffe, das wird er wohl selber nicht sagen können. Noch rätselhafter ist, rvas er schreibt, daß die Hoffmann'schen Ausführungen nicht die Denkschrift treffen, weil ja die Denkschrift sich auf die richtige Lesart stütze. Als ob Herr Dr. Hoffmann nicht auf die richtige Lesart eingegangen wäre und gezeigt hätte, daß die von Herrn Dr. Steckelmacher daraus gezogenen Folgerungen falsch sind! Herr Dr. Stellmacher umgeht nicht nur den Kern der Sache mit „derber Unlogik" sondern er negiert , auch eine nicht wegzuleugnende Tatsache, wenn er bestreitet, daß der betreffende Midrasch im Gegensätze zum More nicht auf die Opfer überhaupt, sondern lediglich auf das temporäre Verbot derprosanen Schlachtung und auf das damit zusammenhängende temporäre Gebot, alle zum Genüsse bestimmten Tiere als Opfer darzubringen sich bezieht. Er bestreitet die ganz offenkundige Tatsache, daß der Midrasch nur diese spezielle Bestimmung, aber nicht generell die Opfergesetzgebung überhaupt im Auge habe. Auch wenn diese spezielle Opferbeftimmung nicht temporär, sondern gleich der übrigen Opferaesetzgebung dauernd gewesen wäre, wäre die Folgerung des Herrn Dr. Steckelmacher eine haltlose. Nur aber wurde diese spezielle Bestimmung im 5. Buche Mosis aufgehoben, während die generelle Opfergesetzgebung bestehen blieb. Nach der Logik des Herrn Dr. Steckelmacher hätte demnach der Midrasch sich die „derbe Unlogik" zu schulden kommen lassen, seine angebliche generelle Anschauung von den Opfern an eine von der Thora selbst aufgehobene Opferbestimmung anzuknüpfen, statt an die nicht ausgehobene Gesetzgebung!! Herr Dr. Steckelmacher scheint, wie ich glaube, inzwischen selbst eingesehen zu haben, daß seine Folgerung doch nicht ganz so sicher ist, wie er früher verkündet hat. Denn, während er in der Denkschrift (S. 23) fest und fröhlich behauptet, daß nach dem Midrasch „das Opfergesetz Israel in der Wüste nur als erzieherisches Vor- I beuaMnasmittel gegen den Opferdienst der Heiden gegeben wurde", sagt er in seiner neuen Schrift ganz vorsichtig und vieldeutig, daß der Midrasch die Ansicht des Maimondes vom Opferkult „im Keime enthalte". Er tritt, also den Rückzug an. Um diesen jedoch zu verdecken, nennt er die Auseinandersetzung feines Gegners „lang, wirr und voll derber Unlogik". Der JSraelit. _ 14. Geradezu haarsträubend, unsäglich schief, wirr und verkehrt sind die umfangreichen Ausführungen (23—36), die Herr Dr. "Steckelmacher über die Stellungnahme des 'Maimonides zum Opferkultus macht. Sie sind voller Entgleisungen, Widersprüche, Willkürlichkeiten und Mißverständnisse. Ich muß es mir jedoch mit Rücksicht auf den mir zur Verfügung stehenden Raum versagen, im Rahmen eines Zeitungsartikels darauf einzugehen. Ich stelle aber denjenigen, welche sich davon überzeugen wollen, ob das von mir gefällte Urteil richtig ist, anbeim, sich an irgend einen Sachverständigen zu wenden, z. B. an einen der Herausgeber des neuen, von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums edierten Maimonides-Buches, das Herr Dr. Steckelmacher selbst (S. 35) als „gediegen und vollkommen objektiv" zitiert.' Zur Sache selbst bemerke ich, daß sich Herr Dr. Steckelmacher in seiner eigenen Logik verfangen hat. Er selbst sagt: „Ist aber Wahrhaftigkeit eine der wichtigsten Glaubenslehren, so darf derjenige, der jene maimonidische Ueberzeugung teilt, nicht um die Wiederherstellung tes Opferkultus beten". (S 20) ... . „Da wir nun den Wegfall dieses Grundes schon je<t wahrnehmen und umsomehr für die mesfianische Zeit voraussetzen, in der alle Menschen den einen Gott landeten werden, so können wir für die Wiederherstellung des Opferkultus, ohne unserer Wahrhaftigkeit" Gewalt anzutun, nicht mehr beten." (S. 31.) Nun frage ich: War Maimonides wahrhaftig? Hat er für die Wiederherstellung des Opserkultus gebetet? Da nun Herr Dr. Steckelmacher beide Fragen bejahen muß, so stürzt seine ganze Berufung auf Maimonides wie ein Kartenhaus zusammen. Qtud erat demonstrandum. Ich komme zum Schluffe. Obwohl ich kaum die Hälfte der Broschüre beleuchtet habe, so glaube ich doch annehmeu zu dürfen, daß die Proben genügen werden, um jeden in den Stand zu setzen, sich ein Urteil darüber zu bilden, von welcher Oualität die ganze Schrift, wo die Wahrheit und die Wissenschaftlichkeit zu suchen und zu sinden ist, ob auf Seiten des Herrn Dr. Steckelmacher oder auf Seiten des Herrn Dr. Hoffmann. Die Steckelmacher'sche Broschüre erschien — wie man wohl annehmen darf, nicht ohne Absicht — so kurz vor dem Wahltage, daß eine rechtzeitige Erwiderung und Aufklärung nicht möglich war. Sie zeugt von einer bis zur Unbegreiflichkeit gesteigerten Verblendung des Verfassers, welcher den Wahlkamps mit Mitteln führte, die nicht zu entschuldigen sind. Herr Dr. Steckelmacher hat den traurigen Beweis erbracht, daß Invektiven und Verdächtigungen sehr locker in seinem Tintenfaß sitzen, und daß er nicht wählerisch war in seinen Mitteln, um seinen Gegner durch offenkundig unrichtige Behauptungen, durch Verdunkelungen und Verschiebungen in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. Herrn Dr. Hoffmann kann es eine Ehre sein, um der Wahrheit willen so grundlos verdächtigt und geschmäht zu werden. Sein „Sendschreiben" steht, sowohl was die wissenschaftliche als auch die sittliche Qualitäten betrifft, turmhoch über der „Widerlegung" des Herrn Dr. Steckelmacher. Es kann keinen Gerechtdenkenden und Sachkundigen geben, der anders urteilt. Nicht daß Dr. Steckelmacher scharfe Waffen wählte, nicht daß er scharfe Worte und Wendungen in seiner Streitschrift brauchte — denn das tat auch sein Gegner —, nicht das beanstande ich, sondern daß er zu unjüdischen Waffen griff, die nicht in Einklang zu bringen sind mit der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, das ist das Empörende. Nicht daß ihm nach Menschenart Jrrtümer unterlaufen sind, - denn vielleicht geschah dies auch seinem Gegner — rechne ich ihm zur Schuld an, sondern daß er, der ganz offensichtlich ein überaus begabter, scharfsinniger und unterrichteter Mann ist, seine Begabung, seinen Scharfsinn und sein Wissen dazu brauchte, um durch Drehungen und Wendungen die Wahrheit zu verdunkeln, das ist sein Vergehen. Und das ist es, was diese Affäre, aus dem sie umgrenzenden Rahmen heraushebt und zu einer Sache von allgemeiner Bedeutung macht/ was diese wertlose Broschüre zu einem wertvollen Doku ment erhebt. Es fällt aus ihr ein grelles Licht auf die Verworrenheit der jüdischen Verhältnisse der Gegenwart: Man ist in den Augen gewiffer Kreise kompromittiert und unfähig ein Amt bei einer jüdischen Behörde zu bekleiden, wenn man zum orthodoxen In entum sich bekennt. Aber man genießt, dort Vertrauen und Ehre, wenn I man eine Broschüre schreibt wie de hier besprochene. Zur Vorbereitung für P«$acb. Daß unsere Feste so viel von ihrer ursprünglichen Weihe verloren haben, kommt sicherlich nicht in letzter Reihe auch davon her, daß sie uns vielfach unvorbereitet treffen und sich jedenfalls nicht mehr derjenigen Vorbereitung erfteuen, die ihnen seit Jahrtausenden allenthaben entgegengebracht wurde. Erwägt man, daß die Einrichtung sich dreißig Tage vor dem Feste mit den gesetzlichen Anforderungen des Festes zu beschäftigen, von keinem Geringeren als von unserem Lehrer Mosche selber getroffen wurde, so genügt diese eine Erwägung, uns den Zusammenhang nahe zu legen, der zwischen der Jahresvorbereitung und der alten Feier des Festes selbst besteht. Das Pessachfeft, das wie kein anderes durch seineen ganzen Charakter diese Vorbereitung erfordert, dessen Vorschriften über Chomez und Mazzoh ohne umfassende Rüste gar nicht erfüllt werden können, das Pessachfeft ist in der Tat auch das jüdische Familienfest geblieben, das die in allen Richtungen der Windrose zerstreuten einzelnen Glieder der Familie wieder um den Sedertisch sammelt und das Herz der Kinder wieder den Eltern und das der Eltern wieder den Kindern zuführt. Am Pessach, diesem Stiftungsfest des jüdischen Hauses, feiert die jüdische Häuslichkeit das jüdische Familienleben noch heute alljährlily seine größten Triumphe. Aber der Preis für diese beglückende Errungenschaft ist und bleibt die treue, gewissenhafte Erfüllung der an das Fest geknüpften Mizwoh und die sorgfältige Vorbereitung, welche für die Beobachtung der Peffachpflichten unerläßlich ist. Der Pessach bringt uns vier Pflichten: 1. ba§ Besitz-, Genuß- und Nutznießungs- Verbot des Chomez, 2. die Pflicht Mazzoh zu genießen, 3. die Pflicht in den Sedernächten vom Auszug aus Mizrajim zu erzählen, 4. das Omerzählen. Da diese vierre Pflicht zwar mit dem zweiten Pessachtag beginnt, sich aber nicht auf das Fest beschränkt, sondern weit darüber hinausgeht, so kann sie hier umsomehr unerörrert bleiben, als die Vorbereitung dafür sich nur auf die für seine Erfüllung notwendigen theoretischen Kenntniffe beschränkt, während die Vorbereitung zur gewiffenhaften Erfüllung der Chomez- und Mazzohpflichten in überaus fühlbarer Weise sich in unserem praktischen häuslichen Leben bemerkbar machte. Es ist daher allgemein eingeftthrter Brauch der geistigen Führer in Israel, am Sabbath vor Pessach diese Vorbereitungspflicht zum Gegenstand besonderer an die groß? Gesamtheit gerichteter Vorträge zu machen- oder richtiger, es war allgemein eingeführter Brauch. Es hat vielleicht nie eine Zeit gegeben, in welcher eine derartige Belehrung so notwendig war und in der sie trotzdem in weiten, weiten Kreisen so gänzlich fehlte, als in der unsrigen. Besonders auf dem Lande lechzt die große Maffe nach diesem belehrenden Worte, ohne daß es ihr gereicht wird. Es ist deshalb unabweisbare Pflicht der jüdischen Presse, dieser dringenden Forderung der Zeit gerecht zu werden und soweit hier möglich ist, durch das gedruckte Wort das nicht gesprochene, lebendig warme Wort zu ersetzen und dazu anzuregen, daß es wieder gesprochen wird, woes infolge äußerer Anlässe verstummt ist. Das Verbot Chomez am Pessach zu besitzen/ verpflichtet uns, alles Gesäuerte aus unseren Häusern und allen sonstigen Räumenzn ent-