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Der Israelit · 1908-03-26 · Heft 13 (26.3.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 13 (26.3.1908)
Date
1908-03-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite LI. No. 13. 26. März 1908 Privatstudiums gemacht werden. **) Eine reich ausgestattete Seminarbibliothek wird auch nach dieser Richtung hin ausgezeichnete Dienste leisten. So steht der gesamte Unterricht in den Religionsfächern im Dienste der jüdischen Geschichte und Literatur, wie jene umgekehrt alle übrigen Fächer befruchtet. Wir sind uns aber bewußt, mit unseren bisherigen Ausführungen nur eine anderwärts allgemein als richtig anerkannte Methode auf unsere Verhältnisse angewandt zu haben. So fordert das bayerische Normativ über die Ausbildung der Volksschullehrer bezüglich des Unterrichts in deutscher Literatur, daß das Hauptgewicht nicht auf Namen und Daten gelegt werden soll, sondern daß die Koryphäen der deutschen Poesie aus ihren Hauptwerken kennen zu lernen seien; also mehr Literatur und weniger Literaturgeschichte. Wenn wir in Vorstehendem mehr die Behandlung der jüdischen Literatur als die der jüdischen Geschichte ins Auge gefaßt haben, so geschah dies aus dem Gründe, weil jene das bei weitem schwierigere Gebiet ist. Aber auch fürjüdische Geschichte gilt der Grundsatz, den Schülermöglichst an die Quellen zu führen,- die Geschichte des jüdischen Krieges von Flavins Josephus beispielsweise sollte jeder Seminarist gelesen haben,- darüber, sowie ühxr die wichtige Frage der Fortbildung des jüdischen Lehrers auf diesem so wichtigen Gebiete behalte ich mir vor, in einer späteren Arbeit zu sprechen. Jede Ausbildung muß nämlich, wenn sie richtig beschaffen ist, zur Fortbildung führen. Interesse erregen und Eifer sür spätere Erweiterung und Vertiefung erwecken, das ist hier wie überall die erste und wichtigste Forderung. ünavdänglger Verein irr. Cebrer im SrMerrogtnm Hesse». Genera lverfammlnng 1907. Die Hauptversammlung fand am 29. Dezember 1907 tn Frankfurt a. M. in dem geräumigen Hörsaal der Jsr. Religionsgesellschaft statt und war von 42 Mitgliedern, darunter die Herren Rabbiner Dr. Bondi Mainz und Dr. Hirschfelb-Gießen, besucht. Ferner beehrten die terren Direktor Dr. Lange, Rektor Falk und Lehrer irschberg, sowie die Herren Buchhändler Kauffmann und Hofmann die Versammlung mit ihrem Besuche. Die beiden letzten Herren harten außerdem eine Sammlung neuerschienener Werke auf dem Gebiete der jüdischen Schul- und allgemeinen Literatur ausgestellt. Nach herzlicher Begrüßung der Anwesenden verbreitet sich der Borfitzende H. Ehrmann-Friedberg über die derzeitige Lage der israelitischen Lehrer, besonders derjenigen in Hessen. An der Hand der Wochen-,insbesondere des Prophetenwortes: nm '0N IptP bpü/ sowie unter geschichtlicher Würdigung der damaligen Lage unseres B>.lkes in Babylon stellt derselbe vergleichsweise eine Betrachtung an über die sowohl nach der beruflichen Wirksamkeit als auch nach der äußeren Stellung noch immer in vieler Hinsicht trostlose Lage des jüdischen Lehrerstandes. Gleich der edlen Stammmutter ^mriD"13 3JDW3/ erhoffen auch wir von den maßgebenden Faktoren die Beseitigung aller inneren und äußxren Schwierigkeiten unserer Stellung und werden nicht aufhören zu arbeiten und zu stteben, bis auch für uns der Freiheitsruf ertönt: qi» 'Qtf'i lrmriK*! Hpn V nb'ob- Im Bericht über das abgelaufene Bereinsjahr erwähnt der Vorsitzende das schmerzliche Hinscheiden des verdienten Mitgliedes Oppenheimer - BenSheim, dessen Andenken die Versammlung pietätvoll ehrte. Die Teilnahme des Vorstandes an den familiären und beruflichen Festlichkeiten der Mitglieder Weil-Gern heim und Kaufmann-Dieburg wird beifällig ausgenommen. Betreffs deS verteilten Lehrplans ersucht der Vorsitzende die Kollegen um dessen Anwendung in den Schulen und Aufzeichnung der gemachten Erfahrungen. Des weiteren dankt derselbe der Verwaltung der Israelitischen Religionsgesellschaft für die gütige Üeberlaffung des Saales, sowie den Buchhändlern Kauffmann und Hofmann für die Ausstellung ihrer neuen BerlagSwerke. Der Unterzeichnete Schriftführer berichtet sodann über die momentane Lage der zur Befferstellung der jüdischen Lehrer unternommenen gesetzgeberischen Maßnahmen. Infolge des noch immer den Landständen zur Beratung vorliegenden bekannten Gesetzentwurfs, welcher jedoch infolge des Zwiespaltes der beiden religiösen Richtungen keine Aussicht auf Annahme habe, konnten **) ES bedarf wohl kaum des Hinweises, daß gerade die Geschichte der neueren Zeit mit großer Borficht behandelt werden muß. Der Israelit. in diesem Jahre keine pofittven Schritte ergriffen werden, i Unter Beifall der Versammlung konnte aber der. Unterzeichnete auf Grund seiner Besprechungen mit mehreren Abgeordneten die Versicherung abgeben, daß, welches auch das Schicksal der Vorlage sei, die Lehrerfrage von d en Ständen niemals außer acht gelassen und bis zur endgültigen Erledigung alljährlich nachdrücklich vertreten werde. Dafür werde auch der Vorstand nicht zu wirken aufhören. Auf eine Anfrage aus der Versammlung wegen Beteiligung der jüdischen Gemeinden an der geplanten Einrichtung einer staatlichen Versorgungskaffe für die Kommunalbeamten wird vom Vorstand erwidert, daß dieser Weg im Auge behalten werde, jedoch, da in erster Linie nicht nur Versorgung, sondern auch Regelung der Ansteilungsveryältnisse anzustreben seien, vorerst mit Rücksicht auf die Erledigung dieses Punktes zurücktreten müffe. Die Rcchnungsablage ergibt einen Kassenbestand von 5435 M. Der Kaffier — H. Klein-Gießen — ersucht um pünktliche Entrichtung der Beiträge. Nach erfolgter Prüfung der Abrechnung durch die Revisoren Neumann- Friebverg und Simon-Pfungstadt wurde befchloffen, zur Ablösung der ,i"->-Gratulation alljährlich einen freiwilligen Beittag von 1 Mark an die Hilfskaffe zu leisten. Die Namen der Mitglieder sollen dann im Organ deS „Bundes" veröffentlicht werden. Der Unterzeichnete beklagt die bisherige Indolenz der meisten Mitglieder in Gewinnung von außerordentlichen Mitgliedern und Zuwendungen für die Hilfskaffe Es sei bedauerlich, daß man stets nur auf äußere Hilfe warte und mit Ungeduld alle Maßnahmen der beteiligten Faktoren verfolge, während gerade die Mittel, welche, wie die Hilfskasie, der Versorgung der Relikten und dienstunfähiger Kollegen diene, und so den inneren Halt des ereinS, sowie eine Abhilfe auS unS selbst heraus bedeute, fast gar nicht beachtet würde. Jede Entschuldigung sei im Hinblick auf das rühmliche Beispiel der bayerischen Kollegen, welche durch energische Agitation einen Fonds von i20000 Mk. aufgebracht haben, haltlos und laffe die Untätigkeit der Bereinsmitglieder noch beklagenswerter erscheinen. Nicht nur die Gemeindeverwaltungen müßten unter Hinweis, daß wir ihnen durch unsere Hilfskaffe eine soziale Verpflichtung gegen ihre Angestellten abnehmen wollen, dafür interessiert, sondern nach dem Beispiel anderer Lehrervereine auch Einzelne durch Jahresbeiträge uns sonstige Zuwendungen für diese wichtige Sache gewonnen werden, was jedem Koll gen in seinem Wirkungskreise nach Kräften möglich sei. Mit einem Appell an die Mitglieder, diese Ehrenpflicht mehr als bisher zu erfüllen, teilt der Unterzeichnete mit, daß die Namen aller außerordentlichen Mitglieder und Gönner des Vereins in dem alle zwei Jahre erscheinenden Rechenschaftsbericht veröffentlicht werden sollen. . Zum nächsten Punkt der Tagesordnung übergehend, referiert Herr K a u f m a n n-Schotten über den „Religionsunterricht im ersten Schuljahre". In eingehender Weise begründete derselbe die Notwendigkeit, sofort im ersten Schuljahre mit dem Religionsunterricht zu beginnen uno redete hierbei besonders dem biblischen Geschichtsunterricht als Mittel zur Belebung des religiösen Gef > hls das Wort. Voraussetzung sei natürlich, daß der Lehrer von ernster Retiglösttät durchdrungen sei und dies auch beim Unterricht zum Ausdruck komme. Neben der biblischen Geschichte seien einige Gebete für Kinder, Segenssprüche, Hebräisch-Lesen und Uebersetzen der etngeübten Gebeie zu fordern. Da der Lehrer vermöge l er religiösen Berhältniffe des Elternhauses im Gegensatz zu srüher nicht immer an bereits dort Erlerntes anknüpfen kann, muß er das Versäumte, und zwar Einübung des Morgengebets, zweier Abschnitte des Tischgebets, des Nachtgebets für Kmder, sowie der wichtigsten Segenssprüche in der Schule nachholen. Doch seien schon jetzt die Kinder rpit Inhalt und Verständnis des Gebets verttaut zu machen. In der biblischen Geschichte soll nach Ansicht des Referenten mit der Schöpfungsgeschichte begonnen, und die Zeit bis zum Auszug aus Aegypten in 20—25 abgerundeten Geschichtsbildern vorgeiührt werden. Die Notwendigkeit, den richtigen kinolichen Ton bet der Durchnahme zu treffen, erfordere die eifrige Vorbereitung dcs Lehrers. Nach der Durchnahme und dem vermittelten Verständnis sei die Nutzanwendung fürs Leben zu extrahieren. Mit dem hebräischen Leseunterricht soll nach Meinung des Referenten erst gegen Ende des Sommersemesters, wenn die Neulinge die ersten Schwierigkeiten des deutschen Lesens überwunden haben, begonnen werden. Zur Belebung der Leseübung empfiehlt derselbe die Benutjuna einer Bilderfibel, besonders derjenigen von Rosentyaler. Zur Vorbereitung des Uebersetzungsunterrtchts sollen bei jeder Leseübung 1—2 Vokabeln, aus dem Anschauungskreise des Kindes genommen, übersetzt und besprochen werden. Die bereits bei Einübung der gebräuchlichen Gebete gewonnenen Worte find ebenfalls zu berückfichtigen. Das Uebersetzen soll, wie schon bemerkt, schon mit Einübung der Gebete beginnen, andernfalls sei die mechanische Einübung nur Oual für beide Teile. Zur Methode der Einübung gibt Referent interessante, der kindlichen Denkart entnommene Winke und fordert aufS neue nachhaltige Vorbereitung des Lehrers auf jede Unterrichtsstunde Zum Schluffe empfiehlt der Borttagende zur wirksamen Ergänzung, der mangelhaften religiösen Erziehung der Kinder im vorschulpflichttgen Alter die Einrichtung von Kindergärten, welche in religiösem Sinne geleitet, namentlich in Städten segensreich wirken könnten. Die fleißige, wohldurchdachte Arbeit des Referenten erntete allgemeinen Dank der Versammlung, dem de Vorsitzende entsprechenden Ausdruck verlieh. In der Diskussion fanden die Ausführungen des Referenten im allgemeinen Zustimmung, nur wurde von mehreren Seiten betont und durch Erfahrung auS der Praxis bewiesen, daß mit dem Leseunterricht sofort nach Aufnahme der Neulinge zu b. ginnen sei. Obgleich päbagogischeGründe für den späterenBeginn sprechen, so ermuntert das Interesse, womit die Eltern die ersten Lernjahre des Kindes begleiten und hier ausnahmslos die Lehrer unterstützen, sowie des Kindes Freude, bald am Gottesdienst teilnehmen zu können, zu sofortigem Anfang mit dem Lesen. Auch über den Wert der Rosenthalersmen Fibel find die Meinungen geteilt, obgleich die zweite Auflage die frühere in Ausstattung uno Deutlichkeit bedeutend überttiffr. Ferner wird der Wert von Kindergärten für die religiöse Erziehung von mehreren Seiten als problematisch bezeichnet. Darmstadt, Januar 1908. I. Lebermann, Schriftführer. (Schluß filgt.) stomspsmlevrr» «. ßacftriebte». Coesfeld. Im Anschluß an die diesjährige amtliche Konferenz evangelischer und jüdischer Lehrer der Kreisschulinspektion Recklinghausen III fand eine Besprechung der anwesenden jüdischen Herren statt, zwecks Gründung eines Fortbildungskursus für die hebräischen Fächer. Allseitig war man von dem großen idealen und praktischen 'Nutzen einer Fortbildung in den Quellenschriften der jüdischen Literatur überzeugt, und man einigte sich schließlich dahin, daß unter Anleitung des Herrn Rabbiner Dr. Marx, Recklinghausen OTl und nrwD gelernt werden sollen. Die Zusammenkünfte finden vorerst in Coesfeld statt, welches, im Mittelpunkte des Bezirkes gelegen, von allen Seiten leicht zu erreichen ist. So blüht auch hier in Westfalen dank der reaen Tätigkeit des Vereins zur Wahrung der Interessen des Judentums und seines rastlosen Rabbiners allmählig wieder echt jüdisches Leben. Köln a. Rh., 23. März. Aus Anregung gesetzestreuer jüdischer Lehrer hatten sich am Sonntag, den 22. März im Borttagssaale der Chewra Talmud Tauro 15 rheinische Lehrer versammelt, um nach einen! einleitenden Referat des Herrn Seminarlehrers Dr. Auerbach der Gründung eines Zweigvereins des Bundes gesetzestteuer jüdischer Lehrer näherzutreten. Nachdem Herr Seminarlehrer Gut die Ziele des Bundes eingehend klar gelegt hatte und Herr Rabbiner Dr. Wolf ebenfalls warm für den Bund eingetteten war, wurde die Gründung eines Zweigvereins befchloffen und in den provisorischen Vorstand berufen die Herren Seminarlehrer Gut und Harth, Köln, Lehrer Heimann-Brühl, David- Kettwig, Rohrheimer-Neuenahr. Herr Dr. Wolf begrüßte den neuen Zweigverein im Namen des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands und sagte ihm Unterstützung und Förderung zu. Die nächste Versammlung wird am Sonntag, den 5. April stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen: Wahl des Vorstandes und Statutenberatung. Die dem Bund bereits angehörenden oder nahestehenden Kollegen Rheinlands sollen zum Beitritt in den Verein eingeladen werden. — Möchten doch in allen Bezirken, wo gesetzestreue Lehrer in größerer Anzahl wirken, sich solche Zweigvereine bilden, um die idealen Ziele, die sich der Bund gesteckt hat, noch energischer durch ihre tatkräftige Mitarbeit zu förden. (Unfern herzlichen Glückwunsch! Vivat seqaens! Die Redaktion.) Wege» Raummangel folgt die Fortsetzung des Artikels „Die Berliner Prüfungsordnung" erft in der nächsten Nummer.

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