Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1908)
- Date
- 1908-03-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Crzid^cifig and £»el?re Pidi^ioci^ Beilage sunt Jlsraelij^ Die sexuellen Stellen im Penrateneb-Unferricbt. Bon Lehrer Gans in Niederaula. In die schwierige Frage der sexuellen Aufklärung, die heute auf der Tagesordnung steht und fast bis zum Neberdruß erörtert wird, will ich mich nicht einlassen, sondern nur das eine feftftellen, daß Keuschheit und Sittenreinheit zwar von jeher eine Zierde des jüdischen Hauses gewesen, daß man aber in jüdischen Kreisen, in der Familie wie in der Schule, von jener Prüderie und falschen Scham entfernt war, die säst krampfhaft an dem Glauben der Unwissenheit der Kinder in geschlechtlichen Dingen festhielt. Man hielt ihre Unschuld keineswegs für gefährdet, wenn heim Unterricht einmal von Schwangerschaft und Gebären die Rede war. So war die Frage: „Sollen die sexuellen Stellen des Pentateuchs ausgelassen werden oder nicht" für uns eigentlich nie eine brennende, heute, wo man über diese Dinge etwas unbefangener zu urteilen geleryt hat, noch weniger als früherschon um deswillen nicht, weil ja in den wenigsten Schulen der ganze Pentateuch durchgenommen werden kann, eine Auswahl also nötig ist und unter anderen auch diejenigen Kapitel ausgeschieden werden können, in denen von geschlechtlichen Verhältnissen die Rede ist. Einer prinzipiellen Erörterung dürfen wir aber nicht aus dem Wege gehen, ihr sollen diese Zeilen dienen. Ich habe vor allem den Unterricht in der Volksschule im Augeer ist ja für Knaben und Mädchen gemeinsam. Ich würde.nun dafür eintreten, mit etwa 14 jährigen Knaben höherer Schulen die sexuellen Kapitel nicht nur zu übersetzen, sondern, soweit Verständnis für den Inhalt erwartet werden kann, auch eingehend zu besprechen, die Kinder aufzuklären im Tone väterlichen Ernstes, sie hinzuweisen auf die Reinheit und Heiligkeit eines keuschen Lebens, sie zu warnen vor Entheiligung und Entweihung des Körpers und der Seele durch die nxmv der Unsittlichkeit. Voraussetzung ist, wie bereits erwähnt, daß die Schüler reif sind, dieses zu verstehen und der Lehrer zur Behandlung dieses heiklen Themas fähig ist. In dem Unterricht aber, an dem Knaben und Mädchen, letztere oft in überwiegender Zahl, teilnehmen, halte ich es für unmöglich, Kapitel rein sexuellen Inhalts durchzunehmen wie jnxo Kap. 15, mo '"»nt* Kap. 18, ü'emp Kap. 20, Y? Kap. 16, «m Kap. 19, Vers 30 bis zum Ende, mSn Kap. 25, Kap. 29, Vers 21 bis zum Ende und Kap. 30, rw'l Kap. 34, 2V1 Kap. 38. Eine umschreibende Uebersetzung für ganze Kapitel ist unmöglich, eine Durchnahme des Inhalts erst recht. Wir würden bei den meisten Stellen aus der Verlegenheit gar nicht herauskommen, wenn sich der fragende Blick der Kinder auf uns richtete. Ich will damit nicht etwa gesagt haben, daß wir in unfern Volksschulen nicht auch von der Standhaftigkeit der Tugendhaften und Reinen sprechen sollenim Gegenteil, es bietet sich auch bei Weglassung obiger Kapitel hinreichend Gelegenheit, die Kinder zur Keuschheit zu ermahnen und vor Unkeuschheit zu warnen. So empfehle ich, bei der Geschichte Josefs den Schülern recht fest den Satz einzuprägen: „Wie könnt ich so großes Uebel tun und gegen Gott sündigen?" oder bei größeren Knaben oen Satz von Matthias Claudius: „Keinem Mädchen tu ein Leid, bedenke, daß deine Mutter auch ein Mädchen war!" Fernere Anknüpfungspunkte sind ntf'S ncn£, vielleicht auch nöViN m£. Unsere Pflicht ist es vor allem, die Schüler zur Keuschheit und Enthaltsamkeit zu ermahnen, vor der Sünde und ihren schweren irdischen und himmlischen Strafen, sowie vor den nachteiligen Folgen des Lasters für Leben und Gesundheit zu warnen - dazu bedarf es aber der sexuellen Stellen keineswegs. Sobald man an die betreffenden Kapitel kommt, Überschläge man sie. Nötigenfalls sage man den Kindern: „Das ist zu schwer für euch, ihr werdet es später verstehen." Die meisteil Kinder werden sich in anbetracht dessen, daß auch andere Kapitel ausgelaffen werden, dabei beruhigen, Einige wenige werden, falls sie ein vollständig übersetztes tpoin in der Hand haben, das Ausgelassene Nachlesen. Verstehen werden es wohl auch diese nicht ganz. Sie werden wohl ahnen, daß es sich um etwas Geschlechtliches handelt. Mögen Sie! Auch Knaben vom Lande im 13. oder 14. Lebensjahr, Mädchen noch früher, wiffen wohl, daß die Kinder nicht von dem Storche gebracht werden - dennoch sprechen wir nicht darüber. Kinder stehen in diesem Alter in einem Entwickelungsprozeß, der langsamer Ausreifung bedarf - ein allzufrühes oder ungeschicktes Eingreifen in diesen Prozeß kindlichen Denkens und Fühlens kann nur Schaden anrichten. Es dürfte sich vielleicht empfehlen, für die Hand der Schüler Uebersetzungen zu wählen, in welchen — ich erwähne nur die von Fuchs-Wien — die betreffenden Kapitel unübersetzt geblieben sind, für unbedingt nötig halte ich das aber nicht. Allzu große. Aengstlichkeit ist auch von Schaden. Da, wo es sich um einzelne Ausdrücke handelt, kann man eine umschreibende Uebersetzung wie mm „sie ward Mutter" p mm „sie bekam einen Sohn" wählen, aber auch das ist Geschmackssache - keinesfalls darf die Uebersetzung dem Inhalt Gewalt antun, oder gegen die Wahrhaftigkeit im Unterricht verstoßen. Än solchen Stellen mögen die Schüler erfahren, daß die Thora da, wo sie das Sittenleben bespricht, von hohem heiligen Ernst getragen ist und unser leibliches und geistiges Wohl bezweckt. Für ganz ausgeschlossen halte ich es, in gemischten Klassen von m: ,n'ny ,y->? rost? ,mr aDtpe zu sprechen - manches Kind wird dadurch wiffend gemacht oder zum Grübeln veranlaßt. Nötig ist es aber, daß der Lehrer, wenn er Dinge bespricht, die das geschlechtliche Gebiet streifen, — ich erinnere an die Behandlung des siebenten Gebots — den richtigen Ton trifft- Ernst und Würde werden ihm seine Aufgabe auch da erleichtern, wo es sich um einen recht heiklen Gegenstand handelt. Wohl sollen wir unsere Lieblinge vor jedem unreinen Gedanken zu bewahren suchen, aber ich bestreite, daß bei gewissenhafter Behandlung die sexuellen Stellen des Pentateuchs in diesem Sinn auf die Schüler wirken. Die Gefahren drohen von ganz anderer Seite - hier heißt es, ein wachsames Auge haben, um sie vor sittlichem Schaden zu behüten. Das gehört aber in ein anderes Kapitel, das zu besprechen ich anderen überlaffe. Maische Seschlchte als Unterrichtsfach lüaischer Seminarien. Von Seminarlehrer L. Anfänger in Würzbnrg. (Schluß.) Was die jüdische Religionsphilosophie anlangt, so darf man bei der Schwierigkeit des Materials, dem Mangel, an Zeit keine allzu hohen Ansprüche stellen. Hier wird man sich wirklich mit sogenannten Literaturproben begnügen müssen, nur sollen sich die Seminaristen nicht mit einer deutschen Uebersetzung schöner Stellen aus dem More Nebuchhn, dem Kusari und dem Jkkarim begrrügen, sondern sie im Urtext lesen. Wichtiger als die Berücksichtigung des erstgenannten Werkes scheint mir die Durchnahme einiger Kapitel aus dem jnon n£D des Maimonides zu sein. Auch hier ist von einem selbständigen Unterricht keine Rede, sondern er schließt sich sachgemäß dem in den miß n£D an. Selbstverständlich darf auch die neue und neueste Zeit nicht unberücksichtigt bleiben und wir dürfen uns. nicht an Namen, Daten und vielleicht einigen volkstümlichen Episoden aus dem Leben großer Männer genügen lassen. Ist z. B. Mendelsohn zunächst in dreifacher Hinsicht von großer Bedeutung gewesen: als Philosoph, als Verfechter der bürgerlichen Rechte seiner Glaubensbrüder und als Bibelübersetzer, bezugsweise Bibelerklärer, so müssen die Seminaristen mindestens einige Originalstücke aus den betreffenden Werken vorgeführt bekommen, zugleich mit dem Rate, als Privatlektüre noch dies und jenes zu wählen. Ebenso müssen Männer wie Gabriel Rießer, Zunz, Frankel, Grätz, Hildesheimer, S. R. HtHch, die ja in ihrem Wirken noch in unsere Zeit hereinragen, eingehend gewürdigt und besonders die Werke des Letzteren zum Gegenstand fleißigen