Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1908)
- Date
- 1908-03-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Feuilleton-Beilage zu Nr. \3 des „Israelit". Der €tiKel. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzuug) 'euilleton. „Gnädige Fron können unbesorgt sein" sagte der Alte in seiner leisen bescheidenen Weise, ich lasse die jungen Herrschaften nicht aus dem Auge." „Das weiß ich, Jean, wenn Sie dabei sind, bin ich auch ruhig. Achten Sie nur darauf, daß Edwin sich nicht erhitzt. Gott befohlen, Kinder!" „Adieu!" riefen beide, wie aus einem Munde und nickten den Zurückbleibenden grüßend zu. Dann entfernten sie sich plaudernd und lachend. Indessen setzten Malwine und der Baron die Unterhaltung fort. „Wie alt ist Ihr Herr Sohn'?" „Mein Sohn hat vor noch nicht langer Zeit sein zwölftes Jahr vollendet." . „Der junge Herr ist nicht älter als zwölf Jechre? Das hätte ich nicht geglaubt, ich habe rh« für mindestens fünfzehn gehalten und habe gestaunt, gnädige Frau sind doch selbst noch so jung und haben bereits einen nahezu erwachsenen Sohn." „Er ist in seiner Krankheit sehr gewachsen." „Das kommt zuweilen vor. Was hat ihm denn gefehlt?" Malwine atmete schwer aus und fuhr sich mit dem Tuche über die Augen. „Gegen Ende des vorigen Winters hatte ich das Unglück, meinen Gatten zu verlieren," sagte sie gepreßt, „und der Schmerz über diesen schweren Verlust hat meinen Sohn auf's Krankenlager geworfen, vom Begräbnis her haben sie ihn mir totkrank nach Hause gebracht, mehr als zehn Wochen hat er das Bett nicht verlassen können —" „Schrecklich! schrecklich!" sagte der Baron mit dem Ausdruck innigster Teilnahme den Kopf hin und herwiegend „was müssen Sie gelitten haben, gnädige Frau? —- „DqK weiß mit Gott," flüsterte sie, abermals das Tuch gegen die Augen drückend, „der Mensch ahnt nicht, was er alles ertragen kann." „Da haben Sie Recht, gnädige Frau, meine Mutter hat auch immer gesagt, Gott schicke einem nur nicht alles, was man ertragen kann." Malwine erwiderte nichts, atmete aber wiederholt schwer auf. „Ihr Herr Gemahl hieß Theodor Gotthold, nicht wahr gnädige Frau?" Sie neigte bejahend das Haupt. „Mein Theodor?" flüsterte sie seufzend. „Er muß ein seltener Mensch gewesen sein, ich hatte zwar nicht die Ehre seiner persönlichen Bekanntschaft, aber ich erinnere mich, alle Blätter waren damals voll von seinen seltenen Tugenden." Malwine drückte abermals seufzend das Tuch gegen ihre trockenen Augen. „Verzeihung, gnädige Frau, daß ich unfreiwillig solch schmerzliche Erinnerungen in Ihnen erweckt habe." Sie schüttelte trübe den Kopf. „Das haben fie mit Nichten getan, denn man kann nicht wecken, was nicht einmal schlummert." „Da haben gnädige Frau ein wahres Wort gesprochen. Aber gnädige Frau sollten sich doch nicht unablässig Ihrem Schmerze überlassen, das könnte Ihrer kostbaren Gesundheit nachteilig sein, die sie doch verpflichtet sind, um ihres Sohnes willen zu erhalten." „Sie haben Recht, Herr Baron, ich sage mir das häufig selbst und zuweilen gelingt es mir auch für Momente die schmerzliche Stimmung zurück zu drängen — daß fie sich dann gewöhnlich rächt und mich mit doppelter Schwere überfällt, das ist eigentlich natürlich. „Freilich, das ist natürlich. Aber vielleicht gestatten gnädige Frau mir als Nachbar zuweilen den Versuch im Kampfe gegen jene schmerzliche Stimmung Sie zu unterstützen? „Sie sind sehr, sehr gütig, Herr Baron, ich nehme Ihr freundliches Anerbieten mit aufrichtigem Danke an. Eine unglückliche Witwe in dieser Beziehung zu unterstützen, das ist in Wirklichkeit eine edle Tat." „Die ihren Lohn in sich selbst findet — Wäre es Ihnen nicht gefällig, gnädige Frau ein Weilchen zu lustwandeln in den schön gepflegten Wegen des Waldes?" Malwine war einverstanden und bald schritten sie dahin Seite an Seite in dem herrlich duftendem Walde in traulicher und sehr bald heiterer Unterhaltungdenn Malwinens sentimentale Sttmmung war rasch entflohen, aus vollem Herzen lachte sie über die Anekdoten und Witze, über die der Baron in überreichem Maße verfügte. Die Stunden schwanden dahin wie im Fluge und geradezu überrascht war sie als vöm nahen Dorfe her das Mittagsläuten ertönte. „Herr Gott, schon zwölf Uhr?" „Da Pflegen gnädige Frau das Mittagessen einzunehmen?" „So frühe doch nicht. In der Stadt wessen wir um zwei Uhr, aber hier auf dem Lande schon um Eins. Um zwei Uhr Pflegt schon Besuch aus der Stadt zu kommen." „Gnädige Frau empfangen täglich Gäste?" „Fast täglich, doch uur Nachmittags. Außer am Sonntag, das ist der. eigentliche Familientag, da kommt alles, was sich zu unserer Verwandtschaft rechnet. Mein Vater, meine Schwiegereltern und einige Kameraden meines Sohnes kommen sogar schon in den Morgenstunden und bleiben bis zum Abend, bis es dunkelt." Baron Brandow merkte sich das alles sehr enau, denn so kurz auch die Bekanntschaft, so atte er dennoch seinen Feldzugsplan, wie er dergleichen für sich nannte, bereits entworfen. Die Brandows waren nämlich zwar von sehr altem Abel, sie führten ihren Stammbaum bis zurück in die Zeit der Kreuzzüge, aber ihr Wohlstand war zerrüttet, ihre Güter waren verschuldet. Ein Vetter des Barons hatte sich bereits entschlossen durch eine Heirath mit der Tochter eines reichen Bürgerlichen das Gleichgewicht und wenigstens den materiellen Glanz des einen Zweigs der Familie wieder herzustellen und schien sich in seinen neuen Verhältnissen sogar recht behaglich zu fühlen, doch vergebens hatte sich Baron Alex von Brandow bemüht, es dem Vetter gleich zu tun. Wo immer er hatte anklopfen lassen, überall war er abgewiesen worden, denn er war nicht nur als ein Herr von Habenichts bekannt, sondern auch als ein Don Juan und ein Spieler. Letzteres ward ihm am meisten verübelt und war wohl der Hauptgrund, daß er noch immer auf Freiersfüßen ging. Aber nun, nun, endlich hatte sich ihm seiner Ansicht nach eine Aussicht eröffnet, die ihn zum Ziele führen mußte. Das Geschenk des alten Schröder an seinen Enkel hatte ihm über alle Maßen imponiert, wer eine solche Schenkung machen konnte, der mußte, davon hielt sich der Baron überzeugt, Besitzer von ungezähtten Millionen sein. Und die schöne junge Frau, mit der sich so angenehm plaudern ließ und die solch sichtlichen Respekt vor seinem alten Adel hatte, die war nicht nur die einzige Tochter, sondern das einzige Kind und demnach die mutmaßliche Universalerbin des vielfachen Millionärs, vielleicht gar Milliardärs. Die mußte sein werden, um jeden Preis! — Sofort wollte er die Sache in Angriff nehmen, man mußte das Eisen schmieden, so lange es heiß ist, und jetzt war es heiß. Gesprächsweise hatte er erwähnt, daß er regelmäßig zur bestimmten Zeit seinen Morgenspaziergang zu machen pflege. Malwine hatte dementsprechend beim Mittagessen den Kindern zugestimmt, daß der Wald nie so schön sei wie in den Morgenstunden. „Wirft du morgen wieder mit uns im Walde frühstücken, Mama? Sie wiegte überlegend den Kopf. „Versprechen^ kann ich das noch nicht — 'mal sehen — vielleicht —" „Aber am folgenden Tage war sie rechtzeitig wieder im Walde. Die Kinder begrüßten sie jubelnd. „Ich habe es im voraus gewußt, daß du heute wieder mit uns frühstücken wirst," sagte Clementine. Woher hast du das wissen können?" fragte Malwine, währeM eine leise Röche' ihr in die Wangen stieg. Doch bevor fie antworten konnte, vernahm man Hundegebell in der Nähe. „O weh!" rief Clementine „da kommt der dumme Phylax wieder." „Der Phylax ist gar nicht dumm" entgegnete Edwin „erinnerst du dich nicht, wie niedlich er dich um Entschuldigung gebeten hat?" „Ja, das war wirklich drollig. Aber daß er jetzt schon wieder da ist, — Baron Brandow trat eben hinter den Bäumen hervor und begrüßte „die Herrschaften" wie ein alter Bekannter, in vertraulich heiterer Weise. „Guten Morgen allerseits! — Wie steht das werte Befinden, gnädige Frau? — Das nenne ich Glück haben, daß ich die Herrschaften wiederum beim Frühstück treffe." „Wenn Sie alle Tage um diese Zeit Herkommen, können Sie alle Tage das Glück haben, uns beim Frühsttick zu treffen" sagte Edwin lächelnd. „Wenn ich sicher wäre meinem jungen Herrn Nachbarn willkemmen zu sein, so würde ich mir lamMelwachrlcdte«. Geburten : Tochter: Jsac Sulzbach, (Baer) hier. — Salomon Gold mann (Birnbaum), Wiesbaden. — Sohn: Emil Jeidel (Ehrenreich), Bad Kissingen. Verlebte: Stephani StrauS» Hugo Lehmann- Frankfurt a. M.—Hamburg. — Paula Wertheimer, Hermann Es chm ege, Frankfurt a. M.—München. — Emma Birnbaum Julius Katz, Fulda—Gießen. Vermählte-, Wolf Landsberger^ Emma Lands, b e r g e r geb. Rosrnheimer, Heilbronn—Frankfurt a. M. — Löb Eschweae, Anna Esch Wege geb. Schlesinger beide in Mainz. — AlbertKaufmann, Mina Kaufmann geb. Heß beide dahier. Verstorbene: Fanny Schaalmann, Eichstätt i. B.. 63 Jahre. BarmlBwohreier; Julius, Sohn von F. Falk, Berwangen. Für de» Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Ware» oder sonstige Angabe« reltgionsgesetzliche» Charakters ans ihre Znverläsfigkett &« prüfe«. Klima Sie. leb big ncb kiinr m im inm die jede Anpreisung glauben,- -dafür aber bin ich dankbar, daß mir Lodener Mineral-Pastillen — natürlich die ächten von Fay — empfohlen wo: den find. Das find wahre Wunderdinge. Sind fie heiser, husten Sie, find Sie verschleimt, leiden Sie an Säurebildung im Magen: ein paar Fays ächre Sodener jagen alle Beschwerden zum Kuckuck. Sie kV neu mir's glauben, ich i chme Fays ächte Sodener nun schon zehn Jahre. Sie kaufen dieselben in jeder Apotheke, Drogerie und Mineralwafferhandkuttg zu 85 Pfennig pro Schachtel. Der heutigen Nummer liegt ein Prospekt der »•****•*- sellschaft mit beschränkter Haftung. «Leve (Rheinlmch)«' hü den wir der Beachtung unserer Leser empfehlen.