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Der Israelit · 1908-03-26 · Heft 13 (26.3.1908) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 13 (26.3.1908)
Date
1908-03-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 13. Sette 5 36 Mürz im loben, die derselben Religion wie wir angehören. Eure Majestät, der alle seine Untertanen mit gleichem väterlichen Wohlwollen beschirmt, erlaubt den Falaschas ihre Religion frei auszuüben und gibt ihnen köstliche Zeichen seiner kaiserlichen Gunst. Es ist uns Herzensbedürfnis, Euerer Kaiserlichen Majestät für diese herrlichen Beweise von Toleranz und umfaffender Menschenliebe tiefgefühltesten Dank auszusprechen. Wir sind erfüllt von dem Wunsch, die Falaschas genau kennen zu lernen, zu erfahren, infolge welcher Ereignisse sie in Euerer Majestät Reich Aufnahme gefunden und in welcher sozialen Gliederung und Formation sie sich daselbst angesiedelt haben. Wir sind ferner bestrebt, uns mit ihrer Geschichte während ihrer Vergangenheit und mit der Rolle bekannt zu machen, die sie in der Entwickelung des äthiopischen Kaiserreichs gespielt haben und festzustellen, welche helligen Bücher ihr religiöses Leben beeinflußt haben, endlich, wie sie auf einem von unzähligen Kämpfen erschütterten Boden ihre Religion und Tradition haben bewahren können. Deshalb haben wir unter Leitung des Herrn Haim Nahum eine Mission von jungen Gelehrten zusammengestellt, die sich zu den Falaschs begeben sollen, um an Ort und Stelle diese verschiedenen Fragen zu studieren. Wenn Eure Kaiserliche Majestät die Gnade hätten, unseren Abgesandten Kaiserlichen Schutz zu vergönnen und ihnen die Reisen und Nachforschungen zu erleichtern, könnten sie die Wissenschaft und die Religionsgeschichte mit nützlichen Beiträgen bereichern, und Euerer Majestät wird der Ruhm gebühren, ein Problem der Lösung nähergeführt zu haben, das seit langen Jahren die Gelehrten Europas beschäftigt und bis auf diesen Tag ohne befriedigende Erklärung geblieben ist. Vertrauend ausiEuerer Majestät Herrschersinn und Großmütigkeit nehmen wir uns die Freiheit, für Herrn Nahum und seine Kollegen das Allerhöchste Wohlwollen und den Kaiserlichen Schutz anzurufen. Euere Kaiserliche Majestät möge den Ausdruck unserer ehrerbietigsten und tiefsten Huldigung allergnädigst genehmigen. Wie weiterhin aus dem telegraphischen Bericht des Herrn Nahum hervorgeht, konnte sich der Abgesandte der Alliance zu der in feierlichster Form vor sich gehenden Audienz in Begleitung des hierbei offiziell tätigen französischen Konsuls begeben. Der Negus schien sehr angenehm überrascht durch die ihm vorgetragene Adresse und durch ein Huldigungsgeschenk, das ihm Herr Nahum zugleich im Namen der Alliance überreicht hat und hat gebeten, der Alliance für diese Aufmerksamkeit seinen Dank auszusprechen. In dem sich hieran anknüpfenden Gespräch hat er zugleich in Aussicht gestellt, die erbetenen Schutzbriefe zu erteilen. Somit hat die Sondermission der Alliance ihren ersten schönen Erfolg davongetragen, der für eine baldige Zukunft weitere günstige Ergebnisse erhoffen läßt. Berlin, 16. März. Wir erhalten vom Hilfsverein der Deutschen Juden die folgende Zuschrift: Als Herr Dr. Nathan in Jerusalem war, hat er in Übereinstimmung mit dem geschäftsführenden Ausschuß des Hilfsverein der Deutschen Juden zur Linderung der bestehenden Not sowohl der sephardischen wie der aschkenaischen Gemeinde Beträge überwiesen. lieber die Verwendung der für diese Zwecke gespendeten Gelder erhielt nunmehr der Hilfsverein der Deutschen Juden den nachstehenden Brief aus Jerusalem: „Indem wir Ihnen für die erwiesene Wohltat unfern tiefsten Dank aussprechen, gestatten wir uns. Ihnen Bericht über die Verwendung des Geldes zu erstatten. In Anbetracht der bevorstehenden Teuerung beschlossen wir, von auswärts Mehl zu beziehen und in ausreichendem Maße Wetzen zu kaufen, um dem Notstand, soweit uns dies möglich, vorzubeugen. Wir trafen daher ein entsprechendes Abkommen mit der Anglo-. Palefllne-Company. die uns die nötigen Summen vorffreckte. D.e dafür gekaufte Ware sollte zur Verfügung der Anglo-Palestine-Company stehen,- wir garantierten ihr für 25 Prozent des even¬ D« JSraettt.' tuellen Verlustes. Es ist uns auf diese Weise gelungen, bis 250000 Kilo Mehl und 63 000 Kilo Weizen im Werte von 150000 Frs. anzuschaffen. Durch dieses Verfahren hatten wir den doppelten Vorteil, daß wir das Mehl unter den Marktpreisen verkaufen konnten, der Weizen aber blieb nur für den Pessach-Bedarf; wäre dies nicht der Fall gewesen, so hätte sich unsere Gemeinde gezwungen gesehen, wenigstens das Zweifache fiir Mazzoth zu bezahlen. Der Schaden, der uns durch diesen billigen Verkauf erwuchs, konnte nur | durch die uns zugegangenen Zuwendungen und Spenden gedeckt werden. Die ganze Stadt ist uns jetzt sehr dankbar, da wir durch unser Ein- § reifen die Möglichkeit eines Preisaufschlages auf ebensmittel verhindert haben. Besonders sind uns die Aermsten unserer Stadt sehr dankbar, da sie zum Teil, wo es nötig war, Lebensmittel ganz umsonst erhielten." Der ehrwürdige Rabbiner Samuel Salant fügt dem Schreiben noch das Folgende hinzu: „Auch ich spreche Ew. Hochwohlgeboren für die große Wohltat im Namen meiner bedrückten Glaubensgenossen meinen tiefsten Dank aus." Nach Telegrammen, die der Hilfsverein der Deutschen Juden erhalten hat, ist Haskien, eine der Vorstädte Konstanttnopels, zum großen Teil abgebrannt. Fünfhundert Häuser sind in Asche gelegt, viertausend Personen sind ohne Obdach. Auf Grund dieser Nachrichten hat der Hilfsverein der Deutschen Juden seinem dorttgen Komitee für erste Hilfeleistung einen Betrag von tausend Francs telegraphisch zur Verfügung gestellt. Berlin, 25. März. Der Hilfsverein der Deutschen Juden erhält von seinem Komitee in Konstantinopel die Nachricht, daß sich nunmehr ein großes allgemeines Komitee für das Hilfswerk zugunsten der Abgebrannten in Haßkeny gebildet hat. Folgende hervorragende Vertreter der Judenheit in Konstantinopel gehören neben vielen anderen hochgestellten Persönlichkeiten dem Komitee an: Moise Halevy, Chacham Baschy, Ehren-Vorsitzender des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Konstantinopel, Behor Essendi, membre du conseil d'etat Jacque Bey de Leon, Präsident des Meglig umumi und Kurator der Schulen des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Konstantinopel, Jsaac Pacha Molho, Divisionsgeneral, I. Fernandez, Präsident der Alliance Israeiite Universelle. Außer diesem Komitee ist noch ein engeres Komitee gewählt worden, das für die einstweilige Unterkunft der tausende von Obdachlosen Sorge trägt und sie in den Synagogen und Schulen uuterbringt, darunter auch in den Schulen des Hilfsvereins der Deutschen Juden. Darm sta dt, 17. März. Bekanntlich hat die Hessische Regierung im Jahre 1892 durch einen besonderen Erlaß die Staatsbeamten vor der Förderung der antisemitischen Bewegung gewarnt und des weiteren Weisung gegeben, daß die Beamten bei ihrem öffentlichen Auftreten und in der Ausübung ihres Amtes für Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte aller Bürger Lorge tragen sollen. Der antisemitischen Fraktion der II. Kammer ist dieser Erlaß schon lange ein Dorn im Auge, und sie hat nun erneut den Antrag eingereicht, die Regierung um Rücknahme dieses Erlasses zu ersuchen. Daß die Regierung das ablehnt, ist nicht mehr als selbstverständlich. Um so erstaunlicher erscheint es, daß der Gesetzgebungs-Ausschuß der 11. Kammer dem Plenum die Annahme des antisemittschen Antrages empfiehlt und zwar aus der Erwägung heraus, daß der Erlaß Selbstverständliches enthalte und daher eine Beleidigung der Beamten bedeute. Auch gefährde ein Teil der in dem Erlaß enthaltenen Weisungen die Unabhängigkeit der Richter. Man darf begierig sein, wie die Kammer sich zu der Angelegenheit stellen wird. (Die Kammer hat inzwischen den Antrag des Gesetzgebungs-Ausschusses einstimmig angenommen und zwar hauptsächlich infolge der Erklärung des Abg. Fulda, die Juden selbst wünschten die Aufhebung der Erlasse, die sie zu „Schutzjuden" degradierten. Wir teilen diese > letztere Auffassung keineswegs, fürchten.vielmehr, daß eine etwaige Aufhebung der Erlasse trotz aller gegenteiligen Erklärungen in der Bevölkerung als eine Sympathiekundgebung für den Antisemitismus aufgefaßt werden würde. Die Red.) Heidelberg, 25. März. Die badischen Rabbiner haben folgende fünf Herren als geistliche Abgeordnete in die Synode gewählt: Dr. Hannes-Konstanz, Dr. Pinkus-Heidelberg, Dr. Oppenheimer-Mannheim, Dr. Rawicz- Offenburg, Dr. Zi me ls-Karlsruhe. Heidelberg, 26. März. Wie soeben aus Offenburg gemeldet wird, hat Herr Bezirksrabbiner Dr. Rawicz die Annahme der Wahl in die Synode abgelehnt. Straßburg, 24. März. Wie wohl noch erinnerlich, ist im letzten Winter der Präsident des isr. Konsistoriums gestorben. Zwei Mitglieder hatten schon vor der Neuwahl demissioniert, ein Mitglied hatte nach seiner Wiederwahl auf dieselbe verzichtet, bei zweien war die Wahl angefochten worden, so daß das Konsistorium schließlich auf rwei Mitglieder, bcn Oberrabbiner Ury und das Laienmitglied Klein zusammengeschmolzen war. Es war vorauszusehen, daß dieser Zustand nicht von Dauer sein konnte, schon in anbetracht dessen, daß in den nächsten Monaten das Mandat unserer Gemeindevorstände abgelaufen sein wird und für diese Neuwahlen anberaumt werden-müssen. In Würdigung dieser Sachlage hat das kaiserliche Ministerium das isr. Konsistorium des Unterelsaß aufgelöst und eine provisorische Kommission ernannt, der der Oberrabbiner Ury, sowie die Herren tulius Klein, Kommerzienrat Kauffmann, Rentner . Reishofer und Rechtsanwalt Dr. Schmoll angehören. Dieser prov. Kommission ist die einstweilige Geschäftsführung übertragen, bis diese endgülttg von dem laut Artikel 24 der Ordnung vom 25. Mai 1844 innerhalb dreier Monate neu zu wählenden Konsistoriums übernommen wird. Mögen diese bevorstehenden Neuwahlen in einer ruhigen und würdigen Weise sich vollziehen und ein Resultat zeitigen, das nicht nur in administrativer, sondern auch ganz besonders in religiöser Hinsicht befriedigt. Nestervetrh 3ur Begnadigung Bilsners. Wien, 18. März. Heute abend fand im Sophiensaale eine Versammlung statt, mit der eine Aktion zur Begnadigung Hilsners eingeleitet wurde. Das Referat über die Begnadigung Leopold Hilsners erstattete Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Friedrich Elbogen, der eingangs seiner Rede auf die zahlreichen Zuftimmungskundgebungen verwies, oie ihm zugekommen waren, und dann fortfuhr: „Im Namen einer zehnfach unglücklichen Mutter habe ich meine Mitbürger aufgefordert, gemeinsam mit mir einen ehrfurchtsvollen Appell an unseren Kaiser zu richten. Wenn im Kampfe der Interessen die Gegensätze aufeinander stießen, Lausend Fäden zu dichten Knäueln sich verwirrten, finstere Wolken selbst die Beherztesten verzweifeln ließen, einen Ausweg in eine hellere Ankunft zu gewinnen — wie oft war es da in der letzten entscheidenden Stunde ein kaiserliches Machtwort, erfüllt von Weisheit, Güte und Seelengröße, das wie eine höhere Erleuchtung die Schatten verscheuchte. Der Weg zu den Stufen des Thrones steht jedem offen, der von der Verwaltung des öffentlichen Rechtes Kränkung erfuhr. Darum wollen auch wir die Zuflucht bei unserem Kaiser suchen. Nur wer das Mißverständnis sucht, kann diesen Schritt mißdeuten. Ich hatte mir für dieses Gesuch die Aufgabe gestellt, die Technik des Hisner-Prozeffes darzulegen, mit strengster Wahrheitstreue zu zeigen, was alles in diesem Prozesse gemacht, gefälscht und verbrochen wurde. Hilsner ist wegen Teilnahme an zwei Ritualmorden verurteilt worden. Hätte ich erst beweisen sollendaß die Ritualmord-

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