Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1908)
- Date
- 1908-03-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Gelte 4 Rr. IS „ES ist eine Irreführung, wenn das Sendschreiben der r entschrift den Ausspruch unter stellt, Maimonides hätte „nur aus Furchtbar verketzernden Gegnern" nicht gewagt, seine Ansicht über die Auferstehung offen aus zusprechen." Ich stelle fest, daß Herr Dr. Steckelmacher die Behauptung seines Gegners willkürlich verändert. Herr Dr. Hoffmann weist nämlich an der erwähnten Stelle nicht nur auf chgs Dogma von der Auferstehung, sondern auch auf die Opfergebete hin und nennt ausdrücklich S. 26 und 40 der Denkschrift. Auf S. 26 ist von den Opfergebeten und auf S. 40 von der Auferstehung die Rede. An beiden Stellen ist nun mit verblümten Worten behauptet, daß Maimonides auS Furcht vor verketzernden Gegnern Ansichten ausgesprochen habe, die seiner Ueberzeugung nicht entsprechen. lFortsetzung folgt.) Im Wechsel der Leiten. Zu Sabbat hachaudesch. rut*n 'tsnr6 D31? »in nrn ennn fltMO D’Bnn t**o. Dieser Neumond sei euch ein Anfang von Erneuerungen, der erste sei er Euch der Monate des Jahres. Der erste — erklären unsere weisen Midraschlehrer, — ist Gott (711**0 '2»), aber auch Zion wird als erstes bezeichnet (7VX7 71t**o) und — so sonderbar es auch klingen mag, — auch Esau durfte dieses Prädikat für sich in Anspruch nehmen, er kam als erster zur Welt (*nri 7lt**on). So wird einst der erste (Gott) gegen das Ansinnen des ersten (Esau) errichten das erste (Zion) am ersten der Monate (Nissan). (M. Rabba zur Stelle.) Als Moses voll Enttäuschung und Erbitterung ob des mißlungenen ersten Erlösungsschrittes an seinem Werke fast verzweifelte und sich zu der kleinmütigen Frage Hinreißen ließ: „Warum hast du dem Volke übel getan, warum hast du mich geschickt?", da nahm ihn Gott an die Hand und führte ihn hinaus in die Abenddämmerung. „Siehe, — sagte er, — den zunehmenden Mond, wie er wächst und schreitet und bringt den Wonnemonat, trotz aller ihm entgegenarbeitende Mächte, trotz der Wolken und Stürme. Siehe, er weicht zurück, er erblaßt, taucht unter, der Mond, aber dort schaut er wieder siegesbewußt hervor, bricht sich sicher Bahn und nichts, was auf die Dauer seinen Lauf hemmen wird, nichts, was das Herannahen des Wonnemonats aufzuhalten vermag, Vinn D3^ nrn. Dieser Neumond aber sei euch,er sei euch Vorbild und Vorbedeutung. Langsam, aber ' Der'ALraeltt sicher, oft zurückweichend, verblüffend, untertauchend, aber dabei ruhig fortschreitend, sich sicher vervollkommnend. So die Entwicklung des Mondes, so auch die Erlösung Israels. *on "{3 ,n:2*?3 ns" "»nt* 1123 nspsun n»r 'v ^iot*' W In einer Zeit, die arm ist an sichtbaren Wundern und Zeichen und die täglich an uns herantretenden Welträtsel kaum noch beachtet, ist es das alljährlich wiederkehrenue Naturwunder des 7it**on tnn, des Neumonds aller Neumonde, das, wie kaum ein anderes dazu angetan ist, unser Vertrauen, unsere innere Verbindung mit dem 711**0 zu befestigen. Die Zeit gehört euch, — ruft der erste Erlösungsmonat uns zu, — aber nicht ihr der Zeit! Er, der 7i"»n*o 711**0, der erhaben ist über Raum und Zeit, hat auch uns über die Zeit gestellt, mit den Feffeln der ägyptischen Sklaverei hat er auch jene der Zeit gebrochen, daß wir nicht von ihr unterjocht werden, sondern sie beherrschen. Sind wir als Menschen Kinder unserer Zeit, so sind und bleiben wir als Juden die Kinder zeitloser Ewigkeit, als Bekenner der 7VXö min, die als ruhender Pol in der Zeiten Flucht von keinem Zeitgeiste beeinflußt und verändert werden kann. Jene Sklaven der Zeit und ihre Anbeter die auch im Judentum eine temporäre Lehr- und Lebenseinrichtung erblicken, die sich je nach Zeit und Mode abändern und reorganisieren läßt, die sich ins Allerheiligste hineinwagen, um an Stelle der alt geheiligten Tradition fremde Götter der Zeit zu stellen, wähnen, dies mit Rücksicht auf die Umgebung tun zu müssen. Das ewige Judentum soll dem modernen Geiste weichen. Die Stimme Jakobs soll sich nicht mehr aus der vollen jüdischen Brust emporringen, sondern aus Orgelpfeifen und neuen purifizierten Gebetbüchern ertönen, damit die Hände Esaus — - Doch halt, darin liegt die tiefe Tragik, (nicht die jüdische Tragödie, wie sie ein halbaffimilierter Feulletonist in einer der letzten Nummern der „Zukunft" darstellt) die Tragik dieses armseligen Zeitjudentums, das Fiasko der Zeitanbeter und Esaunachäffer. Das Aufgeben des „Jchs" nützte wenig, die moderne Veränderung der Stimme Ja ko bs hat es nicht verhindert, daß die alten bewährten Hände Esaus in Tätigkeit blieben. Denn auch Esau ist Erster, ein 711**0, bildet eine historische Poienz, gegen welche anzukämpfen wir der Konzentrierung all unserer Geisteskräfte bedürfenjede Abweichung und Abirrung muß aber notwendig eine Abschwächung des inneren Volksorganismus zur Folge haben und dem Feindeslager zu Gute kommen. _ 2$. man 1«» Es brausen die Stürme und ziehen drohend die schwarzen Wolken. Doch er kommt unfehlbar und unaufhaltsam, der Nissan-Mond, und wächst leuchtend heran und bringt Frühling auf Erden. Und ein warmer Lichtstrahl stiehlt sich bei seinem Anblicke auch in das bange und hoffende jüdische Herz hinein. Der Erste, %"t*n, wird trotz Druck und Verfolgung des ersten (Esaus) zum Siege verhelfen dem ersten jvx'i liOtfn) am erste n der Atonale. I'^DI 7V». LOfCi. orrespondenzen und M!achrichten. Deutsches Kelch. Berlin, 22. März. Das Deutsche Bureau der Alliance Jsraälite Universelle stellt uns folgenden Bericht zur Verfügung: Wie.bereits früher mitgeteilt, hat die Alliance Jsraslite Universelle eine Expedition nach Abessynien entsendet, die die Lage der dort lebender: Falaschas, eines Völkerstammes jüdischer Abkunft, ihre Sitten rc. erforschen soll. Inzwischen ist Herr Nahum, der Leiter der Expedition, in Abessynien anqelangt und hat eine Audienz bei dem Negus Menelik gehabt. Nach dem soeben eingetroffenen telegraphischen Bericht hat Herr Nahrrm dem Negus zunächst im Namen der Alliance folgende Adresse überreicht: Paris, 27. Dezember 1907. An Seine Majestät Kaiser Menelik, König der Könige von Aethiopien. Majestät! Als Vertreter der Juden Europas und Amerikas haben wir die große Ehre, zu den Füßen des Thrones Euerer Majestät die Versicherung unserer tiefsten Ehrerbietung niederzulegen, zugleich mit unseren wärmsten Wünschen für das Blühen Aelhiopiens und mit unseren inbrünstigsten Gebeten für die Gesundheit Euerer Kaiserlichc:: Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin. Seit langem wissen wir, daß in Euerer Majestät Reich zahlreiche Falaschas Dort unten im Schranke liegt es und das ausgerissene Blatt liegt noch lose darin." Die alte Lea war müde vom Sprechen, sie wischte sich die. Altgen und hustete. Auch Joseph schien für einen Augenblick ernst und düster, dann sagte er: „Tu weißt, Mama, ich kann nicht lernen!" „Ich weiß es," sagte die Mutter leise und traurig, al gelte sich gegen einen schweren Borwurf zu verteidigen, „ich weiß es. Als der Vater starb, konnte ich das Chcdergeld nicht mehr zahlen. Später hast du mit Helsen müssen. An Jeschiwoh und Geinorch mar nicht mehr zu deute«. Und jetzt . .." Sie sprach nicht weiter. Draußen an, Fenster psiss jemand laut und rief: „Joseph!" Lea kannte die Stimme und den Ton und erschrak: „Tn gibst ihm keine Antwort!" bat sie. „Tas wäre unanständig, man niuß jeden, antworten." „Aber du gehst nicht hinaus zu ihm!" „Nur hinaus, ihm Antwort geben!" beteuerte Joseph. „Aber du gehst nicht mit ihm," flehte die Mutter. „Höchstens ein paar Schritte," versprach Joseph. Und er ging hinaus, er ging mit dem draußen harrenden Freunde. Er ging und kam. ,vie immer, vor Mitternacht nicht wieder heim. «'Fortsetzung folgt.! l«ns de« ehemaligen Prager Ghetto.» Mit der laueren Witterung hat in Prag auch sofort die Bautätigkeit wieder eingesetzt. Im Assaniernngsge brel schwindet die ehemalige kleine Pinkasgasse, die alten, einförmigen Häuser werden niedergerissen, an deren Steil? die neue Straße ziehen und eine kleine Parkanlage sich, erheben wird. Auch die ehemalige große Pinkasgasse, wie der von der Rabbinerzur Karpfengasse sich hinzieyende Teil der Joscfstädter (Breiten-) Gasse genannt wurde, wird durch die Dem o lierung der verfallenen Häuser in Fortsetzung des bereite erhöht.n «traßenzuges eine Umwandlung el fahren. Dadurch wird die bisher im 'Hof der ehemaligen Rabschen Häuser stehenden Pinkassynagöge, welche ihrer Umgebung den Namen gab, sr.igelegt werden. Auch sie wird eine Aenderung erfahre',, müssen, indem ihr Niveau erhöht werden wird. Die Gründung dieses Gotteshauses wird der Sage nach in das Dt Jahrhundert verlegt, es dürste aber erst n,n das Jahr 1490 erstanden sein und als sein Erbauer wird Pinkas Horwitz bezeichnet. An diese Synagoge knüpft sich folgende Erzählung, die wir dem Panorama des Universum entnehmen: Pinkas, ein armer, frommer, indischer Hausierer ans Prag, hatte ans der Klein feite einen Grasen zum Gönner, oer ihn reichlich untcrstütztc. Einmal, es war gerade zur Jeit des Osterfestes, entließ ihn der Graf ohne jede Unterstützung. Im Hanse des Hausierers gab es einen traurigen Vorabend des Festes. Da warf plötzlich jemand, während Pinkas feine Ost rgefänge rezitierte, zun, Fenster seiner im Erdgeschoß gelegenen Wohnung einen Tiertadaver herein, den der zun, Tode tritt miete Hausierer als --- Assen erkannte. Wäh rend er ihn auf den Haf schassen wollte, gab es einen metallischen Klang. Unter dem Tier lag eine Goldmünze und in seinem Inner,, fand sich ihrer eine hübsche Anzahl. Nun gab es selbstverständlich ein frohes Fest. Wie st tunte der Graf, als er feinen Juden am Fest besuchte und ihn statt darbend irn Wohlstand fand. Pinkas gestand ihn, alles, woraus der Graf lachend meinte: „Nun weiß, ich, warum mein Affe verendete; er stahl mir die Dukaten. Wie kam er aber hierher?" Auch) das klärte sich aus. Ter Diener des Grafen wollte dem Hausierer in der Osternacht einen Schrecken einjagen und spielte ihm , mil dem toten Assen einen Schabernack. Pinkas wollte dem Grasen das Geld zurückerstatten, er ließ es ihm aber. Fortab glückte dem ehemaligen armen Hausierer jede seiner Unternehmungen, er erwarb ein großes Vermögen und erbaute aus Dankbarkeit die „ach ihm benannte Pinkassynagöge. In, Laufe der Jahrhunderte' wurde diese öfter umgebant, zuletzt in, Jahre 1862. Im Innern findet sich Lin altes, Herr lick: gearbeitetes Gitter aus Schmiedeeisen, davor das Wappen des vom Kaiser Joses II. in, Jahre 1782 geadelten Joachim Edlen von Popper. Als Relique wird auch ein altes Gewand „ach dem Rabbiner SUomvn Molcho aufbewahrt. Molto nadni nämlich die Taufe, trat später wieder zum Judentum über, „,u endlich in Italien auf einem Scheiterhaufen zu sterben. (1.132.) Aus der Pinkasgasse, die bis 1817 auch Ueberfuhrgasse genannt wurde, weil sich hier an Stelle des fetzigen Kettensteges die Ueberfuhr befand, gelangt man an, Kunstgewerbsmnseum vor bei zu dein in einer Ecke der Ufergasse gelegene,, israelitischen Badhvf mit seiner schönen Kanzel uno den schattigen Bämnen im Hof einem ehemaligen Wirtschaftshofe. Auch die Tage di.ses Badhofes sind gezählt. In Kürze wird er niedergelegt und zur Siraßenerweiternng verwendet werden. Die Be erdig,ingsbrüderschast hat auct schon für einen Neubau gesorgt, der sich zwischen der Klanssynagoge und der Ufergasse erhebt, ein im romanischen Stil gehal teuer Ban mit allen Ansorderungen der Neuzeit. Er ist nach den Plänen des Architekten Hans Gerstel gebaut und enthält nebst den für die rituellen Funk linnen nötigen Räumen eine Kühlanlage und ein Ob duttionslokal. Aber auch dieser Neubau dürste nur solange bestehen, als die übrigen bei den Kirchen be farblichen Totenkapellen im Weichbilde der Stadt nicht ausgehoben werden. * «■feL-'Fr