Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1908)
- Date
- 1908-03-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 11. No. 12. Der Israelit. I». März 1908 Im Jahre 408 wurde der Tempel in Elephantine aufs neue erbaut. Aber schon im Jahre 404 endete die Herrschaft der Perser in Aegypten. Wer hat die Juden nunmehr gegen die Priester des Chnub geschützt? Werden diese den Zusammenbruch der persischen Herrschaft nicht zu einer Verfolgung der Juden benutzt haben? Es ist wohl rein Zufall, daß die Privat-Dokumente in dieser Zeit ihr Ende finden und über diese Krisis nicht hinausreichen! Deutsche und französische Forscher graben jetzt an der Stelle, wo der Tempel von Elephantine vermutlich gestanden hat. Wir dürfen auf die Resultate der Ausgrabungen gespannt sein. Güchrrscha«. Referate» gehalten auf dem 2. Delegiertentage des jüdischen Frauenbundes Franfurt a.M. am 2. und 3. Oktober 1907. Berta Pappenheim: Zur Sitllichkcitsfroge; Sidonie Werner: Mädchenhandel/ Ella Seligmann: Gründung von Jugendgruppen. Die vielbesprochenen Referate, deren erstes vor einigen Monaten berechtigte Entrüstung her vorgerufen hatte, liegen jetzt im Druck vor. Um das Unerfreuliche vorwegzunehmen, sei konstatiert, daß die Zensur bei dieser Drucklegung ihres Amtes in kaum wahrnehmbarer Weise gewaltet hat und daß — entsprechend dem von den: Delegiertentag gefaßten Beschlüsse — die das Judentum beleidigenden Aeukerungen der ersten Referentin fast un verändert geblieben find. Der jüdische Frauenbund verkündet der Welt also, ganz im Geiste der christlichen Theologie, weiter, daß die jüdische Frau in der Gemeinde ,,nichts gelte, nichts lerne, keine Kraft und keine Anmut brauche, daß sie nicht einmal schön bleiben dürfe, daß sie sich verstümmeln (sic!) oder doch entstelltn müge" usw. Daß diese Methode trefflich geeignet ist, die dem jüdischen Frauenbund sich anschließenden Frauen und Mädchen zum glühenden Hasse gegen c»s überlieferte Judentum zu erziehen, wird kein Unbefangener bestretten, und solange der jüdische Frauenbund nicht n agt, das Tischtuch zwischrn sich und den Trägerinnen so'chcr Ideen zu zerschneiden, wird seine neueste Erklärung, „ r stehe auf dem Boden der altjüdischen Ethik", wenig Eindruck machen. Im übrigen soll dem Referat das Zeugnis nicht versagt werden, daß es ncben mancher llnge»auigkeit durch eine formschöne, klare Darstellung und anregende, auf den Kern der Dinge zikl.nde Gedankengänge sich auszeichnet. Letzteres kann allerdings nicht behauptet werden v.n der „psychologischrn" Erklärung, die Fräulein Pappenheim für die jüdisch-galizifche Prostitution gibt; hier hat die Abneigung gegen die „Frommen" der Berfasierin wiederum den Blick getrübt und ihr ticjenigen Erkenntnisse vorenthalten, die in dem folgenden Referate von Sidonie Werner gerade in Bezug auf diese Frage überzeugend dargestellt werden. Sidonie Werner weist mit Recht da: auf hin, daß die „jüdischen Mädchen in Galizien durch den Verkehr mit denchr ist l ich en in denSchulen, die ihnen zu besuchen erlaubt sind, schon früh über die Vorgänge des Lebens aufgeklärt werten, sich, wie alle Halbgebildeten, früh überheben und sich innerlich ihren in tiefer Not lebenden Familien entfremden." Der Borwurf, der hieraus den galizischen Chasstdim erwächst, ist vollkommen berechtigt. Den Schluß bildet ein warmherziger Aufruf von Fr. Ella Celign ann zur Bildung von Jugendgruppen, die in der Tat Gutes wirken können, sofern sie sich auf die Gewinnung der indifferenten Kreise beschränken und nicht etwa, umgekehrt, gut jüdisch erzogene Mädchen in die Atmosphäre e nes verwässerten sogenannten „prophetischen Judentums" hineinziehen. Antisemitismus und Nationalgedanken. Ein arischer Beitrag zur Lösung der Judenfrage von Camilla Th ei mar, Wien. Im Selbstverläge der Verfasserin. Es klingt quasi wie eine Entschuldigung, was die gelehrte Verfasserin, eine Bollarierin, am Eingänge Ihres Buches sagt. Sie hat » ch auf Grund persönlicher Erfahrungen ein eignes, von der öffentlichen Meinung vielfach abweichendes Urteil über die Judenf.age gebildet, das sie nun, um auch andere zum jelbständigen Denken über diese Frage anzuregen, in einem M Seiten starken Büchlein zum Ausdruck bringt. Daß der Antisemitismus das moderne Nationaljudentum erzeugte, ist eine Tatsache, die auch die Wortführer des letzteren nicht in Abrede stellen und wir hätten leicht vom Antisemitismus als von einer Macht sprechen können, die das Böse will und das Gute schafft, wüßten wir nicht, daß auch leider dieses Gute nicht in allen Punkten das gute Alte und echt Jüdische geblieben ist. Cantilla Theimer als Christin mit den intimen Angelegenheiten deS innerjüdischen Volkslebens zu wenig vertraut, kann die Frage nur von rein äußerlichen Gesichtspunkten aus behandeln und sie tut es mit scharfer Logik und einer Folgerichtigkeit, die ihrer Urteilskraft wie ihrer edlen Gesinnug alle Ehre macht, wenn wir uns auch nicht immer zu ihren Ansichten bekennen können. Füv sie ist das Nationaljudentum nicht nur die notwendige Folge des Antisemitismus, sondern auch das einzige Heilmittel gegen alles Jubenleid. Daß. der Jude auch noch andere Ideale haben kann, die ihm nicht erst in ferner Zukunft, sondern jetzt schon unsägliches Glück hieten und Ersatz für so manches, was ihm die feindliche Umgebung entzieht, gewähren, davon weiß die Verfafferin nichts und kann, da sie die jüdische Volksseele zu wenig kennt, es auch nicht wissen. Aber sie. meint es gut. Der frische warme Ton zeigt, daß sie mit großer Liebe an ihr schwieriges Problem herangetreten ist um die lcichte Form und schöne Sprache machen die Lektüre des interesianten Büchleins sehr angenehm. Sch. Moses Mendelssohn Ein Lebensbild für die israelitische Jugend von I. Herzberg. Leipzig, M. W. Kaufmann. Das Werkchen ist übersichtlich gegliedert und anziehend geschrieben. Es ist aber gewiß nur für die reifere Jugend bestimmt, da es doch eine gewisse Reife des Urteils beim Leser voraussetzt. Dessen ungeachtet hätten wir gewünscht, daß manche Teile etwas faßlicher ausgefallen wären. Die häufige Wiederholung tes Ausdrucks „fromme Eiferer" ist geeignet, falsche Eindrücke von dem Wesen wahrer Frömmigkeit zu erwecken, z. B. Seite 42. Auch sonst sind einige wenige Stellen abändernngsbedürftig, z. B. Seite 51: „Ein lallendes Kauderwelsch war es, das niemals die Erniedrigung, in der die Judenheit lebte, beseitigen konnte. S 53: „Hier trafen sich junge Dichter, Schauspieler, Künstler uod sogar — Juden!" S. 64 : „Mendelssohn verband sich mit seinen beiden Freunden Lessing und Nicolai, die sämtlich in voller Jugendkraft und Frische prangten, zu neuen literarischen Arbeiten." Druck und Ausstattung find sehr zu loben, Druckfehler oder Verstöße gegen die neue Rechtschreibung sind sorgfältig vermieden. Dem Texte ist eine schöne Illustration vorangestellt. Lxegrtkcde Miscellen. Entgegnung In Nr. 8 des „Israelit" versucht Wolf-A rich in die schwierige Stelle Ex. 33, 4.-6. durch eine neue Erklärung Licht zu bringen, die aber wohl zu beanstanden fern dürfte, da die Voraussetzungen, von tenen der Berfvsser ausgeht, mit Sprachgcsctz und Grammatik nicht üvernnst mnicn. Es ist ja schwierig zu verstehen, daß in den Versen 5 und 6 das geboten und befolgt wird, was anscheinend nach V. 4 schon freiwillig vollzogen ist. Allein, wir wollen hier keine Erklärung versuchen, wir wollen für eine solche auf Malbim verweisen, hier soll uns nur der angeführte Artikel in Nr. 8 beschäftigen. Der Verfasser geht von der Voraussetzung aus, daß l^aWVI hier bedeute, „sie stellten sich traurig". Abge- >eyen davon, daß man doch nicht ohne weiteres dem jüdischen Volke ein solches Zeugnis der Heuchelei nusstellen darf — denn Ex. 20, 19. bcweist garnicht, daß, wie Berf. meint, das Volk die Gottesnahe nicht wünschte, im Gegenteil, das Volk wird doch wegen dieses ablehne, den Verhaltens geradezu gelobt (Deut. 5, 25f.) — so ist man nicht berechtigt, das i^aWPl in dem Sinne, den der Verfasser ihm gebe.« will, zu nehmen. Sollte etwa Jacob, von dem es Hecht 1^3 by!?2*«T>1 (Gen. 37, 34.) nur eine Scheintrauer um den verlorenen Joseph gehalten haben? Nun ist es ja bekannt, daß der Hilhpael die Bedeutung von , scheinen als", sich „stellen als" haben kann, wie aus den Belegen, die der Verfasser selbst bringt, ersichtlich ist, dies gestattet es aber nicht, dieser Form nach Gutdünken dieje Bedeutung unterzulegen. Das wäre, nie Jbn Esra sich wohl Ausdrücken würde, die Sprache behandeln “Din PN DSHD TJD* Nein, bei dem Verb, bei dem diese Bedeutung sich einmal zeigt, hat sie immer ihre Geltung? wendete heute einer VViiril -- sofern er hebräisch schriebe — in der Bedeutung von „arm sein" an, so schriebe er eben falsch. *te Verben pnnH/ bDKnri/ werden immer und immer trauern, beten, flehen und niemals eine Scheintätigkeit bedeuten. Wie ja auch gar nicht anders bei Verben zu denken ist, die den Gebrauch des Hithpael nur dem Umstande zu banken haben, daß sie eine das Gefühl äußemde Tätigkeit ausdrücken. Ter zweite Punkt, den der Verfasser beanstandet, ist, daß es nicht \>bv . . . intP, sondern nrp^JJ DV heixen müßte? mir Verlaub, baß müßte es eben nicht, da das Er# dies nicht gestatten würde? stünde Dn4?y, dann müßte man fich den Kopf darüber zerbrechen, was diese grammatische Auffälligkeit wohl sagen wollte. Drittens soll der Tewir unter mV darauf yindeuten, daß die Softtim durch diesen „Trenner" andeuten wollten, daß dieses Wort mit dem folgenden p^jy nicht in Verbindung zu bringen sei. Nun ist der Tewir allerdings ein «Trenner", aber mehr in rhytmischer Beziehung als in syntaktischtt. Hunderte von Beweisen ließen fich anführen, daß der Tewir auch da gesetzt werden kann, wo der Zusammenhang durch ihn unmöglich aufgehoben wird. Wir bleiben in der Nähe der vom Verfasser beanstandeten Stelle. Jb. 33,6. snn ino cpiy ya i!nwi, hier hat bim?' einen Tewir/ ib. 1t. ntfrö M 1211 '121 12T ItfND □'2B bw □’OD/ hier hat 1^82 einen Tewir? ib. 22. 133 MDltfV hier hat 133 einen Tewir. - Jb. 34,1. d^kip nr6n by IM im hier hat im der Tewir. Ich glaube, es sind dies genug der Beispiele. Vby Piy soll also mcht mit dem Vorhergehenden im Zusammenhang stehen, sondern ein Satz für sich sein. Um dieses möglich zu machen, kommt der Verfasser auf einen bedenklichen Ausweg, er konstruiert eine Ellipse. Es seien zu intP die Worte 03!? btt zu. ergänzen. Ja, wo hinaus wollen wir denn, daß wenn uns etwas dunkel ist, wir eine derartige Konstruktion annehmen, die durch nichts begründet iHieße es z. B. in# **^>1, dann ließe sich das Wort Q3^> hinzudenken, denn das ni1? würde darauf hindeuten, daß zum Prädikat ein Objekt zu ergänzen ist, solche E iipsen sind sprachgeläufig? wie sie hier aber versucht wird, fehlt ja immer noch baS Objekt, also eine Ergänzung zur Ergänzung, das ist doch des Guten zu viel. 8. Zu meiner exegetischen Erklärung der Schriftstelle Ex. 33, 1—6 in Nr. 8 des Israelit sind mir neben einer Anzahl von Anerkennüngs- und Zustimmungszuschristen auch zwei Entgegnungen von sehr geschätzter Seite zugegmgen, die jene Erklärung wohl schön, aber doch nicht dem Wortfinn entsvrechern finden. In der einen Zuschrift wird ausgrführt, daß das liaWPI nirgends in der Bedeutung von „sich traurig stellen" vorkommt, und es wird mir dabei die Frage vorgelegt, wie ich denn meine Erklärungsweise mit dem 133 by in 32m nttHD und mit der ganz gleichlautenden Stelle in Sam. 2, Kap. 13 in Einklang bringen wolle? In beiden angeführten Stellen sei doch ohne Zweifel von einem wirklich.n Trauern Jakobs und Davids die Rede. Auf diesen Einwand habe ich das Folgende zu erwidern. Das intranfitive Verb „trauern" kann tm Hebräischen auf zweierlei Weise ausgedrückt werben: 1> durch die Kalform, wofür ich in meiner Erklärung aus das Diynn i^QKi (Amos 1,1) hingewiesen habe und 2) durch die Hispaelform, aber — das betone ich — mi, nachfolgendem by- Wo indes, wie in der in Rede stehenden ^Stelle (Vers 4) schlechtweg ohne Präposition liaWPl stehr, da ist meines Erachte> s gar kein Grur d vorhanden, meine Uebersetzung durch „sie stellten sich traurig" kurzer Hand als irrig zurürkzuweisen, zumal die Hispaelform, wie durch Beispiele bewiesen werden kann, in dieser Bedeutung vorkommt. Wenn die Schrift die unzweideutige wahre, echte Trau r des Volkes beim Empfang des „bösen Wortes" hätte zum Ausdruck bringen wollen, so würde diese SchriftsteUc sicherlich gelautet haben nyn yDWI DM yin 1211 by ibaarpl- Gerade die Konstruktion des Satzes und das trennende Tipcho unter nM find für mich zwei Momen c, die beweisen, daß meine Erklärunasweise doch nicht so weit, wie der sehr geehrte Einsender glaubt, von der Wahrheit entfernt liegt. Wolff-Aurich. Wenige Stellen im Buche Esther geben so sehr zum Nachdenken Anlaß als V. 5 K. 7 dortselbst. Erstens erscheint das in diesc.n Satze wiederholte Wörtchen 1I2M1 ganz unverständlich, da cs richtiger nur -j^on 1D*P1 heißen sollte. Nicht minder rätselhaft scheint die Entrüstung, mit der Ahasver 08 die Mitteilung Esthers zur Kenntnis nahm, daß gegen die sein t Regierung unterstehenden Juden ein ' ernichtungsedikt erlassen worden sei, wo er doch hiezu die erbetene Bewilligung rückhaltslos erteilt haste. Vielleicht haben wir den Schlüssel zur Lösung dieser Schwierigkeiten, wenn wir — entgegen der landläufigen Auffassung — die Worte inD**!? id*T1 nicht als Borausschickung, sondern vielmehr als inteprierenden Teil des Zornausbruches Ahasveros auffassen. Es war nämlich Königin Esther, die ganz gut gewußt, daß der Bernichtungsplan Hamans im vollsten Einvernehmen mit Ahasveros entworfen wurde, klug genug zu begreifen, daß sie wegen der Ausführung desselben nicht Hamans Kopf fordern könne, weil ja dann der König in die Zwangslage gekommen wäre eine Tat zu ahnden, die er selbst gebilligt. Sie beschuldigte deshalb Haman nur einer Kompetenz- Überschreitung, indem er die Königin, die als Mitglied des königlichen Hauses über das Gesetz erhaben sein sollte, wegen ihrer j üdischen Abstammung in diesen Hinrichtungsbefehl mit einbegriffen wissen wolle. Wir verstehen nun, weshalb Esther, die fich mit ihren Glaubene genosien solidarisch füh re, immer und wieder betonte ^jsyi 1D2I23 M sie wollte eben dadurch, daß auch sie der Mörderband überantwortet werden sollte, das schwere Verbrechen Hamans kennzeichnen. Ahasveros vei stand es Vollrommen, da er erzürnt ausrtef: ,12-O.I HD**!? 1D*P1 und damit die Absicht Hamans, die Königin zu ermorden, durchschaute. . Auch die plötzliche Entrüstung deS Königs ist damit erklärt. Samuel Reiner, Eperjes.