Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1908)
- Date
- 1908-03-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Der JSraelit. «o. 13. Sette 8 IS. Mrz 1908. Mrsche» «nstalten bedeutet hat. Gr war einer der Wenigen, denen eS vergönnt war, durch seinen Takt, durch Bescheidenheit, gepaart mit edlem Selbstbewußtsein, inmitten nichtjüdischer Lehrerkollegien zu zeigen, daß eS wohl möglich ist, als gesrtzestreuer Jude zu leben und dabei ein bei Kollegen und Schülern gern gesehener Mitarbeiter und Lehrer zu sein'. Daß er dadurch manches Vorurteil zer streut und Nachfolgern die Bahn geebnet, bleibt ein lange nachwtrkendes Verdienst. — Einen beredten Ausdruck für die Wertschätzung, deren sich der Ddhingegangene auch an den städtischen Schulen erfreut bat, bilden die warmen Beileidsschreiben der Leiter jener Anstalten, sowie die aufrichtigen Beileidsworte, die deren Vertreter an der Bahre übermittelten. E n heißes Streben zum Studium der rniD beseelte den Heimgegangenen. Im Drange der Berufsarbeit vergaß er nicht den regelmäßigen Auch auf Reisen fehlte seine nicht- und wie gern und erfolgreich verwendete er im Unterricht die Früchte seines Lernend. Nicht minder reizte ihn sonstige wissenschaftliche Arbeit, namentlich das Studium der Geschichte. Die Aus führung mancher Pläne zu wissenschaftlicher Arbeit ist durch seinen frühen Tod vereitelt worden. Das Bild des Unvergeßlichen würde nicht vollständig vor uns stehen, erwähnten wir nicht noch seinen goldenen Humor, „jene Gabe des Herzens, die die Tugend selber ist." Er nahm seiner so sehr geschätzten Aufrichtigkeit, seinem charakterfesten Freimut jede Schärfe und machte den Edlen zum liebenswürdigsten Freunde uud Kollegen Dem großen Verluste der letzteren sowie der ganzen Schule verlieh Herr Direkter Dr. Lange am Grabe in warmen Worten Ausdruck. Herr Lehrer A. Hirschberg sprach den Dank des „Bundes gesetzestreuer Lehrer", Herr Oberlehrer Dr. Liesau den des „Frankfurter Turnvereins" aus. Nur ein kurzes Leben war dem Heimgegangenen vergönnt, aber er ist in Reinheit und Vollkommenh it von uns geschieden. Ein Trost mag den um ihn Trauernden sein: je mehr wir an ihm verloren haben, umso mehr behalten wir auch. Der Gerechte stirbt, aber sein Andenken bleibt zum Segen. p'HSJ "IDT* Dr. L. Sternheim London, 15. März. Selten hat dis Verscheiden eines ManneS solch tiefes Bedauern in allen jüdischen Kreisen heroorgerufen, wie das des sel. Herrn Dr. L. Sternheim y'jfl, dessen Ableben bereits in der letzten Nummer gemeldet wurde. Der Gesamteindruck seines vielbewegten Lebens, dessen Schauplatz fast alle größere Gemeinden Europas bildeten, trägt das Gepräge des mp, das einst das Lebensprogramm unseres Stammahnen Awrohom war. Wandernd die großen Prinzipien des Judentums zu verkünden, Institutionen zu schaffen, Gemeinden gründen, Stätten zu errichten fürs Lernen, für die Erziehung der Jugend und dabei unermüdlich für Bedürftige sorgen, dies waren die Ideale, für deren Verwirklichung er gelebt hatte. Geboren in Hannover im Jahre 1836, sorgte sein Vater, Chef eines angesehenen Bankhauses, dafür, daß dem vielversprechenden 5maben eine Erziehung zuteil werde, die ihn zur wiffenschafllichen Laufbahn befähigte. Er absolvierte die Universität Halle und widmete sich alsdann ausschließlich dem Studium der Thora in Würzburg, Altona und Eisenstadt. Im Jahre 1868 fiedelte er nach Berlin über, woselbst er die orthodoxe Gemeinde „Adaß Jisroel" gründete, nachdem es ihm gelungen war, seinen Lehrer und Freund Dr. I. Hildesheimer zu bewegen, Ungarn zu verlassen und seine fruchtbare Tätigkeit als Rabbiner und i eminardirektor in Berlin aufzunehmen. Mit großen Opfern hatte Dr. Sternheim für die junge Gemeinde Grundbesitz erworben und so ihre Lebensfähigkeit gesichert. Alsdann entwickelte er emsige Tätigkeit in Hamburg und Paris. Dort gründete er Religtonsklaffen, die sehr besucht waren, förderte mit dem starken Einfluß seiner Persönlichkeit alle sonstigen jüdischen Institutionen. 1890 kom er nach London, woselbst er obengenannte Tätigkeit fortsetzte biS 1902. AlSdann reiste er nach Jerpscholajum zur Ausüaung philantropischen Wirkens für die Armen und Kranke» daselbst. Die neugegründete orthodoxe Gemeinde in Leipzig verdankt Dr. Sternheim ihr Entstehen. Nach ihrer Vollendung und mehreren Abstechern nach Rom, Budapest Wien hatte er die Absicht, nach London zurückzukehren. Dies war ihm leider nicht vergönnt, eine kurze Krankheit beendigte sein Leben. Ein Leben, das nur seiner Religion, seinen Menschenbrüdern, dem Wirken für Thauro, Awaudo und Gemilus Chasodim gewidmet war. Seinen Freunden, die Gelegenheit hatten, feinen geistreichen Humor zu genießen, den Bedürftigen, die seine seltene Herzensgute ermutigte, seinen zahllosen Schülern, die er zu allen Zeiten unterrichtete, wird ein Andenken ewig unvergeßlich, bleiben. Er war ein Chostd, wie diese- Wort in den 19 Briefen definiert wirb: „der sich ganz in Liebe hingibt, sich nicht selbst vertritt, seine Amprüche aufgibt an die Welt — um ganz nur für die Welt in Liebeswirkm tätig zu leben"- nicht also fick zurückzieht von ihr. sondern gerade nur ganz in ihr und mit ihr für sie lebt, Chofid ist für sich nichts — alles aber für seine Welt. „Doktor Sternheim ist ein ganzer Jehudi", mit diesen - wenigen Worten schilderte einst Rabbiner Samson Raphael Hirsch den großen Heimgegangene». Damög' seine Grabschrist sein n*3Jün* Frankfurt a. M., den 18. März. Am vergangenen Sonntag dm 15. März waren eS 25 Jahre, daß Herr Feist Gonbheimer, Lehrer und Verwalter der hiesigen israeltttschm Waisenanstalt, zu diesem Amte berufen wurde. Der allgemein hochgeschätzte Jubilar wurde zur Erinnerung, rmüiesen Tag mtt reichm Geschmkm t bedacht und zahlreiche Glückwunschschreibm und Telegramme von nah und fern bewiesen, welch hoher Beliebtheit und Ansehens er sich erfreut. Die Berwa tung sowie auch ein Komitee etemaiiger Zöglinge der ffraklttischen Waisenanstalt hatten beschlossen diesen Tag durch eine besondere Feier zu begehe», zu der, dem bescheidenen Wesen des Gefeierten entsprechend, nur die nächstbeteiligten Kreise, wie die Vertreter der Vorstandschaft und der Verwaltung der Anstalt, die der Verwaltung angehörigen Ehrendamen, die näheren Verwandten und Bekannten des Jubilars, und die jetzigen sowie auch eine große Scb>rr ehemaliger Zöglinge der Waisenanstalt eingeladen waren und sich auch Vormittags 11 lltjr im Fests ictlc der Israelitischen Waisenanstalt Röderbergweg 87, einfanden. Mit dem Vortrag eines herzlichen Grajulationsgedicl tcs durch einen der jüngsten Zöglinge wurde die Feier eröffnet. An Stelle ocs Vorsitzenden sprach dann zunächst Herr Leo Ellingcr dem Jubilar, unter Ueberreichung eines Ehrengeschenkes, namens der Vorstandschaft den Dank und die Anerkennung für sein segensreiches Wirken aus. Nach einem kurzen Rückblick aus die Amtstätigkeit des Jubilars hob er insbesondere hervor, daß sowohl Herr Sondheimer als auch seine ihm treu zur Leite stehende Gattin, die ihnen anvertraute Erziehung und Heranbildung der Waisenknaben als ihre Berufstätigkeit aufgefaßt, und sich deren mit der gleichen Liebe und Hingabe angenommen haben, wie ihrer eigenen Kinderer gab der Hoffnung Ausdruck, daß es beiden vergönnt sein möge, ihre bewährte Kraft noch recht lange den Diensten der Anstalt zu nndmen. Herr Leopold Hirsch übermittelte dem Erziehcrpaare in herzlicher, warmempfundener Rede die Gratulationen und Glückwünsche der ehemaligen Zöglinge, unter Verlesung einer von zahlreichen Zöglingen Unterzeichneten Tankesadresse. Herr Gottlieb, als Sprecher für die in der Anstalt noch befindlichen Lehrlinge bot der Frau Londheimer nach kurzer Ansprache ein von den Lehrlingen gestiftetes Blumenarrangement dar. Weiter folgten Ansprachen des Hilfslehrers der Waisenanstalt, Herrn Adler sowie des Herrn Dir. Dr. Lange, der Namens des Hundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer den Jubilar beglückwünschte. Der rüstige Jubilar bankte in kurzer, kerniger Rede mit herzlichen Worten tiefgernhrt für die ihm zu teil gewordenen Ehrungen und sprach die .Hoffnung aus, daß es ihm vergönnt sein möge, seine Zöglinge auch fernerhin zu würdigen Mitgliedern der bürgerlichen Gesellschaft heranwachsen zu sehen. Nachmittags um fünf llhr vereinigten' sich nach gemeinsamem Minchah-Gcbcte, die vielen hcrbcigcströmten früheren, sowie die der Anstalt noch ungehörigen Zöglinge mit dem Jubilar und seinen nächsten Verwandten zu einem se.itens der Waisenhausverwatung der Feier des Tages gestifteten Festessens, dem auch Herr Michel Mainz im Aufträge der Vorftandschuft beiwohnte. Besonders bei dieser Feier kam die herzliche gegenseitige Freude der ehemaligen Zöglinge über das Wiederbeisammensein mit ihrem lieben Erzieherpaare zum lebhaften Durchbruch. Herr Mainz hob in einer kurzen Begrüßungsrede nochmals die außerordentlichen Verdienste des Jubilars und seiner Gemahlin rühmend hervor. Ihm schloß sich als Sprecher der ehemaligen Zöglinge Herr Siegmund Nauheim an, indem er der segensreichen Einrichtung der Israelitischen Waisenanstalt einige Worte widmete und die zeitweiligen Zöglinge zum Guten ermahnte. Herr Justus Ahrend toastete auf Herrn Michel Mainz als den Gönner und Wohltäter der Waisenhauszöglinge. Herr Dir. Dr. Lange knüpfte in geistreicher Weise an das bevorstehende Purimfest an, und brachte seine Wünsche den Zöglingen dar. Es folgte die Aufführung eines von der jugendlichen Nichte des Jubilars, Fräulein Helene Posen, ad hoc verfaßten Theaterstückes, das ebenso wie die vorangegangenen Vorträge der Fxzicr würdig angepaht war. Erst am späten Abend gingen wir auseinander mit dem Hochgefühle, ein einfaches, aber schönes Fest verlebt zu haben, das uns Zöglingen unvergeßlich bleiben wird. Hannover, 14. Februar. (Verspätet). Am vorletzten Sonnabend, den 1. Februar d. I., wurde in der hiesigen Gemeinde ein seltenes Fest begangen. Der Gemeinde-Sekretär Jakob Hoffmann feierte oder bester gesagt, die Gemeinde feierte die Wiederkehr deS Tages, an dem dieser in jedweder Beziehung hervorragende Beamte, der seit jener Zeit gleichzeitig als zweiter Borbeter und Baal Kore fungiert, vor genau 40 Jahren in den Dienst der Genien de trat. Der Jubilar hat es zu allen Zeiten verstanden, fich nicht nur bei {einen Vorgesetzten, sondern bei sämtlichen Mitgliedern er Gemeinde — ohne Unterschied deS Standes, — vermöge seines ganz hervorragenden, geradezu vorbildlich gewordenen Pflichteifers, sowie seiner besonderen Befähigung alS Borbeter der alten Schule, fich einer außercrdentlichen Beliebtheit zu erfreuen. Wohl kaum je zuvor ist denn auch ein Beamter hier so gefeiert worden, wie dieser Mann. Sowohl am Vorabend de- JubiläumStages, am Freitag Abend, als am Sonnabend Vormittag fand in der Synagoge ein besonders festlicher Gottesdienst statt, bei dem Ghnagogen-Chor und Ober antor ihr Bestes zum Bortrag brachten. Die Gyna- §oge war festlich erleuchtet, die amtlichen Plätze deS fubllarS — Almemor und Borbeterpult,'— prangten im Blumenflor. Der Jubilar wurde vom Overkamor mit Chorbegleitung in feierlichster Weise zur Thora aufgerufen, während fich die Gemeinde von den Plätzen erhobferner sprach der Oberkantor einen zu diesem Zweck vom Lanbravbiner verfaßten MischeVerach, in welche« nz Ehren deS Jubilars vom Repräsentanten-Kollegium eine größere Spende für die „Unterstützungskaffe für jüdische Lehrer, deren Witwen und Waisen in der Provinz Hannover" gelobt wurde — eine Kaffe, welche der Jubilar vor fast 40 Jahren mit begründet hat und die ihm die wesentlichste Förderung verdankt. Am Schluffe seiner Neumondspredigt gedachte Herr Landrabbiner Dr. Gronemann von der Kanzel herab der hervorragenden vielseitigen Eigenschaften des Jubilars. Nach Schluß des Gottesdienstes begaben sich Vorstand und Repräsentanten unter Führung des Vorsitzenden der Gemeinde, Herrn Senator Fischer in die Wohnung des Jubilars, um ihm die Glückwünsche der Gemeinde, sowie der Gemeinde-Bertretung- und Verwaltung darzubringen. Auch viele offizielle Vereine entsandten Glückwunschschreiben, ebenso liefen zahlreiche Telegramme von Nah und Fern ein. Möge diesem herrlichen Tage ein glücklichrr Lebensabend für den Jubilar folgen. Austerlitz, 16. März. Hier starb Fräulein Charlotte Koritschan im 57. Lebensjahre. An der Bahre schilderte Herr Bezirksrabbiner Dr. Steif mit ergreifenden Worten den tugendhaften und frommen Lebenswandel der Verstorbenen. Giesteu, 16. März. Herr Hirsch Baer, hier, feiert dieser Tage seinen 93. Geburtstag in voller Rüstigkeit. Möge dem würdigen GreiS ein heiterer Lebensabend vergönnt fein! Sprrcdzaal. Frankfurt a. M., 16. März. Sehr geehrte Redaktion l. Ein Herr Viktor Weinberger aus Budapest versendet an eine große Anzahl Frankfurter Wohltäter von chm verfaßte Broschüren unter Beigabe einer Spendenaufforderung und einer auf meinen Namen ausgestellten gedruckten Postanweisung. Ich halte Herrn Weinberger und den von ihm vertretenen Zweck für durchaus u, terstützungswert, fühle mich aber zu der Erklärung verpflichtet, daß die ganze Versendung und insbesondere auch t ie Beifügung von Postanweisungen auf meinen Namen gexen meinen Willen und ohne mein Wissen erfolgt ist. Hochachtungsvoll Hermann Lehmann. Briefkasten. 8. 8. in K Ist erlaubt! S. E. in N. Es empfiehlt fich, auch wenn kein Minjan da ist, in der Synagoge zu beten. Doch dürfen, so lange keine zehn Beteiligten da sind, die für Minjan berechneten Gebete wie Kaddisch und Borchu u .s. w. nicht vorgetragen werden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß noch n"D in der Synagoge enthalten find. M. K. in Krakau. Uns ist keine Bezugsquelle für koschere Somatose bekannt. I. H. in K. Der Gasherd muß erst schwach geglüht werden. No. 2. Wenden fie fich an Firma Günther, Frankfurt a. M., Hermesweg. W. in B In beiden Fragen hatte Ihr Rabbiner recht entschieden. Wir begreifen nicht, wie Sie entgegen der deutlichen Vorschrift im Joredea die zweite Frage mtt einem koscher beantworten wollten. Dieseim Namen eines kompetenten Sachverständigen, dem wir Ihre Fragen vorgelegt haben. Ein Sijum, um die Bechori« vom Fasten zu entbinden, darf in der von Ihnen angegebenen Weise nicht abgehalten werden. Qereinskalender. Jüdischer Frauenverein. Mittwoch, 25.März abends 81/, Uhr, Vortrag des Fräulein Emma Baer über „Jüdische Frauen in der Zeit nach Mendelssohn" im Turnsaale der Realschule. (Schluß des Semesters. Gäste — Damen — willkommen. Danksagung. Allen denen, die mir Hallen, der armen kleinen Jerusalemiten Hunger zu stillen, innigen Dank. Jerusalem, 6. März. Sara Bondi. Auflösung Ser ftäffel in Ser lebten Nummer. I. ,*pfi ,“p*i ,rD-Q II. vrtt n:mn W Wl wn XM'I mwn». Richtige Lösungen sandten ein: Max Maier, Lehrer-Laufenselden, Lehrer Markus-Afsenheim, B. Länge-Zürich, Ctzllie Scheftelowitz-Kömgsberg, Rosa Ml Riga, I. Bernstein-Berlin. arkoff-