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Der Israelit · 1908-03-19 · Heft 12 (19.3.1908) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 12 (19.3.1908)
Date
1908-03-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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19. «Sri 1908. Der Qffweltt. Rr. 12 Sette § Beratung stand: der „Verband der deutschen Juden" oder die „Freie Bereinigung" nunmehr als entschieden gelten kann. Es ist widerspruchslos festgestellt worden, daß durch die Agitation der süddeutschen Orthodoxie daS Gesetz sür die jüdischen Gemeinden wesentlich verschlechtert wurde." — Was in Wirklichkeit „nunmehr als entschieden gelten" kann, dürfte nach diesen Ausführungen niemandem mehr zweifelhaft sein!" 4- * sie Soweit unser Korrespondent, dessen Sachkunde und Objektivität auch von den Gegnern anerkannt werden dürfte. Die Ergebnisse seiner Untersuchung würden noch wesentlich belastender sür die Gegner des Aba. Marx ausgefallen sein, wenn er sich nicht mit Recht genau auf das tbem» prodavclum, die Frage des Religionsunterrichts in christlichen Volksschulen beschränkt, sondern auch die Förderung des Religionsunterrichts überhaupt und der jüdischen Volksschule mit in den Kreis seiner Betrachtung gezogen hätte. Genau so haltlos wie die Behauptungen des Abg. Cassel über die „Verschlechterung" des Gesetzes durch die Gesetzestreuen waren übrigens auch seine weiteren gegen die „Gewährsmänner des Abgeordneten iBlaxg' gerichteten' Ausführungen, gegen die wir schon kurz Verwahrung eingelegt haben und denen die präeiseste, urkundliche Widerlegung ebenfalls nicht erspart bleiben soll. lpt*. »orrespondenzen und Nachrichten. Kentsthe» MeUH. Frankfurt a. M. 17. Aug. Die badischen Synodalwahlen, die am Sonntag den 15. März stattfanden, haben mit einem über Erwarten glänzenden Siege der Gegner des oberrätlichen Reformgebetbuches geendet. Von den einundzwanzig Sitzen der Synode bleiben den Reformern nur noch sechs, während die übrigen fünfzehn, zum Teil mit gewaltigen Majoritäten, von den vereinigten Orthodoxen, Zionisten und sonstigen Gebetbuchgegnern erobert worden sind. Die Wahl vollzog sich unter einer bisher bei den Synodalwahlen noch nicht erlebten Beteiligung, sodaß an einzelnen Orten 90 Proz. ja 100 Prozent der Wähler abgestimmt haben. Weit über die Grenzen Badens hinaus verfolgten die weitesten Kreise der gesetzestreuen Judenheit mit atemloser Spannung den Kampf zwischen Reform und jüdischer Gesinnung, der sich im Reiche des Oberrates vollzog, und die Fülle von Glückwünschen und begeisterten Kundgebungen, die gleich nach Bekanntwerden des Resultates aus allen Teilen Deutschlands, ja aus dem Auslande sowohl an daS Heidelberger Wahlbureau als an die Redaktion unseres Blattes gelangten legt Zeugnis davon ab, wie tief das Bewußtsein der Solidarität im Kreise der gesetzestreuen Judenheit doch Wurzel geschlagen hat, wie mächtig es auch diesmal wieder gewirkt hat. In den Zentren jüdischen Lebens — Hier in Frankfurt meldeten wir das Wahlresultat auf Grund telegraphischer und telephonischer Nachrichten schon am Montag durch Extrablatt— herrschte freudige Bewegung, bis in die Synagogen hinein, und wir glauben — bei aller Nüchternheit der Beurteilung— aus den an andrer Stelle dargelegten Erwägungen, daß diesj^Stimmung auch vollauf berechtigt ist. Wir verzeichnen im folgenden die einzelnen Wahlergebnssse: Bez. Gailingen: Dr. med. C. Heilbronn, Arzt (Gebetbuchgegner), mit 111 Stimmen gegen I. Bez. Sulzburg-Lörrach: Elias Heim, Müllheim (Gebetbuchgegner), gegen NIrdmann Lörrach mit 99 Stimmen gegen 48. Bez. Freiburg Stadt: Rechtsanwalt Kais ew i tz (Gebetbuchgegner', gegen Bankier Ludwig Weil, mit 122 gegen 115 Stimmen. Bez. Freiburg Land: Ltaufmann Epstein - Freiburg (Gebetbuchgegner), einstimmig ohne Gegenkandidat. Bez. O f f e n b u r g: Rentier L a n g - A l t d a r f (Gebetbuchgegner! ohne Gegenkandidat. Bez. Bühl: Leo W e r t h e i m e r - Bühl (Gebetbuchgegner), gegen Dreifuß-Gernsbach, mit 200 Stirn men gegen 50. Bez B r u ch s a l: Stadtrat Louis Marx (Reform! mit 140 Stimmen, ohne Gegenkandidat. Bez. Bruchsal Land: Kausmann S i g m u n d S i n a u e r - Grötzingen (Gebctbuchgcgner), gegen Kaufmann Meerapfel-Untergrombach, mit 115 gegen 09. Bez. Heidelberg Stadt: Rentier E r n st Carlebach (Gebetbuchgegner), gegen Hanptlehrer Müller mit 12 Stimmen Masorität. Bez. Heidelberg Land: Kaufmann Siegmund Hirsch (liberal — bedingter Gebetbuchfreund) mit 120 gegen 100 Stimmen. Bez. M a n n h e i m: Rechtsanw. Dr. Stadecker (Gebetbuchgegner), ohne Gegenkandidat, (850 Stimmen^ Fabrikant Eduard Bauer (Gebetbuchgegner,, (450 Stimmen), gegen Synagogenrat Sally Reis, Fabrikant T. Jl atni (Reform), (435 Stimmen), Kaufmann I. Z i m m c r n (Reform), (440 Stimmen.) Bez. K a r l s r uh e: Rechtsanwalt Dr. L e w t s (Gebetbuchgegner — Zionist), gegen Rechtsanwalt Dr. Bielefeld und Kaufmann Wilhelm B a e r Webekbnchgegner — Zionist), gegen Kaufmann Fuchs, beide mit 225 gegen 143 Stimmen. Bez. Breiten: Fabrikant M a x L ä m l e -Bretten (Gebetbuchgegner), gegen M. Heinsheimer-Eppingeu, mit 141 gegen 35 Stimmen. Bez. M o s b a ch: Nathan R o t h s ch i l d-Mosbach (Gebetbuchgegner>, gegen Simson Oppenheimer in Neckarbischofsheim mit 180 gegen 130 Stimmen. Bez. W e r t h e i m - Ta uberbischofs heim: Jnstitutsvorsteher Dr. Phil. Jonas Simon - Heidelberg (Gebetbuchgegner), gegen Rechtsanwalt E. Spiegel-Tauberbischofsheim mit 219 gegen 79 Stimmen. Bez. K o n st a n z: Stadtrat E. Rothschild (Reformmit 150 Stimmen ohne Gegenkandidat. Diese Zahlen sind nur zum Teil definitive, da verschiedene Meldullgen noch nicht vorliegen,' sie mögen sich daher etwas verschieben, ohne aber das Gesamtbild wesentlich zu beeinflussen. Die Wahl der 5 geistlichen Abgeordneten findet erst am 22. März ihren Abschluß. Von 21 weltlichen Abgeordneten, die am 15. März gewählt wurden, sind jedoch 15 Gebetbuchgegner, mithin ist den Grbetbuchgegnern in jedem Falle die Mehrheit sicher. Eine Zusammenstellung der abgegebenen Stimmen ergibt, daß von insgesamt 4700 Voten 3000, das ist gleich 64 Proz., gegen das Reformgebetbuch abgegeben worden sind. Dabei sind die Großstädte einbegriffen. Aus dem Lande haben nicht weniger als 76 Proz. der Wähler gegen das Gebetbuch gestimmt. — Darnach ist das offiziöse oberrätliche Kommunique in der Karlsruher Zeitung zu berichtigen, das in sonderbarer Selbsttäuschung das.Ergebnis so darstellt, als hätte etwa die Hälfte der Wähler für, die Hälfte gegen das Gebetbuch gestimmt. Frankfurt a. M., 15. März. Das Land- »ogramm, das die Deutsch-Sozialen des erzogtums Heffen, die vor kurzem hier tagten, aufstellten, würde auch einem „Verbände echt russischer Männer" alle Ehre machen. Es verlangt u. a. den Ausschluß der Juden von den gesetzgeberischen Körperschaften, wie von allen autoritativen Berufen. Wir haben allen Grund zu der Hoffnung, daß Volk und Regierung im Großherzogtum Hessen nmtmehr ihre „eckten deutsch - sozialen Mannes nach ihrer wahren Bedeutung für die Kultur des Landes bewerten werden. Frankfurt a. M., 18. März. Herr Oberrabbiner Horowicz aus Also-Kubin, der den Lesern des Israelit durch seine gehaltvollen und fesselnden Berichte wohlbekannte ungarische Korrespondent unseres Blattes, ist, wie wir erfahren zum Leiter des neu zu errichtenden BureauS der Deutsch-Holländischen Chaluka in Jerusalem ernannt worden und soll sein verantwortungsvolles Amt gleich nach den Feiertagen antreten. — Wir wünschen Herrn Oberrabbiner Horovicz schon heute von ganzem Herzen Glück und Segen für sein Wirken, das ihm in reichen! Maße Gelegenheit geben wird, seine hervorragende jüdische und allgemeine Bildung, seine bewährte cpev in Verbindung mit kluger, taktvoller Besonnenheit im Dienste unserer heiligsten Interessen zu betätigen. Bremen, 13. März. Der Hilfsve^ein der deutschen Juden sendet uns folgenden Aufruf: Trotz der Rückwanderung der Arbeitslosen aus Amerika nach Europa bringt uns doch jeder in Bremen eintreffende Zug neue Auswanderer. Zumeist sind es unglückliche Juden aus denk europäischen Osten. Es ist bekanitt, rvie verwahrlost diese Heimatlosen hier ankommen.. Nach Möglichkeit steht das Bremer Komitee des Hilftvereins der deutschen Juden diesen unglücklichen mit Rat und Tat zur Seite. Es tut große Not, diese Armen vor ihrer Abreise nach der neuen fernen Heimat mit den nötigen Kleidungsstücken zu versehen. Nicht immer reichen die Mittel des Bremer Komitees dazu aus. Infolgedessen sehen wir uns genötigt, uns mit der dringenden Bitte an unsere Glaubensgenossen zu wenden, uns gut erhaltene Kleidungsstücke für Männer sowie für Frauen und Kinder, Wäsche und Stiefel zuschicken zu wollen. Jede Sendung wird gscn und mit Dank empfangen vom Hilfsverein der deutschen Juden, Bremen, Düsternftraße 7. Nürnberg, 17. März. Man schreibt unS: Herr Distriktsrabbiner Dr. P. Kohn-Ansbach, dem von Seiten der Nürnberger Gesetzestreuen in einmütigem Vertrauen der neu geschaffene Posten des orthodoxen Vereinsrabbinates angelragen worden war, hat zum großen Bedauern aller beteiligten Streife, mit Rücksicht auf die Interessen seines derzeitigen Rabbinats die Annahme der Wahl definitiv abgelehnt. Hoffentlich gelingt es uns, für den außerordentlich wichttgen Posten einen tatkräftigen Mann zu finden, der die Interessen der Orthodoxie in der Großstadt zu wahren und auch bei der in absehbarer Zeit bevorstehenden Neuregelung der gesetzlichen Verhältnisse der jüdischen Gemeinden in Bayern in erfolgreicher Weise mitzuarbeiten versteht. Nürnberg, 7. März. Der „Fränkische Kurier" läßt in seinem Bericht über die Finanzausschuß-Verhandlung betr. die Petition des jüdischen Lehrer-Seminars Würzburg den Kultusminister u. a. sagen: „er sehe nicht ein, warum man für die Orthodoxen etwas tun müsse". Diese Aeußerung erschien um so auffallender, als am Schluß seiner Ausführungen der Minister sich sympathisch über die Anstalt nnd deren Petition ausgesprochen hatte. Auf Erkundigung an zuständiger Stelle ist uns nun Pofittv mitgeteilt worden, daß der betr Bericht auf einem Irrtum beruhen müsse, da seitens des Ministers weder dem Wortlaut noch dem Sinne nach eine solche Bemerkung über das orthodoxe Judentum gemacht worden sei. Ungar«. Budapest, 13. März. Der Rabbinatsfitz in Altofen, den einst in alten Zeiten große Männer innehatten, ist seit einiger Zeit vakant und soll demnächst besetzt werden. Unter den ernsten Bewerbern finden wir zwei Rabbinen, die das Budapester Rabbinerseminar absolviert haben, ferner Dr. Funk, gegenwärtig Rabbiner der Preßburger neologen Gemeinde. Die Altofener „konservativ" gesinnten Gemeindemitglieder, die in alten vergilbten Gemeindebüchern die historische Wahrheit entdeckten, daß Altofen einst eine „fromme" Gemeinde gewesen, scharen sich um die Fahne Dr. Funks und begründen ihre Stellungnahme damit, daßihr Kandidat in seinem gegenwärtigen Wirkungskreise es durchzuführen verstand, daß — man höre und staune — die Orgel im Preßbnrger neologen Tempel an n"i D//v) „streiken" muß. Ein eigenarttg Ding muß doch ein solches Orgel-Instrument sein: an rav und 31C3 or erbaut sie die Andächtigen, an hohen Feiertagen verliert sie ihre Zaudermacht.

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