Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1908)
- Date
- 1908-03-12
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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WWSNWWM Ji*, fjC L J 8QO5I0 LD-O. Die Berliner prMnngrsrannng. Ein Wort zur Aufklärung von Dr. I. Bleichrode in Berlin. Als die „Vereinigung jüdischer Religionslehrer Berlins" nach vielen eingehenden Beratungen anfangs dieses Jahres eine Prüfungsordnung für jüdische Religionslehrer und- Lehrerinnnen ausarbeitete und veröffentlichte, da hat sie es sich nicht träumen lassen, daß dieses Elaborat einen solchen Sturm der Entrüstung im Lager der Lehrer — hüben und drüben — entfesseln würde. Dieser Sturm ist, wie es scheint, noch nicht zur Ruhe gekommen,- noch rauscht es im Blätterwalde von „Eingesandt- und Sprechsaalstimmen". Es mag daher ein Wort zur Aufklärung wohl angebracht sein, und es ist zu hoffen, daß die Aufklärung über Wesen und Zweck der Prüfungskommission und Prüfungsordnung die Mißstimmung, die nur Mißverständnissen ihre Entstehung verdankt, zu beseitigen imstande ist. Vorwiegend sind es zwei Vorwürfe, die uns gemacht werden: 1. Wir leisten der Einschmuggelung nicht ordnungsmäßig vorgebildeter Lehrkräfte in die jüdische Schule Vorschub. 2. Wir stellen zu geringe Anforderungen an die Examinanden. Ich will den zweiten Tadel zuerst widerlegen, weil er am schnellsten ad absnrdnm zu führen ist. Ich muß gestehen, als wir Mitglieder der Berliner Lehrervereinigung von den Minimalen Maßen jüdischen Wissens" lasen, das wir von den zukünftigen Religionslehrern in unserer Prüfungsordnung angeblich verlangen, da waren wir einfach sprachlos. Wir hatten in unseres Naivität geglaubt — und die Diskussion über diesen Punkt bei der Btratung der Prüfungsordnung ließen darüber ^keinen Zweifel, daß wir in uysern Anforderungen recht rigoros seien und alle minderwertiaen Elemente von einer Meldung zur Prüfung abschrecken würden. Ich will gleich in Parenthese bemerken, daß der nach her Darstellung der Herrn Kritiker zu erwartende Ansturm der vielen mit mangelhaften jüdischen Kenntnissen ausgerüsteten Kandidaten, die doch eigentlich diese bequeme Gelegenheit, sich den Grad eines Religiouslehrers auf leichte Art zu erwerben, mit Freuden ergreifen müßten, gänzlich ausgeblieben ist, und daß bisher sich trotz der' angeblich so niedrigen Ansprüche der Kommission nur ein Aspirant gemeldet hat, und dieser — lange vor dem Entstehen und der Veröffentlichung der Prüfungsordnung. Aber dieser Beweis durch Tatsachen braucht ja nicht als ein vollgültiger angesehen zu werden. Vielleicht, so könnte man argumentieren, sind die jüdischen Kenntnisse der „Religionslehrer - Embryonen" in Preußen so geringe, daß auch die Berliner Ansprüche noch zu hoch find. Ich muß daher schweres Geschütz auffahren. Ich kann mich der Vermutung nicht entschlagen, daß Sie meine Herren Kritiker, die Sie unsere Anforderungen lächerlich geringe nennen, die weit unter den von den Lehrerseminarien bei der Abschlußprüfung verlangten stehen unsere Prüfungsordnung — verzeihen Sie das harte Wort;— nicht sorgsam genug gelesen haben. Wir haben nämlich die Prüfungsreglements sämtlicher jüdischer Lehrerseminarien bei der Ausarbeitung unserer Prüfungsordnung herangezogen und verglichen, wir haben selbstverständlich besonders die auf gesetzestreuem Boden stehenden berücksichtigt, und sind dabei durchaus nicht xVipS, sondern gar oft tOvin'7 gegangen. Wer daher unsere Anforderungen zu bescheiden nennt, tadelt nicht uns allein, sondern die jüdischen Lehrerseminare überhaupt. Zum Beweise — denn ich kann nicht verlangen, daß jeder Lehrer unsere Prüfungsordnung bei der Hand oder gar im Kopfe hat — stelle ich hier unsere Prüfungsordnung und die des Kölner Seminars zur gefl. Vergleichung nebeneinander. Berliner Kölner Prüfungsordnung. Prüfungsordnung. Gebete: Kenntnis des Siddur, Die ganz. Leichder Hagada leichter und tere u. wesentlicher Teile wesentlicher Telle des des -mno, der rm^D Machsor. und 3*0 'üh mrp; riDS man. P entate uch: Kenntnis des Penta- Genaue Kenntnis der teuch und einige Gewandtheit im Lesen von Rafchi. min. Geläufiges Lesen und Verstehen der Erklärung Raschis zu einigen Abschnitten der Thora. Propheten: Die Haphtaroth. rrntosn, Hagiographen: Geläufiges Uebersetzen auch der schwierigen Teile der heiligen Schrift. — ■ Genaue Kenntnis der ni7ao tron 1. Psalmen : Außer den Gebetpsalmen: Ps.1, 2, 8, 14, 15, 16, 21, 23, 27, 30, 32,41,42, 43, 45,47,51, 79,103, 137, 139. 2. Mischte. 3. Ruth, Klagelieder Esther. Mi sch na: Interpretation einiger Kenntnis der während Mischnatraktate mit der der 4 Seminarjahre Erklärung des Bartidurchgenommenen Abnoras. schnitte der Mischna und des. Talmud. Grammatik: Elementare Formen- Kenntnis des ersten lehre—Gewandtheitim und zweiten Teils der Schreiben der Quadrathebräischen Grammatik und Kursivschrift. von Japhet, der Aecentlehre der hell. Schrift. Orthographie. G^esch icht e: Kennistis der Bücher: Stern, Biblische Geschichte,' Lowenftein, Geschichte der Juden, Geographie Palästinas. Genaue Kenntnis der bibl. Geschichte an der f and der Bibel und enntnis der wichtigsten Partien aus der nachbiblischen Geschichte. — Geographie Palästinas. Religionslehre. Verständnis des Lehr- Kenntnis des "iVS'p inhaltes der jüdischen *yny ]rw und des Religion, sowohl in Religionsbuches 'löiy ethischerwie in religiöser nVian von Stern. Beziehung. Als Lehrbücher werden empfohlen : Stern nyian und yny i«p. Bibelkun de: Vertrautheit mit den Vertrautheit mit dem 24 Büchern der heiligen' Inhalt aller 24 Bücher. 'Schrift. — Das Wesen des Prophetismus, Charakter der Psalmen, der Bücher Hiob u. Koheleth. Man sieht leicht,, daß die höheren Anforderungen des Kqlner Seminars in manchen Fächern — Liturgik, in der das Kölner Seminar naturgemäß von dem zukünftigen pn ganz andere Kenntnisse verlangt, habe ich zum Vergleich gar nicht herangezogen — darauf beruhen, daß die Seminarien nicht nur die Ausbildung zum Religionslehrer, sondern auch zum bezwecke. Keinesfalls aber kann man von einem minimalen Maß von jüdischem Wissen sprechen, das diel Berliner Prüfungsordnung bei ihren Prüflingen voraussetzt. (Fortsetzung folgt.) lüdiscbe «-Schichte als Unterrichtsfach Wischer Seminarien. Von Semmarlehrer 8. Anfänger in Würzbnrg. (Fortsetzung.) Noch ein Drittes, das für die religiöse und die Charakterbildung von höchstem Werte ist, werden die jungen Leute lernen, wenn mau sie an die Quellen führt: Respekt vor den jüdischen Geistes Heroen. Es hat gar keinen Wert, den Schülern beispielsweise von dem Scharfsinn und der ungeheuren Belesenheit der Tosasiften vorzuschwärmen,' sie werden sehr kalt dabei bleiben. «