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Der Israelit · 1908-03-12 · Heft 11 (12.3.1908) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 11 (12.3.1908)
Date
1908-03-12
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Verhältnis! wäre Sie bekommen aber sofort ein Verständnis für die Leistungen dieser „Glossatoren", wenn sie selbst an die Erfassung derselben herantreten. Und wenn sie nur einige Stellen aus dem «"enno, bem G"nnv, oder dem rpttf D//"inD lernen — empfehlenswert zu diesem Zwecke ist die Wilnaer Talmudausgabe —, so erhalten sie einen Begriff von der Geistesschärfe der Großen in Israel und von der Liebe und der Hingabe, mit der sie sich in das Meer des Talmud versenkt habendas wird auch bei den Schülern Liebe und Verehrung flir das jüdische Schrifttum erzeugen. Will man ihnen die Bedeutung Raschis als Kommentator, seine Ueberlegenheit anderen D'ttnöö gegenüber in bezug auf Knappheit und Sachlichkeit darlegen, so genügt es, ein Stück aus DTIDS durchzunehmen; die Schüler werden von selbst den Unterschied zwischen der Erklärungsweife Raschis und Raschbams herausfinden. Das Gleise gilt, wenn es sich darum handelt, die Gründlichkeit und Klarheit des OD2 wai klar zu machendie Seminaristen mögen ihren Scharfsinn in Traktat D'n-U an Ebenso müssen sie den po on-QN, und den y'ttr da kennen lernen, die Namen der Verfasser und anderMüiygrcwhische Notizen sind dag^en sig recht nebensächlich. *) ferner recht verkehrt, wollte man sich mit wmnn Vy ’ttn begnügen - nur die Grundlage soll er bilden, aber schöne und wichtige Stellen aus *nry p«, □"atn, )/y3Di, lamso vielleicht auch den Mendelsohn'schen müssen dem Seminaristen ein annähernd vollkommenes Bild der jüdischen Kommentare auf den Pentateuch bieten, soweit sie für das jüdische Schrifttum von Bedeutung sind. Bon großer Wichtigkeit ist ferner die Einführung in die synagogale Poesie. Sie spiegelt ja auch ein gutes Stück jüdischer Geschichte wieder. So schildert uns'— um nur einige Beispiele anzuführen — die 41: nrp der Rödelheim er Ausgabe die schrecklichen Leiden, aber auch die Standhaftigkeit unserer Glaubensbrüder im Jahre V'ann in den lebhaftesten Farben. In der 43. erzählt uns der auch als niSDinn bekannte Rabbi Jehudah bar Moscheh Hakohen (Rabbiner zu Friedberg; die Redaktion) von der Judenverfolgung zu Frankfurt a. M. aus dem Jahre 1241, bei der mehr als 173 Personen für ihren Glauben starben. In den nirp, nirrVo und MVI'H kommen aber vor allem die führenden Geister der jüdischen Literatur zum Wort und zwar aus der besten Zeit und wir haben hier Gelegenheit, Männer, me wir sonst rmr als Größen auf talmudischem Gebiete kennen — wir nennen nur Rabbi Meir aus Rothenburg — auch als Verfasser ergreifender Gebete zu bewundern. Daß der ma?ö ina des Salomo Gabirol nicht übergangen werden darf, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Wolf Heidenheim hat uns ja einen für unsere Zwecke mehr als ausreichenden Führer durch die jhnagogalePoesie geschaffen, aber die Hauptsache ist auch hier das selbständige Erfassen derselben, dann wird uns jener immerhin von'Nutzen sein. (Schluß folgt.) vir materielle und soziale Lage der jttdiscDen Reiigionslebrer in We$tpreu$$en. Bon Lehrer Mannheim—Grauderrz. IH. Dazu kommt noch die unbefriedigende soziale Lage der jüdischen Kultusbeamten, die auch zachlenmäßig im häufigen Stellenwechsel zum *) ES ist gar nicht unwichtig zu wissen, baß Lipp- MMM Heller der Berfoffer des 5^9 op rttBDlfi und auch von feMen Lebensschicksalen muß man etwawissenaber die Hauptsache ist doch, daß der Schüler mindestens eirüg VD cyiD mit diesem Kommentar gelernt hat. - * . Ausdruck kommt. Die definitive Anstellung sollte doch die Regel sein und sie würde vielleicht ein kleines Aequivalent für manche Vorteile bietendie wir entbehren müssen. Statt dessen bildet sie die Ausnahme. Die Gemeinden scheinen die Nachteile, die sich aus dem häufigen Wechsel ihrer Beamten für sie selbst ergeben, kaum zu empfinden, denn die letzteren greifen, besonders wenn sie Familie besitzen, nur höchst selten freiwillig zu Wanderstabe — sie kennen die Wahrheit des Sprüchworts: „Dreimal umgezogen ist so schlimm als einmal abgebrannt" aus eigener Erfahrung — sondern sie werden durch brutale Kündigung, oder auch durch Chikanen und Widerwärtigkeiten aller Art dazu gezwungen. Es gehört ein hohes. Maß von eRealismus dazu, trotz allem und allem in dem ehrerberufe auszuharren. Nicht jeder besitzt ihn und gar mancher sonst ganz wackere junge Kollege sagt einem Berufe Valet, der an Enttäuschungen und bitteren Erfahrungen so reich ist und trägt durch eben diese Fahnenflucht dazu bei, den Mangel an brauchbaren Kräften noch zu verschärfen. Es hat keinen Zweck, sich über diese Kleinmütigen zu entrüsten, wir wollen vielmehr Mittel und. Wege suchen, um unseren Stand zu einem gesuchten und begehrenswerten zu machen. Dann werden sich ihm auch begabte junge Leute in genügender Anzahl zuwenden und man wird sich nicht mehr mit ungeprüften Lehrkräften behelfen ^nüffen. . Dazu gehört vor allem die Verbesserung der Gehaltsverhältnisse. Nicht als ob wir unseren kleinen Gemeinden noch größere Opfer als bisher zumuten wollten. Ultra poss« nemo obligatur. Aber es sollte eine Ehrenpflicht der größeren und insbesondere der Großgemeinden sein, den kleineren um ihre «Existenz schwer ringenden Gemeinden die Mittel zu gewähren, damit sie ihre Beamten ausreichend besolden können. Die moralische Verpflichtung dazu leiten wir nicht allein aus drm Grundsatz G'Qiy ma nt, sondern auch aus dem Umstand ab, daß sie ja die steuer- und kapitalkräftigen Mitglieder der jetzigen Kleingemeinden in sich ausgenommen. Auch wenn diese Unterstützung sehr reichlich ausfällt, wird . der Jude der Großgemeinde noch immer kaum die Hälfte der Kultussteuern zahlen, die sein mit Glücksgütern wahrlich nickt überreich bedachter Glaubensgenosse draußen in der Provinz als willige Öpfergabe seiner Religion bringt, damit die religiösen Institutionen erhalten bleiben, insbesondere die religiöse Unterweisung der Jugend gewährleistet werde.*) Bon den mittleren und größeren Gemeinden erwarten wir aber ferner, daß vor allem sie ihre Beamten ausreichend honorieren und eine Gehaltsfkala festsetzen. Der Neligionskehrer, der dieselbe Ausbildung wie der Bolksschullehrer genossen, an den aber in seinem Amte noch höhere Ansprüche als an jenen gestellt werden, kann mit Recht verlangen, daß er ihm im Gehalt gleichgestellt werde. Allzu üppig wird er auch dann nicht werden, denn auch die staatlichen Lehrer behaupten, daß ihre Besoldung eben nur bescheidenen Ansprüchen genüge. Damit steht eine andere Forderung in Ver-" bindung, an deren Verwirklichung ebenfalls sofort herangetreten werden kannwir meinen die Gründung einer Pensionskasse. Wie Ihnen bekannt, hat der ostpreußische Gemeindeverbattd *) Wir besitzen ja bereits in dem westpreußischen Gemeindeverbanö ein berufenes Organ, um düse Hilfeleistung in die Wege zu letten. Es bedarf hierzu nur einer Erweiterung und Vervollständigung seiner bisherigen Tätigkeit, der wir aste Anerkennung zollen, von der wir aber wünschen, daß sie noch viel ausgedehnter und intensiver werben mhge. Die. Aufbringung größerer Geldmittel dürste keine allzugroße Schwierig, ketten ve. Ursachen, besonders wenn durch eine rührig^ Werbearbeit recht viele Etnzelmitgliedeic für die hohen Ziele des Verbandes gewonnen werden. Dann kann er gettaü daS leisten, waS man von der vielgepriesenen Z e n t r a l k a s s e und ihren Segnungen erwartet. in Gemeinschaft mit dem Lehrerverein eine Kaffe für Alters- und Reliktenversorgung der Religionslehrer ins Leben gerufen, die 'sich einer ganz außerordentlichen Blüte erfreut, da sie nicht nur verhältnismäßig hohe Pensionssätze — sie kommen freilich denen der staatlichen Pensionskasse nicht einmal nahe -r-. zahlt, sondern auch in ’ 6 Jahren schon ein Kapital von 60000 Mk. angesammelt hat. Ja, sie kann sogar schon daran denken, in absehbarer Zeit neben ihrem eigentlichen Zwecke auch noch bedürftigen Gemeinden Zuschüsse zu dem Lehreraehalte zu gewähren. Wenn man bedenkt, daß die Gemeinoeverhältniffe in Ostpreußen wesentlich ungünstiger sind als in unserer Provinz, so ist die Hoffnung nicht unberechtigt, daß wir bei einigem guten Willen seitens der Gemeinden und der Lehrer mit Gottes Hilfe bald ebenso weit kommen werden und es darf mit Genugtuung konstatiert werden, daß der Ausschuß des westpreußischen Gemeindeverbandes auch nach dieser Richtung hin vom besten Willen beseelt ist. Nicht minder wichtig ist für uns eine Aenderung im Anstellungsmodus. Mit dem Amte des Religionslehrers ist bekanntlich fast überall das Kantorat verknüpft. Wir unterschätzen seine Wichtigkeit und Bedeutung wahrlich nicht, aber vor allem sind wir doch Lehrer. Da ist es denn nun höchst bedauerlich, daß bei Besetzung solcher Stellen weder die pädagogische Befähigung noch der erworbene Wissensschatz maßgebend sind, sondern daß fast überall die Stimmittel den.Ausschlag geben, sodaß man tatsächlich heute jedem jungen Manne, der nicht über ein gutes Organ verfügt, entschieden abraten muß, den Lehrerberuf zu ergreifen. Leider ist wenig Aussicht dazu vorhanden, daß unsere Gemeinden künftig bei der Auswahl ihrer Lehrer nach vernünftigeren Prinzipien verfahren werdenauf klärend wirken ist das einzige Mittels um mit der Zeit eine Aenderung zum Besseren herbeizuführen. Anders verhält es sich da, wo es gilt, der Willkür -er Gemeindebehörden ihren Beamten gegenüber entgegenzutreten. So lange es möglich ist, einen Beamten, der vielleicht Jahrzehnte lang zur Zufriedenheit seiner Gemeinde gewirkt und ihr seine Kraft und seine schönste Lebenszeit geopfert, willkürlich oder aus einem vielleicht recht nichtssagenden Grunde zu entlassen, kann Zufriedenheit in unsew Reihen nicht einkehren, und wir sind es der Ehre unseres Standes schuldig, so lange bei den Behörden zu petitionieren, bis wir Gehör für unsere Forderung finden, daß ohne Einwilligung der Königl. Regierung die Entlassung eines Kultusbeamten nicht erfolgen darf. Sorgen wir also für die Verbesserung der dann werden sich auch nicht mehr wie bisher die besten und brauchbarsten Kräfte unserem Stande entziehen. Der Erfolg kommt ist erster Linie unseren Gemeinden zu gute. Wohl ist unsere heilige Thora ein Erbteil der Gemeinde Jakobs 2pjr r6np nurno ntro uV .112 min, „die Lehre, die uns Moses geboten, sie ist ein Erbteil der Gemeinde Jakobs", aber auch hier gilt des Dichters Ausspruch: „Was du ererbt' von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." Untere Väter haben für ihre Religion Gm und . Blut geopfert, föll die Gegenwart ein schwaches' Geschlecht finden, das mit den Mitteln knausert/ die zu ihrer Erhältung nötig sind? Sorgen wir-- dafür, daß das kommende Geschlecht stolz ist: auf unsere Leistungen und auch seinerseits daraus: den Antrieb erhält, mit allen Mitteln für das: einzufiehen, was uns das Teuerste sein mußr für unsere Religion!

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