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Der Israelit · 1908-03-12 · Heft 11 (12.3.1908) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 11 (12.3.1908)
Date
1908-03-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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HMe 12. .‘I'r. 11. , nicht antun. Und dmm aus der anderen Seite beleidigte Tochter, die itnmc't ime^r erklärte, es sei ihr nichts svünangenehm, als wenn Schnaje mit qm Tisch sitze, so baß der nachgibigeu, vtek zu .wsten Mutter mchtD anderes übrig blieb) als der Dichter Wünsck zu erfüllen. Aber sie schob es immer wieder hinmls und der Purim-kam/ ohne daß sie rttvas gesagt Hatte — . * Am Purim morgen, nach der Synagoge saß Schmaje in der Doktochchen-Mche nnb trank Kaffee, als die Hausfrau zu ihm herauskam. „Schmaje," .sägte sie langsam, „wäre es Ihnen sehr unangenehm, ' heute mal im Restaurant zu essen?" Schmaje sagte noch nichts, es war gut, daß sic ffijt nicht anblickte, denn der arme Mann wurde vor Mttäuschung ganz blaß, so fuhr sie schneller fort: „Wir wollen nämlich heute ganz unter uns sein, weil der BrätigaM meiner Tochter — „Gewiß, gewiß, Ich versteh," sagte Schmaje jetzt ell. „Sie brauchen sich gar nicht um mich zu Frru Doktor, ich geh, ins Restaurant und ^el! mir was." "Ein erleichtertes Aufatmen von feiten der Dame. „Ich bin ja froh," dachte sie, daß ers nicht übel nimmt". Sie drückte ihm ein Zehnmarkstück in die Hand und bat ihn, doch abends zu den Aufführungen M k»«meu. — — Schnaje faß in seinem Zimmerchen vor einem girten Mahl und dachte über die Veränderlichkeit des Lebens nach. Rein, er hätte um alle Welt nicht zeigen mögen, wie enttäuscht er war. Und doch wußte er, daß es nur'die Tochter des Hauses war, die seine Anwesenheit nicht wünschte, und weil es der guten Frau Doktor nicht leicht wurde, ihn auszuladen, so war er ihr auf.halbem Wege entgegengekommen. Aber schade wars doch, und besonders um die zwei schönen neuen Witze, d»e er/der. Tischgesellschaft zum Besten geben wollte. Doch Schmaje war ein Philosoph und schickte sich in das Unabänderliche, und er besaß noch etwas, nämlich Phantasie. „Ich muß doch auch meine Purinueier haben," dachte er sich, und versuchte nun in Gedanken sich all die Personell vorzustellen, die er.gern um sich haben wollte. Alle waren sie da, außer Fräulein Beate. Eben hatte er den neuesten Wch zum Besten gegeben, richtig, da zog der Herr Doktor sein Taschentuch hervor und trocknete sich die Augen, die Junger^ kugelten sich auf dem Teppich pchc Vergnügen und der Reffe des Hausherrn legte ihm die Hand aus die Schulter und sagte mit seiner sHuverenden Stimme: „Sie sind ein famoser Kerl, Schmaje." Wahrhastig, es ging ganz gut, es ging so-- g« sehr, gut, dann wurde auch ein Psalm dazwischen gckungen, bann wieder eine lustige Geschichte erzählt, Schmaje war entzückt, wie gut er seine Gesellschaft unterhielt. Nebenbei genoß er die höchste Ehre, denn er führte das große Wort, und keiner unterbrach ihn. ' Mn' Klopfen an der .Tür schreckte ihn aus, er litte und vor ihm stand das Hausmädchen der Doktor und richtete aus, Herr Schmaje sollte ja nicht vergessen, noch zu den Aufführungen zu kommen. S^iraje sah sie. ganz erstaunt an. „Ja, aber, das tut mir lew," brachte er endlich heraus, „ich kann doch meinen Gästen nicht fortlaufen." Als Anna eine Stunde später das Eis im Schalen servierte, flüsterte sie der Hausfrau zu: „Der Schmaje war total betrunken, er sägt, er könnte feine Gesellschaft nicht allein lassen, und kein Mensch war im Znnmer." Frau Doktor Meier war nachdenklich geworden. Sie wußte wohl, wie weit Schmaje betrunken war, «ich weshalb er Gäste hatte. Also hatte er doch heute morgen verstanden. „Man kennt die Menschen nicht ganz," sagte sie: sich,, „wer.^ hätte diesem Schmaje so viel seines Empsnrden zugetraut." Danit flLF " ein vorwurfsvoller Blick zu der Tochter hinüber, die sorglos lachend mit dein Bräutigam in einer Fensternische stand, nicht ahnend, daß sie in ihrem kleinlichen Egoismus einem armen guten Menschen eins große Freude genommen hatte. „Schmaje kommt nicht," sagte Frau Doktor Meier dann laut. - , „Wirklich?" Man interessierte sich jetzt allgemein, nicht für die Tatsache, daß Schmaje nicht kam, sondern für den Ernst, mit dem die Hausfrau die Sache aüfzunehmen schien. „Ich hatte ihm so viel Feingefühl gar nicht zugetraut," fuhr sie zu der Tochter gewaiwt fort. Beate errötete, und erklärte dem Bräutigam unter Stottern, weshalb sie Schmajes Anwesenheit nicht gewünscht hatte. „O," sgate Sämorb, „meinetwegen? Das tut mir aber leid. Da warst Du ganz aus dem Dolzweg." ßebrälfthes Reitfel. von ütv 4L . Ein frommes Ond mich nie vergißt, , Weyn es ein Weniges nur ißt. Doch nimmst du mir den letzten Laut, So beugt's vor Gottwer auf ihn baut. Wehst nM,.Wt andrem Kops mich stehn, Kannst ohn2 Straucheln auf mix gehn. Und tauscht das Haupt mir nochmals ein, Uebt'S Pharao einst zu unserer Pein. Der JSraeltt. Purim-RStfel. 1 Eine holde Königin war, 2 Nach Talmudwort ein Engel gar. 3 War mit im hohen Rat, Als man 4 vertrieben hat. Wer mit 5 ist mitgegangen, Wird wie 6 auch mitgehangen. 7 Kennen wir als Weiberknecht. Nun lies Anfangszeichen recht, So erscheint ein König gleich, Aus dem alten Perserreich. Verlobte: Recha Eisenmann mit Hermann Wallerstein, beide dahier. — Lina Rothschild mit David Rapp, beide dahier. — Minui Lern er mit vr. Joseph D Lv i d, Altona-Hamburg. — 'Sidi Stern,, mit Marcus L es k o w i t s ch, Gal!etsch-H.-Mad. Vermählte: Hieran A. Leven mit Rosa Leven geb. Mühlfelder, Düsseldorf. — Charles Kahn mit Celine Kahn, geb. Heimendinger, Sulz, O.-Els.-Colmar. Verstorbene: Rosalie Geiger, geb. Fuld, hier» 54 I. — Regina Schwarz, geb. Ermann, hier, 73 I. — vr. Joseph Gugge«heim, hier, 32 I. — Fanny Sp ei er, geb Leinbcrger, hier, 74 I. Sabbat-Anfang u. Ausgang. .*np OBT; Anfang Dat«« Ausgane UbrlMin. 1908 I 8708 ‘ UhrlMm - . 14.März 1 l.SIbor. Grantfurt a. M. 5 65 7 15 Berlin . . — . 6 48 München . 6 --- 8 66 Strajchnrg 6 15 7 10 Stuttgart. . . 6 — 7 04 Bote» . — — 6 55 Nürnberg — — 6 54 Hamburg... - — 7 05 Prag. . — — 6 45 Der €nkel. euilleton Erzählung von Friedrich Rott . •; i-% y' . Es war in den ersten Tagen des Monat Juni, die Lust durchschwänMt von dem süßen Duft der Rosen, die in dem Vorgarten der Billa Edwin ihre Pracht entfalteten, als der jugendliche Besitzer derselben, begleitet von seiner Mutter/ seinem Großvater und seiner kleinen Tante seinen Einzug in seinem neuen Besitztum hielt. Schröder wollte Zeuge der Freude des Knaben sein, deshalb hatte er daraus bestanden, daß sie schon am Sonntag hinauszogenan einem Wochentage hätte er sie nicht begleiten können. Gern hätte er eine wirkliche Feier veranstaltet, doch Mgen des Trauerjahres ursd deS immer sehr schwankenden GesundheitszusttmdsS seines Enkels, hatte er dieselbe aus das nächste Jahr verschoben. Größere Aufregungen hätte dem RekonvaleSeenten in der Tat Mlden können. Schon die Freude über die bevorstehende Ucberfiedelung chüf fein Gut, hatte ihm in her vexwichenen Nacht den Schlaf geraubt und am Morgen hatteer einen Schwindelünfall gehabt, so daß seine Mütter, der die ganze Landaufend' halt nicht üenchm war, daraus bestanden.hatte, die Uebersiedeluna -wenigstens zu: verschieben. Ader ihr Bvter hatte einen Mxchtspruch Man und der Sänitätsrat hatte ihm zngtstinmtt, weil er dir Ursache der Erregung des Knaben^ er^ kannt hatte und rasch darüber hinauskommerr wollte. Und nun waren sie draußen, waren bereits an dem prächtig duftenden Kiefernwald.vorübergekommen, in tiefen Zügen, hatte der zarte Knabe den wümigen Waldeshauch eingeatmet; nun rollte der Wagen durch das Parktor, den säubern kiesbestreuten Weg aufwärts, der zu der Billa führte. Edwin hatte sich aufgerichtet, er atmete rasch, wechselte unaufhörlich die Farbe, während sein Auge wie ttunken nach allen Richtungen umherschweiste, bald auf dem Park, bald auf die Billa, bald auf den prächtigen Rosenflor im Garten. „Wie schön!" flüsterte er, „wie schön! — Großpapa, wie kann ich dir danken?" „Dadurch, daß du dich freuest, mein lieber Junge, das ist vorläufig der einzige Dank, den ich von dir erwarte; später freilich, da mußt du mir ganz anders danken, du weißt, was ich von dir erwarte." „Ja gewiß, Großpapa, das habe ich dir doch versprochen und du wirst sehen, ich halte Wort.. — Aber daß es hier so schön ist." — Doch Malwinens Angesicht hellte sich auf, je näher sie der Billa kamen. ' „Du wirst alles renovieren lassen, Papa?? fragte sie staunend. „Nun ja freilich, siehst du das. denn nicht?" „Gewiß, ich hätte die Villa ja nicht wieder erkannt." „Hast du denn geglaubt, wenn ich meinem Enkel ein Geschenk mache, so werde ich ihm eine alte Scharteke geben?" 5 „Nein, das habe ich nicht geglaubt, aber, daß du so nobel sein wirst. — Sieh nur, Edwin, die herrliche Veranda da oben." — „Und Mama, sieh doch da über der Einfahrt in goldenen Buchstaben Villa Edwin." „Und darunter in Nosenwindungen: Willkommen!" „Das hat der Gärtner gemacht, uni den jungen Gutsbesitzer, zu begrüßen." „Wirklich alles prachwoll," lobte Malwine, „wenigstens von außen." hoffentlich wird auch das Innere euren Beifall finden", sagte Schröder, sich vergnügt die Hände reibend. ,Mein ich nur jetzt hinausspringen und hier herumspringen könnte", flüsterte Edwin. „Wird auch kommen", tröstete der Großvater, „vermutlich früher als du denkst. Der Sanitäts* rat hielt es kaum für notwendig, den Rollseffel mitzunehmen, er meinte, in einigen Tamm würdest du schon nichts mehr von dem wiffen wollen. Aber, da find wir ja und da steht auch schon Rohrfeffel auf dem du deinen Einzug indeine Büla hatten wirst." ,;Und unser Jean ist ja auch dü", rief Clementtne, dem alten Bedienten, eer vor der Billa stand, freundlich zunickend, ,Mirklich Edwin, du wttst eirwn sehr-würdevollen Einzug halten." Der Wagen hielt, Schröder stieg zuerst aus-, dann war er seiner Tochter beim Aussteigen behilflich, Clementtne sprang hinterdrein. Und Nun trat der treue Jean zum.Wagen und vorsichtig wie eine Amme deE Säugling nimmt, hob er den zarten Knaben mit seinen knochigen Armen und ließ ihn in den Rohrfeffel nieder und nun aing's in die Billa hinauf, denn die breiten Marmorstusen waren in der Mitte der Sttegtz derart mit Zement bekleidet, daß sie eine schräge Ebene bildetenauf der man. den Rollseffel leicht Und sicher auf- und medergleiten laffen konnE „An alles hast du gedacht"; sagte Maschine kopfschüttelnd, und als sie jetzt in. die Haste traten, entfuhr ein Laut desStaunens ihrem Munde. Der schöne, hohe Raum, in tzesseü Mitte über MynneShöhe ettre Säule tuipsrräat^, als Postament für eine RiesensWange, emps das Tageslicht von oben, undchjchK, " die Sonn«tstrah^nauf dgs <T sich in bettmÄkMgftchen Krif iefenlampenschttm ) funttlle es st

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