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Der Israelit · 1908-03-12 · Heft 11 (12.3.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 11 (12.3.1908)
Date
1908-03-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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MWWMM SW^ÄJW' ,2. Mari mos. T er Israelit. Sette 11. Rr,. schule abgeneigten Kreisen wie auch zu de» Anhängern eines von staatlicher Zwangsgewalt getragenen Religionsunterrichts bringen mußte. Trotz aller Angriffe der Gegner dürfe die „Freie Bereinigung" mit Befriedigung auf das bisher Erreichte zurückbltcken und im gleichen Sinne Weiterarbeiten. Lauter Beifall bewies, daß die Versammlung auch diesen einem Spezialgebiet angebvrenden Darlegungen, des verehrten Redners mit lebhaftem Jntereffe und offenbarem r erftändniS gefolgt war. In der DtSkunion erörterte Herr Ra.biner Dr. Fink-Berlin die historischen Ursachen der heute zu Tage tretenden Entartungserscheinungen innerhalb der Jubenheit. Der Abend bedeutete für die in erfreulicher Zunahme begriffene Berliner Ortsgruppe einen vollen Erfolg, der fie 411 weiterer rüstiger Arbeit anspornen wird. Berlin, 6. März Das soeben verflossene Winter fentester kann für die „Bereinigung jüdischer Akademiker zu Berlin als ein in jeder Beziehung günstiges bezeichnet werden. Besonders die innere Bereinstätigknt war so reich wie selten zuvor. Nicht weniger als 17 Wissenschaft ltche Abende fanden statt, an denen 15 Borträge gehalten wurden. Es sprachen die Herren Rabbiner Dr. Munk „zwei Probleme der DiaSpora, 1. und 2. Teil", Oberlehrer I. Carlebach: „Palästina", Herr G. Hildesheimer: „Eine Srauenbewegung auS vergangenen Tagen", stud. chem. f. Halberstabt: „Eine Würdigung M. Mendelssohns", stud. agr. H. Frank: „Der Weinbau in Palästina zur biblischen und tanaitischenZeit", stud. ak. Wohlfahrt: „Die weltgeschichtliche Bedeutung deS Judentums", stud. phll. H. Baßfreund: „Flavins Josephus, sein Leben und seine Werke", Rabbiner Dr. Auerbach-Halbersladt: „Die Ziele und Bedeutung der B. I. A.", stud. med. denk. S. Ehrmann: „S. R. Hirsch", Prof. A. Berliner: „Die Literaturgeschichte deS EtnheitsgesangeS", stud. jur. H. Westheim: „Die Mitarbeit dqS Einzelnen an der Rechtspflege", stud. Phil. M. Munk: „Der Austritt auS der Gemeinde", Dr. med. I Gruß: „Der Geisteskranke in Bibel und Talmud". Am 7. Dezember 1907 begmg der Verein sein 4. Stiftungsfest, baS besonders Herr Dr. Ed. Biberfeld durch seine Festrede: „Die Forderung deS TageS" verschönte. Außerdem wurden die üblichen Vereins-O^iy^ regelmäßig abgehalten. rrnnkfrrrta SW., 12. März. In höchst anziehender Weise sprach am vergangenen Mittwoch im „Jüdischen Frauenverein" Herr Rechtsanwalt Dr. Schwarzschild über seine Re seerlebnisse iw Palästina. Bon Jaffa ausgehend, ließ er seine Zuhörerinnen über die Saron-Ebene zu de» verschiedenen Kolonien wandern, die Beschäftigung und bas jüdische Leben ihrer Bewohner schildernd. Sehr fesselnd war die Beschreibung von Jerusalemseinen Synagogen U8&- Wohlsahrtsbauten, für deren Förderung Herr Dr. Schwarzschild die jüdischen Frauen aufcies. Ausgezeichnete Lichtbilder trugen zur Veranschaulichung deS Vortrages bet. Knttowitz, 28. Februar. Am 2. Februar fand in Gleiwitz unter Borfitz des Herrn Rabbiner Dr. Kohn- Kattormtz eine Schung des „Verbandes der Rabbiner Oderschlestenö" statt. Herrn Amtsgcrichtsrat G.logauer-BreSkau, dem früheren Vorsitzenden des oberschlefischen GemetndebundeS ist in Würdigung feiner Bemühungen um die Förderung deS Religionsunterrichts in den kleineren Gemeineen vom Verbände eine Adresse überreicht worden. — Eingehend besprochen wWch-tz tzie Punkte er Tagesordnung, die die Wandcrprgtcn und die Revision des Religionsunte^ichts betreffen. Bezüglich der Predigten in den rabbinerlosen Gemeinden wird beschlossen: 1. An dew'LÄMn, an d nen Schulrevistonen stallfinden, werden dir «Wgdigen Revisoren auf Wunsch der betreffende i Gemeinden gelegentlich der Schulrcviflon auch predigen. 2. Die Namen der O.te sollen festgellt werden, an denen keine Revision stattfindet, weil keine Schulkinder vorhanden find, aber eine Predigt gewünscht wird. — Der Vorsitze! de sprach sodann ausführlich über die Geschichte per Einrichtung der Revision des Religionsuntertichts. Durch gemeinsame Verhandlungen des Verbandes der Synagogengemeinden Oberschlestens und desoberstleflschen Radvineroerbandes ist vor mehreren Jahren eine regelmäßige Inspektion des Religionsunte richtes in den rabbinerlosen Gemeinden Oberschlestens emgeführt worden, die Revisionen werden von den Mitgliedern des Verbändein regelmäßigen Abftfinden vorgenommen. In letzter Z it ist auf Veranlassung des Verbautes von einer Kommiffon einL.hrplan für diese Schulen aufgestellt worden. Kcumllach (Bayern), 9. März.- Gestern Abend beehrte unS Herr stud. med. Ehrman aus München in der „Restauration Weil", mit einem hochinteressanten PropaMchavortrag über die «Freie Bereinigung". Nach einigen schönen einleitenden Worten gab uns der Redner in kurzen Um issen ein klares Bild von den Zielen urid Erfolgen der Bereinigung. Sei.e von Herzen kommenden Ausführungen machten auf die Versammlung einen tiefen Eindruck, und reicher Beifall seitens der Versammlung lohnte den Redner. Nach der regen Debatte, die dem jugendlichen begeisterten Redner Gelegenheit gab, sich als grvßarttger Diskussionsredner zu zeigen, traten beinahe alle anwesenden »amen und Herren dem Vereine als Mitglieder bei. . Posen, 8. März. Unter dem Vorsitz des. Bankiers M. Spiro hat sich hier ein Verein zur Förderung^jü bischer Interessen gebildet, dem schon nahezu 100 Mi glieoer attgehöreti. 91^ M Die t?t\ Uran hat im verfloffmM Sttnester ihr alles Programm etwas erweitert und vergrößert - DiSkusfiynSabende wurden abgehalten, an öenm me Herren Dr. Wolf und Dr. Auerbach über Messtasibee, Symbols MateriafismuS, Herr G. Meyer über Nächstenliebe referierten. Der neuetngeführte Raschtschiur des Herrn Seminarlehrer Gut fand starken Zuspruch und regeS Interesse fettender Hörer, was Herr A. Auerbach unter lauter Zustimmung aller Hörer beim Schluffe der Wtmervort äge in einem warmen Dankeswort an Herrn Gut aussprach. Für nächste Zeit ist in Ausficht genommen, daß auch die Ortsgruppen der „Freien Bereinigung" und der „Sabbathfreunde" Zusammenkünfte veranstalten, um die Berbandsziele wirksamer fördern zu können. Ferner ist die Gründung einer Ortsgruppe des „Bundes gesetzeStreuer Lehrer" unter den Lehrern Kölns und Umgegend geplant. So ist es warm zu begrüßen, baß auf althistorischem Boden neujüdischeS Leben erblüht. Die Einführung der Orgel hat doch Erfreuliches im Gefolge: enger schließen die Gesinnungsgenossen, die der alten Fahne treu geblieben find, fich zusammen, um die echten Ideale zu hüten und zu wahren. Insbesondere unsere Heranwachsende Jugend beiderlei Geschlechts geht den Alten mit dem schönsten Borbilbe voran und steht bei jüdischen. AngelegenSeiten m der vordersten Reihe, sobald eS gilt, für unsere heilige Sache einzutreten. pTD* Hamburg, 8. März. Der Jsraelittsche Verein für Krankenpflege npa p"n versendet seinen Bericht pro 1907.' Der Verein zählt 129 Mitglieder und dient dem edlen Zwecke, mittellose Kranke zu pflegen und in Todesfällen religiösen Beistand zu leisten. Die Ftnanzverhältttiffe des Vereins werden als günstige bezeichnet. Die Mitglieder und . besonders der Vorstand haben mit Eifer üNd Liebe btt Vereinsobliegenheiten verrichtet. Der Bericht klagt über die zu geringe Jnarypruchnahme der Beretnskaffe seitens der Bedürftigen. So was hört man man leider nicht immer! Pmoüaiit*/ Krankfurt a. M , 12. März. Sonntag den 15. März feiert Herr Feist Sondheimer, Lehrer und Verwalter der Israelitischen Waisenanstalt, Hier, Röderdergweg 87, sein 25 jähriges Jubiläum. Fischach, 1. März. Am 26. v. M. verschied hier in ihrem 70. Lebensjahre, die ob ihrer innigen Frömmigkeit und großer Wohltätigkeit allgemein geschätzte Frau Marjanne Wolff. Wie ihr Name Mirjam auf die Bitternisse des Lebens hinweist ritt ITlÖ'l V"y DiTD □n-^n so blieben auch ihr, besonders in früheren Jahren, die traurigen und bitteren Erfahrungen deS Lebens nicht erspart, aber gleich Mirjam hatte ste bas Gottvertrauen bis zu ihrem letzten Atemzuge nicht verlassen. Welch hoher Wertschätzung die Dahtngeschiedene fich bet Juden und Nichtjuden erfreute, davon legte ihre am 28. v. M. stattgefunbene beredtes Zeugnis ab. So möge denn ihr Andenken ein gesegnetes fein und bleiben. n"35ün- Uhlbach, 2. März. Die älteste hiesige Frau, Bernhard Schaber We., starb im Alter von 87 Jahren. Gzered a. b. Warg. Am 27. Adar ist die Gattin unseres allverehrtm Oberrabbtners, Herrn M. M. Pscherhofer, nach kurzem Leiden, im Alter von 70 Jahren, gestorben. Sie war eine durch und durch fromme, edle Frau. Mit der Verewigten ist eine jener nVPTÜ D',IW dahingegangen, die eine unersetzliche Lücke in ihrer Umgebung hinterlassen. Die Beerdigung fand u ter überaus großer Beteiligung statt. Ihr. Schwiegersohn Herr Rabbiner Dr. Spitzer- Halas, ivrach am offnen Grabe im Namen der Familie ttef ergriffen Worte des Dankes und entwarf ein Charakterbild der Verstorbenen, das auf alle, die fie im Leben gekannt einen tiefen Eindruck machte. iY'lEWn- Amsterdam. Am 16. Jebruär starb hier der bekannte-jüdische Gelehrte und Publizist Dr. L. B. Perel eines plötzlichen Todes. Der Verstorbene war Begründer des jüdischen Blattes „HeI OnafhankeM Israelitisch Organ vodr Rederland", deren Chefredakteur rr auch bis zu seinem Tode blieb, Dri Perel spielte im politischen Leben Amsterdams eine bedeaMide RoM Ihm verdankt auch die Bereinigung der DiaMysschleifer-Arbeiter ihr Entstehen. Einer seiner Söhne, Herr Adolf Perel hat die Leitung der Blattes übernommen. Amsterdam, 8. März. Bei der heute stattgefundenen Wahl eines Kantors für eine Gemeindesynagoge, wurde mtt großer Stimmenmehrheit Herr Bittor Schlesinger auS Wien gewählt. Turin, 1. März. In Turin starb vorige Woche, die wegen ihres wohltätigen und religiösen Sinnes gleichgeachtete Signora Camille Sacerbote. Die große Achtung und Wertschätzung, der fich die Verstorbene Zeit ihres Lebens in allen Reihen der Bevölkerung erfreute, gab sich in der überaus großen Beteiligung an ihrem Leichenbegängnisse kund. Signora Sacerdote vermachte über 100000 Lire für wohltättge und religiöse Anstalten ln Turin, Casale, Reruga uud Chieri. 50000 Lire stiftete die hochherzige Dame für das jüdische Waisenhaus in Turin. Pretzdurg, 7. März. Wie an anderer Stelle bereits berichtet, ist am. Sonntag der allbekannte Herr Dr. Stertthetm in Wiest gestorben. In der SchiffSfchule zu Men, wo die Bahre vor ihrer Ueöerfühnmg nach Preßbura gebracht jvwbe, sprachen die Herren Rabbiner Fürst mch Baumgarten tteferarissen Worte des AvMchW an den Freund undMitkämpfer für die heilige Sache des geseßestreuen Judentums. In Preßburg aber, wo am Dienstag die irdischen Ueberreste deS Verstorbenen zu Grave , getragen wurden, war die Teilnahme und Trauer eine allgemeine und tiefempfundene. Hier wo er 43 Jahre hindurch gelebt und gelernt und für rnin rm33n gewirktwußte man den Verlust in fewer ganzen Größe zu schätzen. Die p"n ließ es fich nicht nehmen, dem Verewigtüt alle Ehren, die einem Großen in Israel «ebühren, zu erweise» und Herr Rabbtnatsassessor Rubinein würdigte in seiner Rebe baS Lebm und Wirken des Verstorbenen. Wir haben in Dr. Sternheim n"? einen Iflpl qth verloren, aus dessen LebenSgang wir noch zurückkommen. llerei»rllLle»aer. Verein Mekor-Chajtm Sonntag, 15. Marz, abends 6*/« Uhr (Schützenstr. 2), Vorlesung des Herrn Prof. A. Wehl auS „Sefer Schaustim". Verein Nachlas Zewi. Dir vom „Verein Nachjas Zewi" am Mittwoch, 18. d. MtS., im großen Saale der Frankfurter Loge zu veranstaltende Purimfeier nimmt Abends 8% Uhr ihren Anfang. Oeffuung der Türen 7% Uhr. Die Eintrittskarten find nunmehr vollständig vergriffen. m na inderecke. Stfimaic 6ol9baums Purimfeier. Wie es gekommen war, daß Schmaje Goldbaum zum Faktotum der jüdischen Gemeinde in B. wurde,' wußte man kaum mehr, s 1 lange tvar es schon her, und sogar er selbst konnte eigentlich keinen rechten Aufschluß darüber geben, ihm genügte es, daß er existierte und glücklich war. .Ja, Schmaje Goldbaum war glücklich und hätte mit keinem König auf Erden getauscht. Keine Geburt, keine Verlobung gab es in B., die Schmaje nicht „angefagk" hätte, kein Fischmarkt am Freitag morgen, wo man ihn nicht mit etlichen Körben und Netzen beladen traf, (diese Dienste erwies er aber auch nur seinen „besten" Familien), und wenn er die Kuchen vom Bäcker holte, so war das auch ganz natürlich. Schmaje hielt -auf „Kowed", für nichts war er empfänglicher als für Ehrenbezeugungen. Schmaje war auch gebildet und wußte sich mit Takt im Verkehr zu benehmen. Er genoß allgemein, wie er sich ausdrückte, „großes Ansehen" und erfüllte den Spruch: „Man muß die Feste feiern, wie sie fallen" im vollsten Sinne des Wortes. Aber wenn sich Schmaje auf jeden Sabbat, auf jeden Festtag freute, so übte das Purimfest den größten Reiz auf ihn aus. Am Purim blühte das Geschäft. Ta lief Schmaje den ganzen Vormittag und trug die Geschenke herum, und dann am Mittag, dann kam sein, höchstes Vergnügen, die Purimszude im Hause Doktor Meters. Das waren prächtige Leute, diese Tiktor Meiers, und cs war sicher, daß, wenn Schmaje einmal seine Memoiren herausgeben würbe, Doktor Meier mit samt seiner trefflichen Gattin, einen breiten Raum darin einnehmen mußten. Tenn im ganzen Jahre genoß Schmaje keine größere „Kowed" als eben au jener Purimsznde. „Wissen Se," pflegte er all desttzn zu erzählen, die von jener Tatsache noch nichts wußten: „Wissen Se, bei den Doktors» da gehör ich dazu, da eß ich am Tisch, da bin ich wie ein Gast, da spiel ich die größte Rolle, da muß ich immerzu erzählen, lauter Witze, rechte Megillewitze, se wissen doch, da sagt die Madam zum Mädchen, reichen Sie Herrn Goldbaum noch einmal, ja, Herr Goldbaum sogt se, wo ich sonst nur Schmaje heiß, das sind Leute, pie verstehen, wie man „bekowed" mit einem ist." — Armer Schmaje, und wenn er dieses Jahr wieder in den Vorfreuden des Purimsestes schwelgte, so ahnte man nicht, daß man ganz anders über ihn beschloß. „Mama," sagte acht Tage vor Purim die älteste, seit einigen Wochen verlobte Tochter Doktor Meiers zu ihrer Mutter, „Mama, dieses Mal kann der Schmaje aber nicht bei uns essen. Eduard kommt so selten, und wenn er nun einen Festtag mit uns verbringt, so wollen wir uns nicht durch fremde Leute stören lassen." „Aber Beate," erwiderte die Mutter erstaunt, „Schmaje ißt doch jedes Jahr bei uns, und ich kann mir nicht denken, daß er Deinen Bräutigam geniert. Uebrigens ist Schmaje ein feiner Mensch, der Takt besitzt." „Aber er erzählt so alberne Sachen, und wenn's ihn nicht geniert, so geniert's mich. Du könntest mir wirklich dieses Jahr den Gefallen tun. Gib ihm Geld, er solle wo anders essen, denn das Wen ist ihm doch die Hauptsache." Nein, Frau Doktor Meier wollte es nicht. Schmaje freute sich, so sehr auf Purim, sie konnte ihm das

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