Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1908)
- Date
- 1908-03-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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em 10. Nr. 11. Der JSraelit. 12. März 2906. gründeten„KneßeS Jsrael", die Krise, in der sich das russische Judentum augenblicklich befindet, vorteilhaft überstehe. Herr Kopplowitz-Borek, der aus eigener Anschauung die Verhältnisse in Palästina kennt, dankte der Bereinigung für die Tätigkeit, welche die Palästina-Kommission der Bereinigung auf dem Gebiete der Reorganisation der Chaluka entfaltet. Herr Hopp H bat dringend, auf dem Gebiet der Sonntagsruhe möglichst viel zu arbeiten, außerdem regte er an, die Bereinigung möge für einen sozialen Ruhetag Stimmung machen. Alach einem Schlußwort des Herrn Rosenheim, der auf die einzelnen Anregungen und Anfragen erwiderte, endigte die glänzend verlaufene Versammlung, welche der „Freien Vereinigung" einen ganz bedeutenden Zuwachs an ' neuen Mitgliedern brachte. Gelsenkirchen, 5. März. Die Stadtverordneten beschäftigten sich in ihrer heutigen Sitzung mit der Bildung der Schuldeputation. Nach dem Gesetz muß hei einer Schülerzahl von mindestens 20 Schülern der OrtSrabbiner oder de^enige Rabbiner, der von der Gemeinde mit der Beaufsichtigung ihrer religiösen Einrichtungen beauftragt ist, in die Deputation gewählt werden: eine Lücke weist nun das Gesetz in der Hinsicht auf, daß übetall da, wo keine konfessionellen Schnlkommissionen gebildet werden und nur eine gemeinsame Deputation das ganze Schulwesen leiten soll, den jüdischen Gemeinden keine Vertretung gesichert ist. Das ist namentlich bei den Gemeinden des Westens der Fall. Die hiesige Stadlvertretung hat nun durch Beschluß auch der hiesigen Gemeinde, die nach dem Gesetz trotz ihrer 140 Schüler ohne Vertretung in der Deputation geblieben wäre, in dankenswerter Weise Sitz und Stimme in der Deputation verschafft. Die Zahl der erziehungskundigen Männer wird um ein Mitglied, welches der jüdischen Gemeinde angehören muß, vermehrt. Gestewetih. Lemberg, 3. März. Die galizischen Laudtagswahlen gehen mm dem Abschlüsse entgegen. Bis jetzt sind HM Inden gewählt und zwar: Dr. Fruchtmayn (Stry), Dr. Landau (Krakau), und Dr. Wtoenstein (Lemberg). Noch weitere drei Mandate find aus dm Handelskammern den Juden gesichert, so daß man jetzt schon mit Bejnmmthett auf sechs jüdische Sitze im neuen galizischen Landtage rechneu darf. Alle gehören zur Kategorie der sogenannten Hausjuden mit AusnoWe des Dr. Landau, dessen Standpunkt nach seiner bisherigen politischen Tätigkeit sich nicht genau bezeichnen läßt. Die jüdisch-nationale Partei hat eine vollständige Niederlage erlitten und es nicht einmal zu einer nennenswerten Stimmenzahl gebracht. Krakau, 3. März. Das Interesse für die Landtagswahlen fängt nun an langsam abzustauen. Die Wahlschlacht ist geschlagen auch innerhalb der hiesigen Judenschaft und die Opfer sind auch hier wie in Lemberg die jüdisch Nationalen. Die Unsicherheit der Parteiführer und die stete Veränderung ihres Standpunktes mögen chuh> viel zu der Niederlage beigetragen habgn. Sie proklamiertm, als sie ihre Sache verloren sahen zuerst Wahlenthaltung erklärten aber bald nach einer vorangegangenen scharfen Auseinandersetzung mit den Unabhängigen in „Wschod" für die polnisch-demokratische Liste zü stimmen. Dieser Mangel an Festigkeit brachte einige Verwirrung in ihre eigenen Reihen und machte von vornherein auch den geringsten Achtungserfolg unmöglich. Kolomea, 1. März. Während der Wahlkampf ringsumher tobte, entstand in unserer jüdischen Gemeinde, wie bereits gemeldet, ein Werk des Friedens, das seiner Bestimmung nach fimtbertot unserer armen Glaubensgenossen zum Segen gereichm könnte. Es hat sich hier vor kurzem ein Verein unter dem Namen „Hilfsverein der galizischen Juden" konstituirt, der den Zweck hat, Arbeits- und Erwerbsquellen für die unzähligen armen Juden Galiziens ausfindig zu machen, welche infolge der wirtschaftlichen Krisis an den Sander- oder Bettelstab gebracht worden sind. Als Mittel zur Ergründung des Elendes und seiner Behebung soll l. eine genaue Statistik über die Juden in Galizien in die Wege geleitet werden, 2. baä Armenwesen in den Städten zweckmäßig geregelt werden, 3. sollen Arbeitsnachweisbureaus und Vermittlungsämter zwischen Arbeiter und Arbeitgeber errichtet werden. Der Verein, der mit dem Sitze in Kolomea durch Ortsgruppen und Filialen anz Galizien umfassen will, scheint sich allentalben großer Popularität zu erfreuen. Kasch au, 7. März. In der hiesigen orthodoxen Gemeinde wurden jüngst die Neuwahlen der Gemeindevertetuna abgehalten. Die in der Minorität gebliebene Partei protestirte gegen das Wahlverfahren. Der Kampf scheint sich zuzuspitzen und wird oft von beiden Seiten in einer Weife geführt, die einer gesetzestreuen Gemeinde kaum Ehre zu machet: im Stande ist. Es wäre sehitlich zu wünschen, daß der gestörte Friede in der Gemeinde bald wieder einkehre und eine Verständigung ztrr Beruhigung der Gemüter bald zustande komme. Ungarn. Budapest, im März 1908. Wie bereits in diesen Blättern berichtet wurde, haben einige einflußreiche neoloa gesinnte Mitglieder der Balaffa- Gyarmater orth. Gemeinde den Versuch gemacht/ gegen die orth. Landeskanzlei Stellung zu nehmen und dies mittelst einer gedruckten Protestkundgebung an die Schwestergemeinden mit der Aufforderung an dieselben sich dem Proteste anzuschließen. Der Versuch wurde jedoch empfindlich gestört, denn die D'KV haben sofort nach Bekanntwerden der Protestkundgebung die in Betracht kommenden Gemeinden über die Machinationen der neolog gesinnten Herren so ziemlich aufgeklärt und dadurch bewirkt, daß die ganze Mache der orthodoxen Landeszentralkanzlei und ihrem Präses neue wohlverdiente Bertrauenskundgebungen »inbrachte. Wir glauben mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die Urheber der lächerlichen Aktion sich es für die Zukunft merken werden, daß in einer orthodoxenGemeinde nur orthodoxeJntereffen vertreten weiden können, was ihnen schon das moderne Rechtsgefühl, das sie so oft im Munde führen, sagen sollte. — Die derzeit größte politische Partei in Ungarn, die „Unabhängigkeitspartei", weist unter ihren Anhängern auch einige einflußreiche jüdische Bürger auf. An der Spitze der Partei stand bisher sogar ein Jude. In jüngster Zeit wurden jedoch in die politischen Bestrebungen auch konfessionelle Fragen hineingetragen, die in offenen demonstrativen Antisemitismus'ausarteten. Der bisherige Präsident der Partei, Karl Tauber, war dem gemäß gezwungen, sein Amt niederzulegen. Der Nichtjude Böros, dem der Handelsminister selbst die Präsidentenstelle angeboren hatte, wies die Stelle zurück, weil er sich mit antisemitischen Tendenzen nicht identifizieren wollte. — Rabbiner Dr. Juda Sternheim, der längere Zeit in Paris und London lebte, ein Din TD*?n und D'Dt? kv ist dieser Tage, wie bereits gemeldet, in Wien im Alter von 64 Jahren gestorben. Das orthodoxe Judentum hat in ihm einen treuen Anhänger, einen warmen Freund verloren. Seit einigen Jahren hielt sich der Verblichene in Budapest und teilweise in Wien auf, um Propaganda Ar den durch ihn ins Leben gerufenen Verein vyn ow zu machen. Zweck des Vereins war, die Kolonisierung des heiligen Bodens zn fördern und eine Verbesserung der Lage unserer Glaubenszenoffen in Palästina herbeizuführen. In all jenen Kreisen, wo der Verblichene verkehrte, hat er sich durch seine große Intelligenz und sein zielbewußteS Auftreten warme Sympathieen erworben. Der Verblichene wurde unter großer Beteiligung )er Wiener Schiffschul-Mitglieder nach Preßburg überführt um dort zu rniaw *np gebracht zu werden. n"3S3n Palämna. Jerusalem, 25. Februar. Unter den vielen hier existierenden Vereinen gewinnt der 'nvl«r nvn-Berein immer mehr, an Popularität uns Ausdehnung. Seine Institutionen, die mit großen Opfern gegründeten min niv?n-Schulen in den jüdischen Kolonieen sind im steten Aufblühen begriffen und genießen allseitige Anerkennung, die sich in namhaften Zuwendungen äußert. So hat der bekannte Kolonist und Mitbegründer von „Rischonlezion", Herr Freimann, dem Vereine zum Zwecke der Errichtung einer neuen Schule, ein Grundstück in der genannten Kolonie überlassen. Durch ein hochherziges Legat des verstorbenen Philantropen Brande Warschau kam der Verein auch in den Besitz eines großen Weinberges in Rechobot, was die Geschaftsleitung des Vereins veranlaßte, in dieser Kolonie mit den Produktion von -im s" zu beginnen. Die ersten Versuche waren sehr ermutigend; da die leitenden Männer inbezug auf religiöse Gewissenhaftigkeit das höchste Vertrauen genießen, ist die Nachfrage nach diesem Weine, namentlich in Rußland und Galizien sehr groß. Der Reingewinn fließt dem Vereine zu und kommt somit den Schulen, wo die jüdischen Bauernkinder zu wahren Jeyudim herangezogen werden, zugute. — Die Witterung, des letzten Monats war für Palästina. insofern günstig, als sie langanhaltenden Regen mitsich brachte. Doch tobten auch tagelang orkanartige Stürme, die viel Schaden an den jungen Baumkulturen in den Kolonien anrichteten. UermiscMes. Berlin, 12. März. Die von der „9UUonce abgesandte Expedition zur Besserung der Lage der FalaschaSist in Abessinien angelangt und vom NeguS Meneltk sehr huldvoll empfangm worbm. Ausführlicher Bericht darüber folgt in nächster Rümmer. Berlin» 5. März. Im Jahre 1906 wurden in Preußen 3739 jüdische Ehen und 638 jüdisch-christliche- Mischehen geschuoffen. Bon dem ständigen Rückgang der Juden in Deutschland legen folgende Ziffern auS der preußische« Sttrttstik Zeugnis ah: Die natürliche Be völkerungSzunahme, die durch Abzug der Sterbeziffern von den Geburtsziffern berechnet wi. d, betrug im Jahre- 1906 in Preußen bet den Judm 4,46 Prozent, bet dm Christen dagegen 15,72 Prozent, also über 37, mal so die'. London, 4. März. Rach der offiztellm Statistik des Jewtfh S)ear Book beträgt die Zahl der über dm Erdball verstrcutm Jsraelitm ungefähr 11081600 Bon dieser Ziffer entfallen auf Europa 8748 000, auf Amerika 1566000,. auf Afrika 354000, auf «fim 343000 und auf «ustralim 17000. In Europa verteilen fich die Judm auf die einzelnen Länder folgendermaßen: 5100000 auf Rußlands 2100000 auf Oesterreich-Ungarn, 600000 auf Deutschlands 400000 auf die Balkan-Inseln, 1t 5000 auf Belgien und- Holland, 8 060 auf Frankreich, 4j 00 auf Italien. Die am stärksten von Juden bevölkerten Städte find Rew-Nork mit 7000 0 Judm, Wim mit 131000, Berlin mit 95oU),. London mit 8j000 und Jerusalem mit 4500«'. UereinstPesett. Berlin, 10. März. Die hiesige Ortsgruppe der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" veranstaltete gestern Abend in dm Sälen des BereinS „Berliner Musiker" eine stark besuchte öffentliche Bersammlung unter Borfitz deS Herrn Sallh Gugamhetm. Herr Jacob Rofenhetm. aus Frarckstnt a. M. sprach über „Großstadtpsychologie und gesetzeStreueS Judentum". Ander Hand eines reichen statistischen Materials zeichnete dm Redner die charatteristischen Züge, welche das Wesen der modernm Großstadt auSmachm und die daher für die zu 55 Prozent in Großstädten lebenden Judm von besonderer Bedeutung find. Der psychologischen Charakteristik der Großstadt stellte der Referent die entsprechenden Werturteile und die Erziehungsmittel der jüdischen Lehre gegenüber, um alsdann die praktischen Aufgaben der Orthodoxie in her Großstadt zu beleuchten. Schulwesen^ Fortbildung der männlichen und weiblichm Jugmd> Familtenleven, soziale Fürsorge, Frauenvereine, Gemmtdewefm, öffentliche Meinung — alle diese Gebiete erheischen gerade in der Großstadt besondere Maßnahmm au» denn Geist de» überlieferten Judentum». Nachdem der Redner unter lebhaftem Beifall geendet, berichtete Herr Rabbiner Dr. E. Munk über die Tätigkeit der „Freim Bereinigung" bei der Beratung und AuSMrung deS preußischen BolkSfchulgesetzes. Der Redner, dem sÄst der hervorragendste Anteil an dm erzteltm Erfolgen zukommt, beleuchtete in objektiver Darstellung die lettmom Grundsätze, welche für die „Freie Bereinigung" in der Schulfrage maßgebmd sein mußte» und die fie mit tnnerer Nolwendigkrit in Gegensatz sowohl zu dm der KonMonL-