Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1908)
- Date
- 1908-03-05
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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tfefte 1L Nr. io. fast 45 Führe der Gesellschaft in treuester Pflichterfüllung und mit größter GewiffeNhastigkeit seine Dienste gewidmet. An Trauerhause sprüch Herr Dr. Josefsohn. Seine Worte machten tiefen Eindruck auf die versammelte Menge. Der Verstorbene erreichte ein Atter von 70 Jahren und hinterläßt eine Tochter in sehr bedrängter Lage. UereituRalender. Jüdischer Frauenverein. Mittwoch, den 11. März, abends 81/, Uhr im Turnsaal der Realschule, Am Tiergarten 8. Tagesordnung: Moderne ErziehungS-- «fanfcn und jüdische Lehre. Referentm: Frau Dr. L. Marx. Diskussion. Gäste (Damen) willkommen. - Wegen -des durch reichlichen aktuellen Stoff bedingten Raummangels mußte die „Literarische Wartet-in dieser Woche ausfallen. K-chrrfchav. Htzo»me«tar des R. Josef Nachmias zu den Pirke Aboth. Zum erstenmale heraukgegeben nach der Parmaer Handschrift de Rosst Nr. 1402 mit Emendattonen, Quellennachweisungen und Anmerkungen von Rabb. Dr. M. L. Bambergör- Schönlanke. Berlin 1907. Lamm. . Dieselbe Sorgfalt, welche der Herausgeber dem Kommentar des Nachmias zu Esther (Frankfurt a. M. 1801) angedeihen ließ, hat er auch auf daS vorliegende Werk desselben Verfassers verwendet. Wenn auch der Kommentar zu Aboth nicht besonders tiefgründige' Erklärungen enthält, sondern einfach und verständlich zum Loser weicht, so ist es vielleicht eben dieser Einfachheit wegen zu begrüßen, daß er aus dem Dunkel der Bibliothek in daS Licht der großen Oeffent ichkett hervorgezogen wurde. Schon diese Einfachheit liefert einen willkommenen historischen Beitrag zur Kenntnis der jüdischen Ltteratur, wie fie andererseits den Leser aufs angenehmste anspricht. Zudem ist die Bemühung des Berfasiers bürch Einflechtung von Deutungen und Sprichwörtern, zumeist bau 1I12D entnommenen, populär zu wirken, nicht zu unterschätzen. Dem Herausgeber ist es nun gelungen durch Sergen, wo fie nötig erscheinm, durch Hinweise auf »llelpellen und dergl. die Lekmre des Buches noch -wringender zu machen, wie auch durch historische rtizen die Meinung deS Berfasiers uns erkennen zu lassen. Wenn z. B. bei Abtaljons Warnung vor dem " X mit den Großen der Verfasser aus den Versen seiner Zeit heraus zu dem Urteil kommt, baß Jude jetzt wohl jüdische Fürsprecher bei - en Höfen nöttg habe, denen wir dankbar fein müßten, so ist uns die Bemerkung des Herausgebers sehr willkommen, daß diese Worte wohl im Hinblick auf die bei Hofe deS Don Pedro sehr beliebten Abraham Jbn Zarzel und Don SmNuel den Mater Abulafür geschrieben sein könnten. Unter nnrrkennung der trefflichen und verdienstlichen Wlstung des Herausgebers seien uns einige Bemerkungen t. Simeon Hazaddiks Ausspruch gibt dem Berser Gelegenheit, auf das Zusammentreffen dieses m S mit Alexander d. Gr. hinzuweisen) hier läuft die Bemerkung unter, daß von diesem Jahre ab die po mitten datiert werde. Der Herausgeber, der dieses «chm Richtigstellung passieren läßt, hätte hier bemerken sollen, daß die nntSlPn TOD, d. h. die seleucrdische Aera, erst mtt 311s. beginne. In seinen Anmerkungen (Nr. 27) Mte der Herausgeber der synagoga magna eine längere - Dauer als 100 Jahre zugestehen können. In einer Begegnung GimonS mit Alexander liegt, wie der Herausgeber ganz richttg bemerk, in Anbetracht der Dauer der Synagoge keine Schwierigkeit) diese liegt in der üblichen Chronologie jener Zeit, die für uns noch nicht festgepeflt ist, so dag die Frage e. tsteht, ob hier nicht eine NamensverwechSttmg mit Jahdua vorlieat, eine Frage, welche die Wahrheit der' historischen Tatsache nicht berührt und also nicht von Belang ist. Nebenbei fei oememerkt, daß ein unangenehmer Druckfehler aus 323 die Zahl 333 gemacht hat. — Warum der Herausgeber, gestützt auf eine sonst nicht bÄanntt Handschrift des 'TI ITOK X«cheS der Verfasser in Mischnajoth-Ausgaben gef" zwingen muß in . 7,. Zu No. 70, - spricht, ist die 0 LeSart, wie fie anführt, Scheck ' gegebene» in en L inn zu legen. r.'NDA'«M2 Versetzung Über die von vergleichen, MMMWW an ' ll, m, — eine Der FSraeltt. Herausgeber schon in dem von Km Merten Kommentar zu Esther gegeben — des Verfassers, der in Toledo gelebt und ein Schüler de» Raboenu Ascher war, geht dem Werke voran/ wie auch die Aufzählung und Bezeichnung seiner Werke und die Aufzählung der Autoren, die er anführt. . 8. HDTV Dys* fTOlD 12 Dy B 21 V'IOO Dito büD'D DND 'V1D '1ip2 "JTD m«12D1 .D^nrrr» «r« Frankfurt a. M. 1907. I. Kauffmann. Rabbiner Dr. Winckler veröffentlicht unter obigem Titel eine für Talmudkundige recht interessante und anregende L christ über eines der schwierigsten und wichtigsten Probleme halachtscher Forschung. Dieses Problem, oaS kurzweg als ipvjD DVtD bezeichnet wird, wird hier an der Hand der zwei grundlegenden - tellen in Pefachim und Aboba sara beleuchtet, und die Durchforschung der verschiedenen Anfichten führt den Verfasser zur Ausstellung von 5 nitwy der verschiedenen Talmud-Erklärer und Decisoren deren Auffassung der Frage in wesentlichen Punkten auseinander gehen. Die sorgfältige systematische Behandlung dieser Frage gehtvon dem Gedanken aus, daß man bisher wohl zwei Ausdrücke nicht genau auseinander gehalten und fie als vollständig synonym angesehen, wodurch man dann die Kommentatoren mißverstanden und fie bisweilen fich selbst widersprechend gefunden habe. Man sei vielfach nemlich von dem Gedanken auSgegangen, daß der Ausdruck Tp-ijD Dyt3 nach allgemeiner Auffassung fich vollständig mit dem Ausdruck IVVQ ä!?1 Ivyv decke, während die Metnun Sverfchiedenheiten unter den Kommentatoren, bezw. Decisoren gerade in der Frage ihren Grund habe, ob diese beiden Ausdrücke als fich völlig deckende oder nicht anzusehen seien, oder ob nicht 1VDD abl Ivyv nur cin Unterbegriff des p"}Dtt sei) gehe man davon aus, so lösen fich manche scheinbaren Widersprüche. Der Stoff ist klar geordnet und wissenschaftlich und gründlich behandelt, und dm um ist diese kleine Schrift allen zu empfehlen, die an klarer und tiefgründiger Erörterung eines talmudisch-halachtschen Stoffs, ihre Freude haben. 8. euilleton. M-rM Der Enkel. Erzählung von Friedrich Mott. 29 (Fortsetzung.) Malwine blickte betroffen auf ihren Vater. „Das ist in der Tat ein fürstliches Geschenk. Die Welt wird staunen und — lachen." „Weshalb lachen?" fragte Schröder in solch scharfen Ton, wie fie noch selten solchen von ihm vernommen. „Was geschehen ist, ist geschehen," eutgegnete sie achselzuckend, „läßt fich, wie ich glaube, nicht - einmal ungeschehen machen. Weshalb darüber reden?" „Das wüßte ich auch nicht. Und übrigens, was die sog. Welt über mein Tun sagen wird, das ist mir vollkommen gleichgiltig. Ich kann mit meinem Eigentum machen, was ich will." „Gewiß Papa, das bestreitet kein Mensch. Und überdies hast du es doch auch bewiesen durch deine großartige Schenkung." „Nun, wie ift's, werdet Ihr nächste Woche in die Villa Edwin übersiedeln? Der Sanitätsrat wünscht es sehr und der gegenwärtige Eigentümer dürfte wohl nichts dagegen haben. Was meinst du Edwin, möchtest du einige Zeit in deiner Billa wohnen und die ozonreiche Lust deines Kiefernwaldes einatmen?" Der bleiche Knabe errötete vor Vergnügen. „Ich möchte, es wohl, 0 wie gern! ja Mama? werden wir für einige Wochen nach Waldhof hinausziehen?" Malwine kräuselte die Purpurlippen. „Für einige Wochen nach Waldhof! — Huf Himmel! du weißt nicht, was du sprichst, da könnte man umkommen vor Langweile." „Ach bitte nein, Mama, du irrst. In Waldhos ist es gar nicht langwellig, im Gegenteil — erinnerst du dich denn nicht? wir fino doch im vorigen Jahr draußen gewesen mit dem Papa, es war doch so schön —" __5. März 190B. „Ja mit dem Papa! —" Malwine seufzte laut und hob den Blick zum Plafond, „mit hem Papa war es nirgend langweilig, da war eS überall schön. Aber wir beide alleindu und ich — ich fürchte, Kind, du wirst vor Langwelle abermals krank." „Fürchtest du das in Wirklichkeit?" fragte ihr Vater „nur um Edwins willen scheuest du die Einsamkeit?" „Gewiß nur seinetwegen. Was mich betrifft — ob ich am Eispol bin oder am Aequätor, das ist mir doch vollständig gleichgiltig. Und eben deshalb halte ich es nicht für zweckmäßig, daß er mehrere Wochen einzig und allein auf meine Gesellschaft angewiesen fein sollte. Hier kommst du doch alle Tage zu ihm und seine andern , Großeltern auch und Clementine ist viel bei ihm' und seine Kameraden Fritz und Max Werner besuchen ihn auch öfters, das ist etwas ganz anderes." „Du hast Recht, beständig allein zu sein, das dürfte nicht gut für ihn sein, aber — Gotthold und ich können ihn draußen zwar nicht täglich besuchen aber ein- oder zweimal in der Woche werden wir es doch ermöglichen können und Frau Gotthold wird sicherlich noch öfter kommen. Und wenn ich den Werner darum ersuche, wird er gewiß'erlauben, daß s. ine beiden Jungen alle Sonntag morgen mit mir hinaus fahren und abends wieder mit mir zurück fahren und last nor. least hoffe ich, daß die liebe Tante Clementine sich erbitten lassen wird mit in die Villa Edwin zu übersiedeln und ihrem Neffen Gesellschaft zu leisten." „Ja, das wäre schön!" ries Edwin, „willst du mit hinaus, Clementine?" Die Kleine war feuerrot geworden. „Wenn es dir Vergnügen macht und meine Eltern es erlauben, täte ich's gern." „Also laufe hinüber und frage sie, mich würde es sehr, sehr freuen, wenn sie es erlauben." „Ja, du hast Recht, ich werde sie gleich fragen und dann komme ich gleich wieder und sage dir ihre Antwort," damit rannte sie fort. „Das war wirklich eine schöne Idee von dir, Großpapa, wenn Clementine mit draußen sein wird, dann werde ich gewiß keine Langweile haben, sie kann so schön plaudern und tut immer alles was ich will, hoffentlich werden die Großeltern einverstanden sein." „Ob ich einverstanden bin, danach wird nicht gefragt," sagte Malwine verdrießlich. „Aber liebe Mama, du hast doch gesagt, daß es dir einerlei ist, wo du bist, du stlrchtest nur, daß es mir zu langweilig dort sein würde. Aber wenn nun der Großpapa es sich so schön ausgedacht hat, daß es mir gar nicht langweilig sein wird, so versteht es sich doch von selbst, daß du einverstanden bist." „Edwin hat Recht" sagte Schröder, „So ist es Uebrigens möchte ich dich noch aufmerksam machen, liebes Kind ich zweifle zwar? keineswegs, daß Gotthold mit einer zeitweiliger: Uebersiedelung nach Waldhof einverstanden sein wird, aber anstandshalber würde ich dir doch empfehlen, ihr: um seine Zustimmung zu fragen oder zu ersuchen. Du und ich wir sind nich^ berechtigt ohne ihn über Edwin irgend etwas zu beschließen. Malwine wechselte die Farbe. „Was, ich sollte nicht berechtigt sein, ohne Zustimmung meines Schwiegervaters für mein Kind zu bestimmen, was mich gut dünkt?" , Ihr Vater schüttelte den Kopf. „Es handelt sich hier nicht um deinen Schwiegervater, sondern um den Vormund deines Sohnes, ohne dessen Zustimmung du für denselben nichts bestimmen kannst." „Das ist Unsinn," eiferte Malwine, „darum werde ich mich nicht kümmern. Ich habe über mein Kind zu bestimmen, sonst kein Mensch und ich rate Keinem, sich da einzumischen." „Sei dernünstig, Kind." „Ich bin vernünftig. Nur die personifizierte Unvernunft kann behaupten, daß eine Mutter —" Sie ward unterbrochen. Clementine riß die Tür auf und sprang ins Zimmer. „Papa und Mama haben es erlaubt, ich darf mit nach Waldhof und darf die ganze Zeit bei dir bleiben, Edwin."