Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1908)
- Date
- 1908-03-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWWW &«! tritt ofet die gekrönte DiHerin vom Leide -er ‘ ihrem tfenbe jüdischer Bürger, die in als Fremde betrachtet uns behandelt werben, faam und wann wirb fie sich dazu mtWKeßm, tzr poetisches und humane- Empfinden auch für diese UwKücklichen in ihrem Lande etnzusetzm? ES wäre wahrlich an der Zeit, daß wenicktenS jüdische Bäter sich diese Frage tzorlegen, Sevor fie die winzigen Sparbüchsen ihrer. Kinder leerm. «llexandrlen, 20. Febr. Der Kurator des griechischromanischen MuseumS in Alexandrien hielt vor einigen Tagen einen wissenschaftlichen Bortrag, in dem er u. q. «ine für uns Juden sehr interessante in Kaffr-El-Dawar bei Alexandrien aufgefundene griechische Inschrift behandelt. Die Inschrift spricht davon, dag die Juden von Alexandrien au Ehren des Königs PtolomäuS und seiner Gattin Berenice e eine Gvnagoge gew.'iht hätten. Run war aber Ser PtolomäuS, dessen Gattin Berenice hieß, PtolomäuS 11!. Damit ist nachgewiesen, daß die Meinungen derjenigen Gelehrten, welche die ersten jüdischen Anfieblungen in Ärgsten bis zur Zeit PtolomäuS VI. herunterdatieren, tm Unrecht find. fass«, 13. Febr. _ _ Unsere Stadt, die an der Spitze -er Palästinensischen Zivilisation marschiert, hat jetzt auch «in vegetarisches Speisehaüs. Natürlich ist baS neue Institut nicht etwa aus prinzipieller Fletfchverachtung erwachsm, sondern eS ist einfach die Folge ter unerschwinglich hohen Fleischpreise, welche zur Zeit hier herrschen. r«nks«rt a. M., 2. Mrz. Die Bereinigung 1e«e jüdischer Lebensanschauung N7NÄ ver- : am MtttwoL ben 18. März cwl« ww) tm « Saale dex Frankfurt-Loge eine Purtmfeter, zu welcher Ecktrittskarttn zu 1 Mk. aus gegeben werden. Wie pnS mttgeteilt wirb,. find die Karten zum wettauS srvßten Dell bereits vergriffen. |. März. Der Verein Montesiore versendet seinen Jahresbericht pro 1907/1908. Der Berein schaut auf ein arbeitsreiches Jahr zurück und besitzt Institutionen wte eine Lesebibliothekote über 1OOO Bänoe umfaßt, wob ein BeretnSheim, daden ganzen Sabbat und - Sonntag geöffnet stch großen Zuspruches erfreut. Die in diesem Heime ständig abgehaltenen Schurim umfasien tm Sommer: Mischnah, Hiob und Chaje odom. Im Winter werbm. ußerbem n.ch gelehrt: Gemoroh, Chumesch mit Rasch: usw. Als Lehrer für diese Fächer betätigten sich die Herren Dr. Ptverfeld, Dr. Wohlgemut, und Rabb. Dr. Mmtk. Die für daS Wintersemester eingerichteten BereinSavenbe haben sich sehr bewährt und ein Anwachsen der Mitgliederzahl zur Folge gehabt. ES find im verflossene» Jahre auch 12 üffenttiche Borträge über eopagandavortrag des Herrn heimer aus Oldenburg, zu dem fich mehr als 409 Zuhörer einfanden und der dem Vereine noch am gleichen Abend 25 neue Mitglieder zuführte, hervorgehoven werbm darf. Im Ganzen war im Berichtsjahre ei« Zuwachs von 60 Mitgliedern zu verzeichnm. Der Bericht schließt mit einer Danksagung an die Doz« einem warmen weiter mit Sache einzustehen. Hamburg, 27. Februar. Die Gesellschaft für jüdische Volkskunde hielt im Logenheim eine Versammlung atz. Der Borfitzende Herr Dr. Rteger berichtete über die Tätigkeit der Gesellschaft tm verfloffenm Jahre. Die Gesellschaft hat sich mit ihren Sammlungen an d.n Ausstellungen für Kultusgegenstände in Berlin und Kopmhagm beteiligt und lobende Anerkennung gesunden. Eine große Anzahl von Zuwmhungen find der Sammlung gemacht worden und sind bereits alle nötig« Borbereittmgm für dtt KMogterung der Kunstgegenstände getrvffm worden. Die Kaff weryälmiste der Gesellschaft werdest im Berichte als durchaus günstige bezeichnet. In der Debatte wurde einstimmig der Wunsch geäußert, daß die sehenswerten Sammlungen der Gesellschaft mehr als bisher der breiten Oeffentlichkeit zugänglich gemacht würbm. Ob diese im neuen Museum für Völkerkunde oder im Kunstgewerbemuseum untergebracht werbm, wurde einer weitem Entscheidung des Vorstandes anhetmzestellt. Ostrowo, 27. Febr. Unter dem Vorsitz des Bankiers M. Spiro hat stch hier ein »Berein zur Förbemng jüdischer Gemeindeinteressen" ge bilde', dem gleich nahezu 100 Mitglieder beigetreten find. Vreftburg, 1. März. Im neugegrünbeten Schomre- Schabbos-Berein hielt am letzten jrnff der jüngst als Dajan unserer Gemeinde berufene Rabbi Löb Rubtnstetn einen Bortrag über die Sabbatheiligung, der trotz des schlechten WetterS fich großm Besuches erfreute. In anderthalbstünbiger mit vielen Talmudzitaten und geistvollm Bibelauslegungen ausgeschmückten Rede, wieS der Vortragende auf die Wichtigkeit der Sabbatheilig mg für dm Bestand der MsvA und des jüdischen Bolkstumes hin. Stürmischer Betfall lohnte den Redner für seine interessanten und instruktiven Ausführungen. Auch die Rede die Herr Rabbiner RubinsteiN am vorhergegangmm Freitag Abend anläßlich seiner Amtseinführung hielt, verdient lobmd hervoraehobm zu werbm. Möge das Wirk« des neuen Rabbiners Segen gereichen. unserer Gemeinde zum TerJUaeltt. -» PI VWWIIP»» S«««el A«h« rfS' ftnf«, 27. Februar. Bereits in der Nr. 6 d». Bl. havm wir in Kürze beS Heimgangs des Herm Samuel Kahn gedacht und dabei dm schmerzlichen Gefühlm der Teilnahme Ausdruck verliehen, von denen mtt uns wohl eine große Schar von Freund« des Dahingeschiedmm über dm jäh« Verlust erfüllt wordm ist. Wenn ich jedoch jetzt, nachdem die qv onpto verganam find, mit mehr Ruhe an das für das gesotzeStreüe Judentum völlig fich hingehende, aufopferungsvolle Ledm und Wtrkm des Dahingeschiedmm zurückdmke, dam» finde ich es wohl angebracht, daß etnch solchen Mannes, mit dem gewissermaßen ei« Stück jüdischer Geschichte dahingegangm ist, einaebmder aedarbt werde. Der Emschlafme war, wie schon an feiner Bahre treffend ausgesprochen wurde, eine -Kampfnatur" und zwar in des Wortes schönster und idealster Bedeutung. Dmn sein Kämpfm galt dem Heiligsten. Die Fahne des unverfälschten, einzig wahren Judentums hat er fein ganzes Lebm hindurch hochgehaltm und fie gegm die Feinde tm inner«, wietm Süßem Lager mtt wahrem Heldenmut verteidigt. Um dtefm feinen fast beispiellosen Kampfesmut zu beweisen, war er auch lange genug am rechten Platze gewesen, tn feiner Heimatstadt Witten. — Wer hätte nicht schon von der trostüsm Oebe vernommen, die ln dm großm westfälischen Gemeinden in. bezug auf daS Judentum h.rrfcht? Und gerade Witten ficht mit an der Spitze derjenigen Orte, tn bmm man sichtlich bemüht gewesen ist, mit der stolzen Bergangmhett des Judentums zu brechen und in blindem Eifer die extremsten Reform« e in zuführen. Dabei kennt der p"» dort k Grenzen m i‘i“f— keine Grerym. Nun wohl, tn diese« Orte Herr nm uhm ipv und der wußte. daß 0VV Snv hD DtS ITT; gab fich nicht dem hindrütmdm Schmerz dahin, sondern kämpfte mtt allen setnm Kräften gegm die Re- :men, die in dm Gottesdienst htneingeschmuggett wurdm. Harmonium, später Orgel und Fraumchor einwurden, da konnte ein Mann, wie der sel. Herr war, der Gemeinde nicht mehr anaehören, er trat ihr aus, verließ die Gemeinschaft) anoie ihn ehemals feste Bande geknüpft hattm. Run ab« begänfi «ne schwere Zeit für ihn, dem» jetzt galt eS, für fich und seine Familie alle die Institutionen zu schaffen, die dem gesetzchtrmm Juden unumgänglich notwendig find. So richtete er eine eigene Synagoge ein und reiste in die Rachbarstäbte, um fich ein "HBO pJD zu verschaffen. Als ihm die« mtt Aufbietung vieler Mühe und Kosten gelungm war, wurde das NV»N TO am ö"nn mffl 'D p"V eingeweiht. Auch ein war angelegt worden, und für die Kinder wurde ein nob als Hauslehrer gewonnen. Ein dürftige waren im eigenUichen Sinne deS Wortes die Freunde deS Hauses) aber nicht nur Arme, sondern auch alle Reismdm, die auf miBD hie tm, fanden bei Kahn'S ein offenes Haus, desonoers damals, als noch der - - -- Jnkein Biffm hatte effm dürfen- Wte die BerhäAntsie in Wittm nun lagen, konnte Samuel Kahn seine Kinder unmöglich in die dortige jüdische Gemeindeschule schicken, und oa begannen nun neue Schwterigkeitm fich ihm in dm Weg zu stellen. Eine Borschule am Gvmnastum gab eS nicht, und daher mußte man die Zuflucht zu einer der christlichen Volksschulen nehmen. Diese jedoch weigertm stch, mtt der Begründung, eS fei eine jüdische Schule am Platze, die Kinder aufzunehmen. Ran würde der Instanzenweg durchgemacht y sowoP die Schuldeputatioid wie die königliche Regierung wkesm -ie. betr. Gesuche äb, bis endlich der damalige Oberpräfident, Herr Fret«rr von Küphoetter, im Gegmjatz zu dm anderen Behörden den Bürgermeister anwtm, die Aufnahme zu veraNlaffm. Doch hierdurch warm die Schwierigkeitm noch lange nicht behovm. Denn die Schullettung wollte daS Gesuch, die Kinder am Sabbat vom Unterricht zu befreien, nicht genehmigen, und abermals wandte fich. Kahn an die verfchiebenm Behörden. Diesmal aber bewilligte der Oberpräfident das Gesuch nicht, und zwar mtt der ~ ~ ' ‘ Unterricht werden. Da Dr. Plato-Köln, Dr. Auerbach-Halberstadt, Dr. HtlöeSheimer-Berltn und G. R. Htrsch-Frankftrrt a. M. und sammette Gutachten darüber, daß der Sabbat, als der höchste Feiertag, am ehesten zu berückfichttgm fei. Diese Gutachtm wurden dem Oberprästdentm vorgelegt, und fie hielten durchschlagenden Erfolg. Diese damalige Entaber darf als Präjudiz geltm für die später von Regierung dm jüdischm Schülern ertellte Erlaubnis, dem Unterricht am Sabbat fern %u bleiben. Das f I erzielten Uct® hatte, um feinen heiligsten BerpfliOungm in bezug auf masn .rmn gerecht werbm zu Httnat, fo schloß er fich der GefamtWt wieder a«, wem» es galt, den äußeren IS*'» totoT tn . f z« aüfträt^ ruu die äußeren AlS eju «gifchmShen da war dw Set WM tttkll ffflHBIfitf HM EMMM tm Erklärung, die YM dm des Fkintzech beSBeretzch war jö" großer, verettette. Samuel war ein für die jüdischen Jntereffen Vorstandsmitglied dieser Körperschaft. In feinen' Jahren aber erwachte die S< " '" feinen Lebensabend tn einer er unter GefimumgSgmoffm weilen könnte, dem alten unverfälschten Judentum mtt Treue anbinc und so fiedelte er denn nach 5kvln über. So glückttch er aber fich hier fühlte, ganz seinm teueren Grm maß lebm zu könnm, bm Zusammmhang mtt der < verlor er nicht. Der von ihm mttbegründete west Berein nahm sein volles Jnterefle in Anspruch, und je mehr dieser fich ausbreitete, um so glücklicher sü^ie fich derjmige, der als der erste in Westfalen der Reform eine Stätte wahrer Gottesverehrung und begeisterter Andachd aegmübergestellt hatte. — Als Anberckm an die Heimat hatte stch Kahn auch in Köln seine Privatsynagoge eingerichtet. Hier war ihm der ttmste Aufenthatt, und hier fand er waHre Eryolmrg und NNVV- Trotz körperlicher Leiden warb ihm in dm letzvm LebmSjcchrm die ceude beschertzu fehemwie feine Zktnder stch mtt allem ifer dem Studium der Thora widmeten, mtt voller Hipgebung der jüdischm LebmSpflicht ihre jugendliche Begeisterung Wechten. Während feiner letzt« LeihmchM '.'' ht von LÄem geverehnm Kranken Tage mtt dem Tode p*V ein in dte WÄtm, wo rDV 1^13 ihm beschert und *77^ ihm vom Höchst« bereitet werbm wird. So ist denn ein echter Jehudi, An 21VN VA, besten ganzes Dasein von inniger NAI' erfüllt war, da- HMgeganam. Wer M gebMtt hatte, nmtzte von Hochachtung für seine glühende Glau ~ GlanbmStreue erfftttt werden. achtuna für . ...... _ Dwge denn der Name Samuel 5kahn von allm gefetztreum gehaltm werbm, und jeder tt» febfcor streb«, wte der mnnnehr mutig für die heilige Fahne der kämpft hat, dann wird eS wohl bestellt fein mtt per scheu Sache und ein glückliches Geschlecht wird daS Wtrkm der Bäter einst segnen. iV'-wnrv Franks apt a- M , 2. März. Am 1. S Herr Jakob Schüler da» Jubiläum seiner Tätigkeit als ppi des hiefigm Minjanveretns. Nachfolger seines BaterS Enfel Michael Schüler für dm er dieses Amt schon bei Lebzeitm dessttbm in uneigennütziger Weise Vorsatz, überncchm er eS erst felbstSndtg «ach drffm Tode im Jahre 1682. In dieser- Uürkte er mtt seltener Pflichttret« fö däß eS nicht zum wenigsten seinem schreiben ist, doch fich der Berein zu seiner hmtigm »mb Bedeutung — er zählt nahezu 1500 Mttglieber — entwickeln konnte. Möge eS dem Jubilar vergönnt fein, noch eine lai»ge Reihe von Jahren in gleicher RÄstigkett dem Beredte feine Kräfte weihen |u Vdmm. Oberaula, Rbz. Caffel, 25, Febr. Der gestrige Tag war fär die hiefige Gemeinde ein Freudentw ging fie doch an demfewm das 50jährige Dtmstjuk ihres Lehrers MoseS BrandeS. Die offizime fand Montag Mittag zunächst tn dem festlich geschmückbm Schulztmmer, der geistigen Werkstätte deS fötpenUfi und geistig rüstig« Jubilars währmb der letzte» 33 'Jühre, statt. An berfelvm «ahnten der Herr SreiSlandrat, der »err OrtSfchulinfpektor (als Vertreter der Ec' ' in dem dicht besetzt« kein« chwertzell äuS Ztegmhain von Sr. Majestät dem Könige allermädiM VerltehewM Adler der Inhaber des Hohenzollernschm HauSrftdms mtt der Zahl 50 an. Herr Pfarrer Schucharo würdigte dm Fleiß »Md das Lehrgefchtck beZ Jubilars, Herr Prov.- Rabb. Dr. Munk-Marburg sprach den Dank de» Vorsteheramtes aus für die Verdienste, die sich der Gefeierte um die religiöse Unterweisuug der Klein« und. Großm in Schule und Gotteshaus erworben rmd übergab namens der genannten Behörde ein Geschenk, deck er als p, ltche Gabe ein litterartfcheS Werk htnzufügte. Im trage de» HauptauSfchuffeS' deS Hesstjchm Provtt lehrervereinS überbrachte der hochvetagir Herr Gutkckb anS Taste! Gruß und Glückwunschfchretbm. Als Borfitzender deS Bezirkslehrerv ereinL überreichte Herr Lehrer Wolf au) Schorbach ein« auf dm Lchverbemf paffmbm Holzstich. Herr Lehrer Amram-Bockm, der Borfitzmbe der Israel. Lehrerkonfermz Heffench würdigte den Jubilar als Mitbegründer dieser Bereiniwmg, als eines ihrer rührtgsten Mitglieder und als eifrig« Verfechter ihrer geistigen und materiell« Interest« und übergab alS Angebinde der jüdischm Lehrerschaft ein schönes vii«-Gervice. Zum Schluffe sprach der Gemeckdeätteste Herr Wallach den Dank der Gemeinde für die allzett gewlffmtzaste Amtsführung des Jubilars aus. Im Anschlüsse an die Gratulattonskur fand ein Festgottesdienst, sowie ein Festessen statt. Möge de« Jubilar, der bald tn bm wohlverdimt« Ruhestand treten wird, ein heiterer Lebensabend beschiedm sein. gungs-Gefells