Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1908)
- Date
- 1908-03-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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mm i». Der Israelit: L Mik» WSÜ. WMeftr Gelegenheit wieder bewähren wird. Das *^1 um so mehr angenommen werden, als ja ib« etwaiger Säkularisierung der konfessionellen Wschulen ein eigener jüdischer Religtonsunter- Wht auf Kosten der jMschen Gemeinden einge- Whtet werden müßte, der nicht viel billiger wäre i-M der nach Abzug des StaatSzuschuffes für die BvstSfchulen noch zu erschwingende Kostenbetrag suHnacht. ——-—~ London, 26. Januar. Im Englischen Unterhaus teilte der Staatssekretär des Innern mit, daß sie Einbringung eines Sonntagsruhe-Gesetzes für die laufende Session nicht mehr zu erwarten ist Frankreich. Paris, 21. Februar. Das Trennungsgesetz, dem sich die Protestanten und die Juden bisher in Ruhe und Frieden gefügt haben, zeitigte nachträglich hoch noch einen Haken, an dem auch die nichtkachylischen Religionsgemeinschaften Anstoß NBWen. Es bandelt sich um die von der Regivküng beabsichtigte Liquidierung der Konlregationspäter die zu einem gemeinsamen strottste h^r „Gläubigen aller Religionen" führen ^« scheint, von dem sich auch die Juden «SMießen. In einer Zuschrift an den )" vom 20. Febr. erklärt Herr Granö- M MoseS Netter/ daß auch die Juden von ,, ,za Gesetze hart betroffen würden, ickery Folge dieses Gesetzes — führt Herr . Nehher u-ra. aus — würde die sein, daß reich Wr noch mehr gespalten, der soziale Ittr nÄh mehr.gestört und eine Versöhnung den Franzosen Hintertrieben würde und Mich durch dieses Gesetz ^für jedes künflttentat gegen diejenigen Prinzipien und Mchte ein -Prüzedens geschaffen würde, welche biShervön der ganzen zivilisierten Welt als heilig und «naNtastbar gehalten wurden." Wir haben eS hitr also — bemerkt dazu Julie de Narfon im „Figaro" — mit einem Block der Gläubigen -Oer Räigionen zu tum Ich nannte die ProtestkUÄtzebung der Protestanten „eine Lektton, ein Epempel". Man wird zugeben müffen, daß die Wslünonahme der Protestanten durch den wundervollen Protest der Juden, vervollständigt, eine Bedeutung und/ ein Gewicht erhält, das weder die RraiSttMtz noch der Senat wird recht jgno? man fönnett Palästina. Jerusalem, 1. Febr. Die Provinz „Galix Haeljon" liegt in einer der fruchtbarsten Ge genden des Landes. Trotzdem ist der Handeldasikbst wenig entwickelt, weil die Provinz von dL« Weltverkehr ganz abgeschnitten ist und weder dstrch Straßen noch durch eine Eisenbahn mit tickten verbunden ist. Nun yat sich entfchloffen, diese überaus fruchte mit der Eisenbahnlinie Haifazu verbinden. ES wurden bereits die Pläne für eine Chaussee von Liberias bis Safed ausgearbeitet. Der Ursprung dieser Pläne reicht auf mehrere Jahre zurück. Damals nahm ein Regierungsingenienr die ersten Meffungen vor. Die Administration der Ica benutzte die Gelegenheit nnd bswM den Ingenieur die Landstraße über die Wische Kolonie zu projektteren. Nachdem dieses Projekt die Genehmigung der Regierung erlangt hatte, wurde jüngst der Straßenbau im Offertwege vergeben. Mit dem Baue wurde breits begonnen. Der Bollendungstermin wurde auf ein Jahr festgesetzt. Die Fabrik „Assid" in Haifa, die bekanntlich zu dem Zwecke gegründet wurde, um die Industrie unter den Juden in Palästina zu verbreiten und jüdischen Arbeitern Arbeitsgelegenheit zu schaffen, hat bereits ihre ersten Produkte auf den Markt gebracht. Die Fabrik erzeugt Seife in den verschiedensten Sorten. Die gewöhnliche Ware findet im Lande guten Absatz. Bisher wurde hauptsächlich Seife der Nabluser Fabrik gekauft, die jährlich für einige Millionen . Fymken Ware erzeugt und sowohl im Lande wie i yrrch in Egypten absetzt. Die Erzeugnisse der Fabrik „Affid" haben sich rasch den Markt erobert. Gegenwärtig finden dreißig jüdische Familien ständige und lohnende Arbeit in dieser jüdischen Seifenfabrik. Amerika New-Aark, 13. Februar. Bor kurzem hat der Staatssekretär Root ein Zirkular erlaffen, in dem er darauf aufmerksam macht, daß die russische Regierung keine amerikanischen Juden, einerlei ob sie früher russische Untertanen waren oder nicht, nach Rußland zulaffe, sofern sie nicht vorher eine besondere Erlaubnis von-er russischen Regierung erlangt hätten. Infolgedessen werbe die Amerikanische Regierung stüheren russischen Juden, wAche nach Rußland zu gehen beabsichtigen, keine Pässe mehr ausstellen. Das amerikanischjüdische Komitee protestierte gegen diesen Erlaß, weil er eine Demütigung für das amerikanische Selbstgefühl und eine Anerkennung der russischen Willkür bedeute. Der Protest hatte in der Tat zur Folge, daß der Präsident Roosevelt die Zurückziehung dieses Erlasses verfügte. Aufklärend wurde feitendes Staatssekretärs bemerkt, daß ein Naturalisations-Vertrag zwischen Amerika und Rußland nicht bestehe, sooaß ein naturalisierter Bürger der Bereinigten Staaten, sobald er nach Rußland zürückkehrt, russischen Gesetzen unterworfen ist. Die Ausstellung eines amerikanischen Paffes würde unter solchen Umständen lediglich eine verhängnisvolle Täuschung des Inhabers bedeuten, der sich durch ein Dokument geschützt glaubt, das mm in Rußland nicht das geringste nützt. Der Erlaß wird also derart umgeändert, daß er dasselbe besagt wie vorher, aber die Erwähnung beS Wortes „Jude" unterläßt venmrchter. lassen und. ist diese in hohem Matze ec** Frank furt «. M., 5. März. Mit bem 1. März hat btic bisherige verantwortliche Redakteur unseres Blattes, Herr Dr. Julius Lorsch, infolge seiner Berufung tn ein cmdereS Amt, die Führung der Redaktronsgeschafte niedergelegt. Herr Dr. Lorsch wird auch innerhalb seines neum WtrkunMreiseS dem RedalttonSvervande unseres Blattetvetter Wgehüren. Die verantworttiche Leitung liegt nunmehr tn den Händen des Herrn S. Schachnowitz, der unfern Lestm a S Mitarbeiter deS „Israelis seit langem bekannt ist. Frankfurt a. M., 28. Februar. In der Sitzung des Ausschusses der Israelitischen Gemeinde wurde gestern doÄ neue Anstellungs- und Pensions-Regulativ für die Gen^tziudebeamten beraten und genehmigt. Nach-Hem neuen Regulativ gelten sämtliche Beamten nach zehnjähriger Dienstzeit als lebenslänglich angestellt. Nach Maßgabe der stzr die preußischen Staatsbeamten. geltenden Bestimmungen werden die PensionsverhältMsse und dse Fürsorge für Witwen und Waisen gerWlt. Die Rabbiner müssen mindestens eine Pension von 3000 Mk. erhalten. Die Beamten rücken alle dtzei Jahre in eine höhere Gehaltsklqsse ein. Bei MviiAigee Führung kann die Entlassung erfolgen» Mr jpe ist aber mindestens eine Zweidrittel-Mehrheif^des Bestandes und Ausschusses Hamburg, 28. Febr. In der bochdeutschen Israelitischen Gemeinde fand am 37 Februar die Wahl eines Mitgliedes deS Vorstände»und Sie eil es MUgltedrS des Repräsentationskollegiums statt. Gewählt wurde in den Borstand Herr Amtsrichter Dr. Oppmheimer und in taS RepräfentationSkollegium Herr I. Goldschmidt. Hannover, 20. Febr. Folgende Mitteilung dürste für junge Leute, die sich dem Studium der technischen Wissenschaften widmen wollen, von Interesse sein. Hier besteht seit nahezu 40 Jahren eine „Stiftung zur Erinnerung an weiland Loeser Rosenthal und seine Ehefrau Sophie geb. Blumenthal" zur Unterstützung von Studierenden der Technischen H ichschule in Hannover. Diese Stiftung ist znm Andenken an den bekannten Gelehrten und Begründer der nach ihm benannten Bibliothek von seinem Sohne, dem Baron Georg von Rosenthal in Amsterdam begründet werden und wird von einem Kuratorium verwaltet, das aus dem Landrabbiner, hem Rektor der Tichnischen Hochschule und zwei Mitgliedern der Synagogengemeinde besteht. Dieselbe gewährt drei Stipendien von ej 600 Mark und haben nach den Statuten zunächst darauf Studierende Anspruch, die aus der Familie des Stifters stammen und der jüdischen Religion angehören, ohne Rücksicht auf ihren Heimatsort; sodann Studierende aus der Synag ogengemeinde Hannover oder einer anderen Synagogengemeinde der Provinz Hannover, und endlich Studierende ohne Unterschied der Konfession, zunächst aus der Stabt Hannover, sod-nn dann auch aus änderen Orten der Provinz Hannover. Her Stifter hat . mitdieser Stiftung die Mftcht ge- [ hübt, MaubensstpnosM aus seiner Heimatprobinz zu I dem Studium der technischen Wissenschaften zu veran- I 8 reicht worden. Indessen hat es in^letzter Zett ' spirant« an jüdischen Aspiranten aus der Provinz Hannover gefehlt und hat deshalb neuerdings der Bmcon von Rokenthal sich entschlossen, die Bestimnmng über Berechtigung zu einen Stipendium ev. auch aus die jüdischen Studierenden dos Deutschen Reiches übevhaupt auszudehnen. Unerläßlich ist aber, daß dieselben ihre Studien an der Technischen Hochschule zu Hannover ablegen. Zwei Stipendien werden im Oktober, das dritte im April vergeben und sind Gesuche an den »Besitzenden, Landrabbiner Dr. Gronemann, einzureichen. Bits««. 24. Febr. Die Babekommisfion hat dm Antrag deS Badeverrins, das Bgb als deutsches Bad in i den Prospetten zu bezeichnen, um jüdische Gäste fernzuhalten, abgelehnt. PirmaseuS, 24. Febr. Die Stadtverwaltung ist tn bem Prozeß mtt der iSraeltttschen Kultu' wegen deS neben dem jetzigen israelitischen Äeit Terrains gestern vor bem Lanbgert unterlegen. GtrmÄinU, 27. Febr. Für den Bau einer Synagoge in Straubing ist eine Geldstunmbmg in den bayrischen Gemeinden von der Reglenmg genehmigt worben. WteU,22.Febr. Das an isemitische „Deutsche BolkSblatt" meldete om 18. Februar unter der Spitzmarke „Taufe eines Juden": Im Krankeusaale der Abteilung deS Primarius Dr. Pal wurde gestern der, schwerkranke Privatbeamte Rosenzweig getauft. — Wie die öftere. Wochmfchrtsterfährt, hat Rofenzwetg, nachdem er im Krankenhause getauft wordm war, dem Wiener Rabbinatestrotz seines schwerkrqnken Zustandes den schriMchen kommen lassen, wieder Jude zu werden und auf dem jüdischen Friedhöfe zpr ewigen / Gin' in daS Krankenhaus entfqsheter Vertreter binateS nahm in Gegenwart zweier Seimen i in die jüdische Gemeinde wieder auf, worauf auch die Abmeldung aus bem Ebristentume beim Mirnlstrate erfolgte. Trotzdem trug der Totenschein deS bald darauf verstorbenen Rosenzweig den Vermerk, daß der Berstorbene „katholisch" gewesen sei, so, daß seine Beerdigung nach! katholischem Ritus angeordnet wmde. Erst infolge des energischen Dazwischentretens der Berwanbten Rosenzweigs wurde der Leichnam den Verwandten ausgefolgt imd am vergangenen Sonntag VormMag auf der iSraelMscheu Abteilung des ZentralsriebhofeS nach jüdischem Ritt» zu Grabe gettagen. — Aehnliche Fälle, die in der jüngsten Sitzung des Wiener jüdischen KultusdorstanbS erörtert, wurden, kommen im Währinger „Hause der Barmherzigkeit" vor. Man macht dort an jüdischen Kranken beharrNche Bekehrungsversuche. Der »ultusprästdent wurde aufgefordert, hiergegen die nötigen Vorkehrungen zu treffen. RikoiSburg, l. März. Am 12 Adar 1L30 wurde der weltberühmte Landesravbiner Mordechai Ben et in Nikolsburg begraben. Um das Andenken diesegroßen Gelehrten, der sein ganze- Lebm dem Studium der jüdischen Wjsienfchasten und rqbbmischen Philosophie geweiht und sich den Ruf eines ..Gaon olam" in der talmudischen Welt erworben hatte, zu ehren, hat eS stch die hiesige Chewra Kadischa im Vereine mit der RllolSVurger israelischen 5kullusgemeinbe zur r ufgave gemacht, den im Laufe der Jahre Vera ttterten Grabstein durch einen 'würdigen Grabschmuck zu ersetzen. Die Dt diesem Zwecke veranstalteten Sammlungen ergaben ßengewünschten Erfolg und so konnte zur Herstellung eines neuen prächttgen Marmor-Denksteines geschritten werden, dessen feierliche Enthüllung in der zweiten Nachmittagsstunde oeS 15. 1908, b. i. üest'IL Adar Scheut 5668, vollzogen werden wirb. Dieses fichtbare Zeichen der Dankbarkeit und Berehrung für Rabbi Mordechat Benet hochsel. Andenkens, welcher nicht nur von seinen jüdischen Brüdern, sondern auch vo» bedeutenden NtchrstibkN verehrt, «schätzt und gewürdigt wurde, wird fichertich überall ein nhönes Echo find«» ruck wird ja in, übr^stn auch die Bettiltauna an der Enthüllungsfeier zur Genüge zeigen, wie die Nachwelt das Andenken dieses „Großen" ehrt.. Petersburg, 28. Febr. Die „Hochschule für jüdische Wissenschaft" ist vor einigen Tagen von Baron Günzburg in Gegenwart einer großm Zahl von Petersburger Notablen eröffnet worden. Leiber dürfte die wahre judi'che Wissenschaft, bas Studium deS jüdischen Gesetzes als GotteSlehre, von dieses Hochschule wenig zu hoffen haben. Bukarest, 27. Febr. Die Dichterköntgtn von Rumänim (Carmen Silva), die neben der Dichtkimst auch noch große und kleine Hilfswerke mit Borlteve betreibt, versteht es auch auf KMberherzm einzuwirken. Das achtjährige Töchterchen eines jüdischen lkaufmanns in Rachob Übersandte, wie österreichische Blätter melden, ihr aus ihrer Sparkaffe 5 Kr. für die Notleidenden und erhielt darauf ei, e eigenhändig geschriebene Karte der Königin mit folgendem schönen Inhalte: „Mein liebes Kind! Wenn ich etwas ganz Großes will, dann bitte ich den lieben Gott. Wenn ich aber von kleinen Heuten Hilfe haben will, — beim viel Wenig macht ein Biel! — dann sage ich'S den Bergmännchen. Und die gehen bet Nacht und flüstern den Kindern zu: Helft, helft, helft t und wir wollen Euch froh machm! Und jedesmal helfen die Klein«». — Gestern bekam ich die Nachricht^ vast eine Mutter gestorben ist, die vier blinde Waisen zurück» läßt! Ich tafo sie sofort kommen, denn Hufe kommt ' mir sicher. Ich Hab's schon Len Bergmännchen gesagt. Tausend Dank und Segen Dir. Elisabeth." . i>>*- „ :.>v