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Der Israelit · 1908-03-05 · Heft 10 (5.3.1908) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 10 (5.3.1908)
Date
1908-03-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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SÄe 4. «r. 10 der während der hinter uns liegenden Konfliktsperiode wiederholt von geschätzter Seite (Bgl. Deutsche Israelitische Zeitung Nr. 28 und 29 vom 11. und 18. Juli 1907) als empfehlenswerte Lösung vorgeschlagen wurde und der dahin ging, daß unseren Schmerzen wieder auf dem Wege einer „interpretierenden" Ministerialentschließung abgeholfen werden könne. Dieses Palliativmittel liegt ja nahe, zumal es keinen großen Schwierigkeiten begegnen dürfte, die Grundgedanken, der jetzt zwischen den Majoritäten und den Minoritäten in München und Nürberg getroffenen Vereinbarungen in eine neuerliche Normativ-Entschließung alsJnterpretation zu Artikel 24 des Judendiktes juristisch zusammenpressen und an die Kreisregierungen mit der Weisung hinauszugeben, allüberall, wo ähnliche religiöse Zwistigkeiten anftauchen, auf die Lösung des Konflikts an Hand dieser Leitsätze bedacht zu sein. Und doch können trotz aller Kautelen, die die Ministerialentschließung vom 29. Juni 1863 für das „auf der Offenbarung ruhende mosaische Religionssystem" enthält, auch von orthodoxer Seite die lwhaftesten Bedenken nicht dagegen unterdrückt werden, daß von Neuem dieser Weg beschriiien werde. Zunächst dürfen auch wir, Orthodoxe, uns nicht der Erkenntnis verschließen, daß unabhängig von den Zwistigkeiten und Dissonanzen, welche durch die Spaltung der Judenheit in Orchodoxie und Neologie nun mal entstanden fiyb auch alle anderen, auf dem Papier noch giltigen Paragraphen des Edikts, insbesondere jene betreffs der zur Bildung der Kultusgemeinde erforderlichen Voraussetzungen und des Selbstbesteuerungsrechts der Gemeinden förmlich nach einer Klarstellung schreien, wenn anders die einschlägige Rechtsprechung nicht auch weiterhin zwischen Gewohnheitsrecht und Ministerialentschließungen ängstlich hindurchlavieren soll. Kein Jurist wird sich dafür begeistern können, daß von Neuem „erläuternde" Normen und Verordnungen dem Text der ursprünglichen, wenn auch veralteten Rechtsquelle Gewalt antun und daß die Judikatur des Berwaltungsgerichtshofes immer und immer wieder auf Ministerialentschließungen basiert, deren rechtliche Unterlagen zum Mindesten sehr problematischer Natur sind. Ein vollständig abgetragenes, im Laufe der Jahre aus der Mode gekommmenes und verschossenes Kleid wird dadurch nicht modern, daß man überall dort, wo sich infolge des ehrwürdigen Alters dieses Garderobestückes ein drohender Riß im Gewebe zeigt, rasch wieder einen Fleck aufväht, der die schadhafte Stelle nochmals flicken soll, ganz abgesehen davon, daß im vorliegenden Falle der passende Fleck nur schwer gefunden werden kann, der die jetzt als reparaturbedürftig erkannte Stelle des amt anzutreten. Seine Mitbürger und Freunde gaben ihm bis zum .Bahnhöfe das lsteteite. Lincoln war ob diesem Zeichen der Sympathie seiner Landsleute tief ergriffen und richtete an sie einige Abschiedsworte, in denen er sie bat, für ihn zu beten, auf saß ihm die göttliche Hilfe zuteil iverde, nin fein verantwort unggsvolles Amt mit Erfolg führen zu können. Bor seiner Abreise aus L-pringfield erhielt er von dem Chicagoer Kommunalbeamten, Abraham stöhn, ein kunstvoll ansgeführtes Bild, das die Fahne der Union darstellte, und in ihren Feldern eine hebräisch? Inschrift turg. Es waren dies die Verse 4 und 9 des ersten Kapitels aus dem Buche Josua, in ivelchem diesem oie Führung über das ganze Land aufgetragen wird: „Habe ich dir cs nicht besohlen? Sei stark und lasse Mut; fürchte nicht nitd sei nicht nrntlos; denn der Ewige, dein Gott, ist mit dir, wohin du.dich auch wenden mögest." Präsident Lincoln hat dieses sinnige Geschenk des Abraham Kohn hochgeschätzt und daran, wie an ein Heiligtum geglaubt. Ter Vorgänger Roosevelts, Mae Kinley, hat in einer Gedenkrede auf Lincoln dieser hübschen Episode aus dem Leben des grasten Präsidenten gedacht. «Fälschung von Nahrungsmitteln.- Es ist im allgemeinen und speziell beim Herannahen des Pesachfestes recht wichtig, zu erfahren, dast Milch, Butter, Honig, Gewürze, Kaffee, Kakao und Tee mit den verschiedensten Mischungen und Fälschungen verkommen. Tie Mrlch wird durch Wasser verdünn», dann die Entrahmung od r beides kombiniert. Zur Verdeckung dieser Manipulation werden öfters fremde Stoffe, als Kreide, Gips, Tcxtrin usw. zugesetzt: außerdem kommt noch als Hauptsache noch Chalof temcah in Betracht. Btltter erfreut sich besonderer Berücksichtigung der Fälscher. Hier sind Zusätze von Der ASraeltt gesetzgeberischen Gewandes vollkommen decken würde. Auf den ersten Blick erscheint ja allerdings der Erlaß einer neuen Ministerialentschließung, die es den neologen Großgemeinden von Oberaufsichtswegen zur Pflicht macht, einen „orthodoxen Gemeinderabbiner" anzustellen, einen orthodoxen Gottesdienst von Gemeindew. gen einzurichten und die gemeindlichen Ritualinstitutionen „in streng orthodoxem Sinne" zu erhalten, nur als das logische Korrelat zu den Ziffern 3 und 4 der Ministerialentschließung vom 29. Juni 1863) man darf sich aber keiner Täuschung darüber hingeben, daß durch eine solche Nornkativentschließung den Verwaltungsbehörden das Mandat übertragen würde, über die Kriterien der Rechtgläubigkeit im Judentum zu wachen und instanziell darüber zu befinden, ob dieser oder jener Rabbiner oder Rabbinatsassessor als orthodox, ob diese oder jene Gemeindeinstitution als den religionsgesetzlichen Vorschriften des Schulchan Aruch entsprechend erklärt werden kann. Wird die Staatsregierung auch in Zukunft gewillt sein, ein solches Mandat anzunehmen, das sie verpflichtet, im Konfliktssalle über Interna der religiösen Satzungen des Judentums Recht zu sprechen? Und selbst wenn der Staat diese weitgehendenBefugniffezu übernehmen geneigt wäre, so kann ufts, den Anhängern , der orthodoxen Richtung, schwerlich wohl bei dem Gedanken werden, daß das Schwergewicht unseres Einflusses in den Gemeinden in dem Momente eine Einbuße erleidet, wo der Staat vielleicht infolge einer anderen politischen Konstellation in Bayern einmal nicht mehr seine moralische Unterstützung der gesetzestreuen Richtung innerhalb der Judenheit zu teil werden läßt. Auf die Gefayr hin, ob dieses Ketzertums von zahlreichen Glaubensgenossen, namentlich in Unterfranken, angegriffen zu werden, wage ich den Satz auszusprechen: Ein orthodoxes Staatsjudentum, ein Judentum, bei welchem die Regierung als Oberkuratelbehörde ängstlich den traditionnellen Charakter unserer religiösen Einrichtungen beschützt und bewacht, erscheint nicht nur vom liberalen Gesichtswinkel des Selbstbeftimmungsrechts und der Autonomie der Gemeinden aus' betracht t, sondern auch vom orthodoxen Standpunkte aus als eine Gefahr für die Lehren des sin attischen Judentums. L’Italia farä da se. Die gesetzestreue Richtung muß aus sich, aus ihrer Vergangenheit und Zukunft heraus die Kraft ihrer Existenz ziehen, weil nur ein fester, in dem alten Humus der Tradition wurzelnder Stamm den Stürmen moderner „Fortschritts- und Aufklärungsperioden" zu widerstehen vermag. Orthodoxe Erfolge, die dadurch gezeitigt werden, daß sich der Staat als unser Schirmvogt in die Einzelheiten der Satzungen und der Lehre einmengt, und alsdann zu ihreu Gunsten entscheidet, würden ein Danaergeschenk _5. März 19Q8 bilden und könnten es nimmermehr hindern, daß morsch gewordene Aeste und Zweige abfallen, wenn es aus der Heranwachsenden Generation heraus an frischen Säften gebrechen sollte, die dem alten Stamme neues Lebensmark zuführen. So notwendig und unerläßlich es ist, daß die Staatsregierung Licht und Schatten gleichmäßig verteilt und die Gewissensfreiheit der Minoritäten vor neologer Beeinträchtigung schützt, so wenig sympatisch kann uns der Gedanke berühren, daß auch nach der zukünftigen Revision den Gesetztzgebung der Referent für den israelitischen Kultus im bäuerischer Ministerium für Kirchen- und Schutangelegenheiten als letzte Instanz über die Frage entscheiden soll, ob der Almemor nur in der Mitte der Synagoge auf ge stellt werden oder ob ein Trauernder, der nicht Tephillin gelegt, Kaddisch sagen darf oder nicht. Die Situation, wie sie im Herbste v. Jhrs. ihre Zuspitzung erfahren hatte, wurde in Nro. 438 der Münchener Allgemeinen Zeitung vom 21. September 190? treffend mit dem Satze beleuchtet: „Es mag, von einer höheren Warte aus betrachtet, vom ethischen und religiösen Standpunkt aus bedauerlich erscheinen, daß der Staat es ist, welcher die Oberaufsicht über interne Angelegenheiten der Kirchengesellschaften in Anspruch nimmt und allsübt,' allein jedenfalls ist das Eingreifen des Staates zur Wahrung der Gewissensfreiheit und zur Verhütung von Gewissensbedrückungen der Minorität einer Kirchengesellschaft noch weit begrüßenswerter als der jetzige Zustand, in welchem die gesetzlichen Kultusorgane, das sind die Verwaltungen der Kultusgemeinden, sich eine Alleinherrschaft über die Gewiffen der Gemeindeangehörigen anmaßen, indem sie nur jene Ordnung der religiösen Institutionen als gesetzlich anerkennen, welche ihrem zufälligen Majoritätsbeschluß entspricht." Die letztere Gefahr ein für allemal von den bayerischen Großgemeinden abzuwenden, galt unser nun glücklich zu Ende geführter Kampf,' gemeinsame Aufgabe der beiden Richtungen imJudentum wäre es bei der bevorstehenden Neuregelung der Dinge, den Staat auch von der jetzt bestehenden Kuratelpflicht für die Zukunft zu entbinden. IV. lind damit wären wir zu der Beantwortung der in unserm ersten Artikel aufgeworfenen Frage nach beii inneren Gründen, die uns zu dem Abschluß der Friedensvereinbarungey mit den neologen Majoritäten veranlaßten, gelangt: Pie Weviston des bayerischen Andenedikts tierischen Fetten, Rinds- und Schweinefett, Tdlg und namentlich Margarine besonders beliebt. H o tl i g wird recht hänfig mit Rohrzucker, Melasse, Stärkcsirup Leim und Mehl vermengt und „verbessert". Gewürze, namentlich in Pulverform, erleiden vielfach Verfälschungen, so Gewürznelken und Muskatnüsse. Von letzteren existieren sogar künstliche, aus Muskatbutter, Bruchstücken von Muskatnüssen und erdigen Substanzen bestehend. Im Pfefferpnlver, das sehr viel, gefälscht wird, wird alles m ö g l i ch e, vegetabile Stoffe, Mehl, Brotkrumen, Holz, und Baumrindenmehl, wie auch zur Beschwerung mineralische Stoffe (Gips) mit vermahlen. Bei Kaffee liegt jetzt der Hauptbetrug darin, daß ganz minderwertige Sorten als feinste zu entsprechend hoben Preisen verkauft werden. Anfangs der Wer Jahre, schreibt Prof. Neufels in München, kamen künstliche Kaffeebohnen in den Handel, Nachbildungen roher und gebrannter Bohnen, welche mit Hilfe von Maschinen aus verschiedenen Rohstoffen, Ton, Mehlteig, mit Zusatz voll Kaffeabsall, hergestellt waren. Kakaopnl »er wird oft mit minderwertigen oder wertlosen zur Vermehrung des (Gewichts dienenden Substanzen, wie mit verschiedenen Mehlarten, versetzt. Desgleichen ist der Zusatz von Mehl und Kartoffelstärke zur Chokolade nicht selten. Tee scheint jetzt gegen früher wenig mehr der Verfälschung zu unterliegen; in Rußland ist es vielfach üblich, oen Tee mit schon einmal gebrauchten und getrockneten Blättern zu vermischen. «Heber die eingeborenen Inden in Chinahaben auch die neuesten Entdeckungen von Ueberrcsten einer Shnagoge in Kaifenkfuh keine völlige Klarheit ergeben. Soviel man bis jetzt mit einiger Sicherheit weiß, sind die ersten ,Juden als Flüchtlinge mit dem letzten von Persien flüchtenden Safsaniden Pezdegerd inr Jahre 65l v. d. g. Zr. nach China gekommen, wo sie wohlwollend ausgenommen wurden. Genieinden' mit eigenen Tempeln und Knltusinstitutionen befanden sich zuerst in den Städten Singom, Kaifeng, Hangfu, und Kanton. Doch waren diese Gemeinschaften nicht stark genug, um den Einflüssen der Assimilation für die Tauer zu widerstehen. Mit den Namen und Lebensgewohnheiten nahmen sie nach und nach auch die Religion der Chinesen - die Lehre des Confuzius — an und gingen bald in den unzähligen Millionen ihrer chinesischen Umgebung unter. Einzig von der Synagoge in Kaifenkuh finden wir in der Beschreibung des Paters Gozanr einige nähere Bezeichnungen, selbst Zeichnungen der mutmaßlichen Grundrisse, welche dann dem späteren. Jerome Tober als Material für sein interessantes Buch über die Juden in China dienten, lieber dem Portal der Synagoge prangten die Worte: „Ehre den Himmel und bete für das Reist:". Tie aridereil Sprüche wie: „Das Wesen, oas wir verehren ist ohne Körper und ohne Form" usw. klingen gut jüdisch. Viel mehr ist von den toten Sternresten über diesen dunklen Teil der jüdischen G» schichte nickt zu erfahren. «Rabbi und Spiritist.) Tie jüdische v-emeindc Beth-El in Fortworth (Texas) hielt bisher ihren Gottesdienst in einem Spiritistentempel, dem Eigenlum tir.cs eifrigen Vertreters des Spiritismus, ab. Ta aber der Rabbiner der Gemeinde ein Gegner spiritistischer Bestrebungen ist, so hat der Besitzer des Hauses ihr numnehr das Ultimatum gestellt, entweder den Rabbiner zu entlassen, oder aus seinem Hause auszuzichen. Tie Gemeinde hat sich für die letztere Alternative entschieden. m

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