Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1908)
- Date
- 1908-03-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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s. März 1908. v v . - gemeinsamen Eintreten für ihre Ueberzeugungen als „wenig bekannte Persönlichkeiten" kennzeichnen wollte, daß er ihren Zusammenschluß zur Wahrung ihrer eigensten Glaubensangelegenheiten als „Angriff aus die Landessynagoge und ihre geordneten Organe" zu stigmatisieren — das Flugblatt der „Liberalen" würde sagen, zu denunzieren — für gut befand, so müffen wir es jetzt bedauern und aufs tiefste beklagen, daß auch die Obcrratspartei, die sich eine „liberale" zu nennen beliebt, nicht im entferntesten die Fähigkeit oder den Willen besitzt, den Standpunkt anders Denkender oder anderes Glaubender irgend zu begreifen. Meinen also die Herren der „Liberalen Vereinigung" wirklich, daß das Wahlbureau nur um sich Gelder zu verschaffen ihre oberste Religionsbehörde unjüdischer Bestrebungen beschuldigt habe? Sind sie nicht tolerant genug, oder fehlt ihnen die Weite des Gesichtskreises, um sich in die gekränkten Herzen ihrer orthodoxen Mitbrüder hineinzudenken, um mit ihnen den Schmerz über die Verletzung ihrer heiligsten Empfindungen zu fühlen? Oder sind die Herren dieser jungen „liberalen Vereinigung" noch zu wenig vertraut mit den Vorgängen der letzten Jahre, um zu wissen, daß die Macht des Oberrats mit seinem Elfer für die Sache des Reformjudentums die religiöse Minderheit zurückdrängt und ihnen immer weniger Betätigungsfreiheit einräumen will? Kann es anders sein als Unkenntnis der Tatsachen, wenn die Herren Liberalen behaupten, daß der Oberrat den Aufschrei der gekränkten Orthodoxen mit „sachlichen Widerlegungen in seinem „„Verordnungsblatt"" erwidert habe? Hat nicht der Oberrat vielmehr noch in einem seiner jüngsten „Verordnungsblätter" in so breiter Ausführlichkeit nachzuweisen versucht, wie die Orthodoxie in allen Ländern — da war auf einmal die Schranke nm das badische Judentum gefallen — in den letzten Zügen liege, daß man es ihm nur zu deutlich anmerken konnte, wie gern er ihr den Todesstoß versetzen würde? Ist es da nicht berechtigt, wenn die Otthodoxen behaupten, daß der Oberrat in dem nichtamtlichen Teil des „Verordnungsblattes", dessen Kosten aber auch aus den allgemeinen Steuern, mithin auch aus den Steuergroschen der Orthodoxen bestritten werden, seine Sache gegen die Orthodoxen führe? Ist es da nicht berechtigt, darauf hinzuweisen, daß der Oberrat kostenlos diese „Verordnungsblätter" durch die ihm unterstehenden Organe, die Syuagogenräte, verteilen läßt, während das Wahlbureau Tausende allein für Porti zu bestreiten hat? Es hätte den sieben Kausteuten in Gerneinschaft mit den beiden Rechtsanwälten, welche die liberale Vereinigung provisorisch leiten, eigentlich gelingen müssen, selbst auszurechnen, daß „eine ständnis für die Schönheit der alten hebräischen Poesie abgeht, nahe gebracht zu haben. *) Wer wollte z. B. nicht in das nnJi« '1 tPDJ einstimmen, das Hirschfeld wie folgt wiedergiebt. „Ob sich die Seele beugt in Gram und Schmerz, Des Sabbats Ruhe hebt sie himmelwärts. Und Lust und Frohsinn glühen durch das Herz. Floß Manna ntcht am Sabbatsest Dem Volk, das Gott nicht schutzlos läßt. So fand es doch des Sabbats Labe In jenes Kornes reicher Habe, Die bergend es bewahrt als heil'gen Rest. Die Pflichten, die der Sabbat auferlegt. Die einst der Herr bei Mara festgeprägt. Sie sind wie Felsen, die ein Haar nur trägt. Und wer in Ehren treu sie hält, Der erbt als lohnenden Entgelt Dereinst in lichter Aetherbläue Den Tag, der ganz nur Sabbatweihe, Im Kreis der sel'gen Scharen jener Welt. Laßt schweigen, laßt verstummen jedes Lied, Wenn dies mein Singen alle Welt durchzieht! Es strömt wie Tau, erquicket das Gemüt. So laßt mir meines Sanges Teil; Das Singen ist mein Los, mein Heil! Zu Herzen nehmt's euch fest und strenge! Gönnt mir des Liedes Krongepränge; Es ist mein höchster Schmuck, Der nimmer feil." *) Die häuslichen Sabbatgesänge. Erklärt und metrisch übersetzt von Dr. L. Hirschfeld, Frankfurt a. M., Verlag von I. Kaussmann. Der Jsratttt. Anzahl Personen" — so paraphrasieren die Herren Liberalen ihre orthodoxen und zionistischen Mitbrüder der Landessynagoge — nicht allein im Stande sein können, diese und alle die anderen großen Unkosten der schon seit vielen Monaten dauernden Aktion zu tragen. Es ist schmerzlich, wenn die Herren auch in diesen ihnen so nahe liegenden Punkten so ganz und gar den guten. Willen vermiffen lassen. Da darf man es gewiß nicht erwarten, daß die Kraft ihrer Seele sie höher zu tragen vermag und ihnen Einblick gewährt in des treuen Juden festgegründete Weltanschauung, wie er von der Ueberzeugung durchdrungen ist, daß nur das jüdische Gesetz es sein kann, welches das Judentum erhält, daß aber ein Werk, das, wie das oberrätliche Gebetbuch nichts mehr aufzuweisen hat von der Verpflichtungskraft der machtvollen Gesetzesvorschriften, den Ruin des Judentums bedeutet, und daß es letzten Endes wie kaum etwas anderes dazu geeignet ist, das Judentum mit Stumpf und Stiel im Lande auszurotten. Während andere Gebetbücher lediglich der häuslichen oder öffentlichen Andacht dienen sollen, will das oberrätliche Reformwerk auch ein Schulbuch sein, ja, sogar „das" Schulbuch der badischen Landessynagoge für den jüdischen Religionsunterricht der Zukunft. Es wird deshalb im Anhänge ein Leitfaden für den systematischen Religionsunterricht gegeben, der den Titel trägt: „Gebote und Lehren". Jedermann wird erwarten, daß hier die Gebote und Lehren des Judentums, sowohl die ethischen, wie die rein gesetzlichen in systematischer Ordnung aufgefühtt werden. Doch wir erleben die fürchterliche Enttäuschung, daß hier nur rein ethische Lehren zusammengefaßt sind, die teilweise in kleinere Abschnitte gegliedert sind. Kein einziges Kapitel aber handelt von einem der jüdischen Fundamentalgesetze, kein Kapitel von dem Jaum Kippur, dem Tage der Versöhnung, kein Kapitel von den Speisegesetzen, kein Kapitel von den Sabbathgesetzen. Ist da unsere Befürchtung nicht gerechtfertigt, daß das jüdische Kind in diesem Religionslehrbuch nichts erfahren wird von der jüdischen Gesetzesreligion, nicht erzogen und nicht gefestigt werden wird in der Erfüllung des Willens seines Schöpfers? Ist es da nicht ein Diplomatenkniff, wenn man es wagt, uns entgegen zu halten, das Sabbathgebot sei in diesem Religionslehrbuch auch behandelt, weil es unter einer Fülle von 243 Zitaten an einer einzige« Stelle in verborgenem Winkel vorübergehende und künstlich verschleierte Erwähnung erfährt. Es erscheint nämlich mit den Worten: „Sechs Tage sollst Du Deine Arbeit tun, am siebenten aber sollst Du ruhen, damit Dein Ochs und Dein Esel ebenfalls ausruhe und auch der Es fällt schwer, Stichproben zu wählen, du wo alles gleich schön und verlockend ist. So sei nur noch der schöne Schluß zitiert: „Wir sind in deiner Arbeit wie Lehmgebilde; Ob leicht, ob schwer die Schuld, vergib' in Milde! Es strömt dein Wort durchs ganze Erdgefilde Von Tag zu Tag und von Nacht zu Nacht." Denkmäler. Berlin, 23. Febr. Anläßlich des Aufrufs zur Errichtung eines Mendelssohn-Denkmals, beit mehrere jüdische Blätter vor kurzem veröffentlicht haben, wird es sicherlich von Interesse sein die jüdische Auffassung dieser Frage aus dem Munde eines Mannes wie Pros. Berliner zil hören, der sich darüber in seiner Sch-rift: „Zur Charakteristik Raschi's" folgendermaßen äußert: „Raschi hat sich darin (sc. in seinen Schriften) ein Denkmal im Sinne jenes talmudischen Anspruches und Rom das Andenken großer Männer nicht anders Ieruschalmt Schekalim 6. II, 5 gesetzt, nWD3 pVlp pN P*nDT |n Qmm ayTifr Zur Zeit, als man in Hellas als durch Denkmäler von Erz und Stein zu verewigen glaubte, gab sich in Palästina eine entgegengesetzte Anschauung in dem jüdischen Lehrsatz kund: Den ausgezeichneten M ä n n e r n des G e i st e s setzt m a n keine Denkmäler. I n ihren Worten, die sie verkündet, ist das Gedächtnis an sie bewahrt. Mehr denn je kranken die Völker der Gegenwart noch an jenem heidnischen Glaubeir, womit sie das Andenken ihrer Eltern zu ehren wähnen, aber anr allerwenigsten dauernd erhalten. Die Lehren großer Männer in Wort und Schrift Sohn Deiner Magd und auch Dein Fremdling sich erholen", also «icht ««Des Savvalhgebotes n>UFtttr sondern als Beleg für „soziale Verantwortlichkeit und Schutz des Schwachen", den Schutz von Magd und Fremdling, für das Gebot der Schonung von Ochs und Esel) so lautet die Ueberschrift des Kapitels! Was soll man nun dazu sagen, wenn angesichts dieser so deutlichen und nicht wegzuleugnenden Tatsache der völligen Vertuschung und Ausmerzung des jüdischen Gesetzes in einer rein systematischen Zusammenstellung jüdischer Gebote und Lehren die „Liberale Vereinigung" die Kühnheit hat, das Wahlbureau der Unwahrheit zu bezichtigen, wenn sie die unglaubliche Vermessenheit besitzt, ihm anzurusen, daß „größere Unwahrheiten noch niemals ausgesprochen worden sind" '; und daß es eben „auf die große Masse derer rechnen, die sich nicht die Mühe geben, das Werk des Oberrats zu prüfen". Wie unendlich viel "• ist doch gerade dem konservativen Wahlbureau i daran gelegen, daß jeder einzelne von der lauteren Wahrheit unserer Behauptungen selbst sich überi. zeugt, von den ttes einschneidenden Veränderungen und Verstümmelungen des Gebetbuches und von dem Religionslehrsystem, das - kaum eine Spur mehr aufweist von dem Gesetze .! unseres Gottes. - ' - ' Das sind die „wertvollsten Bereicherungen" ) und „zeitgemäßen Verbesserungen", deren sich'die Herren Fortschrittler rühmen und sie verstehen | es musterhaft, die ihnen entgegen gehaltenen Gutj achten der ba bischen konservativen Rabbinen | zu verschweigen und gegen die zahlreichen gutachtlichen Aeußerungen hervorragender außerbadischer Rabbinen Schutz zu suchen hinter der chinesischen Mauer der. badischen Landessynagoge, die dick und turmhoch um die ganze 4 badische Judenheit gezogen wird, und die sie ab- . 4 schließen, trennen und scheiden soll von der Juden- } heit des übrigen Deutschland und der gesamten Welt. /. Die Beendigung des Gemeinde' Konflikts von München und Dürnberg. Rückblicke und Ausblicke. Bon Sigmund Fraertkel in München. (Schluß.) III. Um die für die Neuregelung der kirchlichen Verhältnisse in Bayern in Betracht kommenden gesetzgeberischen Möglichkeiten erschöpfend zu behandeln, muß noch ein Ausweg erörtert werden, im Volke zu verbreiten, von ihrem Leben und ihren Taten der Nachwelt zu verkünden, ist sicher mehr wert und wirkt fortdauernder, als dem Zahn der Zeit der Zerstörung oder Vernichtung deS toten Gesteins zu überlassen. Wenden wir diesen Gedanken aus den gefeierten Namen Raschi's an, so dürfen wir mit Recht behaupten: Hätte man für Raschi in seiner Heimatstadt Trohes ein Denkmal von Stein errichtet, so wäre das Tenktnal längst verwittert oder zerbröckelt, Raschi selbst wie sein Heimatgenosse Saint Loup mit seiner Statue vergessen oder zur Fabel geworden. Anders Raschi mit feinem unvergänglichen Denkmal, das er uns init seinen Schriften und mit seiner Schule für alle Zeiten dauernd hinterlassen hat. Noch heute, nach achthundert Jahren, blicken wir zu seiner Lichtgestalt empor, die uns noch immer in voller Lebens- und Geisteskraft erscheint. In seine Schule gehen wir alle, die wir uns mit dem heiligsten Schristtume beschäftigen, noch heutigen Tages, und« forschen in seinen Kommentaren, die uns eine Leuchte sind und blcibetr werden für das höchste Wissensgebiet unseres köstlichen Erbteils." — (Präsident Lineolus hebräische Kahne".) Anläßlich der Jahreswende des Geburtstages des beliebtesten und bedeutendsten Präsidenten der Vereinigten Staaten Amerikas, Mr. Lincoln wird in amerikanischen Blättern eine Episode aus hem Leben des vielgefeierten und hartgeprüften, großen Staatsmannes erzählt, die verdient, auch in europäisch«» jüdischen Blättern festgehalten zu werden. Am 11. Februar 1SH1 — so wird erzählt, — verließ der frrschgvwählte Präsident der Bereinigten Staaten, Mr. Lincoln, in Begleitung einiger seiner Freunde seinen Wohnsitz in Springfeld, Illinois, um sein RegierungSi .■-3 ■ i .1 '■* «j;'iü