Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1908)
- Date
- 1908-02-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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!M^>» «-.«frui .1.1»-"sww-jj,i>, ^Uf^ygyg^gg^gg £rzid(?umj and E»el?rc PiJnojitc^e Beilage nnjlsraelif \ )r ti-W Jüdische Seschichte als Unterrichtsfach jüdischer Zeminarien. Bon Seminarlehrer L. Anfänger in Würzburg. Im Kommentar zu "ittry '"in bemerkt Dr. M. Hirsch V'ST zu Secharjah 9, 14 bezw. 15: „Der Sieg zur Zeit der Makkabäer ist das letzte unmittelbare und sichtbare Eingreifen Gottes in die jüdische Geschichtedann zieht er sich scheinbar zurück, greift nicht offen ein während aller völkergeschichtlichen Stürme Themans. In Wirklichkeit waltet er auch in allen diesen Stürmen unsichtbar schirmend über den Seinen." Das Bewußtsein und die Ueberzeugung von diesem göttlichen Walten über Israels Geschick in uns zu wecken, aus den historischen Erlebnissen der Väter Lehren zu ziehen und Beispiele zu bieten nachahmenswerter wie abschreckender Art, das ist im Allgemeinen die Aufgabe des- Unterrichts in jüdischer Geschichte. Die Behandlung dieses Unterrichtsfaches an jüdischen Seminarien muß aber wesentlich von der an anderen höheren Lehranstalten abweichen, denn der Unterricht in jüdischer Geschichte kann und soll hier Quellenstudium werden. Bequem mag es ja sein, nach irgend einem Leitfaden oder einem Lehrbuch für jüdische Geschichte und Literatur zu unterrichten, aber der Erfolg wird immer ein recht zweifelhafter sein,- der Kopf wird mit einer Fülle von Namen und Werken vollgepropft, die rascher vergeffen als gelernt werden und man würde in genau denselben Fehler verfallen, der anderswo gemacht worden ist. Es gab nämlich eine Zeit — und sie liegt noch nicht so weit hinter uns, — wo man sich besonders in neologen Kreisen von dem ausgedehnten Betrieb der jüdischen Geschichte Wunderdinge versprach. Die Richtigkeit des Göthe'fchen Ausspruchs: „Das Beste an der Geschichte ist die Begeisterung, die sie erregt" war ja über allen Zweifel erhaben, also — so bildete man sich ein — kann man am leichtesten Begeisterung für das Judentum dadurch erwecken, dag man möglichst viel Zeit auf jüdische Geschichte und Literatur verwendet. Die Ernüchterung hlieb nicht ausvon Begeisterung keine Spur, dafür um so mehr Langweile. Man suchte nun den Grund für den Mißerfolg in der Unzulänglichkeit des jugendlichen Verstandes und gründete Literaturvereine für Erwachsene, die zwar eine kurze Zeit, solange der Reiz der Neuheit wirkte, sich einer Scheinblüte erfreuten, die aber auf die Dauer das Publikum nicht zu feffeln vermögen - man kann sich unmöglich für eine Literatur interessieren, die man nicht kennt. ° Man hatte nämlich eine Kleinigkeit vergeffen - man hatte sich gegen die Gruudanforderung eines jeden Unterrichts, gegen das Prinzip der Anschaulichkeit vergangen und Literaturgeschichte gelehrt und Vorträge darüber gehalten, ohne daß Schüler und Erwachsene im besten Fall viel mehr als eben eine Ahnung von der jüdischen Literatur gehabt hätten Nun ist ja die jüdische Geschichte keineswegs ausschließlich Literaturgeschichte, sie predigt vielmehr auf fast jeder Seite einen Heroismus ganz eigener Art, der bei richtiger Behandlung auch Begeisterung erzeugen kann.. Der Anblick heroischer Leiden, wie sie unsere Ahnen für ihre Religion willig ertrugen, besitzt den hohen pädagogischen Wert, die eigene Glaubenstreue zu stärken und zu befestigen. Diese Art von Heroismus, nämlich für seine religiöse Ueberzeugung freudig die schwersten Opfer zu bringen, hat wan aber gerade nicht gewecktdaher der Mißerfolg. So ist für uns der Weg klar vorgezeichnet: wir müssen unsere Schüler in die jüdische Literatur selbst einführen. Diese Methode bietet den großen Vorteil, daß sie verhältnismäßig wenig Zeit beansprucht. Schon jetzt nimmt ^ja der Unterricht in Mischna, Gemarah, Ritual, Pentateuchkommentar usw. einen breiten Raum im Seminar ein. Es bedarf da nur der richtigen Gruppierung und der steten Rücksichtnahme auf unsren Zweck, um die jüdische Geschichte zu einem wirklichen Quellenstudium zu machen. Hier bietet sich uns auch die beste Gelegenheit, unsere Schüler an ein wissenschaftliches Arbeiten zu gewöhnen und ihnen soweit die Beschränktheit der Zeit und der Mittel dies zuläßt, die Lust zu selbständigem Forschen einzuflößenvor allem aber wird er Interesse erregen, und die Selbsttätigkeit fördern, also die wesentlichsten Kennzeichen eines geistbildenden Unterrichts an sich tragen. Vier große Gebiete können ohne viele Mühe erschloffen und unserem Zwecke dienstbar gemacht werden: 1. Mischnah und Gemarah, 2. die Kommentatoren auf diese und auf den Pentateuch, 3. die synagogale Poesie und 4. als schwierigste Partie : die jüdische Religionsphilosophie im Anschluß an Schiurvorträge und den Unterricht in den "imv '">SO. Einige Beispiele dürften zur Aufklärung zweckdienlicher sein, als längere theoretische Erörterungen. Es wäre recht verkehrt, bei der Entwerfung eines Charakter- und Lebensbildes des Patriarchen Hillel salbungsvoll von seinem Lerneifer und seiner Geduld zu erzählenganz anders wirkt es, die betreffenden Quellen Joma 35 b oder Schabbos 30 b selbst Nachlesen zu lassen. Ganz anders prägt sich Hillels Bedeutung für die Erklärungsweise der Schrift ein, wenn, wir einige Spezialfälle z. B. Pesachim 66» „lernen", als wenn wir seine sieben Deutungsregeln einfach aufzählen. Ganz anders wird die Wirkung sein, wenn eine, natürlich recht leichte, halachische Partie des Talmud gelernt und dann durch die Rischonim ddd"i *p arm weiter verfolgt wird, bis sie sich endlich im UV und Schulchan Aruch als wiederfindet, als wenn wir ihn in einem Ritualkompendium nachlernen. Auf diese Weife wird nicht nur eine Menge Literaturkenntuisse angeeignet, sondern die Schüler gewinnen anch die Ueberzeugung, daß im jüdischen Gesetzesleben jede Willkür ausgeschlossen ist, daß die Kette der sinaitischen Ueberlieferung eine festgefügte und auch logisch unangreifbare ist. (Fortsetzung folgt.) Die materielle und soziale Lage der indischen Religionslcbrer ln Aestprenssen. Bon Lehrer Mannheim—Graudenz. II. VI». Jahreseinkommen der Religionslehrer. Von den 38 Religionslehrern beträgt das Gesamteinkommen bei 3 unter 1200 Mark, „ 6 1200—1500 „ „15 1500—2000 „ „ 5 2000—2500 „ „ 4 2500 - 3000 „ „ 3 3000 - 4000 „ „ 2 über 4000 „ VH. Anstellungsverhältnisse. Bon 56 Gemeindebeamten sind 5 lebenslänglich angestellt, 4 besitzen Kontrakt auf 6 Jahre, 3 „ „ „ 5 „ 29 „ „ „ 3 „ 0 „ „ h 1 n 8 überhaupt keinen Kontrakt. Bei 15 Beamten ist eine '/* jährliche, ,/ 10 „ „ „ lt „ „ 19 „ überhaupt keine Kündigungsfrist vorgesehen. VIII. Versorgung. Nur bei 2 Beamten ist kontraktlich eine Pensionszahlung im Alter vereinbart. Reliktenversorgung ist nirgends vorgesehen. 8 Gemeinden haben in den letzten 10 Jahren freiwillig an Emeriten kleinere oder größere Unterstützungen gewärt. Einige Gemeinden haben diese in einer Regung des Mitleids bewilligten Unterstützungen später wieder zurückgezogen und so ad oculam den Wert solcher „Almosen" dargetan. Wir haben bisher nur die Zahlen sprechen lassen uno sie führen eine sehr beredte Spracheversuchen wir nun sie zu deuten. Da ist zunächst .-Vkn,. 4U -■» Jt*' . ... •--- X