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Der Israelit · 1908-02-27 · Heft 9 (27.2.1908) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 9 (27.2.1908)
Date
1908-02-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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»r, S. Lette 8. D« 27, Februar 1208, Der Vorsitzende, Herr Bankdirektor George Marx, Vorstandsmitglied der „Freien Bereinigung", begrüßte die Versammlung mit einem Neberblick über die Entwickelung des Judentums _ im letzten Jahrhundert und wies auf die Notwendigkeit hin, für die Förderung der Interessen des gesetzestreuen Judentums kraftvoll einzutreten. Auch Königsberg besitze eine nicht geringe Zahl gesetzestreuer Juden, und es gelte, diese zu sammeln und für die Ziele der Vereinigung zu gewinnen, Herr Rabbiner Dr. Liebermann erläuterte und begründete diese Ziele in ausführlichen, von warmer Begeisterung getragenen Darlegungen. „Wenn wir auch wissen", so etwa meinte der Redner u. A. aus, „daß Gott uns nicht verläßt, so müssen wir doch den Gefahren, welche der gesetzestreuen Judenheit drohen, entgegenarbeiten. 'nS nwy*? ny." Der Redner berichtete kurz über den Verlauf des Berliner BerbandStages und schloß mit der warmen Mahnung, schon um der Jugend willen sich mit allerKraft in den Dienst unserer heiligen Sache zu stellen. — Reicher Beifall lohnte die Ansprache. Nach einer angeregten Diskussionen welcher die völlige Uebereinstimmung aller Anwesenden hinsichtlich der Bereitwilligkeit, die Ziele der Freien Vereinigung materiell und ideell zu fördern, zu Tage trat, und nachdem die Versammelten ziemlich ausnahmslos sich als Mitglieder eingezeichnet, wurde zur. Leitung der loraten Geschäfte ein Vorstand gewählt bestehend aus den Herren: George Marx, Saul M. R^ binowitz, Rabbiner 1)r. Liebermann, A. Aron, A. I. Lewin und S. Eger. Mit der Bitte, die Bestrebungen der Vereinigung auch in weitere Kreise zu tragen und die Agitation in der Provinz zu unterstützen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. In der Konstituierung der hiesigen Ortsgruppe der Freien Vereinigung ist ein erfreulicher Fortschritt des gesetzestreuen Judentums in Ostpreußen zu erblicken. Hoffentlich schließen sich noch viele Gesinnungsgenossen in 8er Provinz der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums an. Rufen wir ihr daher freudig zu: Tftwn pm. W. Filehne, 17. Febr. Die Kommunalisierung der hiesigen Volksschulen ist von der Aufsichtsbehörde zum 1. April genehmigt worden. Die Kinder der jüdischen Gemeinde, für welche hier eine einklassige Schule besteht, werden in die siebenklassige evangelische Schule ausgenommen. Es ist sehr bedauerlich, daß die jüdische Gemeinde in Filehne auf ihre eigene Volksschule verzichtet hat. Braun schweig, 18. Febr. Dem Landtage ist eine Vorlage betr. Aenderung der Rechtsver- K der jüdischen Gemeinden zugegangen. -alten uns vor,, darüber noch des Näheren zu berichten. Ungarn. Die iööifdien Prtoatgumnafien in Ungar. Broö (ülähren) u. Sforo?yne6 (Bukowina). (Bon unserem Korrespondenten.) Ungarisch Brod, 17. Februar. Die beiden Privatgymnasien, welche Herr Dr. Jung/Rabbiner in Ungar. Brod, daselbst und in Storozynetz mit großen Opfern erhält, beweisen auch der osteuropäischen Judenheit glänzend die Möglichkeit der harmonischen Vereinigung von gründlicher Thcrakenntnis mit profaner Bildung. Der hebräische Lehrstoff, der im vorigen Jahre in diesen Schulen durchgenommen wurde, ist von keiner ähnlichen Anstalt bis heute erreicht worden. So lehrte man in der I. Abteilung: nstp pnpn 'rirwa own oy mm ,0'Vm -m rvmp ,rvn2y2 rvnuy ,-ay .o'3p 11. Abteilung: rroy poy nstr pnp-i /«"ten’ß oy mm "N 'do 0'3'N ,o^nn ,'"22 nvnp ,ri'i2y2 .2"' iy «Brno omDS 'dü; IU. Abteilung: iv*oy ,"oy nsr pnpn p'cn'S oy mm DTIDIS '03 /mn' "kl 'DD 0'3P ,N">2y2 ,K"BnnoV/Dm oy ww oipo ,pi2iy twp tt221 '2 pp “ly ttV^O Ky^D K22 .'"2 rvnip /"n *p ny IV. Abteilung: np)2y ,y"LV pnpn /»"en's oy mm Kümo pVm '03 ,Dsm mi» ,'"32 nmip m^oyo . .vtr-ii niLom '»"V'3'L oy vmvn pjio ny Während die Schüler dieser »Anstalten, abgesehen von der strengreligiösen Erziehung, die sie genießen, die Schüler der Staatsschulen im jüdischen Wissen weit überragen, sind sie ihnen im profanen Wissen mindestens ebenbürtig. Dies zeigte sich gerade jetzt am Schluffe des 1. Semesters in den geradezu glänzenden Resultaten, die zu verzeichnen sind. Außer von Schülern aus Mähren und Ungarn wurden diese Anstalten im vorigen Jahre von mehr als 100 Schülern aus Galizien, Rumänien, der Bukowina und Rußland besucht, die in der erworbenen Bildung ein Mittel besitzen, das ihnen den Kampf ums Dasein wesentlich erleichtert. Die beiden Schulen finden auch allgemeinen Anklang. Allein die beschränkten finanziellen Verhältnisse machen es unmöglich, die zahlreichen sich meldenden armen Schüler aufzunehmen. Wohl hat die Israel. Allianz in Wien K. -2000 und der Hilfsverein der Deutschen Juden K. 600 für das laufende Schuljahr gewährt, aber diese namhaften Subventionen genügen nicht, um die großen Ausgaben der Schule zu decken. Es wäre zu wünschen, daß Gemeinden und Einzelne diesem edlen Beispiele folgen, damit die Anstalten ihre verheißungsvolle Aufgabe, Vereinigung von Wissenschaft und mm, in immer größerem Maße erfüllen können. (Wir wollen nicht verfehlen, diesen Appell auch unsererseits auf das Wärmste zu unterstützen. Die beiden hier besprochenen Anstalten erfüllen eine für die Erhaltung des gesetzestreuen Judentums im Osten überaus wichtige Mission, und es ist in der Tat ein recht verdienstvolles Werk, ihnen die Lösung ihrer Aufgaben durch materielle Hilfe nach Kräften zu erleichtern. D. Red.) $vankveidj. Paris, 20. Februar. Bei der am 22. Febr. gemäß dem Statut des Verbands der jüdischen Kultusvereine von einem Kollegium von Rabbinern und Religionslehrern vollzogenen Wahl der beiden theologischen Mitgliedern des Zentralkonsistoriums erhielten die Pariser Rabbiner Israel L6vi und Lehmann die Majorität. * Ködernd. Amsterdam, 16. Febr. Die hiesige jüdische Gemeinde hat zwei Hauptsynagogen, die sogenannt Große Schul und die Neue Schul. Der vor längerer Zeit Heimgegangene berühmte Chasen Isaak Heymann wirkte abwechselnd an beiden Synagogen. Für die Große Schul hat vor länger als einem halben Jahr schon Herrn Oberkantor Katz die Nachfolge des Herrn Heymann angetreten. Dieser Tage fand nun die Wahl eines Chasen für die Neue Schul statt. Es hatte sich ein regelrechter Wahlkampf entwickelt, und am Tage der Abstimmung herrschte vor dem Gemeindegebäude ein ungewöhnliches Leben und Treiben. Aus dem Wettstreite der 5 Kandidaten ging Herr Wolf Reißel aus Schacki als höchstbestimmter hervor. England. Sremflengefefe — Antisemitismus in England. London, 21. Februar. Ueber die Unstimmigkeiten imJewichBoard of Deputies wegen der Behandlung der gegen das Fremden ge setz zu richtenden Aktion haben wir jüngst berichtet. Wir haben mitgeteilt, daß der Board entgegen dem Vorschläge der zur Bearbeitung dieser Frage eingesetzten Kommission in seinem Plenum beschloß, einem Rat von Lord Leopold Rothschild gemäß nur die Forderung an die Regierung zu richten, daß die zur Aufnahme der Neu-Ankömmlinge bestimmten Baulichkeiten besser eingerichtet und das Berufungsverfahre« gegen die erstinstanzlichen Entscheidungen der Fremdenpolizei zu Gunsten der Immigranten in gerechterer Weise umgestaltet würde. In einer jüngst stattgehabten Versammlung des Board kam die Ansicht, daß die Stellungnahme des Board eine schwächliche gewesen sei, wiederum lebhaft zum Ausdruck. Schließlich stellte sich aber doch wieder die Majorität auf den in der jüngsten Sitzung eingenommenen Standpunkt. — Im Parlament fand ebenfalls wieder eine kurze Aussprache über die Administration, des Fremdengesetzes statt. Der Abgeordnete Byles interpellierte den Staatssekretär des Innern darüber und hielt der Regierung vor, daß die Kosten der Anwendung des Gesetzes, die sich monatlich auf ca. 1000 Pfd. belaufen, in gar keinem Verhältnis zu den praktischen Ergebnissen stünden. Der Staatssekretär gab jedoch darauf keine sehr entgegenkommende Antwort, was um so merkwürdiger ist, als der Ministerpräsident selbst sich schon wiederholt als ein Gegner des Gesetzes erklärt hat. Der über die Wirkung „der Aliens-Act" im Jahre 1907 jüngst herausgegebene offizielle Bericht teilt mit, daß im Laufe des Jahres 802 Personen (gegen 489 im Jahre 1906) der Eintritt ins Land verwehrt worden ist. In der ersten Instanz waren 974 Einwanderer zurückgewiesen worden, gegen 931 im Vorjahre. Wenn trotzdem der Unterschied der endgültig von der Landung Ausgeschlossenen in den beiden Jahren ein sehr großer ist, so rührt das teils daher, daß im Jahr 1907 200 Berufungen weniger gegen erstinstanzliche Entscheidungen eingelegt worden sind, und teils daher, daß die Berufungen in diesem Jahr viel seltener von Erfolg waren, als 1906. Aus beiden Erscheinungen geht hervor, daß die Handhabung des Fremdengesetzes seitens der zweiten Instanz im Berichtsjahr viel strenger war als während des Jahrgangs 1906. In Leeds hat sich ein recht unerfreulicher Vorgang ereignet. Ein dortiger Kaffeehaus-Besitzer schließt von dem Besuche seines Lokales durch öffentlichen Anschlag jüdische Gäste aus. Als derselbe nun letzthin bei der Behörde um Erneuerung seiner Konzession nachsuchte, erhob eine lokale jüdische Körperschaft dagegen Einspruch mit. der Begründung, daß es gegen die gute Sitte verstoße, wenn ein Wirtschaftsinhaber eine-bestimmte Konfession von dem Besuche seiner Lokalitäten demonstrativ fern gehalten wissen wolle. Der Rechtsstreit kam dieser Tage vor der Zuständigen Behörde zur Verhakldlung mit dem Resultate, daß die Konzession trotz des dagegen erhobenen Einspruches erneuert wurde. Die betreffende Behörde mag dabei formell gesetzmäßig gehandelt haben. Aber es zeigt sich doch bei einem solchen Anlaß, daß es auch in England an antisemitischen Strömungen nicht fehlt. London, 19. Febr. Wir lesen in der „Jewish Chronicle"': 1 „Am 24. Siwan (23. Juni) d. Js. wird der hundertjährige Geburtstag von Samson Raphael Hirsch gefeiert. Hirsch war der Begründer der deutschen Neu-Orthodoxie (Das englische Blatt hat diese irreführende Bezeichnung, die wir übrigens schon nach Gebühr gewürdigt haben, aus der deutschen neologen Presse offenbar in. gutem Glauben übernommen. Die Reo.) und hat einen mächtigen Einfluß auf die Geschichte des Judentums des 19. Jahrhunderts ausgeübt. Dieser Einfluß macht sich heute noch'nicht nur in Frankfurt, dem Hauptschauplatz der Wirksamkeit Hirschs, sondern in der ganzen jüdischen Welt geltend. Unsere Frankfurter Kollegin, „Der Israelit", kündigt eine besondere Festnummer an, in der die Biographie von Hirsch und eine Ueberficht seiner Schriften gegeben werden soll, "irsch war, nebenbei bemerkt, im Jahre 1842 nach dem ode von Solomon Herschel, Kandidat für das Englische Oberrabbinat. Es ist zu hoffen, daß England sich an der Feier des Eentenariums beteiligen wird. Ohne Zweifel wird diese Feier rmch noch in anderer Weise als durch die Sondernummer des „Israelit" begangen werden. Die englischen Juden könnten keine bessere Art der Beteilgung an der Centenarfeier wählen, als die Besorgung einer englischen Uebersetzung der Schriften von Hirsch, in denen eine so gewaltige Geistesarbeit niedergelegt ist. Es werden sich gewiß Männer finden, die dieses Unternehmen in die Wege leiten könnten. Sofia, 16. Febr. Die bulgarische Regierung, die, wie der Monarch BulgariensfchM

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