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Der Israelit · 1908-02-27 · Heft 9 (27.2.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 9 (27.2.1908)
Date
1908-02-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. 9. 27 Februar 1908.___ ganz Deutschlands, die badischen Gesinnungsgenoffert in ihrem schweren Kampf nach Kräften materiell zu unterstützen. Worresp ondenzen und Nachrichten. Deutsches Meich. Frankfurt a. M., 24. Febr. Aus dem Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: Wie bekannt, hat die Preußische Staatsregierung an den auf Befürworten der „Freien Bereinigung" in den nächstjährigen Etat eingestellten Dispositionsfonds zu Gunsten des jüdischen Religionsunterrichtes die Klausel geknüpft, daß aus Beihilfe aus diesem Dispositionsfonds nur diejenigen leistungsschwachen Gemeinden ein Anrecht haben sollten, in denen die Zahl der die öffentlichen Volksschulen besuchenden jüdischen 5kinder dauernd mindestens zwölf beträgt. Diese Klausel entspricht zwar insofern den allgemein geltenden Gepflogenheiten, als auch nichtjüdische leistungsunfähige Schulverbände nur dann unterstützt werden, wenn sie diese Mindestzahl von 12 Kindern aufweisen können, sie führt aber — wie wir bereits in unserer Mitteilung vom 12. Jan. aussührten — zu einer Unbilligkeit gegenüber den jüdischen Gemeinden, weil bei der starken Zersplitterung der jüdischen Bevölkerung durch jene Klausel ein unverhältnismäßig großer Teil der jüdischen Kinder von den Wohltaten des Fonds ausgeschlossen bleibt, während dies bei den größeren christlichen Schulverbänden nur in einer verschwindend geringen Anzahl von Fällen zutrifft. Um den ziffermäßigen Nachweis zu führen, daß diese von der Regierung nicht gewollte Unbilligkeit bei der Eigenart der jüdischen Verhältnisse tatsächlich eintreten würde, hat die Schulkommission der „Freien Vereinigung" eine detaillierte Statistik über die Zusammensetzung der einzelnen Gruppen von jüdischen SchuUmdern in den öffentlichen Volksschulen aus gearbeitet. Diese Statistik ergibt, daß von den evangelischen bezw. katholischen Schulkindern 479 bezw. 1109, das ist 0,015 Prozent bezw. 0,05 Prozent, von den jüdischen Schulkindern dagegen 2662, das ist 1VI» Prozent in Gruppen von weniger als 12 Kindern in der Monarchie zerstreut sind! In Wirklichkeit ist das Verhältnis für die jüdischen Volksschüler noch ungünstiger, denn die der Statistik zu Grunde liegenden Tabellen enthalten nicht die Besuchsziffer der einzelnen Volksschulen in jedem Kreise, sondern nur die Gesamtziffer für die Gesamtheit der Volksschulen jedes Kreises. Da die öffentlichen Volksschulen des einzelnen Kreises zahlreiche sind, zum Teil über hundert, so ist natürlich die Zahl der Gruppen mit weniger als 12, weit größer als die Tabellen es erkennen lassen, sodaß bei Berücksichtigung der einzelnen Volksschulen, die nachteilige Lage der Juden noch weit, weitmreller hervortreten würde. Erfteulicher A^ise ist es der „Freien Vereinigung" gelungen, auf Grund dieser Statistik sämtliche politische Parteien des Abgeordnetenhauses davon zu überzeugen, daß die von der „Freien Vereinigung" beanstandete Beschränkung auf die Mindestzahl von 12 Schulkindern in Anbetracht der eigenartigen Lage der jüdischen Gemeinden durchaus nicht gerechtfertigt sei. Demgemäß haben in der 35. Sitzung des Abgeordnetenhauses am letzten Freitag die __ Der Israelit. _ Abgeordneten Peltason- (Fr. V.), Marx (Ctr.), Schroeder (Nat.-Lib.), Viereck (Freikons.), Cassel (Fr. Volksp.) auf Grund unserer Statistik die Bitte ausgesprochen, daß die Staatsregierung bei der Verteilung der Fonds sämtliche auf Beihilfe angewiesen« n jüdischen Gemeinden, ohne Rücksicht auf die Zahl der vorhandenen Schüler in Betracht zieht. Der Vertreter der Konservativen, Abg. Henning, erklärte, daß er sich deck vom Hause vorgetragenen Wünschen anschließe. Ministerialdirektor Schwartzkopff gab die Erklärung ab, daß die Königliche Regierung dem jüdischen Religionsunterrichte großes Wohlwollen entgegenbrmge, daß die besonderen Mirrderheitsverhältniffe berücksichtigt werden sollten, indem die Regierung den Zuschuß auch dann nicht versagen werde, wenn die Zwölfzaht nicht aus einem Schulverbande, sondern aus mehreren politischen Gemeinden sich zusammensetzen würde. Im übrigen müsse ab ge wartet werden, ob die in den diesjährigen Etat nur schätzungsweise.eingestellten 40 000 Mark zur Erreichung des angestrebten Zweckes ausreichten und es solle andernfalls der Fonds erhöht werden. Was die jüdischen Volksschulen beträfe, so hätten diese im Bedarffalle den gleichen Anspruch auf Beihilfe aus dem großen allgemeinen Fonds für die christlichen Volksschulen. Es ist auf Grund dieser Erklärung jedenfalls dringend zu raten, das sämtliche jüdischen Gemeinden, welche auf die staatliche Beihilfe zum Religionsunterricht angewiesen zu sein glauben, ihre Gesuche unter eingehender Begründung den Landratsämtern unverzüglich unterbreiten, ganz einerlei von wem und in welchem Umfang der Religionsunterricht zur Zeit erteilt wird. Das Bureau der „Freien Bereinigung" ist bereit, jeglicher Gemeinde die erforderlichen Materialien zurVerfügung zu stellen und die notwendigen Auskünfte zuerteilen. Frankfurt a. M., 12. Febr. Der geschäfteführende Vorstand des italienischen Pro-Falascha-Komitees, dem die Herren Oberrabiner Dr. Margulies in Florenz, 'Prof. Finzi ebenda und Advokat R. Ottolenghi in Acqui angehören, bittet um Aufnahme der folgenden Erklärung: Wie allgemein bekannt, bewilligte die I. C. A. nach Bemühungen unseres Präsidenten zunächst auf 3 Jahre eine jährliche Subvention von 10000 Frcs. zu dem Zwecke, für die Falaschas in Eritrea ein jüdische Schule zu errichten. Gleichzeitig beschloß die I. C. A., daß die Leitung der geplanten Schulgründung zugunsten der Falaschas und demnach die Anzahlung der besagten Subvention der Alliance Jsrae ite Universelle in Paris anvertraut würde. Diese setzte sich durch ihten Präsidenten, der auch Präsident der I. C. A. ist, mit dem italienischen Komitee sofort in Verbtndun-, und es schien zunächst, baß sie geneigt war, mit dem Komitee an der Gründung der Schule in Eritrea mitzuarbciten entsprechend dem Aufträge, den sie von der I. C. A. empfangen hatte, und dem Zwecke, für welchen diese in unzweideutiger Weise ihre Subvention bestimmt hatte. Aber mit einem. Male änderte das Präsidium der Alliance seine Meinung und erklärte, daß, bevor man an die Durchführung des Schulwerkes gehen könnte, es unerläßlich wäre, eine neue Mission zu senden, um bester tie Lage der Fa aschas und ihre Bedürfnisse zu studieren. Obwohl das italienische Komitee diese Ansicht nicht teilte, vielmehr die Entsendung einer neuer Mistton als unützen Zeit- und Geldverlust betrachtete, gab es, um einen Konflikt zu vermeiden, dem Wunsche der Alliance nach. Da aber kam eine, neue Frage aufs Tapet, die ohne Verschulden des italienischen Komitees zu ewem Konflikt geführt hat Das Zentral- Komitee der Alliance in Paris wollte aus persö lichen Gründen und auf Grund subjektiver Bewertung der bisherigen Tätigkeit und der Fähigkeiten des Dr. Faitlowitsch diesen von der Miffton ausschließen. Das italienische Komitee erachtete ein solches Borgehen als Ungerechtigkeit und als Fehler. Als Ungerechtigkeit, weil Herr Faitlowitsch derjenige ist, der die ganze gegenwärtige Bewegung zu Gunsten der Falaschas eingeleitet und allein gefördert hat,' als Fehler, weil Herr Faitlowitsch vermöge seiner ausgezeichneten Kenntnis des Landes, der Bewohner und ihrer Sprache, vermöge des Vertrauens und deS Ansehens, das er sich bei den Falaschas erworben hat, im gegenwärtigen Augenblick als die einzige Persönlichkeit gelten kann, die sichere Gewähr für einen glücklichen Ausgang der Miffton bietet. Als alle Bitten und bescheidenen Vorstellungen vo > diesem Beschluß zurückzutreten, die vom italienischen Komitee schriftlich bei der Leitung der Alliance vorgebracht wurden, ungehört blieben, begab sich der Unterzeichnete Präsident persönlich nach Paris, um die Frage zu regeln. Dank dem Eingreifen zweier angesehener Mitglieder der I. C. A. entschloß sich das Zentral-Komitee der Alliance zu einer Vereinbarung, in der es zustimmte, daß Herr Faitlowitsch als Vertreter des israelitischen Komitees an der Mission teilrahm, hingegen die Forderung stellte, daß er „unter der Order" des Herrn Rahoum stehen sollte, der von der Alliance zum Chef der Miffion ernannt worden war. Es war nicht ausgeschlossen, daß daS italienische Komitee aus Liebe zum Frieden diesem Vorschlag zugestimmt hätte, wenn Herr Faitlowitsch die ihm zugemutete untergeordnete Stellung angenommen hätte. Da er aber dies aber entschieden ablehnte, faßte das italienische Komitee, in Erwägung, daß ihm auf diese Weise jede Möglichkeit, einen Einfluß auf das Hilfswerk zu üben, und jede Kontrolle über den Bericht der Miffion genommen war, und in der Ueberzeugun?, daß ohne die Mithilfe des Herrn Faitlowitsch die Mission niemals den erwiin chten Erfolg haben könne, in feiner Sitzung dom 25. Dezember 1907 den Beschluß auf jede Beteiligung an brr Mission der Alliance zu verzichten. Glei t zeitig behielt nch das -Komitee vor, bei der I. C. A. dahin vorstellig zu werden, daß sie die dem italienischen Komitee zugesicherte Subvention der ursprünglichen Bestimmung gemäß zur Verwendung bringen werde, nämlich zugunsten der Gründung einer jüöisr en Schule für die Falascha in Eritrea. Das Komitee wird ferner andere Mittel suchen, um sein Ziel zu errei: en und wird zu diesem Zwecke die Unterstiitza, g der anderen großen jüdischen Organisation-.n der ganzen Welt erbitten. Dr. Margulies, Präsident, Adv. Moise Finzi, Sekretär, Adv. Raphaele Ottolenghi, Schatzmeister. Es ist jedenfalls sehr bedauerlich, daß man sich über die Behandlung der Falascha-Frage seitens der die Sache betreibenden Körperschaften nicht einigen konnte. Dadurch wird eine für die Sache gewiß nicht nützliche Zersplitterung der Kräfte herbei geführt. Berlin, 17. Februar. Am 16. Februar fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt: Aus dem Bericht, den uns der Hilfsverein über die Sitzung sendet, entnehmen wir, daß Herr Dr. Nathan über seine viermonatliche Reise nach denr Orient ein Referat erstattete. Der Referent wies u. a. auf die außerordentliche Bedeutung hin, die die zeitgemäße Ausgestaltung des Talmud- Thora-Unterrichtswesens für den Orient und insbesondere für Palästina besitzt, und er teilte mit, daß er ein prinzipielles Einverständnis über das, was auf diesem Gebiete zu geschehen hat, mit den beteiligten Kreisen herbeigeführt habe. Der Ausschuß gab seine Zustimmung dazu, daß der Hilfsverein für eine solche Unterstützung der Talmud- Thora-Schulen Mittel zur Verfügung stelle. An der religiösen Unterweisung soll nicht das Geringste geändert werden. Hingegen soll der Lehrplan erweitert werden durch Anfügung hebräischen und arabischen Sprachunterrichts. Auch die Realien sollen in hebräischer Unterrichtssprache gelehrt werden, so daß die jungen Leute beffer für das praktische Leben vorbereitet die Schule verlassen. Auf diese Weise werde die künftige Generation von der Chalukah unabhängiger. Der erste Schritt auf diesem Wege wurde durch Bewilligung einer den Bedürfnissen entsprechenden Summe für die Talmud-Thora-Schule der Sephardim in Jerusalem gemacht. Es wurde, wie der Bericht mitteilt, mit Freude begrüßt, daß die sephardiscben Gemeinden in gleicher Weise wie die aschkenasischen dm Anstalten des Hilfsvereins ihr Vertrauen schenken. Berlin, 24. Februar. Der Hilfsverein der deutschen Juden lädt zur ordentlichen General-Versammlung für Sonntag, den 29. März nachmittags 5 Uhr, seine Mitglieder nach Berlin in die „Ressource^, Schadowstr. 7, ein. König sberg, 20. Febr. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurfte, daß es ein glücklicher Schritt war, den die „Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" mit dem Heraustreten aus ihrem engeren Wirkungskreis unternommen hat, um ihre segensreiche Thätigkeit auf ganz Deutschland auszudehnen, so hätte ihn die Versammlung am letzten Sonntag in Epsteins Hotel geliefert. Ein y hiesiges Komitee hatte diese Versammlung einberufen, um eine Abteilung der Bereinigung fLr Ost- und Weftpreußen zu gründen. Der Besuch war über Erwarten stark/ auch aus zionistischen Kreisen waren zahlreiche.Teilnehmer zugegen.

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