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Der Israelit · 1908-02-20 · Heft 8 (20.2.1908) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 8 (20.2.1908)
Date
1908-02-20
Page
– (sequence 19)
Language
German
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* U0. Februar 1908. Der JSraeltt. Nr. 8. Seite 19 Ivo die Tauroh selbst zu Worte kommt, sie vom Volk mit freudigem Beifall ausgenommen wird. Und ich möchte von hier aus nochmals Ln die Provinz Hinausrufen, daß man von unserm Anerbieten Gebrauch machen möge. Zehn Herren, die über jedes religiöse oder jüdisch-wissenschaftliche Thema zu sprechen in der Lage sind, haben ihre Kraft uns in selbstloser Weise zur Verfügung gestellt. Ohne daß den Gemeinden die geringsten Kosten erwachsen, können sie beliebig oft Redner, von uns geschickt bekommen. Mit Jeremias möchte ich rufen: apy ivn lyoip „Höret, Haus Jakob". Wo man noch hören will, da ist die Hoffnung auf Wiederbelebung des jüdischen Geistes noch nicht verloren. Da schläft er nur und kann wieder geweckt werden. Wir wollen aber nicht warten, bis das Verhängnis von Außen uns hinweift auf die Vaterhuld, wenn wir sie durch Ungehorsam gegen Sein Wort verscherzt. Aus der einfachen, aber tiefen Erkenntnis heraus, daß die Tauroh unser einziges Lebenselement ist, wollen wir zu ihr zurückkehren. Noch immer mißt die ewige Gerechtigkeit mit gleichem Maß. Dort, wo wir fehlen, da entsteht uns der Kampf. Da ist denn eine ernste Frage, die uns alle bewegt, die nv'iiV- Jrage. Von allen Seiten werden die Angriffe aufs neu verstärkt gegen sie versucht. Der Worte sind genug gewechselt. Da hilft nur noch ein Mittel zur Wehr, ein Wort ist die sicherste Losung in dem Kampf, es lautet: nBTW, eine wahre ntDVW, eine gute ntDTW, kurz: die nts'rw, ein Gotteswort unterliegt nicht im Kampfe gegen bie Menschen. Ist jedoch die nv'NV wie sie gehandhadt wird, nicht die rww wie sie uns geboten ist.: dann wird sie zu einem otrn V6n und dann wird sie uus gefährlich,' weil wir dann nicht nur die Menschen, sondern auch Gott zum Gegner haben. Wir können nicht streng genug Vorgehen, nicht häufig und scharf genug die Aufsicht führen. Jede Laxheit gegen eine Person ist eine Waffe in der Hand des Gegners. Wir haben es in der Hand, die .iv'klw-Frage zu lösen, wir allein. Doch nicht durch Worte, durch die Tat. Die Gemeinden können bei sich eine gute nöTW erzwingen. Die ntD'rw ist kein Handwerk, sie ist keine Versorgungseinrichtung für wirtschaftlich Schiffbrüchige, sie braucht nur wieder zu werden, was sie sein soll und von der Tauroh ist, ein heiliges Kultusamt und die nttTltP ist gerettet. Auf dem Lande müssen die Lehrer mit Hand ans Werk legen, eine Besserung der Verhältnisse herbeizuführen. Die gesetzestreuen Herren unter ihnen aber, die selbst koscher — im strengen Sinne des Gesetzes — essen wollen, kennen selbst ihre Pflicht vor Gott und Menschen, die ihrem' Gewissen gebietet, die ntt'ntP selbst in die Hand zu nehmen, wenn eine andere Regelung ausgeschlossen ist. Zu großem Danke haben mich die mir befreundeten jüdischen Tierärzte verpflichtet, indem sie nur solchen Herren ihres Bezirkes die Ausübung der nB'nttf gestatteten, die von mir dazu autorisiert werden konnten. Sie sind die berufenen Organe, die hier ihren Beruf dadurch adeln, daß sie ihn in den Dienst des Judentums stellen. Es gibt im Bereiche des jüdischen Haushaltes noch einen Punkt, dem neben der nD*W Beachtung geschenkt werden muß. Es genügt nicht, daß die ntö'ntf einwandfrei gehandhabt wird, um ohne Bedenken an einem solchen Ort speisen zu können, man muß auch wissen, daß aus dem zu genießenden Fleisch die Blut- und Fettadern gehörig entfernt sind. Die Uebung darin und die Kenntnis der darüber geltenden Vorschriften sind sehr mangelhaft. Wir haben, wie Sie dem Berichte des Herrn Vorsitzenden entnehmen konnten, auch auf diesem Gebiete Wandel zu schaffen begonnen. Wir werden darin aber am ehesten zum. Ziele kommen, wenn diejenigen Herren, die sich neu als D'önw ausbilden, gleichzeitig porschen lernen, damit sie wenigstens beurteilen können, ob die Metzger darin den Vorschriften genügen. Das Verbot, Unschlitt und Blut Dil 2?n zu essen, ist doch ein sehr gewichtiges. Es wäre ferner überall eine Revision^der in Gebrauch befindlichen min *nSD erforderlich, da Älter, Abnutzung und die billigen Qualitäten doch erhebliche Zweifel an der rituellen Brauchbarkeit erwecken. Bei der Neuanschaffung von Thorarollen und pbsn müßte man doch vorsichtiger zu Werke gehen als bisher. Jeder Gemeinde und jedem Privaten stehen wir doch gern in allen Angelegenheiten mit Rat und Tat zur Seite. Möge man uns nur in Anspruch nehmen, je öfter desto lieber. Insbesondere möchten wir gern immer dann unsere Hilfe oder doch wenigstens unsere Vermittlung anbieten, wenn es sich darum handelt, Stellen für Knaben und Mädchen zu besorgen. Die großen Verbände, die innerh üb der gesetzestreuen Judenheit in den letzten Jahren begründet wurden, sind draußen in der Provinz noch nicht bekannt genug. Die Kunde von den großen Bewegungen innerhalb des gesetzestreuen Kreises dringt nicht genügend dorthin. Das Zentralorgan des gesetzestreuen Judentums, „der Israelit", ist in unseren Provinzen noch nicht geuug gelesen, wiewohl er nach Form und Inhalt Glänzendes bietet und billig genug ist. Daher kömmt es, daß die Mutlosigkeit auf dem Lande der Durchführbarkeit der rot? Ruhe gegenüber viel erschreckendere Formen angenommen hat, als in der Stadt. Man bemüht sich ja gar nicht für die Kinder um Stellen, in denen sie rat? frei haben. Man führt sie sofort der Entweihung des rat? in die Arme. Man kennt die Adressen der Vereine zur Vermittlung von Stellen nicht, man weiß nichts von den ra» ’now Vereinen, von der Versicherungskasse gegen Stellenlosigkeit, nichts vom Verband der Sabbatfreunde, man glaubt der n2tr habe zu existieren aufgehört — man hat resigniert. Mehr Mut! Noch ist der n2tr das Z eichen desBundes zwischen Israel und seinem Gott. Wohl hat auch hier das gleiche Maß der göttlichen Gerechtigkeit streng und schwer gerichtet. Doch auch hier ist das einzige Mittel gegen alle die Verhältnisse, die die Heiligung des n2ir erschweren, immer wieder nur der rattf. — Die Opfer, die seiner Heiligung gebracht werden, erkämpfen seine Achtung und schaffen allein die Erleichterung, ihn zu weihen. Bitter haben wir uns über unsere neologen Brüder zu beklagen. Auf der einen Seite lassen sie immer lauter ihren Ruf nach gerechter Behandlung im Staate erschallen, fühlen sie schwer die Zurücksetzung, die wir wegen der uns angestammten Religion zu ertragen haben, und auf der andern Seite üben sie furchtbar schwer das gleiche Unrecht in vielfacher Steigerung. Ihre eigenen Brüder setzen sie wirtschaftlich und gesellschaftlich darum zurück, weil sie beit Satzungen des Judentums, zu dem auch jene mit ganzem Brustton der Ueberzeugung sich bekennen wollen, die Tnue halten. Sie haben den Mut, ihren Brüdern den Eintritt in ihre Geschäfte zu verweigern, weil sie den n2tr halten wollen, sie haben den Mut, sie vor die Alternative zu stellen, einen Treubruch gegen das eigene Gewissen zu verüben oder sich brotlos zu wissen. Sie haben den Mut, Kinder armer — besonders ausländischer EUern, zum Verrat am Gesetz zu verleiten, indem sie ihnen materielle Zusicherungen machen. Bon der Leitung der Gemeinden und Vereinigungen drängen sie diejenigen um ihrer Ueberzeugung willen zurück, denen allein die religiösen Angelegenheiten der Juden Herzenssache ist. Wer Gerechtigkeit fordert, muß erstGerechtigkeit geben und niemand kann von Fremden verlangen, was er Brüdern verweigert. Auch darin erkennen wir die waltende Gerechtigkeit. Unter welchen Opfern aber auch die gesetzestreuen Juden Deutschlands der Gegenwart bluten: 'Ti *]'ö"i2 aus ihrer Opferung empfangen sie Leben. Die Orthodoxen — wie man sie nennt — werden immer mehr auf sich verwiesen, sie müssen sich in gegenseitiger Unterstützung nähern und schon leuchtet der erste Morgenstrahl einer heitereren Sonne: Die Einigung der gesetzestreuen Juden Deutschlands im Schoße der Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Das ist das schönste Aequivalent ihrer Leiden. Das das Gute, das der verneinende Geist der Neologie bis jetzt geschaffen hat. Auch wir waren — wie Sie aus dem Munde des Herrn Vorsitzenden bereits erfahren haben — in Berlin vertreten. Aus der Verbindung mit dem Ganzen der gesetzestreuen Judenheit werden auch die provinzialen Glieder großen Vorteil erhalten, und unsere Tätigkeit insbesondere wird mancherlei Unterstützung erfahren. Ja, bestünde der Vorteil nur in dem Bewußtsein uns eins zu fühlen mit einer doch nicht so winzig kleinen Anzahl gesetzestreuer Brüder: es wäre Gewinn genug. Arbeitsfreude und Arbeitsmut wird durch die Hoffnung auf treue Bruderstütze doch erhöht. Freilich, das möchte ich aussprechen: Isoliert haben wir uns noch nie gefühlt. Auch das gehört zu den Schlagworten, mit denen man heute in bewußterUnwahrheit eine Täuschung über die Wege und Ziele der Orthodoxie herbeizuführen sucht, um sie beim Volk in Mißkredit zu bringen. Man sagt, die Orthodoxie sage sich von der Gesamtheit los, sie vergesse den Zibburgedanken, gehe ihre eigenen Wege und isoliere sich. Schlagworte, nichts als Schlagworte und Lügen. Sagt sich etwa Israel in seiner Gesamtheit los von der Menschheit, weil es seine eigenen Wege geht? Ist es nicht gerade darum der Siegelbewahrer der Gottes-Sabbatidee der Menschheit? Kann es und will es nicht für die Menschheit kämpfen und ringen, arbeiten und streben, wenngleich eS nicht mit ihr tafelt und trinkt, nicht Ehre und Ansehen mit ihr teilt? Trocknet Israel nur jüdische Zähren, heilt es nur jüdische Kranken, neigt es nur jüdischen Seufzern das Ohr, lindert es nur jüdische Leiden? Und was Israel in der Gesamtheit, in seiner Stellung unter den Völkern bedeutet, sind in Israels Mitte die 'n "KT die Gottesfürchtige«. Also weist ihnen schon der Psalm 118 ihre Stelle an. Und wenn sie, nein, nicht ihre Person, wenn die Tauroh, die sie tragen, herausgedrängt, gehöhnt, verletzt wird in der Gesamtheit, die die Neologie vielleicht noch „Zibbur" nennt, dann wagt man die Verdrehung und sagt: Die Gesestreuen isolieren sich? Der Dienst, der der Tauroh dann eben nicht mehr in groß« Oeffentlichkeit geleistet wird, soll ihr in kleinem Kreis zuteil werden und in emsiger Arbeit, in beständigem Streben leben wir dem Segen, der die Tauroherfüllung und die Erkenntnis ihrer Lehren der Gesamtheit bringen soll. Unser Verein, aufgebaut auf dem granitenen, unerschütterlichen Fundament des altüberlieferten göttlichen Taurohwortes, darf vielleicht in bescheidenem Wirken ein Beispiel sein dafür, wie die Orthodoxie ihre Aufgabe erfaßt. Unser Ziel i st dieGesamtheit, unser Ausgangspunkt di e Gesamtheit. Mehr wie die, welche unseren Weg nicht mitmachen, empfinden wir die Wahrhttt von Israels Zusammengehörigkeit □'"cn StW *?2. Aber mehr noch. Das Bewußtsein, daS ihnen bereits »erkoren, in «ns wirkt es feßettbig atä Motiv aller Handlungen fort, das Bewußtsein jener änderen, ernsten Wahrheit D'2*»y V2. In Israel bürgt auch einerfttrdenandern. Uns schmerzt der Abfall von der Gotteslehre, uns schmerzt, daß wir einsam gehen muffen einen Weg, der allein zum Heile Israels in der Gesamtheit führen kann. Doch nie haben wir uns drum isoliert gefühlt. Im Gegenteil. „Der Mann — .also kündet es Jeremias Wort — der auf Menschen vertraut und den sterblichen Muskel zu seinem Arme macht, und dessen Herz von Gott sich entfernt: der wird sein ein Vereinsamter in der Oede, er wird nicht schauen, daß Gutes kommt, er wohnt auf verkohltem Boden in der Wüste, der Salzsteppe, die nimmer bewohnt wird." Doch wer sich zu Gott hinwendet und für Sein Wort die Waffe tragen möchte, ist nie isoliert, und stünde er einsam wie Abraham einer Welt gegenüber. Für ihn ist das Wort geprägt: „Gesegnet ist der Mann, der auf Gott vertraut und dem Gott der Quell seiner Zuversicht bleibt. Er wird wie ein Baum an Wassern gepflanzt, an Wasseradern entsendet es seine Wurzeln, er schaut es nie, daß Dürre

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