Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1908)
- Date
- 1908-02-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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cJjeVvarf Uierams (Psalm 24, 4.) Bon Prof. Dr. A. Berliner in Berlin. Ob 1VL2 oder 'VL2 in der Psalmstelle 24, 4 zu lesen sei — diese Frage drängt sich mir jedesmal auf, so oft ich im Gotteshause am ersten Festtage, der auf einen Wochentag fällt, von dem einen Vorbeter nach dem Siddur Heidenheim- Baer 'VL2 und am zweiten Festtage von dem anderen Borbeter iirS2 nach dem Siddur Sachs im lauten Bortrage beim Einheben der Thora höre. Forscht man nach dem Grunde dieser Differenz, so wird allgemein behauptet, daß an der erwähnten Stelle ein 2TC1 np gezeichnet sei, bei dem der Eine dieses, der Andre jenes als Leseart sich wählte. Bei näherer Einsicht in die mafsoretischen Ouellenschriften ergiebt sich aber diese Behauptung gerade nicht als eine sichere, wenn sie auch schon früh festgehalten wurde, wie dies zu erweisen sein wird. Denn schon in den Handschriften bemerkt man ein Schwanken hierin. Es giebt Handschriften, in denen sich im Texte iir£2 findet, und zwar mit beiaefügtem 'p, d. h. -np in der Randnote. Es giebt auch Handschriften, in denen dieses Keri in bekannter mafforetischer Form gezeichnet ist, nämlich 11TE2, mit Cholem und zugleich mit Chirik unterm Schin. Endlich giebt es noch Handschriften, die itr£2 ohne weitere Bemerkung haben. Dieses Schwanken ist auch bei den Erklärern wahrzunehmen, von denen wir zuerst Saadja vorzuführen haben werden, umso mehr, da ihn die anderen Kommentatoren noch nicht gekannt haben, daher er bei ihnen unerwähnt bleibt. Doch vorher will ich mich an einen klassischen Ratgeber auf diesem Gebiete wenden, an Salomo Rorzi in seinem wertvollen Werke, das er selbst VN£ *ni2 genannt, die Editionen aber nach seinem Tode 'V nn2ö betitelt haben, um in '"tr Salomo Jedidjah anzudeuten. Norzis Worte lauten ungefähr so: Bei iV£2 in *ip *ir£: an gemerkt, aber in manchen spanischen Handschriften ist nr£2 mit NYyr 1'"1 (kleinem Waw) geschrieben und dies ist auch die mafforetische Angabe. Doch sind viele differirende Meinungen hierin vorherrschend, Rach der einen Ansicht ist hier ein 2TOi np gar nicht vorhanden, sondern ohne weiteres 1V£2, d. h. mit Waw und Cholem zu schreiben und zu lesen. Hiermit stimmt nicht nicht allein der Targumist überein, der K2"n^!Tir£2 übersetzt,*) sondern auch die haggadischen Ausdeutungen legen lir£2 zu Grunde, so .in Ber. Rabba 3eot. 59, 7 und in den Parallel¬ *) Auch die allen Versionen sämtlich aben gelesen und hiernach überetztl stellen, die Rorzi näher anführt. Rur in den gedruckten Editionen reiht sich noch hieran ein an, in welchem die Lesart zur Geltung gelangt, was wahrscheinlich als eine spätere Zutat zu betrachten sein dürfte. Dann führt Rorzi mehrere Autoren an, bei denen nr£2 mit v"i und Cholem festgehalten wird, um nachher an Elia Levita sich zu wenden, zum Teil auch g egen denselben, wie ich die Auslastungen desselben d.etaillirt noch anführen werde. Zuvörderst möchte ich noch einen Vorgänger Norzis anreihen, nämlich Jehuda Muskato in seinem Super-Commentar rvTUV Vip, dessen Material Rorzi unstreitig benutzt hat. Daher wird von seinen speziellen Anführungen abgesehen werden können, nur sei darauf hingewiesen, daß bereits Muscato die richtige Ansicht aufstellt, man dürfe für die Textkritik haggadische Ausdeutungen im Midrasch und Sohar, wie auch homiletische Anwendungen nicht verwerten, da diese nur dem augenblicklichen Zwecke dienen sollen, ihrer Auslegung einen Halt zu gewähren. Dagegen aber sind die Mastora-Schriften und die Erklärer der Schrift gründlich zu untersuchen. Dies soll auch jetzt meine Aufgabe sein,- ich beginne mit Saadja, den Jehuda Muscato und Salomo Rorzi noch nicht kannten, daher ihn auch nicht anführen Saadjas arabische Psalmen und zwar o. 21—41 hat mein ehemaliger Schüler Dr. Sylvain Lehmann in seiner Dissertation (1901) bearbeitet. Bei unserer Schriftstelle führt er! Saadjas Erklärung an, in folgender Uebersetzung: „Ich habe /121. KIT2 nir*f übersetzt: „Wer nicht falsch beim Namen schwört^, da ich fand, daß „das Schwören" auf „Seele", wie auf „Name" anwendbar ist, nach der Stelle in Jer. 51, 4 1tT£22 N1tt2X '"IV21T2, d. h. 121T2. Die Lauterkeit (des göttlichen Namens) hält den Schwörenden zurück, indem sie ihm sagt: Du schwörst nicht bei einem von Dir hingeworfenen Worte, sondern bei dem ewigen Wesen." Auf diese Erklärung beruft sich Saadja im 2. Abschnitt des niyHi ni21vtt und giebt derselben eine philosophische Einkleidung (siehe weiter bei Lehmann). Rach dem Wortlaut der Uebersetzung selbst aber läßt sich nicht feststellen, ob Saadja 'VL2 oder 1VL2 liest; in dem Kommentare selbst will Saadja nur darauf Hinweisen, daß der Name des Ewigen, den der Schwörende zur Beteuerung seiner Worte ausspricht, ihn vor einem falschen Schwur zurückscheuen läßt, (Bgl. auch Dukes u. Ewald Beiträge S. .2H u. 155). Abulwalid (bekannt als Jona löst Ganüch) ist jetzt zu nennen, wenn auch Rorzi ihn ükst später anführt. Derselbe in der Behandlung der 80 Stellen der heiligen Schrift, in denen ein Ausdruck die Stelle eines anderen,, eigentlich und ursprünglich intentionirten Ausdruckes vertritt 1 (siehe Bacher, Leben und Wirken des Abulwalid, S. 24) rechnet auch unsere Psalmstelle hierzu, in welcher 'V£2 für 'Dir trete und ebenso 1lT£2 in Amos 6, 8 für wir. Dies lehrt Abulwalid in Rikma S. 180,- in seinem Wörterbuche s. v. ir£2 aber' schweigt er hiervon ganz. Bei Raschi kann man mit Sicherheit die eigentliche Lesart nicht feststellen; seine Erklärung erfolgt ohne weiteres: 'V£221 '»V2 Z)2V2 *0 '2tr V£2 hy *?L12 njmir 71126 12'XV .tm6 ei Dioy) 11T£22 '"I Z-2V2. Dagegen liest Abraham ibn Esra ohne weiteres nr£2 und erklärt: Dirn TQ2 oxy w£2i n2'2 TH '!2'£2 21N21 11T£22 DtTH J721T2 1V2 Dirn 1122 ">12y2. Somit wird bei ihm 'V£2 geschrieben und 1V£2 gelesen. Aus besonderer Rücksicht auf die Ehrfurcht vor Gott habe David sich selbst anstatt Gottes bezeichnet, ähnlich, wie er weiter ausführt, wie D'KDn naVtr '221 *>2*?, wo die )>2ir ro sich selbst statt des Königs David als schuldig bezeichnet. Jehuda Ha-Levi in seipem Kusaxi, im 3. Abschnitt hat sich nicht ganz klar ausgedrückt, wenn er den Meister fragen läßt, wie man sich verhalten müsie, wenn man I2“iyx HX augenscheinlich für unyx HX liest, ebenso toir1? KIT2 *6 'ITS2, welches nach menschlichem Ermessen für 11TL2 stehe. D. Cassel in seinen Roten bemerkt, man könnte annehmen, entweder der Autor wollte nur das urgieren, daß wir nicht das Recht hätten, nach eigenem Gutdünken eine der beiden Lesarten (iir£2 und 'V£2) als die richtigere zu erkennen 0 d er er hatte nur die Lesart 'ir£2 vor sich, wie auch Raschi. Bon anderen Erklärern heben wir nur noch hervor Joseph Albo, der im Jkkarim (III <r. 30) alle anderen Erklärungen in sich vereinigt. Er schreibt nämlich: nyntr j>2tr2 i6tr -»di1? nxn Hii nnriD2n jrw rpn xbw -rn ^N2 i>vtt ^wb -»122 HYI' Itt miDDH tn b* ->122 KHtr ^VO2 H Ä21T D2D VW 1Q2 DWT\ b» 2V 2->n2n -D2 1VO2 □INH bti 2V 1VO2 \122 ilH' 1« 1VO2 N2Ziiri JQV) -fotrn N2!iV iü)b nxri 'n "H2 nty» D i£>y idhit •»2 D2N2 1ttV2 VÜV «Höh 12 1N2 M 12 IVrr .nv^Vn^ Dirrn N22V nv D2 1VO2 O-7VN MN. Aus besonderem Grunde nenne ich David Kimchi zuletzt, der eigentlich als Erster hätte genannt werden müffen, denn gerade für die Psalmen und die Auslegung derselben galt er zu allen Zeiten als eine sehr gewichtige Autorität. So hat er auch zu allen Zeiten den größten Einfluß auf die Fixierung des 2TD mit 1VS2 und des Hp mit 'VS2 geübt, bis dahin, wo Elia Bachur ihn widerlegt hat. David Kimchi erklärt unsere Stelle geradezu: DW ritt ttVkl $b 1D2 ^tt."! nvttv ttini XVJt t®*?* .1VO22 tt 'H ZMV2 2Ott> ]2112V ttin 1VV21 ttIV? Tp?» 1 x2V2 np Ek tt) "> 'VO2 <I seine rton 2HD D->ns (Hiob jwi: n2'tti i^in