Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 8 (20.2.1908)
- Date
- 1908-02-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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M.FiLrnur 1968, > Sprechraal. Die JTHHKfeener Sdiecfiifa. München, 5. Februar. Geehrter Herr Redakteur! Bei^ der Neuordnung der Münchener Gemeinde- Verhältnisse , die der Orthodoxie leider keine Selbständigkeit und Entwicklungsmöglichkeit gebracht hat, fällt besonders die mangelhafte Regelung der K a s ch r u t h - Institutionen ins Auge. Daß die orthodoxen Gemeindemitglieder sich nach wie vor vom Gemeinderabbiner trauen lassen müssen — auch wenn künftig an seiner Stelle der radikalste Freigeist und Gesetzesübertreter stehen sollte — das soll hier ebensowenig behandelt werden wie der ungeheuerliche obligatorische Religionsunterricht, den die Kinder der Gesetzestreuen bei neologen Lehrern zwangsweise „genießen." Denn das sind Dinge, die nur die Münchener angehen. Dem Schreiber dieser Zeilen, der sich nur vorübergehend, wenn auw auch monatelang in München aufhält, liegt dagegen besonders die Kaschruth-Frage am Herzen. Nach den neuen Bestimmungen besteh/ die Kaschruth-Konlmissron aus fünf Mitgliedern, von denen nur zwei orthodox sind. Selbständigkeit hat die Kommission überhaupt nicht, sondern sie hängt von dem souveränen Gemeindevorstand ab. Alle Schächter, vier, an der Zahl, wovon drei die Schechitah besorgen und einer di» Bedikah. sind von der neologen Gemeinde angestellt und, was das schlimmste ist, ein Schächter und der Baudek bekleiden sogar Aemter in der Orgelsynagoge selbst. Alle Versuche, die Schechitah des solchergestalt für den gesetzestreuen Juden nicht in Betracht kommenden Schächters von derjenigen der beiden anderen zu trennen, wurden von der Gemeinde prinzipiell' abgelehnt. Wer als » auf dem meiner Ansicht nach unanfechtbaren Standpunkt steht, daß das Fleisch der von jenem Schächter geschlachteten Tiere nicht genossen werden darf, ist derzeit nicht in der Lage, in den hiesigen Restaurants, die sonst trefflich geleitet sind, ohne Gewissensskrupel zu speisen. Sollte durch diese Mitteilung, wie ich dringend wünsche und sehnlichst hoffe, der Anstoß gegeben sein, daß die maßgebenden Persönlichkeiten eine schleunige Aenderung dieses beschämenden Zustandes herbeiführen, so wäre der Zweck dieser Zeilen erreicht. Hochachtungsvoll! „Kein Münchener". (Soviel uns bekannt, ist grundsätzlich, wie in Nürnberg auch in den Münchener Stipulationen der religionsgesetzliche Charakter der Schechitah programmatisch ausgesprochen. Es ist ferner für die Zukunft vereinbart, daß neu« n-n stellende Schächter keine Funktionen in der Orgelsynagoge zu übernehmen brauchen. U. E. muß und wird es daher schon aus rein logischen Gründen den Führern der Münchener Orthodoxie gelingen, der Gemeinde begreiflich zu machen, daß man unmöglich ein religiöses Prinzip von einem späteren Datum an als berechtigt anerkennen und ihm zugleich bis zu diesem Datum ins Gesicht schlagen kann! D. Red.) kpilog. Geehrter Herr Redakteur! Also nun ist Frieden allüberall!Von Ihrem Korrespondenten meroen Ihnen sicher die einzelnen Punktationen, jorfcbe die Verhältnisse in München und Nürnberg zu regeln berufen sind, mitgeteilt werden. Ich möchte Sie nur bitten, diesem kleinen Epilog ein Plätzchen einzuräumen. Denn die ganze Aktion entbehrte nicht manche interessante Episode. Man kann es heute ganz ruhig aussprechen, daß scheinbar der äußere Anlaß und innere Grund sich etwa so verhalten, wie es Dei dem gewaltigen Ringen zwischen Deutschland und Frankreich der Fall war. Es wurde ja speziell den Orthodoxen Münchens im Laufe der Verhandlungen oft genug vorgeworfen — und nicht bloß von ihren ausgesprochenen Gegnern —, daß sie ein geringfügiges Vorkommnis zum Ausgangspunkt des Kampfes gewählt hätten. Es ist wohl müßig, heute die Berechtigung dieses Borwurfes zu untersuchen. Der Ausgang hat bewiesen, daß sie eine gerechte Sache vertreten; dies bewies auch die während des Kanrvfes erfreulicherweise in Erscheinung getretene Anbahnung der Solidarität innerhalb der orthodoxen Kreise. Wir möchten heute die ruhige Freude ob der gewonnenen Position nicht durch die Daxlegung stören, wie trotz alledem einzelne Orthodoxe teilnahmslos fernblieben, darüber wird ein ander Mal zu reden fein. Jedenfalls ist es dieser „Resignation" zuzuschreiben, daß Kampf und Erfolg auf München und Nürnberg beschränkt blieben. Hierbei darf nicht verkannt werden, daß ursprünglich die Verhältnisse in München und Nürnberg ganz heterogen gelagert waren. In München war schon eine ganz innige Beziehung zwischen der Zentrale der Orthodoxie (Verein zur Förderung der jüdischen Wissenschaft — Ohel Jakob) und der Gesamtgemeinde vorhanden. Man kann den in München jetzt erreichten Erfolg als die. gesetzliche Regelung des bereits vorder vorhandenen Zustandes bezeichnen. Und da ist es eine Ehren- Der Israelit. No. 8. Seite 8 Pflicht, es offen auszusprechen, daß Herr Rabbiner Dr. Werner, dessen konservative Gesinnungen es uns stets bedauern lassen, daß ihn sein Lebensweg in eine Reformgemeinde geführt, trotz mancher 'leidvollen Stunde unermüdlich für unsere heilige Sache eintrat. Es war seine Tendenz, dasjenige, was er freiwillig schon seit Jahren betätigte, für alle Zeiten und auch für veränderte Konstellationen sestlegen zu lassen. Schreiber dieser Zeilen darf es ruhig aussprechen, daß er in allen .Stadien dieser Angelegenheit in stetiger Beziehung zu Dr. Werner stand und fast in jedem Punkte freudige Uebereinstimmung konstatieren durste. Ganz anders lagen die Verhältnisse in Nürnberg. Die Adas-Jsroel, die lokale Zentralisation der dortigen Orthodoxen, existierte nämlich, offiziell überhaupt nicht. Das war eine seltsame Situation. Eine sehr schöne und würdige Synagoge, ein tadelloses Ritualbad, eine pädagogisch einwandsfreie Religionsschule — und das alles — existierte nicht. Nun fühlten sich allerdings die Adas-Jsroel-Mannen trotz dieses Traumlebens ini Großen und Ganzen recht behaglich. Aber trotzdem mußte es Bedenken erregen, einen solchen Zustand kommenden Generationen eum bevekieio ivventarii zu überlassen. Deshalb mögen auch die Nürnberger sich stiller Freude hingeben. Auch hier übrigens hat der neue Rabbiner, Dr. Freudenthal, am Zustandekommen der Einigung mitgearbeitet. Daß schließlich auch in der Verwaltung beider Gesamtgemeinden vernünftige Männer sitzen, welche die Zeichen ihrer Zeit — wenn zum Teil auch widerstrebend — verstehen, beweist der Erfolg. Auch hier möge der Wahrheit die Ehre gegeben und konstatiert werden, daß. der sonst so oft bemängelte juristische Einschlag in unseren Verwaltungskörpern sich in diesem Falla gut bewährt hat. Wir betrachten das Erreichte als einen Ansporn in doppelter Beziehung. Zunächst für unsere Gesinnungsgenossen. Mögen diese ihre Organisationen als Stät en der Pflege . on nun auäbauen unb so den Gesamtgemeinden zur Zierde und integrierendem Bestandteil werden. Sie werden jetzt voraussichtlich lange Jahre wenig Kraft zur Festigung ihrer Position nach außen brauchen; mögen sie diese Kraft jetzt zum inneren Ausbau verwenden, um vor allen Dingen Alt und Jung zum Lernen heranzuzieyen. Auch bei den Ausgaben der Gesamtorthodoxie Deutschlands erhoffen wir ihre wertvolle Mitarbeit. Sie mögen ferner die mehr in der Diaspora lebenden Gesinnungsgenossen zu erhalten und zu ermutigen versuchen. Für die Gesamtjudenheit Bayerns aber ist jetzt eine neue Aufgabe erwachsen. Biele Mängel der bisher zu Recht bestehenden Gesetze, Verordnungen und Entschließungen sind im Laufe der abgeschlossenen Verhandlungen zu Tage getreten. Jetzt, nachdem alle Bitterkeit beseitigt, mög-n alle Juden Bayerns zu ernsten Beratungen zusammentreten, um einen Weg zu finden, wie in ruhigen Zeiten eine moderne und doch von echt jüdischem Geist getragene Grundlage der Rechtsverhältnisse für die bayrischen Juden geschaffen werden kann. Für uns freilich ist ein bitterer Tropfen im Frcudenkelche des Erfolges zurückgeblieben; das ist die ungelöste Frage des obligatorischen Religionsunterrichtes. Manch gutes Kind bringt da Stunden unter furchtbarem Gewissenszwang zu, mancher gute Keim — doch wir wollen hier die ganze schwere Frage nicht erörtern. Wir hoffen, daß auch hier im Lause der Zeit eine allseits befriedigende Lösung gestruden werden wird. Dann erst haben wir den Besten unserer Zeit, unseren Kindern, ein Genüge getan. — P. A. (Man vergleiche hierzu unsere Ausführungen in der Wochenrundschau dieser Nummer; die still-zufriedene, optimistische Gemütsstimmung, von der die Ausführungen des hochverehrten Herrn Einsenders in ihrem ersten Teile getragen smd, mag psychologisch als Reaktion gegen die vorangegangenen Kämpfe verständlich fein, der Außenstehende wird wesentlich nüchterner urteilen müssen. Umso bedeutungsvoller ist es, daß auch dem Herrn Einsender die jetzt erfolgte Regelung nur als ein Anfang zur Neuordnung der Rechtsverhältnisse der bayrischen Juden erscheint. D Red.) c öehülkenoerdiinSe. TT' jBerehrl. Redaktion des „Israelit" Frankfurt a. M. Ich nehme Bezug auf das Eingesandt in der letzten Nummer Ihres werten Blattes, das fich mir der Verschmelzung der Gehilfenvervände beschäftigt, und erlaube mir hiermit, besten Gedankengang ein wenig Wetter zu Verfölgen. SS bedarf wohl keiner Frage, baß es Pflicht und Schuldigkeit eines jeden jüdischen jungen ManneS ist, aus fraglichem traurigen Ereignis die nöttaen Konsequenzen zu ziehen und einem Vereine den Rücken zu kehren, der fick mit einem Verbände ausgesprochener antisemitischer Tendenz verbrüdern will. ES gibt doch wirklich noch genügend andere Verbände, die mindestens in demselden Matze die StandrSintereffen de« jungen Kaufmanns vertreten können unb ihm auch die nämlichen Annehmlichkeiten zu bieten wissen. — Bei dieser Gelegen heit möchte ich es nicht versäumen, auf unsere jüdischen Lrufmärmischen Vereine hinzuwetsen, unter denen wohl der ^verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit, Frankfurt a. M." die erste Stelle einnimmt. Wenn auch diese Vereine, und dies da» f der Wahrheit zu Ehren nicht verschwiegen werden, leider lange nickt die Beachtung der gesetzestreuen Chefs indem Maße befitzen, wie fie eS verdienen, und daher die Stellenvermittlung, einer ihrer Hauptzwecke, noch viel zu wünschen übrig läßt, so ist es doch die moralische Pflicht eines zeden jüdischen Kaufmanns, einem jener Vereine, schon auS Liebe zu der guten Sache, beizutreten, damit dieselben durch wachsende Mitgliederzahl die Beachtung erringen, die fie heute bedauerlicher Weife noch nicht gefunden haben. Hc chenburg-Marktbrett.;ii? i ■ ß Schlafkrankheit In der letzten Zeit tagte in London der internattonale Kongreß zur Er orschung und Bekämpfung der lötlichcn Schlafkrankheit. Die bahnbrechenden Untersuchungen Robert Kochs kommen da zur Sprache, welcher die Tse-Tfe-Fliege als die Trägerin der Krankheitserreger (Trypanosomen) festgestellt hatte. Es ist vielleicht nicht uninterestant, daß in der miD von einem kleinen Tierchen die Rede ist, daS tötltcheS Gift auf die Menschen überträgt und fie dadurch vernichtet. n*t YWfrtPI njnsnnjns erklärt 1"V-, als ein Keines Insekt, welches in die Augen der Menschen sticht und fie durch das ein» geführte Gift tötet. Jedenfalls ist hier zum erslenmale in der Thora von der Uebertragung der Krankheitserreger durch Infekten die Rede. Dr. med. Rainer, Wiesbaden Verein Mekor-Chajim Sonntag, 23. Febr., abends 6‘/4 Uhr, in der Aula der Realschule, Am Tiergarten 8: Bortrag des Herrn Dr. Raphael Breuer über das Thema: „Sind Träume Schäume?" Jüdischer Frauenverein. Montag, den 24. Februar, abends 8* 1/» Uhr im Saale der Loge zum Frankfurter Adler, Seilerstr. 22, 2. Lehrgang: „Gebet und Gebete" III. Vortragender: Herr Jacob Rosenhetm. An Spenden gingen ein: Für heimgefuchte russische Jude»: Gesammelt beim Benscken 10, Ungenannt Königsbach 20. Für hungernde östr.-nngar. Israeliten i» Jerusalem; David Büchler» Vag Besztercze 40. Für Volksküche in Jernsalem: Sal. Levy» Waldeck 8. Für Rothleideude in Jernsalem: Katz in Cassel 2, Jacob Hirsch 2.10, A. Haas 2, N. N. 2, durch Herrn Beit Kahn, Cannstatt: von ihm selbst 80, Ed. Auf- Häuser 5, Siegst. Kahn 25, Erlebacher 25. F. Levi 10, F.Hanauer 3, I. Thalheimer 5, I. Rothschild 5, M. Stern 10, I. B. Levi 3, I. Jordan 3, S. Wertheimer 2, M. Thalheimer 3, B. Ostertag 3, I. Stein Wwe. 2, E. Grünwald 5, E. Lindner 3. D. Nathan i. F. Gebr. Nathan 100, S. Strauß 25, Herzer Wwe. 0,50, E. Neter in Mannheim 5, L. Strauß 25, Löwenthal 20» Marx & Strauß 10, M. Marx 20, Lobstein 3, E. Rothschild 5, I. Hanauer 5, A. Nathan 2, M. Hirsch 5, Dr. Bär 5, Dr. Löwe 5, Falk Adler 5, Karl Kaufmann, Gr. Krotzenburg 20, M» R. Cöln 2.50. AuS tzulda von Frau G. 5, Leo Nuß aum 5, Lehrer Löwenstein 5, S. Birk 5, Js. Werthenn 5, Lehrer Neuhaus 5, Max Stern 5, M. Weilburg 5. Bon Dr. K. in Pl. für einzelne bestimmte Zwecke 277.05. Durch Lehrer Bachrach in Reichensachsen von Wwe. Blach I, D. Stern I, Sußm. Etem 1. Sal. Stein 1, Jona« Stein.1, Jacob Stein 1, Aron Stein 1, Albert Stein 1, Ephr. Stein 1, G. Rothschild 1, B. Löwenstein 0.50, S. Fink 1, Jos. Seelia 1, L. Goldschmidt (X50, I. Blaut 1, N. Blach 0.50, I. Narewczewitz» Mendorf 1, N. N. 1, S. Lissauer, Ungedanken 1. Lehmann, Dieröberg 10, Für eine« der Lauroh lernt: Katz, Cassel 3. Für Abgebrannte to Radzilowa: Katz, Cassel 2, R. G. H. 10, Sal. Rosenhaum, Frkst. 10. Für die hnngernde» Kinder in Jernsalem; N. N. 100, 91. N. 25, drei Geschwister 1.20, F. Bodenheimer, Heidelberg 3, Schulsammlung in BraunSbach 20, Anonym aus München 12, Sammlung durch Lehrer Rothschild, Hoof 10.40, Sammlung durch Lehrer Heß, Treuchtlingen 58, N. N. 10, Max Hirnheimer, Bamberg 5, N. N. 5» A. Katz- Obernkirchen 5, durch H. Dr. Goitem, Burgkundstadt aesammedurch die Schuljugend in Burgkundstadt 42.20 in Altenkundstadt 14.80 in Kulmbach 9, I., Hamburg 3, durch Lehrer Brader» Jchenbaufen 15, Sammelbüchse Pension Sandernel 20, N. N. Marktheidenfeld 4. N. N. 2, R. B. Fulda 10, Alex Kntz, New- Aork 40. Für Waisenhaus in Jerufalemr l A. K„ Mannheim 5, Heß, Pfaffenhofen 5. Für «ebb Meier baal Hanneff. Aus Hildburghausen. 1. —J| 7 Aufruf zur Linderung. HR. N. 2. Brückbeimer, KülSheim 3. Adolf Lewin, Königs- Hütte 10, K. S. Haßfurt 2, N. N., BenSheim 2, H. Rothschild, Alsstld 2, Oberrabbiner Schreiber, Eger 5,09, Brandt, St. Gallen 3, Oberrabbiner Schreiber, Eger 12,39, Badrian, Hamburg 2, Dr. I. H, Hamburg s, R. Eppstein, Greußendeim 5, Gef. v. Rabbiner L. Höxter, Berlin iS. F. Landau, Hamburg 5, G. Herz, Borghorst 3, H. Bär, Ahrweiler 10, R. R., Frkst. 2, L. Brückheimer, Keilsheim 3, N N. Marktheidenfeld 6, Gundelsinger, Ulm 5, Kaufmann Ab» Dieburg 5» R. N» Rexingen 1, I. Wimpfheimer, Jttlmgen 5, E. Wertheimer, Hackheim 8,50, N. N., Niederaula 8, H. K. Frkst. 3, N. N. Möckmühl 3, AuS Heidelberg 10, L. Blumenstein, Günzenhausen 3» Ben und Bas Zion, Rexingen 1.