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Der Israelit · 1908-02-20 · Heft 8 (20.2.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 8 (20.2.1908)
Date
1908-02-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8. 20 Februar 1908. DerJSraelit. erklärte aber von vornherein, er bedaure lebhaft, baß die Herren sich erfolglos bemühten. In einer zweistündigen Besprechung setzte Herr Erankt die Gründe auseinander, warum die orthodoxen jene Propositionen nicht einmal in Erwägung ziehen können. Wenn es die Neologie rnit dem konfessionellen Frieden ehrlich meine, müsse sie zuerst ihre eigene Organisation nach ihrem eigenen Geschmacke unter Dach und Fach bringen und dabei die zu Recht bestehende orthodoxe Autonomie nicht im mindesten tangieren. Wenn nachher unter aufrichtiger Mitwirkung der neologen Führer die beiden von einander vollständig unabhängigen Organisationen durch die Legislative sanktioniert seien, dann könne man zur Schaffung eines Forums für gewisse Fragen von gemeinsamem Interesse schreiten. Die neologe Abordnung bat trotzdem den Präsidenten, daß er ihren Vorschlag der orthodoxen Landes- Repräsentanz vorlege, was Herr Frankl versprach und diesem Versvrechen gemäß auch tat. Die Landes-Repräsentanz wollte in eine meritorische Verhandlung über das neologe Projekts sich gar nicht einlassen und ging über den Zwischenfall rasch zur Tagesordnung über. .Die neologe Presse wird jedenfalls aus dieser scheinbaren Friedensliebe ihrer Gesinnungsgenossenpolitisches Kapital schlagen und die bösen Orthodoxen als Störenfriede und professionsmäßige Schismatiker hinstellen. Aber neu ist auch dieser Eoup nicht. Der Spiritus-Rektor in der neologen Hexenküche, der alte Josef Simon, hat dieses Manöver schon einmal gemacht. Auch damals waren die Aktien unserer neologen Brüder im Fallen begriffen. Die Beratungen der orthodoxen Landes- Repräsentanz wurden öffentlich abgehalten. Der diese Versammlung betreffende Teil unseres vorwöchigen Berichtes sei noch durch einige sehrbemerkenswerte Details ergänzt. Präsident Frankl refererirte über die anläßlich der Genesung des Königsund der vierzigsten Jahreswende der Emanzipation an Se. Majestät gerichtete Huldigungsadresse und brachte djen Allerhöchsten Dank für dieselbe zur Verlesung. Dieser Teil der Rede und die Verlesung der Dankschrift wurde stehend angehört. Am Schluffe brach die Versammlung in begeisterte „NT" und „Eljen-Rufe" aus. Als der Präsident in seinem Bericht über den vielbesprochenen Ministerialerlass mit erhobener Stimme der Versammlung zurief: kVi D"pn K*? 'Mn! da erfaßte flammende Begeisterung alle Hörer, und diese gehobene Stimmung beherschte die Teilnehmer bis zum Schluffe. Der Vorsitzende skizzierte den Inhalt seines Antwortschreibens, das die apodiktische Erklärung enthält, daß der Schulchan-Aruch es jedem Gesetzestreüen verbiete, sich mit den Neologen zu vereinigen, und es gebe auch keine Macht auf Erden, die im Stande wäre, die Orthodoxie in eine Einheit mit den Neologen oder auch nur zu einem mit ihnen gemeinsam abzuhaltenden Kongreß zu zwingen. Redner sei überzeugt, daß das gesamte gesetzestreue Judentum in dieser Frage mit ihm übereinstimme und er habe die Landes-Repräsentanz blos zu dem Zwecke einberufen, um diese jeden Zweifel ausschließende Tatsache öffentlich zu dokumentieren. Weiters könne er auf Grund positiver Informationen versichern, daß ak hoher Stelle absolut keine Absicht, zwangsweise eine Unifikation herbeizuführen, bestehe und er bitte auch dem Kultusminister volles Vertrauen auszusprechen. Der hauptstädtische Arzt und Präsident der orthodoxen Chewrah-Kadischah, Dr. Jakob Schächter, der als Referent der „Politischen Kommission" seinen Bericht vorlegte, richtete an die Versammlung folgende Ansprache: In unserer Kommission referierte der verehrte Herr Präsident über alle Phasen seiner umfassenden Tätigkeit in jüngster Zeit. Aus seinen vertraulichen Mitteilungen haben wir die Ueberzeugung geschöpft, daß er im Interesse des orthodoxen Judentums alles Nötige getan, wie es nicht besser und vollkommener hätte geschehen können. Zur Beruhigung unserer Gesinnungsgenossen füge ich noch hinzu, daß Handelsminister Kossuth anläßlich des Empfanges der jüdischen Kaufleute in der Angelegenheit der Sonntagsruhe mir gegenüber den Ausspruch tat: „Es werde seitens der jetzigen Regierung nichts geschehen, was gegen die Interessen der orthodoxen Judenschaft verstoßen würde." (Lebhafte Rufe: Eljen Kossuth!) Auf Grund dieser Tatsachen — schloß Redner — beantragt die politische Kommission, dem Herrn Präsidenten Frankl, sowie dem Kultusmininster Grafen Apponyi Dank und Vertrauen zu votieren. Ferner möge der Gesamtregierung,* speziell aber dem Handelsminister Kossuth unsere Anhänglichkeit zum Ausdrucke gebracht werden. Die Anträge Dr. Schächters wurden einstimmig zum Beschluß erhoben. Für die zu großen Hoffnungen berechtigende Intervention Dr. Schächters in der Angelegenheit der Sonntagsruhe wurde von der Repräsentanz Dank und Anerkennung ausgesprochen. Die Antwort des Kultusministers Apponyi an die neologe Monstredeputation hatte zu der gehobenen Stimmung, die in der orthodoxen Landesversammlung herrschte, wesentlich beigetragen. Es ist das der zweite Fall, daß dieser treffliche Staatsmann in seinen Antworten auf die Huldigungsansprachen der neologen Führer mit ausgesuchter Feinheit programmatische Erklärungen zurBeruhigung der Orthodoxen abgiebt. Wie sagt doch ein altes Wort der Weisen'? pmy n'tpya onsK^o mpa bv 12122 □ '-um Ueber die Ehaneen eines zweiten Kongresses, über den plötzlichen Wechsel der neologen 'Taktik, über die Möglichkeit eines Zusammenwirkens in Fragen von allgemeinem Interesse, wie über die zielbewußte defensive Arbeit des orthodoxen Landespräsidiums das nächste Mal. Einheifüdie Organijafion? (Bon unserem Korrespondenten.) Budapest, im Februar 1908. Der in diesen Blättern bereits besprochene Erlaß des Kultusministers, in welchem beide Kanzleien aufgefordert wurden, sich gutachtlich darüber zu äußern, welches Vorgehen zweckmäßig wäre, um einen allgemeinen Kongreß einberufen ru können, hat in gesetzestreuen Kreisen große Beunruhigung hervorgerufen. Jeder Eingeweihte ist zwar von dem Bewußtsein durchdrungen, daß die Regierung sich hüten werde, einen Gewissenszwang auf die Orthodoxen auszuüben oder dieselben auch nur durch einen „sanften Druck" zur Unifikation zu zwingen, daß demnach die orthodoxe Autonomie durch diesen Regierungsakt nicht unmittelbar bedroht sei - man zittert aber vor dem Gedanken, daß die unheilvollen Kämpfe des unfetigen Kongresses von den Neologen auf's neue heraufbeschworen werden. Es gab genug Chillul- Haschem in den siebziger Jahren, als die Reformhelden durch ihre Abgeordneten im ungarischen Parlamente hebräische Auszüge aus jüdischen Büchern tendenziös entstellt übersetzen ließen, um die gesetzestreuen Rabbiner als Feinde der Bildung und der nationalen Kultur zu stigmatisieren. Es war eine besondere Gnade Gottes, daß dieses frivole Spiel keine schlimmere Folgen hatte. Der Edelsinn und die Ritterlichkeit der ungarischen Nation, der liberale Sinn der ungarischen Staatsmänner hat dieses gehässige Treiben unserer Glaubensbrüder glücklich überwunden. Sollen die judenfeindlichen Instinkte nun neuerdings aufgestachelt werden? - Für den 15. Februar hat die neologe Landeskanzlei ihre Diftriktspräsidenten zu einer Plenarversammlung eimberufen. Die orth. Zentralkommission wird schon in den nächsten Tagen eine Konferenz abhalten. Die aus 100 Mitgliedern bestehende orth. Landes-Repräsentanz wird in der am 16. ds. Mts. stattsindenden außerordentlichen Tagung zu dem in Rede stehenden Erlaß Stellung nehmen. Wir betonen aber nochmals, daß von einer Sette 7. wirklichen Gefährdung der orthodoxen Autonomie im derzeitigen Stadium der Angelegenheit '"?n keine Rede sein kann. C s 0 r n a, 12. Febr. Der in Oedenburg und den umliegenden Bezirken bestehende Verein „Cbewra Machsike Hadas", über dessen Gründung wir vor einiger Zeit berichten konnten, hat am 9. Februar in Oedenburg die erste Sitzung seines Verwaltungsrats abgehalten. Es wurde einer Anregung des „Israelit" zufolge der Beschluß gefaßt, daß sich der Verein bei der in sein Programm aufgenommenen Förderung der Schabbos - Heiligung mit dem Preßbu'rger „Schaumre Schabbos-Berein" in Verbindung setzen und ferner dahin wirken wolle, daß alle den gleichen Zweck verfolgenden Vereine des Landes sich den Preßburger N2V 'iDlir anschließen. Die Sitzung des Berwaltungsrats war von 20 Mitgliedern aus allen Bezirken besucht. Die übrigen Beschlüsse, die gefaßt wurden, beziehen sich auf den organisatorischen Ausbau der „Chewra Machsike Hadas". «*, ' Frankreich. Paris, 6. Febr. Dem „Matin" wird gemeldet, daß 150 Israeliten aus Furcht vordem Schaujastämmen aus Settat mit den französischen Truppen nach BerReschid flüchteten. Ungefähr 50 Israeliten, welche sich den französischen Truppen nicht anschließen konnten, wurden bei der Wiederbesetzung von Settat von . den Marokkanern niedergemacht. Rußland. Petersburg, 11. Febr. Auf Grund eines seit lange bestehenden Gesetzes hat der russische Minister des Innern die Wiedereinsetzung der Rabbinerkommission für Rußland angeordnet. Diese Rabbinerkommission besteht ans einem Vorsitzenden und sechs Mitgliedern. In die Kompetenz der Rabbinerkommiffion fallen die Entscheidungen über innere geistige und religiöse Fragen der Juden, wie sie das Leben Tag um Tag ergibt. Die Mitglieder der Kommission werden aus der Mitte einer größeren Anzahl von Kandidaten ernannt. Die Juden wählen nämlich aus jedem Gouvernement drei Kandidaten und aus jedem Kreise, der außerhalb der Kompetenz des Generalgouverneurs liegt, je zwei Kandidaten. Die Liste der Wahlberechtigten unterliegt der Genehmigung des Ministers des Innern. An der Wahl solcher Kandidaten können Kaufleute, Rabbiner und sonstige hervorragende Persönlichkeiten teilnehmen. Der Vorsitzende der Kommission wird alljährlich vom Minister des Innern ernannt. Die Tagung der Kommission dauert jährlich ununterbrochen zwei Monate. Während dieser Session hat die Kommission in allen den jüdischen Fragen ihr Gutachten abzugeben, welche dem Ministerium des Innern im Verlaufe des Jahres zur Beurtellung vorgelegt wurden und ein Gutachten erheischen. Die Regierung hat die Absicht, diese Einrichtung zu stabilisieren. Die Institution dieser Art jüdischen Konsistoriums in Rußland datiert aus dem Jahre 1848. Ihre frühere Tätigkeit läßt sich heute schwer bestimmen, da vor mehreren Jahren eine Feuerbrunst das Archiv der Kommission eingeäschert hat. Einige Spuren von der Tätigkeit der Rabbinerkommiffion sind aus dem Jahre 1857 erhalten geblieben. Später wurde diese Kommission viele Jahre hindurch überhaupt nicht einberusen. Die letzten zwei Tagungen der Rabbinerkommiffion haben in den Jahren 1879 und 1893, also in Zwischenräumen von 14 Jahren stattgefunden. Der Vorsitzende der letzten Taguna war den gegenwärtige Kownoer Rabbiner Hirsch Rabinowitz und ihre Mitglieder waren der Advokat-Baratz, der verstorbene Kischenewer Rabbiner Katlowker, der verstorbene Bialistoker Rabbiner Samuel Mohilewer, der verstorbene Mistislawer Rabbiner Rabbi Hillel, ein Rabbiner Gottesmarm aus Zitomir re. Die Kommission tagte damals vom 11. November 1893 bis 20. Jänner 1894 und befaßte sich hauptsächlich mit Eherechtsfragen, Scheidungsangelegenheiten, Chalizah rc. Ob das

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