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Der Israelit · 1908-02-13 · Heft 7 (13.2.1908) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 7 (13.2.1908)
Date
1908-02-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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■ ■ ,;r' ~:: ' Der a^tödtt W.41^ Ro. T. «M s Mrs« wird. Mr. Nathan Barnett, der im öffentlichen Leven der Stadt Paterfon hervorragende Rolle spielt, ließ Vox einigen Wochen auf eigene Kosten eine herrliche Synagoge aufführen, die er dann feinen Glaubensbrüdern zum Geschenke machte. Nun ist Mr. Barnett, der ein konser vativer Jude ist, mit deu Reformbestrebungen, weiche in „seine" Synagoge Eingang'gefunden, durchaus unzufrieden und reklamiert die Synagoge. Da die Majorität r er Gemeinde rrformfrcun lich geworden ist und die Wünsche öeS Spenders nicht respettiercn will, andererseits Mr Barnett eS mit seinem Gewissen unvereinbar erklärt hat, die Synagoge in den Händen der Reformer zu belassen, so dürfte es zu einem Prozesse kommen. Vereivrvere». Berlin, 11. Febr. Eine Feier seltener Art wird der hiesige „Talmud-Verein" (Schaß - Chewra) am nächsten Son> tag (16. Februar) begehen, nämlich einen sogenannten DVD- In täglichen Vorträgen, die der Rektor Dr. D. Hoffmann gehalten hat, wurde der ganze Talmud beendet, wozu ein Zeitraum von. 20 Jahren erforderlich war. Dielen Abschluß gedenkt der „Talmud Verein" in gerechter Freude über daS zumal in der Jetztzeit seltene Ereignis festlich zu begehen und zwar cm Nachmittag 5 Uhr durch eine Feier in seinem Lehrhause (Oranienburgersttaße 6t), sowie durch ein F» stmahl abends 7 Uhr im Saale der Ressource Schadowsttaße 6/7, zu dem der Vorstand des Vereins, Herr Adolf Prager, Reue Schönhausersttaße 7, soeben die Einladungen ergehen läßt. Berlin, 10. Febr. Am verflossenen Montag veranstaltete der „Verein für überliefertes Judentum" in Berlin in Neumanns Festsälen eine Versammlung, in der Herr Dr. Arthur Kahn einen Vortrag über die Zukunft deS Judentums im Lichte, ber Statistik hielt. Wie von dem Referenten kaum anders zu erwarten, waren dessen Ausführungen von Überzeugender Kraft getragen. Bon der Tatsache aus, daß gegenwärtig innerhalb des Judentums Orcantsationsbestrebuvaen -im Zuge find, wie sie seit Jahrhunderten kaum gesehen worden find, ist eS merkwürig, daß zu gleicher Zeit von allen Seiten die Frage aufgeworfen wird, ob das Judentum eine Zukunft habe. In dcm Auftauchen dieser Frage kann daS Judentum einen warnenden Ruf des Schicksals erkennen. Wenn es wahr ist, daß die Forterhaltung einer Volks- oder Stammesgemeinschaft die Erzeugung und Erhaltung einer hinlänglichen Nachkommenschaft als erste Vorbedingung fordert so ist diese in der modernen Junömheit aufs bedenklichste ins Wanken geraten. Weist doch die jüdische Geburtsstatistik ein Minus von fast 4 Prozent im Vergleich zu der der nichtjüdtschen Umgebung auf und dreivtertel Prozent weniger als die Franzosen mit ihrer sprichwörtlich gewordenen Sterilität! Dazu kommt > och der rapid um fich greifende Ausfall an Bevölkerung durch die Mischehe. Das in dieser Beziehung vorgeführte statistische Zahlenmaterial war geradezu von niederschmetternder Wirkung» Weist doch das Jahr 1907 in Berlin allein unter 767 von jüdischen Personen geschloffenen Ehm 255 Mischehen aufmit anderen Worten: jede dritte von jüdischen Personen geschloffene Ehe rn Berlin war eine Mischehe! Berlin kann den zweifelhaften Ruf für sich in Anspruch nehmen, auf diesem Gebiete jeden Rekord zu schlagen- Der weitaus größte Teil der aus solchen Eden hrrvorgehenden Kinder fällt naturgemäß dem Christentum zu. Auf diesem Wege erleidet die deutsche Judenheit, da di Verhältnisse im allgemeinen ähnlich liegen, jährlich eMen Ausfall von 2000 Seelenhierzu kommt der bereits besprochene Ausfall an Geburten, deren Zahl 2VV0 unter der Norm bleibt, und endlich noch der Verlust von etwa 1300 Seelen durch Austritt und Taufe. Bet einem Bestand vom.600000 Seelen im ganzen Deutschen Reich bedeutet dieses — vorausgesetzt, daß die Taufen und Mischehen nicht noch zu, und die Geburten nicht noch weiter abnehmen — einen jährlichen Verlust von 1 Proz. der Bevölkerung inmitten einer 63 Millionen betragenden nichttüdlschen Gesamtheit, die' noch dazu in steigendem rapidem Wachstum begriffen ist. Man würde das Bild noch mehr komplizieren, wollte man auch auf den Ausfall von Individuen durch Nerven- und Geisteskrankheiten eingehen, deren Zunahme noch immer nicht zum Stillstand gelangt ist. Auch die Ziffer der in den letzten 10 Jahren durchschnittlich die Zahl 187 erreichenden jährlichen Selbstmorde u ter den Juden ist hauptsächlich deswegen so bedenklich, weil fie gle chsam den sehr gesteigerten Koeffizienten eines betrübenden moralischen Mederganges bedeutet. Denn tatsächlich sind auf diesem Gebiete die im Süllen wirkenden Uriachen der gedachten Verfallerscheinuri gen zu suchen. Natur forschung und Geschichte haben seit langer Zeit gleichmäßig zu dem Ergebnis geführt, baß alles gesunde, aufstrebende Volkstum seine tiefsten Wurzeln in der Familie hat. Diese wieder kann nur dann fich naturgemäß und gedeihlich entfullten, wenn durch Fernhaitung jeder Blutmiichuna für die Reinheit der bildenden Kräfte gesorgt, wenn Zucht und Sitte aus ihrer herrschenden Sülle nicht verdrängt und die liebevolle Pflege der volkserhaltendcn lieber lsiferuMen die Herzen mit Anhänglichkeit und Treue erfüllt. Wer wüßte nicht, wie sehr diese drei geistigen Grundpfeiler alles äußeren Gedeihens im heutigen Judentum ins Wanken geraten! — In der hierauf sich entspinnenden Debatte ergriff zunächst Herr Dr. Fink das Wort und führte dabei aus: Es sei merk» würdig, daß die vom Vorredner angeführten Tatsachen, die man geradezu mit dm Händen greifen könne, von den meisten Juden übersehen werden. Es kommt als täuschendes Moment in Bettacht, daß die deutsche Judenheit zur Zett an wenigen Handels- und Berkebrsmittelpunkten in Großaemetndm konzentriert sei. Uetzerblickt man. beispielsweise die Groß gemeinde Berlin mit ihren mehr als 100000 Seelen, so ist man leicht geneigt, ftth bei dem Gedanken zu beschwichttgen, daß wenn auch 1000 davon verloren gehen, immer noch 99000 übrig bleiben. Es scheint, daß dem Juden, der doch sonst als guter Rechner betrachtet wird, sobald es fich um die All gemeinhett betreffende jüdische Ang, legenheitcn handelt, seine ganze Arithmetik verloren geht. Wenn man aber das hier zum Borttag Gebrachte einmal in die Geschäftssprache übertragen wellte, so würde man bald das Gefährdete unserer Lage erkennen. Gefahr.ich ist aber auch der optimistische Trost, der, sobald von Abfall die Rede ist, in dem Gedanken gipfelt: „lut nichts, wao abfallt ist Abfall'ohnehin!" Indes gereicht es einem Baume zur Ehre, wenn er anstatt seine Früchte zum Reifen zu (ringen, nur Fallobst zeitigt? Diese Art der Verteidigung ist doch eigentlich eine der schwersten Anklagen. Mlt dem Referenten, so erklärt Dr. Fink, müsse man fich nur identisch erklären, wenn er, um die Zukunft des Judentums zu sichern, das Postulat stelle, daß wir wieder ein echt jüdisches Haus, mit einer wahrhaft jüdischen Frau, deren Ideal nicht ein glanzvoller Salon, sondern ein harmonisches Familienleben sei, errichten müßten. — Im weiteren Verlauf der Debatte erwähnte Herr Wedell, daß die vom Vorstand des Vereins an den Vorstand der Gemeinde gerichtete Petition abschlägig beschieden worden sei, wiewohl (od. weil?) dieselbe im Sinne des überlieferten Judentu» s gehalten wäre. Bon anderer Seite wurde auf Mißstände beim Religionsunterricht hingewiesen usw. Die Versammlung nahm, trotzdem der Redefreiheit der weiteste Spielraum gewährt war, einen ruhigen und würdigen Verlauf. Strasburg i. E., 11. Febr. Der „Frauen- Bserein der Israelitischen Religionsgesesls ch a f t" hielt seine Jahresversammlung ab. Der Verein, der seine Tätigt it besonders auf n"J! und nplS erstreckt, war auch im verflossenen Jahre sehr regsam. Es wurden etwa 400 Mk. für Unterstützungen aller Art ausgegeben. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden wtedergewählt. Straftburg i. E-, 11> Febr. Am Mittwoch, 4 Februar wurde von' einem Mttlied der Frankfurter Ortsgruppe des „Verbandes der SabbatSfreunde" in LingolSheim bei Straßlurg etneOrtsgruppe gegründet, der 22 Mitglieder, fast die ganze Gemeinde, beittaten. Personalieii. Fürth t. B, 10. Febr. In der Vollkraft ihres Lebens, ohne alle Vorzeichen der nahenden Vollendung, ist eine Frau vom Schauplatz des Wirkens abberufen worben von der man sagen durste: ni33* Frau Rosa Feuchtwanger, die Gattin des vor mehreren Jahren Heimgegangenen Herrn Amson Feuchtwanger y'jfl. Wer die von heiterer Lebenslust erfüllte Frau reden und handeln sah, wer sich an ihrem lebendigen Interesse für alle kleinen und großen Ereignisse des großen und leinen Lebens erfteute, der mußte den starken, von Schicksalsschlägen ungebeugten Geist bewundern, der in ihr lebte. Und cs war der eckte jüdische Geist schaffensfroher Pflichterfüllung, der fie befähigt hat, an der Sette ihres Gatten elf Kinder zu Juden und Jüdinnen zu erziehen und so eine Saat auszustreuen, die in Nah und Fern zum Segen der jüdischm Gesamtheit aufgegangen ist und aufgehen wird. nYWIW TVOS IDp htod Dnsw . Fü th f. B, 12. Febr. Kaum hat fich der Erdhügel über dm sterblichen Resten einer edlen jüdischen Frau auS unserem Kreise geschloffen — und schon ist's eine nrue, alle Gemüter ergreifende Trauernachricht, die unser nbnp trifft: Herr Jacob Cramer, diese alte stämmige Eiche auS guter alter Zeit ist dahingegangen. Noch fehlt die Ruhe dem Freunde das Wort des Abschieds nachzuruien und seine kernige Gestalt zu zeichnen. Möge das G bet Erbörung finden: -py jNJf Dm -pT rpn Bad Schwa bach, 8. Febr. Erst wenige Tage waren es, daß wir eines unserer besten Mitglieder zu Grabe gettagen hatten, Herrn Salomon Stern und o standen wir schon wiederum an diesem Ort, um Herrn Isaak Rosenthal, der nach kurzem, standhaft ertragenem Leiden im blühendsten Mannesalter abberufen wurde, die letzte Ehre zu erweisen. Auf Herrn Rosenthal hatte sich die Frömmigkeit und Mildtätigkeit seiner Eltern vererbt,' wie fie stand er allezeit den Bedrängt n und Hilfesuchenden mit Rat und Tat bet und brachte ihnen eine offene Hand und ein warmes Herz entgegen. Er hing mit seinem ganzen Empfinden an unseren heiligen Ueberlieferungen. Auf dem Friedhof, wohin seinen irdischen Resten eine große Trauergemeinde folgte, würdigte Herr Rabbiner Dr. Kahn aus Wiesbaden t ie Gottesfurcht und die Verdienste des erklärten. — Der Hintritt der beiden Männer, die wir in den letzten Tagen zur Ruhe geleitet, bedeutet für unsere Gemeinde einen schweren Verlust. B yreuth, 7. Febr. Am 31. Januar starb hier der Generarzt a. D. Dr. Stein im Alter von 85Jahren. Rach zweijähriger Tätigkeit als Assistenzarzt am Münchner Krankenhause ttat er 1840 als Militärarzt Zunächst ins 13. Infanterie-Regiment, später ins 6. Chevauleger. Regiment ein, dem er 20 Jahre angehörte. Er machte die Feldzüge der Jahre 1866 und 1870 mit und wurde durch die goldene SanitätSmebaille und das eiserne Kreuz ausgezeichnet. An der Beerdigung nahmen u. a. teil General Böhm, daS Offizierskorps des 6. Chevauleger- Regiments, Offiziere des 7. Infanterie-Regiments, die Sanitätsoffiziere, Bertteter der Regierung, der Verein ehemaliger Angehöriger des 6. Cheoauleger-Regiments, der Veteranen» und Kriegerverein, eine Unterofftziers- und Mannschaftsdepuiation des 6. Chevauleger-Regiments. Am Grate gedachte Regimentskommandeur Fürer von Haimendorf der hervorragenden Tätigkeit des Verstorbenen während seiner Dienstzeit, insonderheit während der Feldzüge der Jahre 1866 und 1870. Namens des Sanitätskorps wies Oberstabsarzt Dr. StöbäuS auf die vorbildlichen Leistungen des Heimgegangenen hin. Paris, 1. Febr. Generalprokurator Man au, der in der Dreyfus-Affäre als einer ter Ersten mit warmen Worten für die Unschuld Dreyfus' einttat, ist im 85. Lebensjahre in Paris gestorben. DnickfcMerbtricMidmig zu dem Artikel „Noch einmal der Jeruschalmi Geber Kobaschim" in voriger Nummer: Seite 17, Note 2 ist vergessen anzugeben, daß das Schreiben der Redaktion vorlag. — Das. statt rrw muß es heißen nw- — Note 3 statt „Tonart andeutet" ist zu lesen: „Tirabe bedeutet." — Seite 19, col. 1 unten. nach „Groß Wardein er Rabbiner" ist einzufügen „ihm/- — Seite 19, col. 2, zweiter Absatz, zweite Zeile, statt „von Algast," ist zu lesen „ein Algafi." Statt rn!?pD ab) VODD muß es heißen: afy vnspD — Sette 13, col. 1 Mitte: s att Chajm Benv. soll das „Werk des Bruders" muß es heißen: „Salomon Al« §asi soll das Werk Benvenitts erst nach zehn kahren erhalten." — Sette 13 col. 3 unten statt ‘rottflon muß sein yDWKn (ed. Auerbach). - Las. statt „recht unwahrscheinlich^ muß es heißen: „nicht unwahrscheinlich". Uertin$kaUit<ler. Verein Mekor-Cbajtm (Schützenstraße 2): Sonntag, 16. Februar, abends 6 Uhr, Vorlesung des Herrn Prof. A. Wehl aus „Sefer Schauftim. Jüdischer Frauenverein. Montag, dm 17. Februar, abends &% Uhr im Saale deS Kaufmännischen Vereins, Lanaestraße 26: „Das Märchen und das Kind". Referenttn: Frl. Helene Posen. Diskussion. SMNksrtt«. Nach M. Wir unterbreiten Ihre Anftage dem Leserkreis: Ist jemand bekannt, daß gespaltene Erbsen nicht benutzt werden und auS welchem Grunde? E. G. Wenden Sie fich, bitte, an Herm Rabbiner Dr> M. Hildesheimer, Berlin, Ltnienstr. 111. Sabbat-Anfang u. Ausgang. .mxn ORT: Anfang Datmm Ausgang UhriMin. 1908 5768 UhrlANu. 15.3=eö. 13. Adar. Sfraitff«rl *. M 5 15 6 30 Berit« .... — — 5 59 Mü»che» . . . 5 15 6 15 Strakburg . 5 30 6 30 Stuttgart. . . 5 15 6 22 Pose« .... — — 5 45 Nürnberg . . — — 6 15 Hamburg. . . — — 6 15 Prag. — — 5 00 TamillcBnacftrlcWcn. Verlobt: Emma Rosenheimer mit Wolff Lands b e r g er. Frankfutt a. M.-Heilbronn. Vermahlt: Aron Schwarzschild mit Hedwig geb. Cohn. Frankfurt a. M. Geburten: Ein Sohn: Dr. Jakob Feuchtwanger (Hackenbroch); Max Philipps; Zahnarzt Sally Lehmann (Rapp) Frankfurt a. M. — Eine Tochter: Moritz Maler (Schiff) Frankfurt a. M. Verstorben: Leop. Mestheimer. 40 I.; Leopold Löwenstein. 63 I.; Josef Selig, 37 I.; Ferdinand Levi, 59 I.; — Frankfurt a. M. — Jakob Cramer. 97 I.: Rosa Feuchtwanger. 60 I. Fürth i. B.

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