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Der Israelit · 1908-02-13 · Heft 7 (13.2.1908) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 7 (13.2.1908)
Date
1908-02-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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«U. V. ■ , . L« J»««Üt. 9M Hakb zu Ende sein wird. Die Kultvsregierung . hat nämlich angeordnet, daß das Urteil oes auf Basis der gesetzlich bestehenden orthodoxen Autonomie designierten Schiedsgerichtes vollzogen und eine Neuwahl durchgeführt werde. Die Herren Usurpatoren sind aber noch im Besitze des Gemeinoesiegels und gerieren sich noch immer als die legalen Vertreter der Balafsa-Gyarmater orthodoxen Gemeinde. Unter orthodoxer Flagge üben sie Hochverrat an den heiligsten Interessen des orthodoxen Judentums. Uno es sind „liberale", akademisch gebildete Männer, Aerzte, Advokaten, Techniker und reiche Protzen, die mit einem so ausgeprägten idealen Rechtssinn Orgien feiern! Die gesetzestreuen Mitglieder dieser orthodoxen Gemeinde haben gegen solch frivoles Treiben ein energisches Protestschreiben veröffentlicht. Budapest, 10. Febr. Der Verein „Tifereth Bachurim" in Budapest, der sich die Vermittlung von Stellen in am Sabbath geschlossenen Geschäften angelegen sein läßt, hat jetzt eine rege Propaganda eröffnet. Er giebt in diesen Tagen rum erstenmal ein gleichnamiges Organ heraus, das von nun an allmonatlich erscheinen soll. Die erste Nummer enthält auch eine Vakanzenlifte und einen Aufruf, in welchem er die gesetzestreuen Juden aussordert, offene Stellen ihm mitzuteilen und sich bei Stellengesuchen seiner Vermittlung zu bedienen. In einem gleichzeitig abgedruckten Schreiben fordern Rabbiner K. Reich und Kanz- Mpräsident Frankel die Gemeinden auf, den Appell des Vereins durch Anschlag an den Synagogentafeln weitesten Kreisen mitzuteilen. Wir wünschen der Arbeit des Vereins „Tifereth Bachurim" besten Erfolg und hoffen, daß er im Bunde mit der Preßüurger Bereinigung der 'nü'itr mtP und der jüngst im Oedenburger Komitat gegründeten Vereinigung, die den gleichen Zweck verfolgt, eine wohlorganisierte Tätigkeit zur Heilighaltung des Sübbaths anbahnt. Eisen st ad t, im Febr. Gelegentlich der Abänderung unserer Gemeindestatuten haben es die neuen Weisen unserer alten Kehillah für klug und praktisch gefunden auch den steuerzahlenden Frauen das Wahlrecht einzuräumen. Das Präsidium der orth. Landeskanzlei war aber so unritterlich diese Bestimmung aus dem Grunde nicht zu bestätigen, weil „die Beteiligung von Frauen am politischen Gemeindelehen den jüdischen Traditionen nicht entspricht". Der Kultusminister bat diesem Gutachten entsprechend der erwähnten Bestimmung die Sanktion verweigert. grcmfereidj. Paris, 7. Febr. Unter dem Vorsitze des Kqrvns Edmund Rothschild vollzog das aus 70 Mitgliedern bestehende Konzilium die Wahl des Grotzrabbiners von Frankreich an Stelle des Verstorbenen Großrabbiners Zadoc Kahn. Gewählt wurde der Lyoner^Großrabbiner Alfred Ltvy mit 35 gegen 29 Stimmen, die auf den Schwiegersohn Zadoc Kahns, Israel Levy, sielen. Petersburg, 4. Febr. Am 20. Januar sollten die Wahlen von Bevollmächtigten für die Wahl des Kronrabbiners stattfinden. Es kam aber nicht die genügende Zahl Wähler zusammen; der neue Wahltermin ist auf den 18. Februar angesetzt, unabhängig von der Zahl der erschienenen Wähler. In der großen jüdischen Masse besitzen nur 1411 Personen das Wahlrecht. Petersburg, 10. Febr. Der Podolier Gouverneur hat an die Lokalbehörden seines Gouvernements die Verordnung erlassen, daß in die Pässe für jüdische Reservisten oder ausgediente Soldaten, welche im russisch-japanischen Kriege eine Auszeichnung erhalten haben, die Beschränkungen bezüglich des Wohnrechtes, welche sonst in allen an Juden ausgefolgten Jnlandspäffen vermerkt zu sein pflegen, nicht eingetragen werden sollen. Ein weißer Rabe! Jekaterinoslaw, 10. Febr. In den jüdischen Kolonien des Chersoner und Jekaterinoslawer Gouvernements herrscht, wie dem „Hed Hasman" gemeldet wird, große Hungersnot. Nicht genug damit, haß der Bodenbesitz des jüdischen Kolonisten verhältnismäßig sehr gering ist, war die Ernte der letzten Jahre und besonders die letzte, eine schlechte. Die Stadtverwaltungen verweigern den jüdischen Kolonisten jede Hilfe. Uen»i$d>fe$. Aus Bayer», 5. Febr. Das soeben im Drucke erschienene Amtsha-bbuch des oberpfälzischen Schulwesens nach dem Stande vom 1. Januar 1908, enthält sechs jüdische E emcntarschulen, die fich auf folgende Plätze verteilen: Regensburg mtt 19 Werktagsschülern, Neumarkt mit 19 Wtrktagsschülern, Weiden mit 22 WerktagS- und 2 Feiertagsschülern, Sulchürg mit 12 Werktags¬ und 4 Fetertagc schillern, Floß mit 6 Werktags- und -ulzbuch mit 1 Werktags- und 1 Feiertagsschüler. Unter dem Lehrpersonal haben die H. H. Kahn, Oberlehrer in Ncumar t 47 und Hauptlehrer Jonas Wetzlar in Floß 44, Haupt'.ehrer Behr-RegenSburg 33, Oppenbeimer-Sulzbürg 26, L tein-Sulzbach 23 und Strauß Weiden 12 Dienstjahre. Am längsten wirkt am gleichen Platze Wetzlar-Floß, nämlich 3V Jahre. Ihm reihen sich an: Kahn mit 24, Behr 23, Oppenheimer 23, Stein 12 und Strauß mit 11 Jahren, ein erfreuliches Zeichon für Lehrer und Gemeinden. Unter den pensionierten Lehrern des Kreises befindet fich nur ein jüdischer und zwar Herr Aschur Bechhöfer, z. Zt. in Jerusalem, mit 15 Dienstjahren, geb. 1850,in den Ruhestand getreten am 1. Mai 1884. Sein Wirkungsort war Sulzbürg. r Strnyburg t. E , 11. Februar. Bor kurzem wurde an der hiesigen Universitär ein Student der Pharmazie relegiert, weil er einen Kommilitonen, e nen tuden tätlich beleidigt hatte. Ein von einer Anzahl erren bei dem Rektor eingereichtes Gnadengesuch hatte keinen Erfolg. .sc* . ■****&§ irWmsm Wie«, 6. Fabr. Am 5. Februar erschien die 24jähr. Dienstmagd Marie Biela aus Mödrttz bei Trautenau tm Rademptoristenklvster in Währing und teilte mtt, daß sie aus ihrem Die störte geflüchtet sei, weil ihre Dienstgeber an ihr einen Ritualmord verüben wollten. In Begleitung einer Schutzdame der W-ener Bahnhofmtssion wurde das Dienstmädchen zum Poltzeikommtffariat geschickt, wo man die Anzeige erstatte'e. Lie erzählte dort, daß ste bet einer jüdischen Familie bedienstet gewesen sei. Der Mann sei Arzt, übe je och seine Praxis nicht aus. Das Mädchen nannte Namen und Adresie der Familie. Bor drei Wochen schon sei ihr, als ste schlief Blut abgezapft worden. Am nächsten Morgen fühlte ste Stiche am linken Oberarme, ste sei müde und abgespannt gewesen und konnte den Arm nicht bewegen. Mont g habe sie gehört, wie der Schwiegervater der Frau sagte, baß man das Mädchen jetzt keine» wcgs entlassen dürste, da man zu den bevorstehenden Osterfetertagen B ut brauche. Das Mädchen blieb fest dabei, diese Worte vernommen zu haben. Das Kommissariat ve anlaßte trotz der off nbaren Unwahrheiten in den Angaben des Mädchens Erhebungen, welche ergaben, daß der Arzt unk» seine Frau, soweit fich nur verfolgen läßt, christlicher Abstammung find. Die Feststellung, daß der Mann und die Frau Katholiken find, hatte zur Folge, baß gegen das Dienstmädchen die Anzeige wegen Irreführung der 'i ehörde erstattet wurde. Wie», b. Februar. Ter im 9. Bezirk wohnhafte Arzt Dr. Ferdinrnd Kronfeld fuhr am 29. Dezember gegen 11 Uhr Vormittags zu einem Patienten in der Brunnengasse im 16. Bezirk. . Als er in diese Gaffe einbog, sammelten sich dü Marktleute, die dort ihre Standplätze haben, um der Wagen und wollten ihn. nicht passieren lassen, weil dies nach ihrer Ansicht zur Zeit des Marktes nicht ^stattet sei. Der Obsthändler Daniel Dworaczek .ieß das Fenster des Wagens herab und schrie: „Sr einen schäbigm Juden sollte mau üi unsere Gebend gar nicht hereinlassen, man soll ihm den Schädel einschlagcn!" Der Arzt stieg aus dem Wagen und wollte rasch zu Fuß in das Haus des Patienten gehen. Auch jetzt noch riefen Dworaczek und seine Frau, man sollte dem Juden den Schädel einschlagru. Dworaczek titulierte den Arzt mit „Saujud!" Bar dem Bezirksgerichte fand dann die Verhandlung über eine Ehrenbeleidigungsklage des Dr. Kornfeld gegen das Ehepaar Dworaczek statt. Die Klage vertrat Dr. Sanruely, die Verteidigung Dr. Pupovac. Die Beklagten behaupteten, der Kläger habe trotz eines polizeilichen Verbotes dem Kutscher den Auftrag gegeben, in die Brunnengasse zu fahren, und aus dem Wagen einen breirnenden Zigarrenstumpf geworfen: er habe auch aus dem Wagen gespuckt. Mehrere vernommene Marktleute bestätigten dies, Dr. Kornfeld bestritt es entschieden. ..Der Einspännerkutscher Philipp Schacherer, dex den Arzt fuhr, sagt, daß Dr. Kornfeld sofort bedroht wurde und weiß von einem provozierenden Benehmen desselben nichts zu berichten. Eine Verkäuftrin von Eiern und Butter, Magdalene Loch, sagt, daß kein Lexikon so viele ^chimpsworte habe, als gegen den Arzt fielen. Nach einer anderen Aussage schne man: „Hepp, hepp, der Jud' ist da!" Der Richter verurteilte Daniel Dworaczek im Sinneder Klage zu 28 Stunden Arrest, verschärft mit eine«! Fasttage. Das Verfahren bezüglich der Frau wurdebehufs Vorladung einer Zeugin ausgeschieden. Der Verurteilte meldet gegen Schuld und Strafe, der Kläger wegen zu geringer Strafe die Berufung an. Odessa, 1. Februar. Mit dem Worte „Expropriation" werden jetzt in Rußland die bewaffneten U:bersü'llc jener revolutionärer Freischärler b' zeichnet, die reiche oder für reich gehaltene Inden unter An- [ drohung des Todes brandschatzen oder berauben. Letzt- ' hin sollte nun beim Odessaer Rabbiner eine solche Expropriation vorgenommen werben. Der „Hed Hasman" schildert die Lebensgefahr, in welcher der allseits geachtete Rabbiner sich befand folgendermaßen: Vorigen Dienstag um die Mittagsstunde wurde ein bewaffneter Ueberfall auf die Wohnung des Rabbiners Joses Heilpenn irr Odessa verübt. Als es um diese Zeit klingelte, öffnete der in der Bibliothek des Rabbiners beschäftigte Diener die Borzimmertüre. Fünf junge unbekannte Männer und ein junges Frauenzimmer hatten Einlaß begehrt und auf. Befragen dies Dieners nach ihren Wünschen erzählt, daß sie in einer Scheidungsangelegenheit mit dem Rabbiner selbst sprechen müßten. Der Diener ließ die Gäste ins Empfangszimmer treten und dort Platz nehmen. Kaum waren die Räuber im Empfangszimmer,, zogen sie auch schon ihre Brownings aus der Tasche und riefen dem erschreckten Diener zu: „Schweige und rühre Dich nicht vom Platze, sonst schießen wir!" Nun eilte einer der Bande in die Küche und postierte sich mit gespanntem Revolver vor die Köchin, der ebenfalls mit Erschießen gedroht wurde, falls sie einen Laut hören ließe. Ein anderer besetzte den Eingang., zur „guten Stube". Dann betraten drei Männer und das Frauenzimmer mit je zwei Revolvern in der Hand ^Ls Studierzimmer des Rabbi, der eben mit dem Studium einer vor ihn gebrachten Angelegenheit zwischen zwei Eheleute« beschäftigt war. „Gib Dein Geld und den Schlüssel zum Getdschränk her!" begann nun die junge Expropriateurin. „Ich habe kein Geld," antwortete Rabbi Heilperin gelassen. „Gipst Du uns das Geld nicht heraus, so bist Du ein Kind des Todes!" Und von allen Seiten richteten sich die Revolver gegen den Kopf des Rabbi. Inzwischen kamen mehrere Besuche zunc Rabbiner. Alle wurden in ein Zimmer gebracht und dort unter „Aussicht" gestellt. Auch die Frau des Rabbiners, die beim Anblicke der bewaffneten Bande zu schreien begann, wurde in das Zimmer geführt, in dem sich die übrigen „Gefangenen" befanden. Unterdessen unterhandelten die Räuber mit dem Rabbiner, werter. „Gib bas Geld her, oder Du stirbst! Wähl' rasch eines von beiden!" schrie das Frauenzimmer. Nun war es auch mit der Ruhr des Rabbi zu Ende. Erregt schlug er mit den Fäusten auf den Tisch und befahl den Räubern, sofort die Wohnung zu verlassen. „So stirb denn!" kreischte das junge Weib und gab einen Schuß gegen den Rabbiner. Zum Glücke verfehlte die Kugel ihr Ziel. Selbst erschrocken durch die Detonation des Schusses, ließen die Expropriateure von ihrem Vorhaben plötzlich ab und schlichen sich einzeln aus der Wohnung des Rabbi. Und dieser fast unglaublich klingende Vorfall ereignete sich, wie eingangs erwähnt, um 12 Uhr mittags in einem Hause, das auf einer belebten Straße Odessas steht. Alexandrien, 1. Febr. Aus Alexandrien wird dem. „Jewish Chron.cle" gemeldet: Der Oberrabbiner von Alexandrien unternahm am 17. Januar in Begleitung, feines Sekretärs und eines Mohels eine Jnsp kttonSreife nach Chartum. Zweck dieser Reife ist, in der Hauptstadt des Sudan, Chartum, eine jüdische Gemeinde zu organtsteren und den ersten Rabbiner dieser neuen Gemeinde/ der gleichzeitig die Fun ttonen eine- Mohel zu versehen haben wirb, zu installieren. Seit einiger Z»it hat sich eine große Zahl alexandrinischrr Juden, sowie Juden aus anderen Teilen Aegyptens imudün angeficdett und daselbst große HanbelsetabliffementS gegründet. Bald kamen auch die Familienmitglied, r dieser Anfiedler nach und bildeten auf diese Weise eine recht ansehnliche jüdische Kolonie. So e tstand bald eine jüdische Gemeinde. Ein Haus wurde für Synagogenzwccke gemietet, eine Sefer Thorab besorgt und wsabbattch fand regelmäßiger öffentlicher Gottesdienst statt. Es fehlte jedoch noch ein Rabbiner^ an den nmn fich in riiuellen Fragen hätte wenden können. Noch mehr machte sich der Mangel etnrS MohelS fühlbar. Die wohlhabenden Juden brachten ihre Neugeboreen m ch Kairo, um ste innerhalb der vorgeschriebenen Frist in den Bund AbrahamS aufnehmcn zu lai.en, diejenigen jedoch, die fich eine solche Retse aus irgendetnem Grunde nicht leisten konnten, verschoben die Zirkumztfion auf spätere, geeignetere Zeit. Um diesen Üebelstmchen abzuhelfen, reiste jetzt Oberrabbiner Hazan nach Chartum. Er hat de Absicht bei dieser Gelegenheit auch einige Tage in der Stadt Asiouan zu verweilen, wo eine kleine jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge besteh'. Oberrabbiner Hazan will auch den Anlaß wayrnehmen, die Insel Elephantine, auf welcher, wie bekannt jetzt für die jüdische Geschichte äußerst wichtige Ausgrabungen und Papyrusfunde gemacht wurden, zu besuchen. Er beabfichttgt, über seine interessante Reise einen Bericht auszugcben. N wyork, 1. Febr. In der jüdischen Gemeinde Paterson im tz-taate Newyork bildet ein interessanter - t eit das Tagesgespräch, der zwischen dem gewesenen Bürgermeister Nathan Barnett und der Milchen Gemeinde ausgebrochen ist und wahrscheinlich zu einem Prozesse

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