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Der Israelit · 1908-02-13 · Heft 7 (13.2.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 7 (13.2.1908)
Date
1908-02-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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M 7. LS. Tebruar 1908. &S==S=z . > . . =--— t , genossenschaft für fertige Handarbeiten. Die Geuoffenschaft gewährt jeder Strickerin einen Vorschuß in derselben Höhe des Preises, den ein Händler für die Ware zu zahlen pflegt. Die Artige Handarbeit jedoch soll erst im Sommer durch ein Komitö von reichen Damen in den Sommerfrischen und Bädern verkauft werden, da auf diese Weise bessere Preise erzielt werden können. Am Schlüsse des Jahres wird dann Abrechnung gepflogen und die Arbeiterinnen erhalten den effektiven Erlös ihrer Arbeit, abzüglich einer geringen Verzinsung des Genossenschaftskapitales. So soll vermieden werden, daß der Zwischenhändler sich tut der mühseligen Arbeit armer Frauen und schwacher Mädchen bereichere, und diesen — wie dies jetzt der Fall ist — ein Verdienst von höchstens 30 Hellern pro Tag bleibt. Es wurde beschlossen, die nötigen Schritte zur Durchführung dieses Antrages — der, nebenbei gesagt, in Amerika se^r erfolgreiche Vorbilder hat — zu unternehmen Die -weite wichtige Angelegenheit, die zur Beratung vorlag, betrifft die in den Vereinsstatuten vorgesehene Regelung des Wohltätigkeits-beziehungsweiseGelduntsrstützungswefens, das in Galizien sehr im Argen liegt und vielfach mißbräuchlich gehandhabt wird. Diese Angelegenheit wurde einem Subkomite überwiesen, das in ganz kurzer Zeit seine Vorschläge zu machen haben wird. Ungar«. ' Versammlung öer orfh. Lanöesrepräfenfan?. (Von unserem Korrespondenten). B u d a p e st, den 11. Februar. Eine außerordentliche Sitzung der orthodox e n L a n d e s v e r t r e t u n g hat heute stattgesunden. Trotz der rauhen Witterung waren die Mitglieder fast vollzählig herbeigeeilt, um gegen die neologe Zumutung, behufs Schaffung einer einheitlichen Organisation einen allgemeinen jüdischen Kongreß abzuhalten, in feierlicher und energischer Weise Stellung zu nahmen. Tiefe Stille herrschte im Saale, als der Vorsitzende, Adolf Frankl, die Situation besprach. Im Verlaufe seiner Ausführungen erinnert der Präsident an das Zirkular, welches er in Angelegenheit des neologischerseits geplanten Judentages an die Gemeinden gerichtet, und konstatiert mit Genugtuung, daß seine Gegenaktion vom gewünschten Erfolg begleitet war. Vorsitzender legt ferner vor den vom 15. Januar laufenden Jahres datierten Erlaß, des Kultusministers, in welchem der Minister die Kanzlei auffordert, sich gutachtlich darüber zu äußern, welche Verfügungen sie zur Herbeiführung eines israelitischen Landeskongresses für zweckmäßig erachten würde, der berufen wäre, eine einheitliche Organisation der israelitischen Konfession zu schaffen. Eine tiefernste Stimmung bemächtigte sich aller Anwesenden beirn Anhören dieser Ausführungen. Tie erschienenen Repräsentanten hatten ja genaue Kenntnis von dem Ministerialerlaß. Als sie aber offiziell diese Kundgebung vernahmen, regte sich in ihnen der alte Geist, das Gefühl des rvn'cö trsin, mit dem vor 36 Jahren die orthodoxe Autonomie gerettet und erobert wurde. Der Vorsitzende knüpfte an diesen Erlaß wehmütige Erinnerungen, wie in dieser langen Reihe von Jahren das gesetzestreue Judentum immerfort von den neologen Gewalthabern bedroht war. Die gesamte Tätigkeit der neologen Leitung bestand nur darin, die orthodoxe Judenheit anzugreifen. Niemals sind die Neologen für das Selbstbestimmungsrecht der Judenschaft eingetreten, sondern sie arbeiten fortwährend an der Einschränkung und Verkürzung derselben. Sie freuten sich, wenn es ihnen zeitweilig gelungen war, die vom König sanktionierten Rechte des orthodoxen Judentums zu konfiszieren, und jammerten bitterlich, wenn diese Rechte wieder hergestellt wurden. Wie in der Vergangenheit, so wird auch, in der Zukunft das gefetzestreue Judentum eifersüchtig darüber wachen, daß unsere heilige Religion, der unver- Der. JSraeltt. fälschte Väterglaube frei, ohne jeden Gewissenszwang ausgeübt werden könne, und daß die Anhänger des einzigen, wahren, unverfälschten Judentums nicht ins neologe Sklavenjoch geraten. Vorsitzender legte auch die vom Kanzlei-Präsidium auf das ministerielle Reskript erteilte Antwort vor, die dahin lautet, daß die Orthodoxie in einen gemeinsamen, mit den Neologen äbzuhaltenden Kongreß unter keinen Umständen willigen könne. Tie Ausführungen des Präsidenten wurden mit großem Interesse angehört. Sowohl das eingangs erwähnte Zirkular, als auch die offizielle Antwort auf den Erlaß wurden von der Repräsentanz mit einhelliger Zustimmung zur Kenntnis genommen und der Zentralleitung für ihr zielbewusstes Streben und speziell dem Präsidenten Frankl für seine aufopferungsvolle Tätigkeit das aufrichtigste Vertrauen auch für die Zukunft ausgesprochen. Durch die zündende Rede des.Vorsitzenden zog allmählich wieder Beruhigung in die Gemüter ein. Jeder fühlte sich überzeugt, daß die Kultusregierung, der das gesetzestreue Judentum so viel zu danken hat, sich zu einem Gewissenszwange in keinem Falle hergeben werde. Gleichzeitig mir der orthodoxen Landesvertretung tagte in Budapest auch eine außerordentliche Versammlung der neologen Distriktspräsidenten. Eine Abordnung derselben erschien beim Kulutsminister in Audienz. Ter neologe Kanzlei-Präsident Mezei dankt für den Erlaß betreffend die Einberufung eines gemeinschaftlichen Kongresses und versprach, daß seine Partei mit weitestgehender Friedfertigkeit verfahren werde. Er übernehme, so erklärte er, die Verantwortlichkeit dafür, daß die einheitliche Organisation so ausgestaltet werden würde, daß jede Richtung barin Platz finde: die konfessionelle Einheit der beiden jüdischen Lager soll nur im Verhältnis zum Staat und zu anderen Konfessionen in die Erscheinung treten. Kultusminister A p p o n y i antwortete auf die Ansprache Mezei's er bedauere, daß man ihnt einen Vorwurf daraus mache, daß ihm in zwei Jahren nicht gelungen sei, was seinen Vorgängern in vierzig Jahren nicht gelang. Ich begreife, fuhr der Kultusminister fort, Ihre Ungeduld, aber es handelt sich hier um Fragen, die ich nicht verstehe, und die ich, selbst wenn ich sie verstünde, mit Rücksicht auf die Gewissens- und' Glaubensfreiheit, die die Grundlage meines Wirkens bilden, doch zu entscheiden nicht kompetent wäre. Ich gelangte daher zu dem Entschlüsse, beide Parteien anzuhören. Er wünsche, so erklärt Exzellenz Apponyi, nur eine solche autonome Organisation, innerhalb deren niemandes Gewissensfreiheit Abbruch geschehe. Er könne sich unter keinen Umständen dazu verstehen, die Gewiffensfreiheit anderer, ob es viele oder wenige feien, zu verletzen. Staatssekretär Toth, bei dem dann die neologe Abordnung versprach, gab dieselbe Erklärung ab. Die orthodoxe Landesverfammlung beschloß mit Rücksicht auf diese zufriedenstellende Antwort des i Ministers und des Staatssekretärs an die neologen Distriktspräfidenten, von der ursprünglich beabsichtigten Entsendung einer Deputation gn das Ministerium abzusehen, und entschied sich dafür, bei der Kultusregierung ihr Vertrauen und ihre Wünsche schriftlich zum Ausdruck zu bringen. Budapest, 10. Februar. Zur Erklärung Friedländers (Nr. 6, Litter. Warte S. 20) habe ich folgendes zu bemerken: Es ist nicht richtig'' daß der Szatmarer Oberrabbiner Herrn Frieoländer es gelegentlich empfohlen habe, mit den Rabbinern in Budapest Rücksprache zu nehmen,' vielmehr erhielt der genannte Oberrabbiner eine direkte Voröder Einladung vom orth. Landespräsidenten Adolf Frankl zugeschickt, um dieselbe Herrn Friedländer zu übermitteln. Herr Oberrabbiner Grünwald verständigte auch die Kanzlei, daß er die ruo?n dem Herrn Friedländer zugeschickt habe, er wisse aber nicht, ob er selbst zu Hause sei. Das höfliche Schreiben, welches Fried- ._ Sette 7. länder angeblich an den Kanzleipräsidenten abgehen ließ, hat Adressat nicht erhalten. Herr Friedländer hat eben ein eigenes Schicksal mit seinen Briefen und Schriften. Unter der Hand verschwindet ihm alles, was chm nicht gelegen kommt. In Anbetracht der vielen Abenteuer, die mit den Enthüllungen Friedländers in Verbindung stehen, hat Herr Friedländer in ernsten, wissenschaftlichen Kreisen jeden Kredit verloren. Man hält ihn nicht für einen K2DD "Q und mit dem systematisch betriebenen Versteckenspielen wird er weder sich noch seinen rehabilitieren. Bon seinem berühmten Schüler und von chm selbst ist jetzt eine Schmähschrift unter dem Titel niy irschienen. Die Kritiker und Zeitschriften, welche die Wahrheit suchen, werden da einzeln und kollektiv mit Jnveftiven abgetan. Der Schüler selbst mit seinen Rabbinats-Jnitialen £"d hat sich bisher ebensowenig legitimiert, wie sein Lehrer mit seinem Doktorat und den diversen Prädikaten: Algasi, Sefardi, k2"v, Diese wissenschaftliche Taschenspielerei muß aufhören, selbst in dem Falle, wenn es sich in der Hauptsache nicht um eine Fälschung Friedländers handeln sollte. Friedländer muß vor einem pi itq erscheinen. Die Briefe, Handschriften, Stenogramme, Urkunden und Beweise müssen von einem Kollegium H2122 njnn 21L"1 auf ihre Echtheit geprüft werden,nn jnn Usurpation. (Bon unserem Korrespondenten) Budapest, im Februar. Die neologe Presse paradiert wieder mit einer zeigemäßen Sensation. Die Repräsentanz der Balaffa-Gyarmater orthodoxen Gemeinde hat an den Kultusminister eine Eingabe gerichtet, in welcher diese orthodoxe ,Repräsentanz" nichts weniger verlangt, als daß die vom König sankttonierte orthodoxe Autonomie ganz einfach konfisziert werde. Diese „Orthodoxen" sagen dem Minister, daß eine gesetzwidrige Regierung den gesetzwidrigen Zustand geschaffen habe, denn es gebe kein orthodoxes Judentum, und die vaterländischen Gesetze kennten auch nur ein einziges, einheitliches Judentum. Gleichzeittg hat der ehrsame „orthodoxe" Vorstand an alle orthodoxenGemeinden des Landes eine Aufforderung gerichtet zum Anschlüsse au die erwähnte Eingabe und zur Beteiligung an einer eventuellen Konferenz, welche behufs Vereinbarung einer gemeinsamen Stellungnahme gegen die in Kraft befindlichen Organisation abzuhalten wäre? Selbstredend herrscht im Neologenlager ungeheurer Jubel über die Heldentat dieser ,,orthodoxen" Gernegroße. D i e Frage, warum diese Herren ihre Gemeinde eigentlich nicht auf Basis des Kongreßstatutes glücklich machen, chat das neologe Organ garnicht aufgeworfen. 'Und die Sache liegt doch so einfach. Wenn dieser nette Kultusvorstand und diese noch nettere Repräsentanz in der Tat die legale Vertretung der orthodoxen Gemeinde bilden, dann wäre es doch viel praktischer, der ortho^ doxen Verfassung ganz einfach den Rücken zu kehren. Der wirkliche Sachverhalt spricht aber eine viel deutlichere Sprache und lehrt eindxinglichst, daß eine gesetzestreue Gemeinde auch gesetzestreue Juden zu ihren Vorstehern zu wählen hat. Bei den jüngsten Vorstandswahlen in dieser Gemeinde haben nämlich die Neologen — wie bereits berichtet — einen kleinen Staatsstreich ausgeführt. Durch allerlei Wahlmanöver ist es ihnen gelungen, die Gemeindeherrschaft an sich zu reißen. Die orthodore Mehrheit hat gegen diesen Putsch protestiert. Es wurde festgestellt, daß von den 150 abgegebenen Sttmmen 78ganzzweifellosden orthodoxen Kandidaten zusielen. Ein konfessionelles Schiedsgericht hat auch diese Wahl für ungültig erttärt. Die Ehrenmänner haben aber soviel Takt und Selbstbewußtsein, daß sie sich nicht ohne weiteres aus dem Sattel heben lassen. Sie wollen nur der Brachialgewalt weichen und nur als Märtyrer das Schlachtfeld verlassen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Herrlichkeit dieser Gewalthaber

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